Mebucom / News / Medienpolitik / Smarte Navigation und Angebotsvielfalt
Thomas Fuchs

News: Medienpolitik

Smarte Navigation und Angebotsvielfalt

Die Medienanstalten, der VPRT und die Deutsche TV-Plattform haben in einer gemeinsamen Veranstaltung am 25. Juni in der Kalkscheune in Berlin aktuelle Entwicklungen der Nutzernavigation bei smartem Fernseh- und Bewegtbildkonsum diskutiert. Aktuellen Erhebungen zufolge nimmt die Nutzung von smarten TV-Geräten deutlich zu.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage aufgeworfen, was eine reformierte Medienordnung im Sinne der Verbraucher und Contentanbieter zur fairen Navigation auf smarten Geräten der Unterhaltungselektronik beitragen kann. „Die Länder und der Bund arbeiten in einer gemeinsamen Kommission konstruktiv an einer zukunftsfähigen Medienordnung und werden bereits zum Jahresende 2015 einen Zwischenbericht vorlegen“, kündigte Marc Jan Eumann, Staatssekretär bei der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, an. Zugleich bekräftigte er in der anschließenden Podiumsdiskussion, dass bis Mitte 2016 mit substantiellen Ergebnissen zu rechnen ist, die mit Europa-Aktivitäten in diesem Bereich konform seien. „Neue mediale Spielregeln sind nötig und die Medienanstalten verstehen sich bei deren Gestaltung und Umsetzung als wichtiger Moderator“, erklärte Thomas Fuchs (Foto), Koordinator des Fachausschusses Netze, Technik, Konvergenz der Medienanstalten und Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein: „Wenn es Regeln zur privilegierten Auffindbarkeit geben soll, muss darauf geachtet werden, dass es für kleine Anbieter Chancen gibt und die bestehende Marktmacht großer Sender nicht zementiert wird.“

„Inhalte werden so stark abgefragt wie nie zuvor – das ist eine gute Nachricht. Plattformen sind jedoch begrenzt und daher müssen auf ihnen neben massenattraktiven Inhalten auch Angebots- und Anbietervielfalt garantiert werden“, wie es Tobias Schmid (Mediengruppe RTL Deutschland), Vorstandsvorsitzender des VPRT, in der Diskussion über konvergente Medienregulierung formulierte: „Von wem gesellschaftlich relevante Inhalte verlangt werden, der sollte auffindbar sein. Regulierung muss daher auch in Zukunft Vielfalt sichern, sich dann aber auch darauf beschränken.“

„Funktionen zur Suche und Navigation über alle Quellen und die personalisierte Sortierung von Inhalten sind eine Selbstverständlichkeit moderner Fernsehgeräte“, bekräftigte Carine Chardon, Leiterin Medienpolitik/Medienrecht im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI): „Durch die Internetanbindung und Vernetzung bieten smarte Geräte zum Bewegtbildempfang neben einer deutlich höheren Inhaltevielfalt auch mehr Freiheit für die Nutzer, die das Programm nach ihren Wünschen suchen und zusammenstellen können“. Im Rahmen der künftigen Medienordnung sei daher maßgeblich, diese Nutzerfreiheit zu bewahren. Zuvor hatte schon Wolfgang Elsässer (Astra Deutschland), Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform, betont, dass „in einer zunehmend konvergenten Medienwelt alle Marktteilnehmer verlässliche Regeln brauchen, um für Zuschauer und Nutzer Mehrwert zu schaffen“.

Konkrete Zahlen und Fakten zu Geräteausstattung und Nutzung von Diensten in Deutschland präsentierte Alexander Dehmel, Senior Marketing Consultant von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), in seinem Vortrag „Smarte Geräte – Smarte Nutzung?“. Der aktuellen Untersuchung im Einzelhandel von Ende April zufolge steigt nicht nur der Anteil der smarten TV-Geräte an den Neuverkäufen im Jahr 2015 von 57 Prozent im Jahr 2014 auf 61 Prozent in den ersten vier Monaten 2015, sondern auch ihre Nutzung. Dabei stehen Mediatheken, Smart-TV-Portale und Video-on-Demand (VoD) im Mittelpunkt. 50 Prozent der Smart-TV-Nutzer verwenden laut einer Befragung von Ende Mai bereits Programmvorschläge aus Smart-TV-Portalen, Mediatheken der Sender, Video-Abrufportalen, elektronischen Programmführern (EPGs) bzw. TV-Apps. Auffallend ist, dass dies 23 Prozent der Befragten Nutzer von Smart-TVs häufig und regelmäßig tun. Auch TV-Programm-Apps auf Zweitgeräten (Tablets/Smartphones) spielen bei der Steuerung des TV-Konsums eine wichtige Rolle. Jeder vierte Onliner in Deutschland nutzt bereits eine digitale Programmzeitschrift auf seinem Smartphone oder Tablet, ergab die repräsentative Befragung von 1.000 deutschen Online-Nutzern im Auftrag der Veranstalter „Suchen – Finden Navigieren“  vom 28. Mai bis 1. Juni 2015.

Wie smarte Algorithmen moderne TV- und Bewegtbildnutzung auf diversen Bildschirmgeräten für personalisierte Angebote analysieren, stellte Piotr Konczak, Sales Director Europe & America von TiVo/Cubiware, vor. Das US-Unternehmen betreibt einen Personal Video Recorder als Set-Top-Box und Cloud-Service mit umfangreichem elektronischen Programmführer (EPG) sowie individualisierbarer Aufnahmefunktion. Durch die Auswertung persönlicher Vorlieben und von Metadaten aus einem halben Dutzend Quellen gebe die TiVo-Software anhand des eigenen TV- und Bewegtbildkonsums Empfehlungen. „Nicht der Nutzer sucht den Inhalt, sondern der Inhalt findet den Nutzer“, so der TiVo-Experte. Man könnte auch formulieren, TiVo-Software is watching you. (6/15)

Foto: Thomas Fuchs, Koordinator des Fachausschusses Netze, Technik, Konvergenz der Medienanstalten und Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein

Zurück