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Starkes Interesse an 3D und VR

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Starkes Interesse an 3D und VR

Der Verband Deutscher Tonmeister e.V. hat im November letzten Jahres die 29.Tonmeistertagung in Köln mit Erfolg über die Bühne gebracht. Neben der Ausstellung bot vor allem das Tagungsprogramm viele spannende Informationen. Highlights dabei waren 3D-Audio-Präsentationen und ein vom Institut für Rundfunktechnik (IRT) organisiertes Tagesprogramm zum Thema „360 Grad – Virtual Reality“. Das Besucherinteresse hier war enorm.

Die 29. Tonmeistertagung (17. bis 20. November 2016) präsentierte sich mit einem starken Tagungsprogramm, einer großen Ausstellung und vielen hochkompetenten Besuchern. Vom klassischen Tonmeister bis hin zum Beschallungsexperten, vom Wissenschaftler zum Auszubildenden und vom Producer zum Tonassistenten traf sich die gesamte Audiobranche zum fachlichen Austausch und persönlichen Netzwerken.

Der VDT hat die Tagung dazu benutzt, sich noch weiter zu öffnen. Zum ersten Mal waren neben Mediengestaltern auch Veranstaltungstechniker mit Schwerpunkt Ton ganz explizit eingeladen. „Die Branche wandelt und verbreitert sich und der VDT als Berufsverband folgt diesem Trend seit Jahren“, kommentiert Carlos Albrecht, Präsident des VDT, die Entwicklungen. Mit dem Azubi-Forum, dem seit Jahren im Rahmen der Tonmeistertagung abgehaltenen Live Mixing Workshop, der TMT Academy und dem Education Forum kam auch der Branchennachwuchs voll auf seine Kosten.

Der große Saal, der Adenauersaal im Erdgeschoss, beherbergte diesmal den Themenschwerpunkt Musical/Bühne, der sich zum Beispiel mit Fragestellungen wie Szenenautomation und dem Management großer Funkanlagen einschließlich Intercom beschäftigte. Ein weiteres, dazu passendes Feld waren aktuelle Trends in der Beschallungstechnik. Am Eröffnungstag fand hier auch der Live Mixing Workshop statt, mit dem die Hersteller d&b audiotechnik, Sennheiser und Yamaha mit Unterstützung der Veranstaltungstechnikprofis von Neumann&Müller und dem Fachmagazin Production Partner besonders das junge Publikum rund um die Veranstaltungsbranche erreichten. In drei Stockwerken verteilte sich auf 2.400 qm eine umfangreiche Ausstellung mit mehr als 130 Ausstellern und gut 200 Marken. Besonders die enge Verzahnung von Ausstellung und Kongress war wieder der Garant für die Besucher, ihre Zeit besonders effektiv und ohne lange Wege nutzen zu können. Die Aussteller freuten sich im Gegenzug über das inhaltlich sehr interessierte, hochkarätige Publikum. 

Umfangreiches Kongressprogamm

Mit Hilfe von Invited Sessions, bei denen die Koryphäen der Branche zu ihrem jeweiligen Fachgebiet eine thematisch runde Beitragssession organisiert hatten, konnte das Kongressprogramm noch vielfältiger als in den letzten Jahren gestaltet werden. Die immerhin 14 Invited Sessions (von insgesamt 28 Themen-Sessions) reichten von 3D-Recording über Future of Broadcasting bis zu Speech Intelligibility in Broadcast. 

Neben der thematischen Breite gab es auch aktuelle Themenschwerpunkte. Der große Saal im Erdgeschoss beherbergte diesmal den Themenschwerpunkt Musical/Bühne, der sich zum Beispiel mit Fragestellungen wie Szenenautomation und dem Management großer Funkanlagen einschließlich Intercom beschäftigte. Ein weiteres, dazu passendes Feld waren aktuelle Trends in der Beschallungstechnik, bei denen zum Beispiel Technologien wie Beam-Steering oder Subwoofer-Array-Technologien besprochen wurden. Gleich mehrere Sessions widmeten sich der künstlerischen Gestaltung von Aufnahmen und Produktionen. Der VDT konnte dafür namhafte Größen aus der internationalen Szene gewinnen, und zwar sowohl aus der klassischen Musik, als auch aus den Genres Pop, Rock und Jazz. Einer der Vortragssäle war eigens mit einer flexibel nutzbaren, dreidimensionalen Beschallungsanlage versehen, die alle wichtigen Wiedergabestandards von Ambisonics, Auro 3D, Dolby Atmos und einiger Spezialformate ermöglichte. Der VDT hatte außerdem eine Signalverteilung für binaurale Signale samt 120 passender Kopfhörer für den Saal beschafft. „Die technische Ausstattung war diesmal immens, noch mals mehr als bereits bei der letzten Tonmeistertagung“, fasst Jörn Nettingsmeier (Vorstandsmitglied des VDT) zusammen, der für die technische Ausrüstung und den Betrieb der Räume während der Tonmeistertagung verantwortlich war. Der Einsatz hat sich gelohnt, bot der Saal doch eine seltene und in der Umsetzung hervorragende Möglichkeit, immersive Audio und binaurale Kopfhörerwiedergabe auf höchstem Niveau miteinander zu vergleichen.

