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Angenehm aufgefallen

Der Ismaninger Produktionsdienstleister Plazamedia hat in der vergangenen Spielsaison die TV-Produktion der Fußball-Bundesliga-Spiele für den neuen Rechteinhaber arena abgewickelt. Dabei setzte das Unternehmen auf ein integriertes digitales Netzwerk mit Produktions- und Playout-Servern XT[2] von EVS und Avid-Unity ISIS.

Der neue Sportsender arena hat im vergangenen Jahr die Pay-TV-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga für die Saisons 2006 bis 2009 von der Deutsche Fußball Liga (DFL) erworben. Mit der technischen Abwicklung beauftragte er Plazamedia. Der Ismaninger Produktionsdienstleister hatte den Job zuvor schon für Premiere erledigt. Das Team ist entsprechend gut eingespielt, die nötigen Workflows bekannt und erprobt.

Die Leistungen für arena umfassen die gesamte Produktion sowohl in der Außen- als auch Innenproduktion. Dies beinhaltet die Bereitstellung sämtlicher Produktionstechnik und des Personals bei den Außen-Produktionsdienstleistungen vor Ort in den Stadien, der Signalheranführung zum Sendezentrum in Ismaning sowie bei der Live-Produktion des Konferenzkanals und der Sendeabwicklung. Der Konferenzkanal basiert auf einem komplexen produktionstechnischen Verfahren, bei dem alle Partien eines Spieltages sowie die Highlight-Konferenzschaltung aller Spielbegegnungen parallel live übertragen werden.

In einer Spielzeit stehen freitags ein Spiel der ersten und drei der zweiten Liga auf dem Programm, samstags sechs Spiele der ersten Liga und sonntags fünf Spiele der zweiten und zwei der ersten Liga. Bis zu sechs Spiele mussten also parallel aufgezeichnet und dann der Produktion und Post-Produktion zugeführt werden.
An den letzten beiden Spieltagen der Saison musste Plazamedia sogar in der Lage sein, bis zu neun Spiele parallel zu produzieren.
Der Produktionsdienstleister beschloss zu Beginn der letzten Bundesliga-Saison, den arena-Auftrag mit neuer Technik zu erledigen. Das Ismaninger Sendezentrum wurde durch eine neue Produktionsumgebung für arena erweitert. „Um den von arena gestellten Anforderung gerecht zu werden, Live-Veranstaltungen wie die Bundesliga-Fußballsaison zu produzieren, benötigten wir ein integriertes Produktionssystem, das uns maximale Flexibilität bei größter Zuverlässigkeit gewährte“, berichtet Markus Stubenvoll, Leiter der Plazamedia Postproduktion.
Plazamedia hatte ursprünglich nach neuen Schnittsystemen für seine Bundesliga-Highlightproduktionen Ausschau gehalten. „Im Sommer 2005 gab es eine größere Testreihe im Haus, und dabei ist uns das System von EVS sehr angenehm aufgefallen, insbesondere was seine Funktionalität und Stabilität angeht“, sagt er.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 konnte man sich dann im Internationalen Broadcast Center (IBC) in München mit der von HBS (Host Broadcast Service) eingesetzten, vernetzten Produktionstechnik mit EVS- und Avid-Systemen vertraut machen. Das hinterließ Eindruck. „Durch die Arbeit im IBC in München während der Fußball-WM hatten wir die Möglichkeit, die Media-Server-Installation kennen zu lernen und sahen darin einen sehr guten Lösungsansatz für unseren geplanten bandlosen Workflow“, berichtet Stubenvoll. Die EVS-Funktionalitäten mit IP Director, XFile, Loggen Browsen und Filetransfer hätten Plazamedia ausgezeichnet gefallen. „Wir haben vor allem festgestellt, dass der Transfer zu Avid gut funktioniert. Und das war letztlich für uns ausschlaggebend“, sagt Stubenvoll.

Wichtig bei der Wahl des EVS-Systems sei zudem gewesen, dass es über ein schnelles Playout-Management und über ein Delay-Control für den Konferenz-Kanal verfügt. Benötigt wird das, um möglichst zeitnah zwischen den verschiedenen Spielen umschalten zu können. PAZAMEDIA wollte zudem eine Beschleunigung des Post-Produktions-Prozesses bei der Herstellung von Werbetrailern oder längeren Feature-Reportagen realisieren sowie die Bereitstellung einer umfassenden Speicherungs- und Archivierungsmöglichkeit für alle aufgezeichneten Spiele. Neben Live-Editing und Highlight-Produktion jedes Bundesligaspiels waren auch Live-Kommentare und FX-Graphik im Live-Feed gefordert.

