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Amerikanischer Optimismus

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Amerikanischer Optimismus

Der Erfinder der legendären Baywatch-Serie Greg Bonann will mit seinem neuen Projekt„Rescue3“ den US- Serienmarkt revolutionieren. Trotz aller Risiken ist er vom Potential der neuen Serie sehr überzeugt. Gegenüber MEDIEN BULLETIN erläuterte Bonann seine Strategie.

„Das Modell funktioniert nicht mehr“, sagt Gregory J. Bonann, der Produzent, dem wir ab den frühen 1990er Jahren die Erfolgsserie „Baywatch“ verdanken, eine der erfolgreichsten US Serien überhaupt über zwölf Jahre hinweg. Jetzt plant er den nächsten Coup. „Rescue3“ heißt die Serie, die er gerade mit seiner Produktionsgesellschaft Tower18 vorbereitet und gleich ohne Pilot in 44 Folgen durchstarten soll. Gedreht wird ab Frühjahr nächsten Jahres und bereits im Herbst soll die Serie zuerst in den USA anlaufen. Dabei beschreitet Bonann einen völlig neuen Weg abseits des Serien-Mainstreams, dessen Erfolgsmodell er inzwischen in Frage stellt. Doch so ganz abseits, ist sein Weg auch wieder nicht: „Es ähnelt in vieler Hinsicht dem was wir damals mit ‚Baywatch’ gemacht haben, also nachdem NBC die Serie nach der ersten Staffel abgesetzt hatte. Das hat seitdem niemand mehr gemacht, auch wenn jetzt allerorten versucht wird, dieses Modell zu kopieren, da, wie gesagt, sich die gängige Art der Serienproduktion überlebt hat,“ erklärt der Produzent, der sich selbst vor allem auch als Entrepreneur versteht.

Er analysiert: „Zu viele haben ihre Hände in einem neuen Projekt und der Zwang vorab einen Piloten zu drehen, verhindert, dass sich eine Serie langfristig bei den Zuschauern etablieren kann. Das hat vor allem eine Auswirkung: Die Produktion wird viel zu teuer.“ Für „Rescue3“ etwa wird der Produzent einen eigenen Wassertank bauen, um dort etwa spektakuläre Rettungsszenen im Wasser zu drehen. „Der Bau kostet etwa eine Million Dollar. Die verteilen sich aber auf zwei Staffeln mit insgesamt 44 Folgen. Die Kosten wären aber genauso hoch, wenn ich nur einen Piloten drehen würde. Oder nehmen Sie die Serie ‚Pan Am‘, da war nach drei Folgen klar, dass sie nach der ersten Staffel abgesetzt würde. Das Flughafen Set aus den 1960ern kostete aber vier Millionen.“ Auch beim internationalen Verkauf der Serien sieht Bonann bei diesem Modell nur Nachteile: „Die Kunden haben es satt im Frühjahr nach Los Angeles zu kommen und sich dort für Piloten entscheiden zu müssen, wo sie nicht mal wissen, ob die Serie dann nicht bereits im Herbst schon wieder abgesetzt ist.“

20th Century Fox ist mit im Boot

Für „Rescue3“ wurde lediglich ein Trailer produziert, mehr bekommen potentielle Käufer nicht zu sehen und wenn sie die Katze nicht im Sack kaufen wollen, müssen sie warten bis im Mai die ersten Folgen fertig gestellt sind. Die geplanten beiden Staffeln sollen auf jeden Fall gedreht werden. Dadurch würde ein für US-Verhältnisse bei großen Serien recht günstiges Budget pro Episode ergeben, das bei etwa 1,5 Millionen Dollar liegt. Trotzdem ist das Gesamtvolumen mit 66 Millionen eine echte Hausnummer, die Bonann zum großen Teil aus eigenen Mitteln vorstreckt, der den neuen TV-Arm von Emmett/Furla Films als Produktionspartner gewonnen hat, die als Teil der Vereinbarung die Finanzierung der ersten 22 Folgen übernimmt. 20th Century Fox ist mit im Boot, die die „Barter Sales“, also den Anzeigenverkauf, übernommen haben. Das Rückgrat der Erstausstrahlung bildet freilich die USA-weite Senderkette von CW Television, die zu der amerikanischen Tribune Broadcasting Gruppe gehört.