Das Programm endete am Sonntag unter anderem mit einem starken Kinoton-Vortragsprogramm, das sich ebenfalls an das Schwerpunktthema 3D-Audio anlehnte. In der Nacht zum Sonntag baute die Technik-Crew dazu die 3D-Beschallungsanlage im Vortragsraum R3 auf eine normgerechte Kinobeschallung mit Dolby Atmos um. „Dieser Aufwand ist einmalig – wir haben das erste mobil aufgebaute Atmos-Kino präsentiert“, weiß Jörn Nettingsmeier.

Virtual Reality und 3D-Audio

Aufnahme- und Wiedergabetechnologien sowie ihre künstlerische Umsetzung für 3D-Audio und Virtual Reality beziehungsweise 360°-Video nahmen ebenfalls einen großen Raum ein. Dieses Thema ist aus seinem Nischendasein herausgekommen und wird in Kürze, so wurde auf der Tonmeistertagung deutlich, bis in die Consumer-Technik schwappen. Erste Smartphone-Hersteller haben bereits eine binaurale Wiedergabe angekündigt und auch die Autoindustrie sowie die Computerspiele-Hersteller sind sehr aktiv auf diesem Gebiet. Verschiedene Sessions beleuchteten neue Trends in der Entwicklung, Aufnahme und Produktion von 3D-Audio und Virtual Reality. 

Ein echtes Highlight auf der Tonmeistertagung war der IRT-Thementag „360 Grad – Virtual Reality“. Der Besucherandrang war über den ganzen Tag hinweg enorm. Das lag vor allem auch an den hochqualifizierten Referenten, die spannende Einblicke in die VR-Entwicklung boten. Zentrale Frage dabei war: Was machen TV-Sender bei Virtual Reality und 360 Grad-Audio/Video?

Peter Wolff von der VR-Werbeagentur Markemotion aus München gab zu Beginn einen allgemeinen Überblick zu VR, den Marktzahlen und den potentiellen Chancen dieser noch jungen Technologie. Um das richtige Erzählen der Geschichten ging es bei Astrid Kahmke vom Bayerischen Filmzentrum. Für sie spielt auch der Ton eine wichtige Rolle, weil sich damit die Blicke des Nutzers in der virtuellen Welt lenken lassen. ORF-Redakteur und Projektleiter Siegfried Steinlechner gab einen Einblick in die VR-Aktivitäten des österreichischen Senders. Er berichtete unter anderem über die VR-Produktion „Hahnenkammrennen 2016“, die mit 1,5 Millionen Aufrufen via Facebook große Aufmerksamkeit verzeichnen konnte. Kay Meseberg von ARTE betonte, dass sein Sender bei VR gleich auf mehrere Ausspielwege setzt: ARTE TV/360, ARTE 360 App, YouTube, Facebook und verschiedene Headsets. Die wichtigsten erzählerischen Herausforderungen bei VR-Produktionen führte Matthias Leitner von BR_Next in seinem Vortrag auf: Wer spricht? Was kann die Grafik? Wie oft schneiden? Wie erzählen? Authentizität vs. Inszenierung. Dr. Frank Melchior von BBC Research gab einen Einblick in die 3D-Audio-Entwicklungsarbeiten von BBC R&D und stellte erste animierte VR-Produktionen vor. Michael Weitnauer vom IRT bezeichnete als Schlüssel für immersives Audio die objektbasierte Audiocodierung, die es erlaubt alle existierenden Systeme und Lautsprecheranordnungen abzudecken. Im EU-Forschungsprojekt ORPHEUS werden derzeit die Grundlagen hierfür erforscht. Dr. Johannes Steurer von ARRI machte in seinem Schlussvortrag deutlich, dass die größte technische Herausforderung bei VR-Produktionen noch bei der mangelnden Bildauflösung liegt. Andere Faktoren, wie Bildwiederholrate, Blickfeld, Verzögerung und Bewegungsbereich seien hingegen bereits zufriedenstellend gelöst. 

Die nächste Tonmeistertagung – die als dreißigste TMT eine Jubiläumsveranstaltung wird – ist für den November 2018 erneut im Congress Centrum Nord der Messe Köln geplant. 

Eckhard Eckstein

MB 1/2017

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