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Atemberaubender Bilder

Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver war reichlich Spezialkamera-Technik am Start, um die Wettbewerbe und Feierlichkeiten des Events möglichst hautnah und spektakulär für das Fernsehen zu dokumentieren. Auch Unternehmen aus Deutschland und Österreich sorgten mit ihren Systemen und Services für tolle Bilder.

Einen Großeinsatz hatte Camera Corps bei den Olympischen Winterspielen 2010. Das britische Unternehmen aus Shepperton in Middlesex war mit einem Team von 44 Mitarbeitern nach Kanada gereist, um dort Spezialkameras zu installieren und zu bedienen. In Vancouver und Whistler hatte das Unternehmen jeweils vier Teams, ein weiteres ist in Cypress Mountain.

Camera Corps lieferte 40 Meter Schienensystem, neun Sport Dollies, über 60 Robotic-Kameraköpfe, 118 HD-Kameras und jede Menge Optiken, Steuersysteme, Interfaces und weiteres Material.
Q-Ball-Kamerasysteme von Camera Corps wurden unter anderem für Beauty-Shots eingesetzt. Die Kameras ließen sich vom IBC aus fernsteuern. Eine Beautyshot-Kamera war unter anderem am Bug der SeaBus-Fähre zwischen Vancouver und North Vancouver befestigt.

Außerdem waren 16 Kameras unter dem Dach der Bob-/Rodel-Bahn installiert. Zwei spezielle „Pop-up“-Kameras wurden direkt in die Eisbahn eingebaut und konnten ferngesteuert versenkt werden bevor ein Bob oder Schlitten über sie hinweg rauschte. Weitere Spezialkameras hatte Camera Corps beim Eisschnellauf und Skispringen im Einsatz.
Bei den Drahtlos-Verbindungen seiner Kameras arbeitet Camera Corps eng mit dem Unternehmen Broadcast RF Ltd. aus Kent zusammen. Bei den Skicross- und Snowboard-Wettbewerben in Cypress Mountain kamen acht Helmkamera-Systeme zum Einsatz. Dabei handelte es sich um SD-Kameras von Panasonic (60 Gramm), die von einem aufladbaren Akku- Gürtel aus (295 Gramm) mit Strom versorgt wurden (bis zu 90 Minuten Kapazität). Die SD-Bilder wurden dann hoch konvertiert. Die auf der Kamera sitzende Antenne sendete im 2,4 GHz-Bereich, acht Antennen auf vier Positionen nahmen im Diversity-Verfahren die Signale auf und schickten sie ins IBC. „Es ist das erste Mal, dass eine solche Technik bei Olympischen Spielen einsetzt wurde", berichtete Camera Corps technischer Direktor Jim Daniels.

Bei den Skicross- und Snowboard-Wettkämpfen wurden übrigens auch wieder Seil-Kamerasysteme genutzt. Tracking-Cams verfolgen die Eisschnellläufer. Beim Eishockey waren kleine Kameras in den Toren versteckt und auch die Schiedsrichter waren teilweise damit ausgestattet. Beim Skispringen wurde eine Roller-Coaster-Kamera eingesetzt. „Die Kamera stürzt sich regelrecht mit von der Schanze", sagte Ursula Romero, Coordinating Producer vom Hostbroadcaster Olympic Broadcasting Services Vancouver (OBSV). Beim Skispringen konnte man ferner ein Tethered Blimp-Kamerasystem (Prallluftschiff mit Gyro-Stabilisierung) von Aerial Camera Systems (ACS) sehen.

MAT-Mad About Technology

Auch deutsche Spezialkamera-Experten unterstützen Host-broadcaster und Sender mit Service und Technologie bei den Winterspielen.

