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Phantastisch unterwegs

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Phantastisch unterwegs

Beim Südwestrundfunk (SWR) in Stuttgart wurde seit Mitte Mai 2012 der Neubau des Funkhauses in der Kuhnstraße sukzessive in Betrieb genommen. Er gehört heute zu den modernsten rundfunktechnischen Einrichtungen in Europa. Ausgelegt ist das Gebäude für die medienüber-greifende, vernetzte Zusammenarbeit der Redaktionen. Über Bau, Installation und Technik sprach MEDIEN BULLETIN mit den verantwortlichen Planern und Leitern des SWR.

„Gut Ding braucht Weile“, könnte man meinen, wenn man Bau und Inbetriebnahme des neuen SWR-Funkhauses Stuttgart betrachtet. Schon im März 2001 begann man mit den ersten Planungsüberlegungen. Ab Mai 2003 folgte eine technische Machbarkeitsstudie, 2006 der Bebauungsplan, 2008 der Baubeginn, ab Juli 2010 Vergabe der Technikprojekte VP1 bis VP4 und ab Juli 2011 die Inbetriebnahme. Die ersten Sendungen aus dem neuen Haus mit seinen rund 22.000 qm Nutzfläche wurden Mitte Mai 2012 gestartet. Davor gab es einen Schulungsbetrieb (seit November 2011), eine Betriebssimulation (Januar/Februar 2012) und eine Sendungssimulation mit Training (März/April 2012). Mit schwäbischer Präzision und Gelassenheit arbeitete man sich beim SWR in Stuttgart durch alle nötigen Prozesse auf dem Weg zu einem gut funktionierenden, technisch anspruchsvollen und zukunftsorientierten Produktionsstandort. Dabei war man von Anfang an bemüht, die Mitarbeiter in allen Entwicklungsstufen einzubinden. „Wir haben hier im Haus zuerst eine Ist-Soll-Analyse gemacht und darin festgelegt, wie wir künftig arbeiten wollen. Die Hauptüberschrift dabei lautete: ‚File-basierter Workflow’. Alle Ideen dazu wurden von einzelnen Arbeitsgruppen des SWR selbst definiert“, erklärt Michael Eberhard, Produktionschef in Stuttgart.

Daraus entstanden vier große Vergabepakete (VP) mit jeweils einer eigenen europaweiten Ausschreibung. VP1 betraf die bandlose Produktion, VP2 die Studioregien und den Schaltraum, VP3 die SWR1-Sende- und Produktionstechnik und VP4 Studioausbau und Licht.

Im September 2011 war Schulung von Einzelgeräten und Abnahme von VP4. Die Technik von VP2 war soweit fertig, dass man anfangen konnte, an den Systemen zu üben. Die Technik von VP1 wurde erst im Mai 2012, ganz kurz vor Sendestart, abgenommen. Am 14. Mai ging mit den Sendungen „Landesschau aktuell Baden-Württemberg“ und „Landesschau Magazin“ die ersten Programme im neuen Funkhaus auf Sendung. Ende Juni 2012 waren schließlich alle SWR-Fernsehsendungen aus Stuttgart im neuen Funkhaus on Air.

Fernsehstudios und -regien

Im neuen Funkhaus sind unter anderem vier Studios untergebracht, die von drei Regien bedient werden können. Die Studios haben zusammen eine Fläche von rund 860 qm. Alle Studios und Regien sind miteinander vernetzt. Dies wurde über das KSC-System der Firma BFE im neuen Schaltraum realisiert, von wo aus die Zuordnung erfolgt. Jedes Studio kann von jeder Regie aus gesteuert werden. Normalerweise bedient jedoch Regie A auch Studio A. Die Umschaltmöglichkeit von jeder Regie auf jedes Studio ist auch Bestandteil des SWR-Havarie-Konzeptes. „Wir haben hier deshalb auch keine separaten Havarien“, sagt Eberhard.

