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Suche nach neuen Erlösquellen

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Suche nach neuen Erlösquellen

Der SPOBIS 2017 (30. und 31. Januar) in Düsseldorf präsentierte sich vor rund 2.000 Gästen mit 20 Foren, 120 Referenten und neuen Formaten wie der Pre-Opener oder die Open Presentations. Geboten wurden aktuelle Informationen aus der Welt des Sport-Business. Auch Broadcast-Themen hatte Veranstalter Sponsors im Programm. Im Vordergrund stand die Suche nach neuen Erlösquellen in der digitalen Welt.

Auf Europas größtem Sportwirtschaft-Kongress sorgen innovative Partner-Foren und internationale Redner auf der Hauptbühne für spannende Brancheneinblicke. US-amerikanische Unternehmen wie Under Armour oder DraftKings berichteten, wie sie den europäischen Markt erobern wollen. Die Transformation der Medienwirtschaft in der digitalen Welt zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. 

Gleich am ersten Tag stand das Thema „Live-Übertragung für alle – wie Wige mit dem DFB den Sport demokratisieren will“ auf dem Programm. Es sprachen Peter Lauterbach, Geschäftsführer der Kölner Wige Media Group, und Friedrich Curtius, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Lauterbach präsentierte mit „Sporttotal.tv“ Wiges neues Amateursportportal. Die Sporttotal.tv GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Wige Media, stattet deutsche Amateurvereine künftig mit fest am Spielfeld installierten 180-Grad-Remote-Videokameras aus, die es erlauben, Fußballspiele in hoher Qualität und vollautomatisch live auf Sporttotal.tv zu übertragen. Der User kann über die Sporttotal-App selbst Regie führen, die Perspektive bestimmen und Szenen in sozialen Medien teilen. Das Streaming-Angebot ist über die sporttotal-App sowie über sporttotal.tv, BFV.de und FUSSBALL.DE, der Plattform des DFB für Amateurfußball, abrufbar. Die Nutzung des Angebots ist kostenfrei, das Portal finanziert sich durch Werbeerlöse. Die Kosten für die Kamera liegen bei 10.000 Euro, weitere 10.000 Euro sind notwendig, um das neue System auszurollen. Dabei werden diese Investitionskosten komplett von Wige getragen. Für die teilnehmenden Vereine fallen dabei ausschließlich Mietkosten an. „Die Margen im klassischen Geschäft sinken. Wir haben nach einem Modell in der Sportübertragung gesucht, das skalierbar ist“, meinte Lauterbach. In einer gemeinsamen Pilotphase mit dem DFB,  dem Bayerischen und dem Niedersächsischen Fußballverband wird Sporttotal.tv in der Rückrunde der Saison 2016/17 dabei im ersten Schritt Spiele aus der Regionalliga Nord sowie der Oberliga Niedersachsen und den Bayern-Ligen Nord und Süd übertragen. Angeboten werden die Bewegtbilder live sowie auf Abruf als Video-on-Demand. Ziel der Partnerschaft ist die Steigerung der Sichtbarkeit des Amateurfußballs. Derzeit ist die Kamera von Sporttotal.tv bei fünf Clubs installiert. Bis Mitte des Jahres sollen 50 Amateurvereine die Kamera einsetzen. Bis Ende des Jahres sieht der Businessplan, so Lauterbach, 200 Kooperationsvereine vor, Ende 2019 soll die Zahl der Partnerclubs auf 3.000 anwachsen. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, der für den DFB die Partnerschaft mit Wige und Sporttotal.tv geschlossen hat, betonte: „Wir haben ein Interesse, etwas für den Amateurfußball zu tun. Ich sehe eine riesige Chance. Es ist für uns ein Mehrwert, wenn zusätzliches Interesse generiert wird und vielleicht neue Sponsoren darüber gefunden werden.“ Dabei ist der DFB finanziell nicht an Sporttotal.tv beteiligt und soll vielmehr das Thema mit seiner Reichweite und seinem Breitensportportal Fussball.de pushen. „Wir sehen es als nächsten Schritt für Fussball.de, um jetzt auch Bewegtbilder anbieten zu können. Außerdem ist es eine Chance für den Breitensport und für andere Sportarten. Wir wären fahrlässig, wenn wir diese Chance nicht ergreifen würden“, meinte Curtius. Das Interesse bei den Vereinen sei jedenfalls sehr groß. Als Gründungspartner unterstützen Allianz Deutschland, Deutsche Post und Telekom Deutschland das Projekt. Die Telekom hilft bei Aufbau, Konnektivität und Übertragung, sowie mit einer zentralen Microsoft Cloud Infrastruktur aus Rechenzentren in Frankfurt/Main und Magdeburg. Ausgewählte Live-Inhalte und Highlights sollen für Entertain-Kunden und auf weiteren Telekom-Plattformen empfangbar sein.