Dazu gehörte MAT-Mad About Technology. Im Gepäck hatte das Hamburger Unternehmen mit der MAT-TOWERCAM eine völlig neue Generation von Spezialkameratechnik. Sie wurde von MAT-Gründer und CEO Peter Braun entwickelt und feiert gleich in vierfacher Ausführung Premiere bei den Olympischen Spielen. Die MAT-TOWERCAM ist eine freistehende, teleskopierende Kamerasäule, auf der ein fernsteuerbarer, 360° schwenkbarer Remote Head montiert werden kann. Inzwischen gibt es sechs Variationen plus umfangreichem Zubehör, wie zum Beispiel dem unter der Studiodecke fahrenden Schienensystem AERODOLLY-System, an dem eine hängende, nach unten teleskopierende TOWERCAM montiert werden kann. „Ich freue mich besonders, dass nach vielen, bereits sehr erfolgreichen internationalen Einsätzen der TOWERCAMs im Showbereich wie bei den MTV-Awards, der OSCAR-Show oder den Golden Globe Awards, nun die Olympia-Verantwortlichen den Reiz und die Raffinessen dieses Kamerasystems erkannt haben“, erklärte Braun.

Bei der Eröffnungsveranstaltung und auch bei der Abschlusszeremonie im B.C.Place Stadium teleskopiert eine an Traversen unter der Studiodecke befestigte MAT-TOWERCAM FX fast drei Meter tief in das Bühnengeschehen und liefert dadurch fantastische Rundumblicke von oben. Der Vorteil der MAT-TOWERCAM FX gegenüber seilgeführten Systemen, ist die Traglast von schweren und großen Broadcastoptiken. So garantiert das System nicht nur spektakuläre Bilder von oben, sondern auch präzise und scharfe Naheinstellungen. Am Bühnenboden korrespondierte die MAT-Cruisecam mit MAT-TOWERCAM Standard mit den Bildern von oben. Die MAT-CRUISECAM ist ein fernsteuerbarer, motorisierter Dolly, der auf 15km/h beschleunigen kann.

Auch beim Eiskunstlauf im Pacific Coliseum war unter der Studiodecke eine MAT-TOWERCAM FX positioniert.
Beim Skispringen in Whistler wurde mit der MAT-TOWERCAM XL mit einer max. Höhe von zehn Metern die höchste TOWERCAM gewählt. „Mit der MAT-TOWERCAM wollte ich kranähnliche Bewegungen simulieren. Dass das so erfolgreich und geschickt gelungen ist, hat mich am Anfang selbst ein bisschen verblüfft. Gerade an solchen Locations wie hier beim Skispringen zeigt die MAT-TOWERCAM ihre wahre Größe, bildlich gesprochen. Auf engstem Raum schafft das System saubere, geräuscharme, weiche vertikale Kamerafahrten in beliebiger Geschwindigkeit“, sagte Braun. Vorteil der MAT-TOWERCAM sei, dass sie sich in jeder Deko, im Studio oder auch draußen im Gelände einfach integrieren lasse, ohne dabei eine Sichtbehinderung wie bei schweren Kamerakränen darzustellen.

Die Bedienung der TOWERCAM war für jeden technisch versierten Operator möglich: mit einem Fußpedal wird die Teleskopsäule rauf- und runtergefahren, der Kamera-Remotehead wird am Steuerpult geschwenkt. Die MAT-Crew vor Ort berichtete laut Braun fast täglich von der Begeisterung der Kanadier über die MAT-Kameratechnik aus Deutschland.

HD Polecam von PMT

Mit PMT (Professional Motion Technology) zeigte in Kanada auch eine weitere Hamburger Firma Flagge. PMT war mit einer HD Polecam vor Ort in Whistler. Für die SRG als Host Broadcaster wurden alle Alpinen Ski Disziplinen produziert. Die Polecam wurde jeweils als Bestandteil des „Startpackage" am Start der einzelnen Disziplinen eingesetzt. Für die Übertragung des HD Bildsignals sowie alle anderen Signale wie Ton, Bild Tally, Intercom, Shading wurde das Telecast Copperhead Glasfasersystem eingesetzt, so konnten alle benötigten Informationen über mehrere Kilometer zwischen Venue und Polecam bidirektional übertragen werden. Der Copperhead wurde über die vorhandene vorverkabelte Glasfaser Infrastruktur angebunden, die auch für die anderen Kameras genutzt wurde. Insgesamt musste die Polecam zwölfmal unter zum Teil sehr schwierigen Bedingungen umgebaut werden. Der Transport des Equipments wurde auf Skiern realisiert.