Regie A und B im SWR-Neubau sind identisch aufgebaut, Regie C ist etwas kompakter gestaltet. Theoretisch lässt sich noch eine weitere Regie einrichten. Die Regie D wurde jedoch vorerst im Rohbau belassen. Regie C bedient dafür mit Studio C und D zwei Studios. „Wir schalten jeden Tag von Studio C auf Studio D um, weil wir in Studio D die ‚Leute’-Sendung machen. Studio D ist unser bimediales Studio“, erklärt Heike Wieland, Projektleiterin Produktionstechnik Neubau von der SWR-Hauptabteilung Zentrale Aufgaben. Bei „Leute“ handelt es sich um eine Hörfunksendung, die in einem TV-Studio abgewickelt wird, da sie im SWR-Nachtprogramm auch als TV-Sendung ausgestrahlt wird. Hauptkomponenten in den Regien sind unter anderem 8000er Sony-Bildmischer in der 3G-fähigen Variante, TVLogic-Monitore, Riedel-Artist-Kommandoanlage, BFE-Steuersystem, grandMA-Lichtsteuerung und Sony-Kamerakontrolle.

Die Hintergrundbeleuchtung in den Studios basiert auf LED-Technik von Schnick-Schnack-Systems. Insgesamt wurden in den drei Studios ca. 65.000 RGB-LEDs verbaut. „Wir haben auf LED-Technik gesetzt, um, neben den vielfältigen Möglichkeiten der Farbgestaltung, mit geringstem Abstand zur Horizontfolie möglichst wenig Studio-Spielfläche zu verlieren. Außerdem stehen sie für weniger Hitzeentwicklung und Energieverbrauch“, erklärt Bernhard Schreiber, verantwortlicher Teilprojektleiter VP4.

Virtuelles Studio

Eine Besonderheit bildet das Studio C. Hier wurde ein virtuelles Studio für die Nachrichtensendungen „SWR Landesschau aktuell Baden-Württemberg“ eingebaut. Die hier eingesetzte virtuelle Studiotechnik stammt von VIZRT. „Die hat sich gut bewährt“, sagt Heike Wieland. Im Studio C habe man auch die meiste Zeit für die Sendung vorbereitenden Tests gehabt. Gut eineinhalb Jahre standen für Planung, Umsetzung und Proben des virtuellen Sets zur Verfügung. „Das virtuelle Studio ist sehr gut gelungen. Der Umstieg auf das neue Set ist insgesamt sehr positiv aufgenommen worden“, berichtet sie. Die Entscheidung für das VIZRT-System sei gefallen, weil der SWR in Baden-Baden auch schon ein virtuelles Studio mit VIZRT-Technik im Einsatz habe. In dem nur 99 qm großen Nachrichtenstudio mit seinen grünen Wänden (Green Box) befinden sich lediglich der Moderationstisch, die Beleuchtung, ein Kameraroboter von Camerobot und zwei selbst fahrende Kameras auf Vinten-Stativen. „Es ist dabei ähnlich leistungsstark wie das virtuelle „heute“-Studio des ZDF, das auf wesentlich größerer Fläche produziert“, meint Wieland.

Generalunternehmen

Als Generalunternehmer (GU) für den Aufbau der File-basierten Produktionsinfrastruktur (VP1) war die Kölner Wellen + Nöthen GmbH verantwortlich. Sie betreute im Auftrag des SWR alle Projektphasen, wie Ausarbeitung des technischen Konzepts, Planung und Pflichtenhefterstellung, technische Realisierung, Inbetriebnahme sowie Begleitung der Betriebsphase. Im Bereich der technischen Umsetzung definierte Wellen+Nöthen unter anderem die Systemkomponenten der Bearbeitung, der Automation und Prozesse des zentralen Media Asset Management-Systems (MAM). Das MAM ist die funktionsübergreifende Steuerungseinheit für die Produktions- und Sendeabläufe. Auf SWR-Seite wurde dieses Vergabepaket von Pierre Montagne und Udo Fettig verantwortet.

