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Auf Effizienz getrimmt

News: Produktion

Auf Effizienz getrimmt

Nach Ende der 31. Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zogen ARD und ZDF eine positive Bilanz. Das Zuschauerinteresse an ihren Übertragungen war hervorragend. Insgesamt schalteten 54,43 Millionen Menschen mindestens einmal die Sportsendungen oder die begleitenden Berichterstattungen im Ersten und dem ZDF ein. Wesentlichen Anteil am Erfolg der ARD/ZDF-Olympia-Mission hatten die Produktionsteams vor Ort. MEDIEN BULLETIN besuchte sie im International Broadcast Center (IBC) von Rio-Barra.

Vom 4. bis zum 21. August 2016 berichteten ZDF und ARD im täglichen Wechsel über 300 Stunden live von den 31. Olympischen Sommerspielen. Hinzu kamen fast 50 Stunden Olympia-Zusammenfassungen und rund 1.000 Stunden Livestreams auf den Online-Seiten der Sender sowie eine umfassende Berichterstattung in den ARD-Radioprogrammen. 

Bemerkenswert waren nach Angaben der Sender die zum Teil sehr hohen Einschaltquoten bei Sportarten, die außerhalb von Olympischen Spielen weniger Beachtung finden. Durchschnittlich schauten 2,91 Millionen Zuschauer die Live-Olympiaberichterstattung bei ARD und ZDF (Marktanteil: 22,5 Prozent). Das ist deutlich mehr als 2008 in Peking (1,89 Mio./Marktanteil: 28,5 Prozent), aber etwas weniger als 2012 in London (3,55 Mio./Marktanteil: 24,8 Prozent). Im Schnitt 2,90 Millionen Zuschauer verfolgten die gesamte Olympia Live-Berichterstattung im Ersten, das entspricht einem Marktanteil von 22,9 Prozent. Den höchsten Einzelwert für die ARD erzielten die deutschen Beachvolleyball-Damen: Das Halbfinale im Ersten kam auf 8,55 Millionen Zuschauer (Markanteil: 28,7 Prozent).

Beim ZDF waren 2,91 Millionen Zuschauer im Schnitt aller Live-Übertragungen aus Rio dabei, der Marktanteil betrug 22,1 Prozent. Den Top-Wert konnte das ZDF am 11. August 2016 beim Bogenschießen verbuchen, dieser Wettkampf zog 7,52 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer (Marktanteil: 25,6 Prozent) in seinen Bann. NDR Intendant Lutz Marmor: „ARD und ZDF waren in Rio ein Olympiateam. Sie haben redaktionell sowie bei Produktion und Technik so intensiv und vertrauensvoll zusammengearbeitet wie nie zuvor. Mit großer Fachkompetenz haben die Kolleginnen und Kollegen dem Publikum auch Sportarten näher gebracht, die sonst nicht im Fokus stehen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben das honoriert und unser Angebot trotz der Zeitverschiebung sehr gut angenommen.“ 

Und ZDF-Intendant Thomas Bellut erklärte: „Die Übertragungen aus Rio haben erneut eindrucksvoll bewiesen, dass wir es können: Das ZDF hat zusammen mit der ARD einen hervorragenden Olympia-Auftritt hingelegt, der den eigenen Ansprüchen an Qualität und Kompetenz gerecht wurde. Die Zuschauer erwarten die ganze olympische Vielfalt bei den öffentlich-rechtlichen Sendern - und sie wurden auch in Rio nicht enttäuscht.“

Ausführliche Berichterstattung rund um die Uhr gab es auch im Radio: Das ARD-Hörfunkteam in Rio hat den etwa 50 Hörfunkwellen des Senderverbundes rund 1.500 Live-Reportagen und Konferenzschaltungen sowie mehr als 1.000 Nachrichtenstücke und Storys angeboten. Dazu kamen fast 1.250 Live-Gespräche für einzelne Programme. Insgesamt wurden mehr als 18.000 Sendeplätze bestückt. Die Berichterstattung in den Radioprogrammen der Landesrundfunkanstalten wurde täglich von über 35 Millionen Hörerinnen und Hörern verfolgt.

