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Vorteilhafte Situation

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Vorteilhafte Situation

Snell präsentierte sich auf der NAB 2013 wirtschaftlich und Produkttechnisch in bester Verfassung. MEDIEN BULLETIN sprach in Las Vegas mit Snell-Deutschland- Geschäftsführer und -Vertriebsdirektor für Zentral- und Osteuropa, Stefan Geradts, über Marktpositionierung und Produktlösungen des Unternehmens.

›Snell-Geschäftsführer Simon Derry zeigte sich auf der Snell-Pressekonferenz zur NAB 2013 sehr zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung seines Unternehmens. „Wir schreiben seit Jahren schwarze Zahlen und wachsen zweistellig“, erklärt er. Das bestätigte auch Stefan Geradts, Deutschland-Geschäftsführer und Vertriebsdirektor Zentral- und Osteuropa von Snell. „Die Gesamtfirma ist im 40. Jahr ihres Bestehens sehr profitabel, so dass wir weiter in das Geschäft investieren können. Allein im letzten Jahr wurden 35 zusätzliche Entwickler eingestellt. Und auch 2013 werden neue Mitarbeiter gebraucht“, berichtete er. Das Unternehmen profitiere einerseits von seinem globalen Engagement in verschiedensten Märkten ebenso wie von seiner strategischen Aufstellung in den beiden Bereichen „TV Everywhere“ und „Live Broadcasting“.

Geradts: „Wir bemerken zwar nach wie vor eine leichte Zunahme an linearen TV-Kanälen, was unsere Geschäfte dort voran bringt, der wirkliche Wachstumsbereich aber liegt eindeutig bei den non-linearen Distributionskanälen“. Der Snell-Deutschland-Geschäftsführer verweist darauf, dass es immer mehr Kanäle bei stagnierenden Zuschauerzahlen und Zeitbudgets in der Mediennutzung gibt. „Die Erträge pro Kanal gehen deshalb weiter runter. Als Hersteller müssen wir dem Rechnung tragen“, betonte er. Daraus resultiere auch, dass der Kunde, der riesige Kreuzschienen und 4ME-Produktionsmischer anschafft, nicht mehr so häufig vorkomme. Geradts: „Deswegen haben wir unsere Produkte im klassischen Broadcast- und Live-TV-Bereich so strukturiert, dass sie sehr flexibel an verschiedene Anforderungsprofile anpassbar sind.“

Auf der anderen Seite sei Snell auch darum bemüht, den Erfordernissen im nichtlinearen Bereich Rechnung zu tragen. „Wir tun das zum Beispiel dadurch, dass wir Funktionalitäten, die klassisch nur in Hardware verfügbar waren, jetzt auch verstärkt in Software anbieten. Das bezeichnen wir dann als Snell On Demand“, sagte er. „Wir sind in der Lage, herstelleragnostische Systemlayer anzubieten. Das heißt, man kann dabei in nahezu beliebiger Form CPUs und GPUs einbringen, zentral und dezentral. Ganz oben auf diesem Layer sitzen die einzelnen Applikationen. Derzeit bilden wir dort die Alchemist-Funktionen ab. Die sind erster Annäherung zunächst einmal identisch mit denen der Hardware-Lösung.“ Grundsätzlich eröffne der „Alchemist in der Cloud“ jedoch ganz neue Anwendungsmöglichkeiten. Bei der Hardware-Version des Alchemisten seien die Einsatzmöglichkeiten klar definiert. In einer bestimmten Laufzeit erhalte man zum Beispiel eine Wandlung von 50 auf 60 Hz. Bei der Cloud basierenden Lösung habe man hingegen mehr Parameter, mit denen man spielen könne. Wenn man beispielsweise nicht unbedingt in Echtzeit arbeiten müsse, dann brauche man auch nicht so viel in CPUs und GPUs zu investieren. Umgekehrt könne man sich mit guter Hardware-Ausstattung „einen Tick mehr Qualität gönnen“. Geradts: „Das heißt, wir können auch die Kompressionsalgorithmen etwas komplexer gestalten und noch mehr Qualität rausholen.“ Snell sehe derzeit zwar nicht, dass die Nachfrage nach „Hardware-Alchemisten“ nachlasse, stelle jedoch gleichzeitig fest, dass die Kunden vermehrt nach rein softwarebasierten Lösungen Ausschau hielten. „Solche Lösungen liegen im Trend. Der wird sich meiner Meinung nach allerdings erst in zwei bis drei Jahren richtig bemerkbar machen“, meint Geradts.

Mit Blick auf die starke Cloud-Thematisierung auf der NAB 2013 erklärte er: „Wir glauben, es gibt eine graduelle Entwicklung hin zu filebasierten Lösungen, die sich in den kommenden Jahren immer mehr durchsetzen wird. Die Tatsache, dass die Cloud bei dieser NAB ein Hype-Thema ist, bedeutet, man kann die damit zusammenhängenden Fragen erst einmal in Ruhe angehen und betrachten, was da wirklich passiert.“ Snell mit seinen jahrelangen Erfahrungen in der Senderautomation und seinem großen Entwickler-Team in England verfüge über reichlich Software-Know-how, um auf Cloud-Anforderungen jederzeit adäquat reagieren zu können.

Er weist darauf hin, dass bei den meisten Broadcast-Produkten der Anteil der Software schon heute überwiege. „Produktentwickler bei uns sind deshalb auch meist Software-Programmierer, die sich allerdings schon seit vielen Jahren mit Fragen der Broadcastwelt auseinander setzen“, meinte er. Selbst ein Kahuna-Bildmischer sei heute keine fest verdrahtete Funktionseinheit mehr, sondern eine Ansammlung von FPGAs (Field Programmable Gate Array), also von integrierten Schaltkreisen, auf denen in Software umgesetzte Funktionen liefen.