Polecam bei den Paralympics

Einen besonderen Einsatz hatte das Polecam-System bei den Vancouver Paralympics. Hier wurde es von behinderten Video-Operatoren im Rollstuhl genutzt. Das System wurde dazu von der Universität Victoria in British Columbia umgebaut und erhielt neben einen CanAssist-System einen knapp drei Meter langen Polecam-Ausleger mit Schwenk-/Neige-Kamerakopf. Die Auf-/Nieder-Bewegung des Auslegers wird über ein Röhrchen per Mund durch Pusten oder Saugen gesteuert, die Pan-/Tilt-Bewegung über einen Joystick. Ein am Rollstuhl angebrachter HD LCD-Monitor zeigt die eingefangenen Bildausschnitte. Der 17 Jahre alte Steven Cayer war der erste CanAssist Polecam Rollstuhl-Operator in Vancouver.
Ein Erklär-Video zum Polecam-Rollstuhl wird im Internet unter www.canassist.ca/polecam angeboten.

CAMCAT-Seilkameras

Auch die österreichische CAMCAT-SYSTEMS GMBH war mit ihrem Seilkamerasystem bei den Olympischen Winterspielen vertreten. Das in der Nähe von Wien ansässige Unternehmen ist im Mai 2009 von Alexander Brozek und Thomas Schindler gegründet worden und hat die erfolgreichen Spezialkamerasysteme von Georg Rihas insolventer Firma FWG/Ultimate Pictures (früherer Label Name: Brains & Pictures) übernommen.
Im Einsatz waren bei den Olmpischen Winterspielen 2010 zwei CAMCAT-Systeme: eine CAMCAT Vertical war im BC Place Stadium aufgebaut und eine CAMCAT Standard filmte die Athleten auf der Buckelpiste in Cypress Mountain.
Zusätzlich zu den eigenen Systemen hatte CAMCAT-SYSTEMS auch ein Spidercam Seilkamera-System im Gepäck, das von der Hamburger Spidercam GmbH angemietet worden war. Es war im BC Place Stadium installiert und wurde für die Eröffnungs- und Schluß-Veranstaltung sowie für die abendlichen Medaillen-Verleihungen genutzt.

Geschäftsführer Thomas Schindler: „Es freut uns, dass wir es aufgrund der ausgezeichneten Reputation der CAMCAT geschafft haben, ein weiteres österreichisches Seilkamerasystem nach Vancouver zu bringen.“
Die CAMCAT-Systeme werden bereits seit Jahren bei den Eröffnungs- und Schlussfeierlichkeiten der Olympischen Spiele eingesetzt. „Der Host Broadcaster OBS mietet die benötigte Technik weltweit zu.“, sagt Alexander Brozek von CAMCAT-SYSTEMS. „Man setzt seitens OBS auf hohe Qualität und größtmögliche Sicherheit, und da kann unsere CAMCAT auf jeden Fall punkten. Außerdem bieten wir all unseren Kunden speziell auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmte, maßgeschneiderte Lösungen. Unsere Techniker können auch unter schwierigsten Bedingungen eine ideale Installation und somit einen perfekten Shot abliefern.“ So musste zum Beispiel für den Einsatz auf der Buckelpiste ein eigens angefertigter acht Meter hoher Alu-Turm konstruiert und nach Kanada verschifft werden. Die Olympischen Spiele 2010 begannen für das Team von CAMCAT-SYSTEMS schon vor fast einem Jahr mit der Planung möglicher Kamerapositionen und ersten Begehungen der Spielstätten. In exakter Absprache mit dem Host Broadcaster und den Planern und Technikern vorort wurden die Möglichkeiten der Umsetzung analysiert und ein Aufbau- und Montageplan für den jeweiligen Einsatzort erstellt.

Im Falle des Olympiastadions galt es natürlich auch die Eventtechnik (Scheinwerfer, Projektoren, etc.) zu berücksichtigen. Insgesamt wurden rund neun Tonnen Equipment von Österreich nach Kanada geflogen.
Die CAMCAT-Systeme waren bereits bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City (2002), Athen (2004), Turin (2006) und Peking (2008) im Einsatz
Eckhard Eckstein
(MB 04/10)

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