Als GU für den Ausbau der Studios (VP4) hatte der SWR Studio Hamburg MCI ausgewählt. Die Projektrealisierung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Despar Systeme AG, dem Projekthaus für Licht- und Bühnentechnik und langjährigem MCI-Partner. Zuständig waren die Hamburger unter anderem für die Realisierung der gesamten Lichttechnik, Studiohintergründe, Medienzüge, Punktzuganlagen, Vorhang- und Schienensysteme sowie weitere, in den Studios benötigte Betriebs- und Ausstattungskomponenten.

Die farbige Hintergrundgestaltung der Studiohorizonte erfolgte mit RGB-LED-Technik hinter Projektionsfolien. So können heute Licht- und Videoeffekte in unbegrenzten Variationen und Farbenkombinationen durchgeführt werden.

Die MCI Werkstätten waren unter anderem für Bodenkanäle, Studiomöbel und der Technikwandausbau verantwortlich. Für Vorplanungen, Leistungsbeschreibung und Realisierung zeichnete beim SWR Bernhard Schreiber verantwortlich.

Studio Hamburg MCI war ferner für den Neubau der gesamten Regie- und Schaltraumtechnik (VP2) mit drei Fernsehregien, Sprecherräumen, Kommandoanlage, KVM Systemen, Steuerungssystem und dem gemeinsamen Schaltraum für Fernsehen und Hörfunk zuständig. Das Ziel, sowohl Hörfunk als auch Fernsehen im Schaltraum vom gleichen Betriebspersonal und zu bestimmten Zeiten nur durch einen einzelnen Mitarbeiter zu bedienen, wurde durch den Einsatz der gleichen Steuersysteme (BFE KSC-System) und bestmöglicher Angleichung der Bedienoberflächen und -abläufe realisiert.

Bestandteil des Steuersystems beim Fernsehen ist die Regie-Studio-Delegation. Hier werden nicht nur Video- und Audiowege und -komponenten umgeschaltet beziehungsweise neu zugewiesen, sondern auch die Signalwege und Steuerung der Kameras, Studio-KVM, Kommandoanlage, Sprecherräume und mehr. Zuständiger SWR-Teilprojektleiter für dieses Vergabepaket war Marc Brehm.

Als GU von VP3 zeichnet Wireworx verantwortlich. Die Konzeptentwicklung auf Seiten des SWR lag in den Händen vom Teilprojektleiter/Gesamtprojektleiter Jürgen Pfeiffer.

Die technischen Installationen bei der Radiowelle SWR1 BW mit Selbstfahrer- und Produktionsstudios sind fertiggestellt. Aktuell laufen dort die Schulungen. Der Sendestart ist für November 2012 geplant. Die Produktionseinheiten der Welle bestehen hauptsächlich aus acht vernetzten DHD-Pulten, die im Zusammenspiel mit dem etablierten File-basierten Produktionswerkzeug DigAS und dem Sendesystem Radiomax eine Funktionseinheit bilden. Die Besonderheit dieses Projektes besteht in der räumlichen Anordnung der sendenahen Redaktionsarbeitsplätze, die in einem Funktionsraum direkt an die Selbstfahrer-Studios angegliedert sind.

Unterstützung bei den technischen Schulungen des Personals erhielt der SWR von der ARD/ZDF-Medienakademie. „Ein ganzes Haus neu in Betrieb zu nehmen, bedarf enormer organisatorischer Anstrengungen. Hier verfügt die Medienakademie über viel Erfahrung, die sie unter anderem beim Neubau des Radio Bremen Sendezentrums gesammelt hat. Bei den großen Blockschulungen ging es hauptsächlich um Betriebsabläufe und Workflows“, berichtet Heike Wieland. Für alle 500 Mitarbeiter im neuen Haus gab es an einem ganzen Tag zudem eine allgemeine Einführung in die neuen Workflows.

