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News: Medienpolitik

Alle an einem Strang

Das Konsortium Mobile 3.0 hat Ende Oktober die bundesweite Lizenz zum Betrieb der DVB-H-Plattform für Mobile-TV an die Landesmedienanstalten zurückgegeben. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) plant eine Neuausschreibung erst, wenn der Markt deutliches Interesse daran signalisiert. In künftigen DVB-H Business-Modellen sollen auch Mobilfunkbetreiber eingebunden und Netzbetreiber MEDIA BROADCAST zu einem stärkeren finanziellen Engagement bewegt werden. Mobile-TV via DVB-H, darüber war man sich auch auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2008 einig, wird nur Erfolg haben, wenn alle Player an einem Strang ziehen.

Die Rückgabe der bundesweiten Lizenz zum Betrieb der DVB-H-Plattform für mobiles Fernsehen war eine wichtige Neuigkeit bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2008. Hier wurde auf einem Panel darüber diskutiert, wie es mit dem mobilen Fernsehen in Deutschland künftig weiter gehen soll.

Im Juni 2007 hatte das Konsortium Mobile 3.0 die Lizenz im Juni 2007 von den Landesmedienanstalten zugesprochen bekommen und sich dabei gegen ein aus Mobilfunkbetreibern bestehendes Mitbewerber-Konsortium durchsetzen können. Der potenzielle Betreiber der neuen Handy-TV-Plattform konnte das eigene im Rahmen der Ausschreibung vorgelegte Gesamtkonzept nicht umsetzen und weder Verträge über den Netzbetrieb noch mit Vertriebs- und Marketingpartnern vorlegen und somit die Lizenzauflagen nicht erfüllen.
Die Anfang September auf Basis des 10. Rundfunkänderungsstaatsvertrags gegründete Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) hatte Mobile 3.0 unlängst zur Rückgabe der DVB-H-Lizenz aufgefordert. „Mit einer schnellen Rückgabe wird der Weg frei für einen möglichen Neustart von DVB-H unter veränderten Rahmenbedingungen. Damit kann auch auf die veränderten technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen angemessen reagiert werden“, sagte der Vorsitzende der Kommission, Thomas Langheinrich. Für den Fall einer Nichtrückgabe bis Ende Oktober hatte er ein Widerrufsverfahren angedroht.
Langheinrich, der auch als Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) verantwortlich zeichnet, betonte auf dem MEDIENTAGE MÜNCHEN-Panel, dass nicht die regulatorischen Vorgaben das Scheitern von Mobile 3.0 verursacht hätten. Vielmehr habe es an innovativen Formaten bei der Belegung des vorhandenen DVB-H-Frequenzspektrums gefehlt. Außerdem habe sich das als Sendernetzbetreiber für DVB-H lizenzierte Unternehmen Media Broadcast nicht ausreichend engagiert. „Wir müssen sicherstellen, dass sich der Sendenetzbetreiber künftig stärker am Risiko des DVB-H-Geschäftsmodells beteiligt“, erklärte Langheinrich.
Mobile-3.0- Präsident und ehemaliger O2-Deutschland-Geschäftsführer Rudolf Gröger kritisierte fehlende Gemeinsamkeiten der an dem DVB-H-Projekt beteiligten Partner. „Wenn jeder nur an sich denkt, kann kein Geschäftsmodell funktionieren. Am Ende hat uns ein Runder Tisch gefehlt“, sagte er. Er glaube aber weiterhin an den Erfolg von Mobile-TV via DVB-H.
„Ich bin dankbar für die Lizenz-Rückgabe von Mobile 3.0 und froh, dass es nun keinen neuen Zeitverzug gibt“, sagte Langheinrich. Der ZAK-Vorsitzende versprach eine schnelle unbürokratische Abwicklung bei einer möglichen neuen Lizenzvergabe.
Marcus Englert, Vorstand Diversifikation der ProSiebenSat.1 Media AG, kommentierte das gescheiterte DVB-H-Projekt mit den Worten: „Das war eine Lean-Back-Veranstaltung. Alle haben gemeint, ohne uns geht es nicht.“ ProSiebenSat.1 benötige keinen neutralen Plattformbetreiber. Der sorge nur für zusätzliche Komplexität. „Wir brauchen nur einen Netzbetreiber für den Sendernetzbetrieb und die Mobilfunkbetreiber für die Vermarktung und das Packaging der Programme“, betonte Englert. Er sprach sich ferner für eine längere Laufzeit der DVB-H-Lizenzen aus, die mindestens für zehn Jahre vergeben werden müssten. Die dreijährige Laufzeit beim gescheiterten DVB-H-Projekt sei für die TV-Sender „extrem uninteressant“ gewesen. Auch Englert befürwortete die Einrichtung eines Runden Tisches für das neue DVB-H-Projekt.