Das Interesse an den Internet- und Livestreaming-Angeboten von ARD und ZDF war ähnlich hoch wie zu den Olympischen Spielen in London 2012. Die Seite sportschau.de/Olympia verzeichnete 28,5 Millionen Visits und 135,2 Millionen Page Impressions (PIs). Die Livestreams (Internet und HbbTV) erzielten insgesamt 22,4 Millionen Zugriffe. Die On-Demand-Videos (Internet und HbbTV) wurden 6,6 Millionen Mal abgerufen (ohne Nutzung in der ARD und Das Erste Mediathek). Das ZDF erzielte mit allen Seiten zu Olympia 2016 (rio.zdf.de) 21,7 Millionen Visits und 205,1 Millionen PIs. Die Livestreams (ohne HbbTV) verzeichneten insgesamt 9,0 Millionen Sichtungen, die Abrufvideos (ohne HbbTV) erreichten 4,2 Millionen Sichtungen.

Zufrieden mit dem Publikumsinteresse waren ARD und ZDF auch bei den 15. Paralympics (7. bis 18. September 2016). Insgesamt schalteten 20,62 Millionen Zuschauer mindestens einmal die Übertragungen bei ARD und ZDF ein. Das sind 27,5 Prozent aller potenziellen TV-Zuschauer. Durchschnittlich 0,49 Millionen Zuschauer verfolgten die Übertragungen beider Sender. Das entspricht einem Marktanteil von 6,8 Prozent.

 

Technische und personelle Kooperation

Für die ARD lag die Federführung der Olympia-Berichterstattung beim NDR, der in Rio de Janeiro auch die Gesamtleitung der ARD/ZDF-Mission inne hatte. „Hierbei wechseln sich ARD und ZDF von Spielen zu Spielen immer ab“, sagte Dieter Thiessen, für die Olympia-Planung verantwortlicher Technischer Leiter des NDR. In Rio de Janeiro arbeitete er, wie schon bei den vergangenen Olympischen Spielen, wieder eng mit Gunnar Darge, dem zuständigen Technischen Leiter des ZDF, zusammen.

Dreh- und Angelpunkte der olympischen Übertragungen waren das gemeinsame ARD/ZDFStudio im Olympic Park von Rio de Janeiro im Vorort Barra sowie das Internationale Broadcast Center (IBC) am Rande des Olympic Parks. Hier waren ARD und ZDF neben vielen anderen internationalen Sendern und dem Olympischen Host Broadcaster OBS (Olympic Broadcast Services) mit ihrer zentralen Produktionstechnik und ihren Redaktionen untergebracht.

Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender kooperierten bei den Olympischen Sommerspielen und den Paralympics technisch und personell wieder sehr eng, um durch gemeinsam genutzte technische Infrastrukturen möglichst hohe Synergieeffekte erzielen zu können. Zum Einsatz kam dabei, wie schon seit Jahren, die gemeinschaftlich genutzte ARD/ZDF Mobile Produktionseinheit (MPE). Sie umfasst verschiedene Komponenten an technischem Equipment wie Kameras, Server, Displays oder Bildmischer. Je nach Bedarf der Produktion wird die MPE konfektioniert und vor Ort als Regie aufgebaut. Die Inventarisierung, Lagerung und Verwaltung des Equipments liegt dabei beim ZDF. Die MPE wird überwiegend für Sportgroßveranstaltungen eingesetzt, so auch bei der UEFA Euro in Frankreich. Direkt im Anschluss daran wurde sie nach Rio de Janeiro verfrachtet. Insgesamt handelte es sich dabei um 87 Tonnen Material. Die MPE wird durch neues Equipment ergänzt oder durch das Hinzumieten von Equipment je nach Bedarf erweitert. So wurden in diesem Jahr mit der MPE erstmals Sonys neue ICP-X7000 Panel und der Videomischer XVS-8000 eingesetzt.

Das IBC in Rio-Barra bestand aus zwei Stockwerken. Im Erdgeschoss waren unter anderem BBC, NBC, CBC, ORF und einige asiatische Sender untergebracht, im ersten Stock unter anderem OBS, TV Globo und ARD/ZDF. Die deutschen Sender nutzten hier eine Fläche von circa 2.600 Quadratmetern. Untergebracht waren hier auch der ARD-Radiobereich auf rund 350 Quadratmeter Fläche, ein Pausenbereich mit eigenem Catering, die beiden Produktionsbüros von ARD und ZDF, Archiv, Leitungsbüro und ein Großraumbüro für die ARD-Redaktion und deren Kopfgruppen zur Planung der Sendungen. „Das Großraumbüro für Redaktion haben wir im Zeichen der Trimedialität und der neuen Kommunikationswege geplant. Die Bereiche dort sind aufgeteilt in Online und News und drei Planungsgruppen für die verschiedenen Sendungen, eine für die Highlights und die beiden anderen, die den Tag über Sport machen“, erklärte Thiessen.