Die Generalunternehmen waren an den Schulungen für die Arbeitsprozesse nicht beteiligt. „Das macht man besser nicht mit dem GU. Der kennt seine Geräte und die Schnittstellen aber weiß meist nicht, wie unsere Kollegen in den verschiedenen Arbeitsprozessen agieren“, sagt Heike Wieland.

Die Redaktionen waren von Beginn an in diversen Arbeitsgruppen beziehungsweise als eigene Projektgruppe mit der Teilprojektleiterin Sabina Linke in die Planung eingebunden. Ab September 2011 konnten sogenannte A0-User die neuen Systeme testen. Die Betriebs- und Sendungssimulationen Anfang des Jahres wurden in verschiedenen Kategorien durchgeführt. Dabei waren auch Technik-Lieferanten und GUs ständig involviert. „In der letzte Phase wurde dann jede einzelne Sendung zwei oder dreimal komplett durchgespielt. Bis zum letzten Tag gab es kleinere und größere Katastrophen, trotz allem war unser Sendestart richtig gelungen und wir sind bisher phantastisch unterwegs“ räumt Heike Wieland ein.

Trimedialität

Wichtigster Punkt bei der Entwicklung des Studiokomplexes war neben der Realisierung einer File-basierten technischen Basis für das ganze Haus vor allem auch das Zusammenwachsen der drei Medien Fernsehen, Radio und Internet. Dieser Zielsetzung wurde auch durch die Raumkonstellation und Anordnung der Büros und Technikräume Rechnung getragen.

So sind die einzelnen Schnittbereiche in drei Etagen übereinander, direkt bei den Redaktionen und über Treppengänge leicht erreichbar, angesiedelt. Insgesamt verfügt der SWR hier über 20 Edit-Suiten mit Avid MediaComposern für den Hires-Schnitt. Fünf dieser Suiten sind mit zusätzlicher Software für spezielle Anwendungen ausgestattet und werden als Kombis bezeichnet. Zwei verfügen über zusätzliche Ton-Bearbeitungstools (ProTools von Avid), zwei über Grafiksoftware (Adobe) und eine über ein Farbkorrektur-System (Nucoda). Die Avid-Schnittsysteme können alle auf ein Avid ISIS-Speichersystem zugreifen, auf das das zur Bearbeitung anstehende Material vom Mediagrid-Zentralspeicher hin transferiert wird. Zusätzlich gibt es Möglichkeiten für Proxy-Editing an den Redaktionsarbeitsplätzen.

Wieland: „Die Schnitträume sind jeweils im gleichen Stock direkt bei den Redaktionen untergebracht. Dadurch soll der Anreitz vergrößert werden, dass die TV-Redakteurinnen und -Redakteure selbst an ihrem Arbeitsplatz schneiden, weil eine Hilfestellung in der Nähe ist. Viele machen heute bereits den Vorschnitt am eigenen Arbeitsplatz.“

In der siebten Ebene des neuen SWR Hauses wurde der Bereich Aktualität und das CvD-Büro untergebracht, Tür an Tür mit der Disposition für Kamera, Bearbeitungsräume, Studios, etc. „Die müssen nah beieinander sein, um effizient arbeiten zu können“, meint Heike Wieland. Näher beieinander sind jetzt vor allem auch in den Nachrichtenredaktionen die Online-, Radio- und TV-Redakteurinnen und -Redakteure.

„Die trimediale Strategie beim SWR läuft unter der Überschrift ‚Online first’. Das bedingt eine Änderung der Denkweise und der Kultur im Haus“, sagt Michael Eberhard. Jeglicher Content, der erzeugt würde, egal in welchem Medium, komme in einen Topf und jeder habe darauf Zugriff. Wenn ein TV-Mann Material gedreht und in den Materialpool eingespielt habe, dann könne es durchaus sein, dass „ein Onliner“ sich dessen bediene und es schon früher verbreite als das Fernsehen. Durch das gemeinsame, vernetzte Arbeiten ziele man beim SWR darauf ab, deutlich effizienter bei Material-Beschaffung und -Verwertung zu werden. Stark davon betroffen sei auch der Hörfunk. „Mit dem trimedialen Nachrichtenkonzept wird letztlich auch die Wellenstruktur der Sender aufgebrochen“, betont er.