Wie bei der Cloud, so zeigt man sich auch beim Thema 4K bei Snell recht entspannt. Geradts: „Für den Rundfunkmarkt Deutschland kann ich im Moment nicht erkennen, dass sich irgend jemand außer Sky damit wirklich ernsthaft auseinander setzt. Für uns ist das eher ein Nebenkriegsschauplatz. Wir sind halt in der vorteilhaften Situation, dass unser Kahuna 360 von seiner Architektur her so aufgebaut ist, dass die vorhandenen Ressourcen in einem virtuellen Layer konfiguriert werden können. Für uns war es deshalb ein Leichtes, die vorhandenen Ressourcen so zusammen zu stellen, dass 4K verarbeitet werden kann. Dazu braucht es nur ein Stück Software, dass wir unseren Kahuna-360-Kunden kostenlos zur Verfügung stellen. Genauso wie wir das schon bei 3G gemacht haben.“ Der vorhandenen Kahuna 360 Bildmischer sei von Snell, so wie er ist, nur mit Software ohne weitere technische Modifikation, für den 4K-Einsatz konfiguriert worden und zwar so, dass in einem Chassis 3 MEs in 4K abgebildet werden könnte. „Das vermag, soweit ich weiß, kein anderer Hersteller so zu realisieren“, meint Geradts.

Der Deutschland-Geschäftsführer von Snell betrachtet das starke 4K-Engagement mancher Hersteller auf der NAB 2013 als einen weiteren Versuch, neue Märkte zu erschaffen. Geradts: „Für Snell ist 4K, so wie es im Moment praktiziert wird, als eine 4x HD-Lösung, mit einer Vielzahl unserer Geräte sehr einfach abzubilden. Wir selbst zeigen hier auf der NAB auch einen kleinen 4K-Workflow. Mit der Kahuna-Technologie können wir nicht nur 4K-, sondern auch Mischformate realisieren und in eine 4K-Produktion 1080p-Signale eines Grafikgenerators einbinden. Deshalb können wir uns relativ entspannt zurücklegen und beobachten, was da auf uns zu kommt.“ Persönlich könne er sich gut vorstellen, dass sich in ein paar Jahren 4K-Angebote mit Premium-Content erfolgreich vermarkten ließen. Snell-Chefentwickler und Leiter Business Developement, Neil Maycock, betrachtet die 4K-Entwicklung indes deutlich optimistischer. „4K ist bereits heute Wirklichkeit. Es ist nicht mit 3D vergleichbar. Mit 4K wird schon jetzt gearbeitet“, erklärte auf der NAB 2013-Pressekonferenz des Unternehmens.

Zu den Snell-Highlights auf der NAB 2013 zählten neben der 4K-Unterstützung des Kahuna 360 die Präsentation des mittelgroßen Kahuna Flare-Mischers mit 1080p-Standard-Funktionalität in Versionen von 2ME bis 4ME, neue Features für das Channel-in-a-box-System ICE, ein neues User-Interface für das Automationssystem Morpheus, das Media Asset Management- und Resourcenplanungssystem Momentum, der neue Konverter KudosPro MC500, die neuen 1-RU-Kontrollpanels der Luna Series, Erweiterungen für die Sirius 800 Routerfamilie, neue kostengünstige IQ Format Konverter sowie Hyperion, die neue intelligente, 3Gb/s-fähige Signalüberwachungslösung für Multiformat-Systemumgebungen. Zu ICE erklärte Geradts: „Der Begriff Channel-in-a-Box trifft das Produkt ICE nicht so ganz. Es ist mehr eine Box für den Channel. Bei Channel-in-a-Box-Systemen versucht man alle benötigten Funktionen in einem PC unterzubringen. Das haben wir bewusst nicht getan. Wir betreiben die Automation immer noch als eigenständigen Layer. Das hat den wesentlichen Vorteil der Skalierbarkeit. Wir können also Kompaktsysteme von einem Kanal bis hin zu 250 Kanälen ausbauen und tun das in der Praxis auch.“ Die ICE-Box selbst beinhalte alle Funktionalitäten, die man für einen Kanal brauche: Server, Kreuzschiene, Sendeablaufmischer, Schriftgenerator sowie 3D-DVE- und Grafikeinheit.

Auf der NAB 2013 wurden laut Snell-Manager Maycock mehr neue Produkte vorgestellt als jemals zuvor. Das Unternehmen verstärke sein Engagement dabei vor allem im Bereich Multiscreen und Cloud-Services. Das würden auch die erstmal am Snell-Stand aufgebaute TV-Every-where-Präsentation und die neue On-Demand-Plattform, die die Migration der Bildbearbeitungstools von Hardware-Plattformen in Richtung softwarebasierter Applikationen markiere, belegen. Dabei wurde das Zusammenspiel von Snells Mediaworkflow-Automationssystem Momentum, dem Playout-Automationssystem Morpheus und der Channel-in-a-Box-Lösung ICE in einem End-to-end-Workflow live gezeigt. Snells „Media Factory“ in der Cloud mit zentralem Speicher sowie automatisierten Bearbeitungs- und Auslieferungsprozessen der Medieninhalte war dabei in einem Londoner Datencenter untergebracht und konnte von Las Vegas aus via IP Connectivity gesteuert werden. Maycock betonte: „Sehr viele Rundfunk- und Medienfirmen kämpfen heute mit den wirtschaftlichen Folgen des TV-Everywhere-Paradigmas. Snells Systeme unterstützen die Nutzung Cloud basierter Systeme und erlauben den Kunden so, ihre Ausgaben besser an ihr jeweiliges Geschäftsmodell anzupassen.“
Eckhard Eckstein
(MB 05/13)

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