 

ARD und ZDF im IBC

Der ARD/ZDF-Technikbereich im IBC war einzelnen Clustern zugeordnet und bestand unter anderem aus Hauptregie, zwei Subregien, einer Streaming-Regie, Hauptschaltraum, Zentralem Geräteraum, Serverraum, Ingest- und Sonderformat-Raum (Sofo), drei Kommentatorenplätzen (Off-Tubes), die zu den Regien geschaltet werden konnten, DV-Bereich und dazugehöriger Administration, zwei Grafik-Plätzen, zwei Audio-Mischplätzen mit Fairlight-Pulten, einer Dolmetscher-Kabine und aus dem Schnittbereich mit zwei weiteren Off-Tubes. Im Schnittbereich standen insgesamt 21 miteinander vernetzte Avid-Plätze zur Verfügung. ARD und ZDF nutzten je sieben Avid- und EVS-Plätze im täglichen Wechsel. Beide Sender hatten zudem jeweils sieben Avid-Schnittplätze zur eigenen Disposition. „Dazu gibt es auch noch in den beiden Subregien EVSen und EVS-Plätze, die genutzt werden, um bei den dort betreuten Sportarten Zusammenschnitte zu realisieren“, berichtete Darge. Zur Kommunikation im IBC, zwischen den einzelnen Venues und nach Deutschland nutzten ARD/ZDF sechs Riedel Artist Matrixen mit 632 Ports. Über 200 Riedel-Panels kamen dabei zum Einsatz. Möblierung und Gestaltung ihrer technischen IBC-Räumlichkeiten hatten ARD und ZDF selbst realisiert. „Wir haben bei OBS leere Räume ohne Türen bestellt und haben sie von unseren NDR-Bühnenbau-Kollegen einrichten lassen“, berichtete Darge. ARD und ZDF waren in Rio de Janeiro mit 480 Mitarbeiter für Redaktion, Produktion und Technik vertreten. „Das sind weniger als bei den letzten olympischen Spielen in London, weil wir hier an den drei Sportstätten Reiten, Rudern und Schwimmen Remote Produktionen ausführen und nur noch bei der Leichtathletik vor Ort produzieren“, erklärte Thiessen. Dazu hatte man den Ü-Wagen NDR Ü2 nach Brasilien geholt.

Über Glasfaserstrecke angebunden war die Hauptregie auch mit dem gut drei Kilometer vom IBC entfernten Deutschen Haus, wo abends deutsche Sportler ihre Siege feierten. Dort befand sich eine Stand-up-Position mit MediorNet Frame zur Verbindung der EB-Teams vor Ort mit der Regie.

Die von ARD/ZDF eingesetzte Produktionstechnik in Rio sei im Prinzip identisch mit der bei der UEFA Euro in Paris genutzten. Dazu habe man lediglich noch einige zusätzliche Technik-Komponenten angemietet. ARD und ZDF setze bei den Sport-Großevents auf bewährte Lösungen und Konzepte. Das gelte auch für die beiden Audio-Mischplätze mit den Fairlight-Pulten, die so bereits auch schon in Peking und London am Start waren. Der von OBS angebotene 5.1-Ton wurde nicht genutzt. „Beim Ton bleiben wir komplett bei Stereo weil eine 5.1-Signalführung, mit allem was dazu gehört, mit Blick auf unsere Workflows eine gewisse Komplexität darstellt. Da machen wir lieber ein sauberes Stereo-Signal“, betonte Thiessen. Und Darge berichtete: „Das einzig wirklich neue am Olympia-Konzept von ARD und ZDF ist im Grunde die Remote-Anbindung von drei Venues über die beiden Subregien.“ Das Remote-Konzept sei entstanden, weil ARD/ZDF nicht alle für die unilaterale Berichterstattung vorgesehenen Sportstätten mit umfangreicher Technik ausstatten wollte. „Da hätten wir sonst einen Ü-Wagen oder große Container, wo die ganze Technik einbaut ist, hinstellen müssen. Außerdem ist die Remote-Technik heute soweit, dass man damit sicher arbeiten kann“, meinte Darge. In den Sportstätten für Reiten, Rudern und Schwimmen seien Kommentatorenplätze und für das Schwimmen noch zusätzlich eine Presenter Plattform gebucht worden. Im jeweiligen Venue wurde in einem angemieteten Office Container die Video-, Audio-, und Netzwerktechnik installiert. Die dort aufgebauten eigenen Kameras, sowie die Videokreuzschienen wurden vom IBC aus ausgesteuert beziehungsweise geschaltete, und deren Signale lagen direkt in den jeweiligen Subregien von ARD und ZDF im IBC auf. Die Leitungsanbindung erfolgte über Gigabit Ethernetleitungen und NetInsight Nimbra-Systemen des NDR. „Mit den Nimbra Systemen sind wir sehr zufrieden. Die laufen wirklich sehr stabil. Wir besitzen davon eigene Systeme und haben in den letzten Jahren extrem viel Erfahrungen bei den Internationalen Leitungsanbindungen damit gesammelt“, sagte Darge.