Ein weiterer Themenschwerpunkt auf dem SPOBIS drehte sich um Content-Strategien im Sport. Hier sprach unter anderem Zeljko Karajica, Geschäftsführer 7Sports, Sportverantwortlicher ProSiebenSat.1, zum Thema „Einfach mal anders gemacht: Die Learnings aus dem Erfolg von ran Football“. ProSiebenSat.1 überträgt seit September 2016 nicht nur den Superbowl, sondern bei ProSieben MAXX das wöchentliche Football-Magazin „ranNFL“ und direkt im Anschluss auf ProSieben MAXX und ran.de ab 19.00 Uhr zwei Live-Spiele der National Football League (NFL). Erfolgsfaktor dabei seien das Moderatoren-Team und das „ranNFL“-Studio, das auch genutzt wird, um die langen Werbepausen in den USA zu überbrücken. „Dazu haben wir Faces geschaffen wie ‚Icke’ Dommisch, der es bei anderen Sportarten nie ins Studio schaffen würde, oder ‚Coach Esume’, den vorher kein Mensch kannte“, erklärte Karajica. Die Übertragungen kommen nach seinen Angaben insbesondere beim jungen Publikum gut an. Allerdings: Beim diesjährigen Superbowl lagen die Quoten deutlich hinter denen des Vorjahres.

Das Thema „Weniger Zweitliga-Fußball, mehr Sport: Der Sport1-Plan für die Zukunft“ wurde im 1:1-Talk mit Sport1-Chef Olaf Schröder, Vorsitzender der Geschäftsführung Sport1, erörtert. Er äußerte sich auf dem SPOBIS 2017 zur vergangenen TV-Rechte-Ausschreibung der DFL und zeigte sich enttäuscht darüber, dass Sport1 die 2. Bundesliga am Montagabend verloren hat. Interessante Vorträge gab es auch zum Thema „Olympischer Sport“. Sascha Kojic, Vice President of Sports CEEMEA Discovery Networks, referierte über „Neue Kooperationen und Distributionsmöglichkeiten: So startet Eurosport sein olympisches Zeitalter“.Discovery Deutschland Chefin Susanne Aigner-Drews äußerte sich beim SPOBIS 2017 über die geplante Verwertung der erworbenen Übertragungsrechte an der Fußballbundesliga. „Eurosport war lange nicht für exklusive Sportrechte bekannt, wenn man ehrlich ist“, meinte sie mit Blick auf die Vergangenheit des Sportsenders. „Auch war die paneuropäisch ausgerichtete Redaktion eher gesichtslos für den Fan zuhause.“ Das Problem: „Es gibt nicht den paneuropäischen Zuschauer. Das ist ein großes Umdenken bei Eurosport. Wir wollen daher mehr nationale Rechte in den Fokus nehmen“, sagte Aigner-Drews. Bei der jüngsten Ausschreibung der Übertragungs- und Medienrechte der Bundesliga hatte sich Eurosport ein Paket sichern können, das unter anderem dazu berechtigt, die Freitagsspiele der Bundesliga live zu zeigen. Aigner-Drews zeigte auf, wie diese Rechte genutzt werden sollen: „Wir werden Eurosport 1 auch für die Bundesliga-Berichterstattung nutzen. Wir wollen, dass der Fan auf alle Plattformen zugreift: online, mobil, OTC, Free-TV, Pay-TV.“ Der Pay-TV-Markt sei dabei für Eurosport „eindeutig die Plattform für Wachstum. Wir wollen die Marke frischer machen, näher an den Zuschauer“, so Aigner-Drews. Dafür arbeite man an Innovationen in der Produktionstechnik, seien es 4k-Aufnahmen, 8k-Aufnahmen oder VR-Produktionen. „Wir wollen, dass Eurosport anders wahrgenommen wird. Das ist aber ein langer Prozess. Wir haben aber auch schon viel geschafft, was das Markendesign angeht, unsere Experten und Sportrechte.“ Die Bundesliga sei kein singuläres Recht, sondern maßgeblich für die neue Strategie, sagte Aigner-Drews. „Wir wollen damit natürlich auch neue Kunden gewinnen und alte Kunden binden. Wir eruieren gerade variable Abo-Modelle. Für den direkten Weg zum Kunden brauchen wir die richtige Plattform und haben damit diesbezüglich mit BAMTech eine Kooperation geschlossen. Auch um den Eurosport-Player weiter zu entwickeln.“