„Wir haben uns AVID mit dem ISIS-System ins Boot geholt, weil wir ein nonlineares Editing-System mir Shared-Storage und auflaufendem Schnitt gesucht haben. Während auf dem Server ein Ingest stattfindet und das File wächst, müssen wir schon darauf zugreifen können. Avid hat gezeigt, dass das mit ISIS funktioniert“, erklärt Plazamedias Leiter Postproduktion. Im Verbund mit den Bestandssystemen von Plazamedia sei die neue EVS-Avid-Installation für den arena-Job ideal gewesen.

XT[2] und Multicam [LSM]
Das auf die Live-Produktion und das Playout der Bundesliga-Übertragungen von arena zugeschnittene, komplett integrierte digitale Produktionsnetzwerk wurde im 2. Halbjahr 2006 bei Plazamedia installiert.
Herzstück des gesamten Systems ist der Produktions- und Playout-Server XT[2] von EVS. Für den arena-Auftrag stehen acht Stück zur Verfügung. Bis zu sechs Maschinen sind parallel in Betrieb, um die aus den Stadien via Glasfaser und Satellit einlaufenden Signale aufzuzeichnen, der siebte dient der Bereitstellung aller Feeds zur Erstellung virtueller Grafiken durch LiveMotionConcept (LMC) GmbH. „Und über den achten Highlight-Schnittplatz machen wir alle Ausspielungen, was O-Töne oder zusätzliche Schnittapplikationen angeht“, erklärt Stubenvoll.

Die Highlight-Produktion wird in acht Editing-Stationen gemanagt. Hier wird mit der EVS-Software Multicam [LSM] gearbeitet. Das Live-Editing-Tool von EVS erlaubt es, die verschiedenen Kanäle der XT[2] Produktionsserver zu steuern, Clips und Highlights zu kreieren und wieder auf dem Server zu speichern. Der Plazamedia-Highlights-Editor arbeitet simultan mit einem Journalisten von arena zusammen, der den fertigen Schnitt live kommentiert. Der Journalist gibt dabei vor, welche Clips und Sequenzen dem Highlight zuzufügen sind.
„Wir können aufgrund der Schnittliste, die wir im Highlight-Schnitt gemacht haben, alle Vorgänge in der Konferenzschaltung jederzeit nachliefern. Das Material steht near-live zur Verfügung. In dem Moment, wo etwas Interessantes auf einem Fußballplatz passiert, wird eine Schnittliste erstellt, auf die man dann überall im Netzwerk sofort zugreifen kann“, sagt Stubenvoll.

arena-Redakteur Stephan Tewes lobt die gute Kooperation mit Plazamedia und den Einsatz der EVS-Systeme. „Die Kollegen von Plazamedia haben einen wirklich guten Job gemacht – auch vor dem Hintergrund, dass die inhaltliche Aufbereitung der Konferenz direkt aus den Stadien sehr komplexe Anforderungen stellt“, erklärt er. Alle relevanten Sequenzen habe man schnell und problemlos über die EVS-Systeme aus der Plazamedia-Regie absetzen können. „Das anspruchsvolle Zusammenspiel interner und externer Quellen hat dabei ausgezeichnet funktioniert“, berichtet er. Die EVS-Systeme seien von der arena-Redaktion je nach Aufwand und Thema des Beitrags für den Schnitt herangezogen worden. Tewes: „Wenn es um einen Beitrag geht, der schnell umgesetzt werden muss und ausschließlich auf aktuellem Bildmaterial aufbaut – wie etwa eine Spielerbeobachtung – dann hilft die die EVS enorm.“

Xnet2 Media-Sharing-Netzwerk
Alle Arena XT[2] Live-Produktionsserver sind in das EVS Xnet2 Media-Sharing-Netzwerk eingebunden, wobei die große Bandbreite des SDTI (Serial-Digital-Transport-Interface) den Austausch von Content zwischen Studios und somit eine schnelle und flexible Produktion ermöglicht. Das betrifft auch den Transfer an die Plazamedia-Avid-Post-Produktionssuite, der mit dem EVS-Videoproduktions-Managementsystem IP Director gesteuert wird. Der direkte Zugriff auf das Produktionsnetzwerk ermöglicht es der Post- Produktion, in allen Medien, Clips und Highlights zu browsen, die auf dem Server jedes Ministudio-Editing-Rooms verfügbar sind, und den Content dann für die Fertigstellung von Promotions und Werbung an die Avids zu transferieren.