Ton-Technik

Nicht nur in den Redaktionen, sondern auch im Technikbereich werden beim SWR medienübergreifende Workflows angestrebt. In Stuttgart will man die bimediale Nutzung von Schalträumen, Ton-Regien und Studios für Hörfunk und Fernsehen realisieren. Beide Medien sollen dort möglichst identische Technik nutzen können. „Das muss sich natürlich erst noch entwickeln. Die Strategie des SWR ist aber ganz klar, größere Technikprodukte zu vereinheitlichen“, betont Produktionschef Eberhard.

Betroffen davon sind zum Beispiel auch die großen Lawo-Mischpulte. Der SWR setzt in seinen Ü-Wagen-Tonregien sowie im Hörfunk in Hörspiel- und Musikproduktionsregien standardmäßig darauf. Im neuen Funkhaus wurden jetzt auch drei neue in der Tonregie in den Tonregien der TV-Produktion installiert.

„Das Lawo-Pult ist kein Standardprodukt. Durch die Softwarekonfiguration wurde es an die Bedürfnisse für unsere TV Produktionen angepasst“, meint Andreas Tyralla, zuständig für die Lawo Mischpulte beim SWR in Stuttgart.

Die drei neuen Lawo-Pulte sind verbunden mit einer zentralen Audio-Kreuzschiene (ZAKS) vom Typ Nova 73. „Die Kreuzschiene ist als Mischpult definiert. Das hat den Vorteil, dass wir die Kreuzschiene als Havariemischpult benutzen können. Ist in einer Regie, aus welchen Gründen auch immer, die Konsole nicht mehr bedienbar oder fällt ein Regie-Core komplett aus, dann können wir durch Umstecken von zwei Netzwerkkabeln über die zentrale Audiokreuzschiene die Sendung trotzdem über den Sender bringen“, berichtet Tyralla. „Und wenn die zentrale Audiokreuzschiene ausfallen sollte, dann sei es umgekehrt auch möglich, die Regien autark über eine direkte Anbindung von den Regie-Cores zu den Dallis-Einheiten zu fahren“, berichtet Tyralla.

„Großer Vorteil der Lawo-Installation im Neubau liegt klar im Haveriekonzept und in der Studiodelegation“, sagt Christian Rest, der als SWR-Toningenieur das Audio-Konzept größtenteils erarbeitet hat.

MAM-System

Zentrales Element der File-basierten Infrastruktur im neuen Funkhaus ist das VPMS Media Asset Management (MAM) System von S4M Arvato. „Die Entscheidung für S4M war rein der funktionalen Ausschreibung geschuldet. Das hatten wir vorher noch nicht im Einsatz. Es kam unseren Anforderungen ein MAM-System am Nächsten“, berichtet Pierre Montagen von der Abteilung IPM (Innovation und Projektmanagement).

Mit dem VPMS-MAM-System verbunden sind beim SWR die Studio-Automation Astra Studio 2 von Aveco und das Redaktionssystem OpenMedia von Annova. „OpenMedia bildet eine gute Grundlage für die neuen trimedialen und redaktionsübergreifenden Arbeitsprozesse auch über den Standort Stuttgart hinaus. Weiterhin dient OpenMedia – in enger Verzahnung mit der Studioautomation – als zentrales Instrument, um die automatisierten Produktionsprozesse in den drei neuen Fernseh-Regien zu unterstützen“, meint Udo Fettig von der SWR-Abteilung IPM. „Mit Hilfe der Anbindung von OpenMedia an VPMS lassen sich multimediale Inhalte in die redaktionelle Planung einbinden. Die enge Verzahnung mit der Studioautomation Astra Studio 2 von Aveco ermöglicht für Redaktion und Technik einen effizienten Fernsehproduktionsprozess“, sagt er.