Ebenfalls remote ausgesteuert wurden die Kameras im rund 1,5 Kilometer vom IBC entfernten gemeinsamen Studio im Olympic Park. Dort hatten ARD und ZDF fünf Kameras im Einsatz, beim Schwimmen waren es vier und beim Reiten und Rudern jeweils zwei. Eine Subregie im IBC war für die Schwimm-Wettbewerbe zuständig, die andere für Rudern oder Reiten. Darge: „Jede Subregie macht ihr eigenes volles Programm und liefert das der Hauptregie zu. Die entscheidet dann, ob sie das Signal übernimmt oder etwas anderes sendet. Im letzteren Fall wird das Subregie-Signal aufgezeichnet und wir können es dann später nachschieben. Die Hauptregie ist ansonsten für unser Studio im Olympic Park zuständig.“ Durch die Remote-Anbindung der drei Venues und des Studios habe man die Olympia-Produktion auf mehr Effizienz getrimmt. Ein Glasstudio innerhalb des olympischen Parks wurde von ARD und ZDF erstmals bei den Olmpischen Winterspielen  2014 in Sotschi genutzt, nachdem man bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London an einem ähnlichen Konzept der BBC Gefallen gefunden hatte. „Das kam sehr gut an“, meinte Darge. In Rio hatten die Öffentlich-rechtlichen das gleiche Studio mit der gleichen Innenausstattung wie in Sotschi dabei. Das 100 Quadratmeter große ARD/ZDF-Studio in Rio-Barra befand sich in einer von OBS errichteten Gebäude-Konstruktion mit drei Stockwerken, in der insgesamt zwölf Studios untergebracht waren. 

Die ARD/ZDF MPE  für Rio war komplett aus Paris von der UEFA Euro nach Rio transportiert worden. Am 10. Juli war dort das Endspiel, am 11./12. wurde die Technik abgebaut und in Luxemburg in eine Cargo-Maschine verladen und nach Brasilien geflogen. Das gesamte technische Setup für die Olympischen Spiele in Rio wurde vor der UEFA Euro in Mainz zusammengestellt und bereits für Rio konfiguriert. Die Zeit wäre zu knapp gewesen das vor Ort zu machen.  „Eine ähnliche Situation hatten wir auch bei der EM in Polen/Ukraine und den anschließenden Sommerspielen 2012 in London. Auch da war nur wenig Zeit zwischen den Events“, meinte Thiessen.

Gleich zu Anfang der Spiele in Rio war bei ARD und ZDF der Schrecken groß als zwei Container mit Bühnenmaterial, Kabeln und technischen Geräten, die per Seefracht nach Brasilien geschickt worden waren, bei einem bewaffneten Raubüberfall abhanden kamen. Container und Material tauchten jedoch unbeschadet wieder auf. Anderntags sorgte ein nächtlicher Fehlalarm im IBC beim ZDF für 15 Minuten Sendepause. Auch mit anderen Problemen bei Leitungen und Stromversorgung oder auch beim Personal-Transport zu und von den Venues galt es klar zu kommen. Das Produktionsteam von ARD und ZDF meisterte solche Herausforderungen mit Professionalität und der nötigen Gelassenheit.

 