Wie gesagt, ganz neu ist dieses Model nicht und ähnelt in Vielem dem Vorgehen bei „Baywatch“, allerdings war der Anstoß dazu nicht von Bonann ausgegangen, sondern kam vielmehr aus Deutschland, aus der Kirch Gruppe und BetaFilm. Im Gegensatz zu den USA, wo NBC die Serie bereits nach der ersten Staffel 1989 absetzte, war sie in Deutschland in der ARD ein voller Erfolg: „Ich wurde [von der KirchGruppe/BetaFilm, Anm.d.Red.] gefragt, ob ich die Serie nicht trotzdem fortführen wollte, denn wenn ich genügend Lizenzverkäufe generierte, dann bräuchte ich die US Networks überhaupt nicht“, so der Produzent. Die Serie wurde also von dem Star der Serie, David Haselhoff gemeinsam mit dem Ideengeber Bonann und den Executive Producern Michael Berk und Douglas Schwartz ab 1991 selbständig fortgesetzt. Der globale Verkauf lag bei BetaFilm. Die Serie entwickelte sich in der Folge, bis zum endgültigen Aus 2001 zu einer bislang noch nicht gesehenen Erfolgsgeschichte, inklusive dem Spinn Off „Baywatch Nights“ und dem Kinofilm „Baywatch: Hawaiian Wedding“. In Deutschland war die Fortsetzung der Serie auf Sat.1 zu sehen.

„Baywatch“-Elemente aufleben lassen

Mit „Rescue3“ verspricht Bonann nun genau die Elemente wieder aufleben zu lassen, die den Erfolg von „Baywatch“ ausgemacht haben.

Die Mischung aus Beachlive und Livestyle einer ganzen Generation gepaart mit dem Kampf gegen die Gewalt der Natur: „Das ist universell attraktiv und wird auch heute wieder begeistern“, versprüht der Produzent typisch amerikanischen Optimismus. Aus einem entfernteren Blickwinkel mag das Konzept etwas heftig wirken. Schüler einer Eliteschule mit Zero Tolerance Regel müssen bei Verfehlungen in eine Art Boot Camp, wenn sie auf der Schule bleiben wollen und wo sie die Werte eines verantwortungsvollen Miteinanders eingebläut bekommen sollen. Das Boot Camp gehört zu einer vereinigten Rettungstruppe, die aus Rettungsschwimmern, Feuerwehrleuten und Mitgliedern der Küstenwache besteht. „Dieses Team kämpft in atemraubenden Szenen gegen die Gewalten der Natur. Es werden Menschen von Klippen abgeseilt und mit Hubschraubern aus Flammen gerettet. Es ist wirklich alles dabei“, beschreibt Bonann das Konzept.

Allerdings sollte man bei aller Kritik wissen, dass der Macher genau weiß wovon er spricht. Seit der Highschool noch bis in sein Berufsleben, Anfangs als Dokumentarfilmer, war er selbst bei den Rettungsschwimmern aktiv und ist ihnen auch heute noch eng verbunden, auch wenn er aktuell seine Freizeit eher im Feuerwehreinsatz verbringt, beziehungsweise über die „Baywatch“-Stiftung, die er zusammen mit seiner langjährigen Geschäfts- und Lebenspartnerin, Tai Collins, ins Leben gerufen hat, versucht Problemjugendlichen diese Werte zu vermitteln. „Ich kenne die Probleme genau, wenn es darum geht den Einsatz dieser Gruppen zu koordinieren. Das liefert viel Atem raubenden Stoff für die Serie“, sagt er. Sogar die Chance „Baywatch“ überhaupt zu machen verdankt er seinem Einsatz als Rettungsschwimmer.

In den 1970ern rettete er nämlich die Söhne eines Produzenten. Er nahm das ihm als Dank angebotene Geld nicht an, präsentierte dem Unternehmen aber einige Zeit danach das Urkonzept der Serie. Trotz aller überlieferten Skepsis des Produzenten gab dieser dann doch das Budget frei.

Dreharbeiten in North Carolina

„Rescue3“ soll übrigens nicht in Malibu, wo die Kosten inzwischen viel zu hoch sind, gedreht werden sondern in North Carolina. Die Infrastruktur sei dort toll. Aber trotzdem hofft er immer noch auf einen Deal mit Kalifornien. „Hier lebe ich und ich mag es hier am liebsten – und die Serie ist gut für das Image hier. Dass auch so ein Deal nicht unmöglich ist, hat er schon einmal bewiesen.

1999 wollte er mit „Baywatch“ eigentlich nach Australien umziehen. Doch da kaufte sich Hawaii in die Serie ein – und es wurde dann eben die letzten beiden Jahre „Baywatch Hawaii“. Gregory J. Bonann ist eben ein heimatverbundener Macher, der für seine Überzeugungen einsteht. Natürlich weiß er um das nicht geringe Risiko, das er mit dieser Produktion auf sich nimmt: „Natürlich ist da ein Risiko, aber was im Leben ist ohne? Ich bin von dieser Serie überzeugt und sie wird sich am Markt durchsetzen!“
Dieter Brockmeyer
(MB 11/12)

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