Am besten keine Vorgaben
Chief Executive Officer von Swisscom Broadcast, empfahl einen neuen Ansatz bei der Einführung von Handy-TV. „DVB-H ist nur eine Technologie. Man muss auf deren Basis erst einmal ein Produkt generieren. Die Mobilfunkanbieter wissen am besten, wie das geht“, sagte er. Die Regulierer sollten sich bei der DVB-H-Markteinführung mehr zurückhalten und anfangs am besten gar keine Vorgaben machen.
Auch Gröger betonte die wichtige Rolle der Netzbetreiber: „Wir brauchen die Mobilfunkbetreiber, weil die den besten Marktzugang haben, aber auch einen Plattformbetreiber als Enabler.“ Die gegenwärtige Diskussion sei ohnehin „esoterisch“. Am Ende würden bei Mobile-TV parallel verschiedene Technologien wie UMTS, DVB-H und DVB-T eingesetzt werden, prognostizierte Gröger.
Deshalb müssten alle miteinander reden. Als Erfolg versprechend für Mobile-TV bezeichnete Henrik Rinnert, Geschäftsführer Media Broadcast AT, eine Kombination aus konventionellen TV-Angeboten und neuen interaktiven Applikationen. „Für potenzielle Kunden muss ein echter Mehrwert des Programmangebots sichtbar werden“, erklärte er. Mobilfunkanbieter und TV-Sender müssten sich endlich zusammenraufen und Renditeinteressen zurückstellen. Englert erwiderte, sein Unternehmen gehöre Finanzinvestoren und müsse deshalb bestimmte Margen erwirtschaften. TV-Sender seien es nicht gewohnt, „ins Risikosharing zu gehen“.
Am Ende der Diskussion waren sich alle Experten darüber einig, dass Mobile-TV über DVB-H auch auf dem deutschen Markt spätestens 2015 eine wichtige Rolle bei der Mediennutzung spielen wird. Am zuversichtlichsten zeigte sich Gröger. Er erklärte, bis 2015 würden sich ausreichend viele Mobile-TV-Endgeräte durchsetzen, die mit Wimax- und Broadcast-Technologie ausgestattet seien: „Das TV-Bewegtbild wir dann in allen Handys drin sein.“
ZAK-Vorsitzender Langheinrich meinte gegenüber MEDIEN BULLETIN, das in den nächsten Monaten erst noch die Rahmenbedingungen für eine Neuausschreibung der DVB-H-Lizenz geklärt werden müssten. Nach dem jetzt geltenden 10. Rundfunkänderungsstaatsvertrag müsse vor einer Ausschreibung zunächst ein Zuordnungsverfahren der vorhandenen DVB-H Übertragungskapazitäten durch die Ministerpräsidenten der Länder abgeschlossen werden.
Die Landesmedienanstalten seien derzeit auf rein informeller Ebene dabei, das Marktinteresse an DVB-H zu sondieren. „Wenn kein Interesse besteht, gibt es auch keine Ausschreibung“, betonte Langheinrich. Ein überstürztes Handeln sei jetzt nicht gefragt. Alle offenen Fragen sollten aber möglichst bis zum Frühjahr geklärt sein. Das Lizenzverfahren selbst könnte die ZAK dann „unbürokratisch in ein paar Monaten“ abwickeln.
Eckhard Eckstein (MB 12/08)


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