Qvest Media unterstützt ARD/ZDF 

Rund 60 Prozent der eingesetzten technischen Ausrüstung stammt aus der MPE von ARD und ZDF. Erweitert wurde die ARD/ZDF-Technik in Rio de Janeiro, wie schon zuvor bei der UEFA Euro in Frankreich, insbesondere durch Mietequipment von Qvest Media und SonoVTS. Von SonoVTS stammte das Produktionsequipment an den drei Remote-Venues Reiten, Rudern und Schwimmen sowie der Großteil der zugemieteten Monitore. Dabei handelte es sich Modell der SonoVTS-eigenen HD2line-Serie. „Die setzten wir gerne ein, weil sie SDI- und Ethernet-Schnittstellen haben, Audiometer-Einblendungen ermöglichen, keine Lüfter haben und sehr robust sind“, betonte Thiessen. Qvest Media ergänzt den ARD/ZDF-Technikpool mit einer vernetzten HD-Produktions- und Sendeinfrastruktur. Das Set-up bestand im Kern aus EVS- und Avid-Technik, die exakt auf die Programmanforderungen der Sender zugeschnittenen war. Zentraler Ingest, Highlight-Schnitt und Playout erfolgen mit einer EVS-Installation die sich aus 14 EVS IP Director, acht XT Access Systemen sowie 21 EVS XT[3] Produktionsservern mit Multicam 14 Software zusammensetzt. Die EVS XT[3]-Server wurden eigens für die Sportübertragungen mit neuen 10 GigE Interfaces bestückt sowie mit der neuesten Audio-IO Generation ausgerüstet. Für ihre umfangreiche redaktionelle Berichterstattung und Nachbearbeitung setzten ARD und ZDF auf eine vernetzte Avid-Infrastruktur mit den erwähnten 21 angeschlossenen Craft Editing-Plätzen und einem Avid Zentralspeicher mit 576 TB Kapazität. Der File-Ingest in die Avid-Umgebung erfolgte wahlweise über XT-Access aus dem EVS-Netzwerk oder MOG F1000 Multiformat-Systeme. Dadurch wurde den Redaktionsteams das reibungslose Einspielen und Bereitstellen von Videomaterial mittels Avid Interplay ermöglicht. Von den non-linearen Schnittplätzen, ausgestattet mit Media Composer Workstations, lässt sich das Material aus dem ISIS Produktionsspeicher abrufen und editieren, bevor es über Interplay Transfer Engines an die EVS Playout-Server übergeben wird. 

Auch die Ausstattung der Grafikbearbeitung steuerte Qvest Media aus seinem Technikpool bei. Echtzeit-Grafik-Elemente wurden im Rahmen der Berichterstattung mit den Tools Viz Artist und Trio von Vizrt realisiert. Diese greifen dazu auf einen voll redundanten Grafik-Hub zu.

Während des Pre-Build in Mainz stand den Sendern ein Support-Team von Qvest Media zur Seite und nahm gemeinsam mit den MPE Kollegen von ARD und ZDF die technische Konfiguration der Systeme vor. Auch in den Bereichen Bildregie, Monitoring und Controlling stellte Qvest Media weiteres AV-Equipment für die Arbeitsplätze bereit: Dazu zählen unter anderem Komponenten für die Riedel Artist Digital Matrix Intercom-Plattform zur internen Kommunikation im IBC und via Netzwerk zu den Remote Venues. Die Verteilung der Bildsignale wurde mit Multiviewer-Systemen von Evertz gelöst, das Monitoring mit Messgeräten von Tektronix. Darüber hinaus ergänzten MAZen und Recorder von Sony und Panasonic sowie mehrere High-end Formatkonverter der Serien Alchemist und Kudos von Snell Advanced Media (SAM) die Produktionsausstattung. Nach der Abschlussfeier der Sommerspiele am 21. August blieb das IBC-Equipment noch für rund weitere vier Wochen vor Ort, um auch bei den 15. Paralympischen Sommerspielen genutzt zu werden. 

Neben den erweiterten Remote-Produktionen gab es bei ARD und ZDF in Rio auch Innovationen in Sachen 360-Grad-Video. Dazu wurden von beiden Sendern entsprechende Apps sowie die Eröffnungs- und Schlussfeiern und einzelne Wettbewerbe via Live-Stream und Abrufvideo angeboten (siehe: http://rio.sportschau.de/rio2016/360/ und https://vr.zdf.de/). Die entsprechenden Bilder wurden erstmals von OBS produziert und den Rechtehaltern angeboten. Zusätzlich wurden aus dem laufenden Live-Programmangebot von OBS noch sechs Internet-Live-Streams mit über 1.000 Stunden produziert. Der Großteil der Live-Kommentierung dazu erfolgte in den fünf Off-Tubes von ARD und ZDF im IBC. Das war übrigens auch schon in London und Sotschi so.  

Insgesamt machten die Produktionsteams von ARD und ZDF in Rio de Janeiro einen guten Job. Es könnte der letzte dieser Art sein. Die Übertragungsrechte für die kommenden Olympischen Spiele hat Eurosport/Discovery erworben. Und bis zum Redaktionschluss dieser Ausgabe konnten sich ARD/ZDF mit dem neuen Rechtehalter auch nach langen Verhandlungen noch nicht über den Erwerb von Sublizenzen für Deutschland einigen. Dabei müssten die technischen Vorbereitungen zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang, Korea, schon lange laufen. „Wir haben bereits viel Zeit für die Planung der nächsten Olympischen Spiele verloren. Das macht uns richtig Sorge“, meinte dann auch Gunnar Darge.

Eckhard Eckstein

MB 4/2016

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