Auch Studio C mit dem VIZRT-System, die selbstfahrbaren Kameras und der Camerobot wurden an OpenMedia angebunden. „So lassen sich einmal eingerichtete Studio-Sets und Positionen in OpenMedia verwalten und bei wiederkehrenden Sendungen innerhalb kürzester Zeit wieder aufrufen“, erklärt Fettig.

Zentraler Ingest und Archiv

Um den bandlosen Workflow im neuen SWR-Funkhaus zu gewährleisten, wurde ein zentraler Ingest-Bereich installiert, wo das gesamte Material, welches das Funkhaus erreicht, eingespielt wird. Das betrifft das mitgebrachte Material der ENG-Teams und Video-Reporter ebenso wie das über den Schaltraum eintreffende Material. Im Haus arbeitet der SWR durchgehend im Format XDCAM HD 422 von Sony in 1080i.

Im Ingest-Bereich sind auch die einzigen Bandmaschinen im ganzen Haus zu finden. Hier stehen IMX-, Digibeta-, DVCPRO und sogar D5-MAZen. Auch ein Sony Robotic System (PDJ-C1080) mit vier Maschinen (PDW-1500) und 80 Slots zum Einspielen von Professional Disks ist hier zu finden. Eingesetzt werden kann es zum Auto-Ingest.

Das eingespielte Material wird vom Ingest-Raum an das zentrale Speichersystem im Neubau weiter gegeben. Es basiert auf Omneons Mediagrid. „Das ist unser Zwischenarchiv und zentrale Ablage für das tägliche Doing“, berichtet Pierre Montagne.

Das Bandmaterial, das der SWR in Stuttgart bis zum Sendestart erzeugt hat, ist im Archiv des Bestandsgebäudes gelagert. Um beim Umstieg auf die File-basierten Workflows nicht zu viel Einspielkapazitäten zu benötigen, hatte der SWR schon vor dem Umzug in das neue Gebäude das Material des letzten halben Jahres in den digitalen Massenspeicher des SWR übertragen.

Das neue SWR-Funkhaus in Stuttgart bietet insgesamt beste Voraussetzungen zur vernetzten Arbeit und eröffnet den Redaktionen somit ganz neue Möglichkeiten. Die Server- und Netzwerkstruktur ist für den gleichzeitigen Zugriff von über 400 Redakteurinnen und Redakteuren und die medienübergreifende Nutzung der Inhalte ausgelegt. Bessere Kommunikation und effizienteres Arbeiten ist dadurch gegeben, dass die Nachrichtenredaktionen aller Medien in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt sind und sich nun auch Schnitteinheiten, Bearbeitungsräume und Sprecherkabinen in unmittelbarer Nähe zu den aktuellen Redaktionen befinden. Durch Nähe von Programm und Produktion ist eine schnellere Reaktionsfähigkeit gegeben. Vorteile bieten ferner die Möglichkeiten der medienübergreifenden gemeinsamen Planung über ein zentrales Koordinationsbüro sowie das gemeinsam nutzbare Planungssystem.

Natürlich müssen die nun vielfältig vorhandenen, neuen technischen Möglichkeiten erst noch gelernt und richtig umgesetzt werden. Der Anpassungsprozess kostet Zeit. Aber die Stuttgarter SWR-Mitarbeiter sind sehr zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zu sein. „Die Redaktionen und die Betriebsbereiche sind stärker zusammen gewachsen und ziehen an einem Strang. Im Gegensatz zu früher gibt es im Haus nun viel mehr Gemeinsamkeit bei der Erstellung eines Produkts“, kann Produktionschef Eberhard berichten.
Eckhard Eckstein
(MB 10/12)

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