Der Sportchef des Bezahlsenders Sky Deutschland, Burkhard Weber, gab beim SPOBIS 2017 Einblicke in die Handball-Pläne seines Senders. Insbesondere mit den jüngst erworbenen Übertragungsrechten der DKB Handball-Bundesliga (HBL) will Sky neue Abonnenten gewinnen. „Wir brauchen neben Fußball auch andere Sportarten, wenn wir neue Abonnenten gewinnen wollen, wenn wir weiter wachsen wollen“, sagte Weber. Laut des Sportchefs des Bezahlsenders habe sich bereits mit der Übertragung von der EHF Velux Champions League und der IHF Handball-Weltmeisterschaft 2015 schnell herausgestellt, dass dieses Ziel mit der Sportart Handball erreicht werden kann. „Sky-Bars waren bei Sky-Handball-Übertragungen immer voll. In Norddeutschland läuft es besser beim Verkauf von Abonnements, was wir dem Handball zugeschrieben haben. Champions League und WM haben für uns funktioniert.“ Für die Übertragungen von der HBL will Sky viele produktionstechnische Ideen ausprobieren und einbringen. Aktuell geplant ist etwa eine Schiedsrichterkamera, bei der also die Schiedsrichter eine kleine Kamera am Körper tragen, damit der Zuschauer noch näher am Spielgeschehen ist. „Mal sehen, ob wir das hinbekommen. Am besten dann auch mit Ton“, sagte Weber. Eine weitere Neuerung für Übertragungen von der HBL soll eine Live-Konferenz sein. „Wir wissen aber noch nicht ganz genau, wie wir das hinbekommen können. Natürlich wird es nicht nach jedem Tor eine Schaltung geben, das wird nicht zu machen sein. Das wird eine große Herausforderung sein.“

Zum Thema „Olympic Channel – Digital Home of Olympic Sports“ referierte beim SPOBIS 2017 Matthew Collier, Head of Commercial Olympic Channel. Und General Manager Mark Parkman berichtete über die Ausrichtung des IOC-TV-Kanals, Zielgruppen und geplante Weiterentwicklung. „Die junge Generation ist unsere wichtigste Zielgruppe. Sie soll die Begeisterung für die Olympischen Spiele weitertragen“, sagte er. Der Olympic Channel wurde im August 2016 in englischer Sprache gestartet, ist seit Februar nun auch in chinesisch, französisch, deutsch, italienisch und portugisisch verfügbar und soll demnächst auch in arabisch, japanisch, koreanisch und russisch angeboten werden.  

Eckhard Eckstein

MB 1/2017

© SPOBIS

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