Stubenvoll: „Die Möglichkeit, auf alle Medien, Edits und Highlights zugreifen zu können und dabei die XT[2]-Server unserer verschiedenen Studios zu kontrollieren, gibt uns nicht nur bei unserem Produktionsprozess, sondern auch innerhalb der gesamten Organisation eine unglaubliche Flexibilität. Das System sorgt zweifelsohne für echten Fortschritt bei der Produktion von Live- und Near-Live-Sportveranstaltungen.“
Die Vernetzung erlaubt nicht nur, dass von jedem System auf die Clips des anderen zugegriffen werden und ein Supervisor die Installation zentral administrieren kann, sondern erleichtert auch die Arbeit im MAZ-Bereich. „Die Kollegen der MAZ-Straße können sich nun über den IP-Director in die EVS-Serverwelt einloggen und über den SDI-Weg Videos überspielen lassen. Das wird fleißig für MAZ-Mitschnitte genutzt. Die EVS Server sorgen für Entspannung in der MAZ-Straße“, sagt Stubenvoll.
Plazamedia zeichnet die einzelnen Spiel-Cleanfeeds auf, die benötigt werden, um die Konferenz zu produzieren, und macht zudem einen Programm-Mitschnitt jedes Einzelspiels. Nach der Produktion wird das Material noch einmal separat auf eine MAZ überspielt. „Dabei sparen wir heute jede Menge Kapazitäten in der MAZ-Straße. Statt sechs oder acht MAZen je nach Spieltag brauchen wir nur noch eine“, berichtet der Leiter Postproduktion von Plazamedia. „Die Umrüstung von unseren VTRs auf das digitale EVS-Produktionssystem hat eine drastische Produktivitätssteigerung und Kostensenkung bewirkt“, betont er.

XFile-Gateway
Der Filetransfer von EVS zu Avid und umgekehrt geschieht mit Hilfe von Avids Transfer Manager über ein XFile-Gateway von EVS. Plazamedia ist jetzt in der Lage, ein Live-Feed über Satellit zum XT[2] und direkt zur Avid Unity ISIS zu transferieren. Das für den Produktionsserver verwendete Format ist IMX MXF, das auch das Standardformat für alle Transfers zu den Avid-Systemen ist. „XFile bietet den Vorteil, dass jeder Clip, der auf einem Highlight-System generiert wurde, dort automatisch ein Backup erhält. Das bedeutet: Wenn ein Server ausfällt, habe ich die bestehenden Clips trotzdem jederzeit verfügbar“, erklärt Stubenvoll.
„Aus Sicht der Postproduktion sei die Entscheidung, auf einen Nachbau der EVS-Avid-Installation der Fußball-WM 2006 zu setzen, absolut richtig gewesen. Man habe genau die Tools bekommen, die für die Umsetzung der bewährten Plazamedia-Produktionsweise auf die nonlineare Ebene erforderlich gewesen seien. „Die Investition hat sich absolut gelohnt, und wir werden das arena-Produktionssystem weiter optimieren“, erklärt er. Hilfreich sei dabei das gute Miteinander von EVS und Avid.

EVS-Avid-Kooperation
Für Avid ist das Zusammenspiel mit EVS im Bereich der Sportproduktion von großem strategischem Interesse. „Avid Technology kooperiert bereits seit längerem eng mit EVS, besonders stark anlässlich der Berichterstattung über die Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Es handelt sich hierbei um einen Ausbau der Vernetzungsmöglichkeiten zwischen EVS-Servern, Avid-Editing-Lösungen und insbesondere der Datenmanagement-Lösung bestehend aus den Zentralspeichersystemen der Unity-Familie mit der nonlinear Workflow-Engine Avid Interplay. Begonnen hat diese Kooperation bereits mit den vorhergehenden Generationen und wird nun intensiv fortgesetzt. Die Zusammenarbeit mit EVS ist eine sehr offene, professionelle und vor allem sehr erfreuliche, bietet sie doch unseren gemeinsamen Kunden eine bessere Ausnutzung und nahtlose Vernetzung ihrer Produktionskapazitäten. Für Avid bietet sie zusätzlich eine Möglichkeit des verstärkten Engagements in der Sportberichterstattung“, erklärt Marketing-Manager Michael Dalock-Schmidt.

Die Kooperation mit EVS entspringe einer europäischen Initiative, erfolge aber in engster Absprache mit den Avid-Entwicklern im US-amerikanischen Tewksbury. Zusammen mit EVS wolle man dem Kunden Plazamedia auch künftig mit innovativen Lösungen zur Seite stehen.
Eckhard Eckstein (MB 07/07)




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