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Die Filmsets im Norden sollen grüner werden

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Die Filmsets im Norden sollen grüner werden

Im 20. Jahr ihres Bestehens setzt sich die Film Commission Hamburg Schleswig-Holstein (FHSH) für ökologische Nachhaltigkeit an den Filmsets ein und hat dafür den „grünen Drehpass“ eingeführt. Außerdem sollen gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt vor allem historische Orte und Motive beworben werden.

Die drei Leiterinnen der Filmcommission Christiane Scholz, Alexandra Luetkens (Hamburg) sowie Antje Reimer (Schleswig-Holstein) wollen ihre Initiative der „Grüne Drehpass“ in erster Linie als eine Auszeichnung für Film- und TV-Produktionen verstanden wissen. „Er ist ein Gütesiegel für Film- und TV Produktionen, mit dem wir langfristig Handlungsempfehlungen geben möchten, wie am Set der Energieverbrauch reduziert und Müll vermieden werden kann“, erklären Luetkens und Scholz. Einen nachhaltigen Beitrag könnten Film- und TV-Produktionen dadurch liefern indem sie beispielsweise abbaubare und wieder verwendbaren Materialien verwenden, beim Catering regionale und saisonale Produkte einsetzen und den Gebrauch von Plastikbecher- und -flaschen reduzieren würden. Der Müll sollte generell getrennt werden. Außerdem ließen sich beim Transport und in der Technik Fahrgemeinschaften bilden und bei nicht so eiligen und kurzen Transporten auch Citybikes einsetzen, lauten weitere praktische Vorschläge.

Das Ziel sei, ein generelles Umdenken bei Filmproduzenten und Aufnahmeleitern zu erreichen, um bei aller Knappheit der Mittel eben auch ökologische Prinzipien in die Planungen aufzunehmen. Deutschland, ökologisch sicher kein Schlusslicht, sondern eher eines der engagierten Länder, belegt jedoch im Bereich Film- und Fernsehproduktionen ökologisch alles andere als eine Spitzenposition. Anders sieht es bei den Werbefilmproduzenten aus, die hier mit gutem Beispiel voran gehen. In einigen Ländern wie Frankreich oder auch in den USA sind Umweltbeauftragte am Set sowie die Erstellung von Ökobilanzen längst keine Ausnahme mehr. Der „grüne Drehpass“ soll für Umwelt bewusstes Handeln am Set werben. Erstmals verliehen wurde er an die in Kappeln an der Schlei gedrehten ZDF Langlauf-Serie „Der Landarzt“ (Novafilm), die ihre Produktion schon sehr weit nach ökologischen Prinzipien ausrichtet. „Grundsätzlich kann jede Produktion, die glaubhaft nachweist „grün“ zu drehen, den Pass bekommen“, sagt Christiane Scholz. Es müsste bei mindestens drei der genannten Punkte der Energieverbrauch gesenkt worden sein. Für Antje Reimer vom Filmcommission-Büro Schleswig-Holstein in Kiel ist klar, dass der „grüne Drehpass“ kreativ weiter entwickelt werden müsse. Dazu werden in beiden Bundesländern Gespräche mit Kooperationspartnern geführt.

Es sollen Workshopveranstaltungen stattfinden und auch ein Green Screen Guide mit Anregungen und Adressen sei geplant. Anfang September plant die Film Commission eine Veranstaltung zum Thema in Hamburg. Generell enger wollen die Film Commission Büros auch mit den Städten und Gemeinden kooperieren. Es ist schließlich in beiderlei Interesse, Film- und TV-Produktionen in die Region zu holen, wovon häufig auch die Städte profitieren. Zur Steigerung der Attraktivität des nördlichsten Bundeslandes als Motivgeber ist unter Federführung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein in Kooperation mit der bundeslandweit agierenden Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) und den fünf regionalen Tourismusmarketingorganisationen vor zwei Jahren das Location-Netzwerk Schleswig-Holstein ins Leben gerufen worden. Touristiktouren auf den Spuren der „Rote Rosen“-Telenovela in Lüneburg oder zu den Drehorten des Landarztes in Kappeln gehören heute zu jedem lokalen Reiseprogramm. Lübeck wirbt mit den Drehplätzen zur Verfilmung der Buddenbrooks und auch die Kieler Stadtväter wissen, dass Reihen, Serien und auch Kinofilme als Imagekampagne bestens funktionieren können. Kiel will den Produzenten jetzt entgegenkommen. So sollen zukünftig keine Sondernutzungsgebühren für Film und TV-Produktionen mehr anfallen, wie der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig angekündigt hat.

Der Verzicht dieser Sondernutzungsgebühren für genutzten öffentlichen Raum bedürfe allerdings noch der Zustimmung der Kieler Ratsversammlung, die darüber in diesem Sommer entscheidet. Um bis zu dieser Entscheidung schon ein Zeichen zu setzen, sollen ab sofort lediglich nur noch die Spiel- und Motivflächen im öffentlichen Raum für die Berechnung der Gebühren heran gezogen werden und nicht mehr der genutzte Parkraum für die Fahrzeuge der Produktion. Eine weitere Initiative greift die Film Commission Hamburg auf, die mit dem Hamburger Amt für Denkmalschutz kooperieren möchte. Viele von den Hamburg-typischen Motiven stehen unter Denkmalschutz. „Gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt wollen wir mehr mediale Aufmerksamkeit für Hamburgs historische Orte erreichen“, sagt Luetkens. Und in der Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sollen Produktionsteams für das Drehen an diesen Orten sensibilisiert werden.
Bernd Jetschin
(MB 07/08_12)

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