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„Bei uns wird HD vernünftig angefasst!“

Seit Juni bieten die drei Berliner TV- und Film-Dienstleistungsunternehmen Berliner Union-Film, Media factory berlin und PostFactory zusammen mit dem auf HD spezialisierten Ludwig Kameraverleih, München, ihre Leistungen am Standort Berlin-Tempelhof auch als kompakten Service „aus einer Hand“ an.

Unter dem Motto „Experts and Service“ hat man eine strategische Allianz gebildet, die sich als Innovationsmotor für digitale Film- und TV-Projekte mit dem Schwerpunkt High-Definition versteht – und „als großer Partner für Film- und Fernsehproduzenten“ auch in Bezug auf eine optimale Beratung.

„Bislang waren wir am Standort Berlin-Tempelhof Einzelkämpfer“, sagt Karl-Heinz Dohms, Geschäftsführer der Media factory berlin, die sich mit fünf Subfirmen als ein Full-Service-Media-House für alle Bereiche der digitalen Postproduktion im Bereich Movie, TV-Serie, Werbung und Synchronisation positioniert. Wobei in den letzten zehn Jahren eine namhafte Referenzliste mit auftraggebenden Sendern und Produzenten entstanden ist, die mittlerweile durch „wirklich sehr interessante Projekte“, wie Dohms sagt, aus Europa wie zum Beispiel Ukraine und Estland ergänzt wird. Seitdem sich der benachbarte Atelierbetrieb Berliner Union Film unter der Leitung von Helge Jürgens (ehemals Endemol) mit seinen fünf Studios neu orientiert und investiert (MEDIEN BULLETIN, Ausgabe 02/07), habe man nach Möglichkeiten Ausschau gehalten, „den Standort Berlin-Tempelhof gemeinsam zu verstärken“.

HD Factory & Strategische Allianz
Klar, dass sich in der digitalen Zukunft alles um HD drehen wird. Also hat Dohms solide Media factory berlin in einem Zwischenschritt zusammen mit dem rührigen Jens-Theo Müller vom High-End-Postproduktionsunternehmen PostFactory das neue Label HD Factory als eine „Division“ beider Firmen in der Oberlandstraße in Berlin-Tempelhof etabliert. Sie bietet in Berlin das „umfassendste Angebot für HD-Postproduktion“, weiß Müller. Egal, so Müller, ob es um Kinofilm, Commercial, TV-Movie oder die Musik-DVD gehe: „Wir finden den richtigen Workflow.“

Eingebunden ist in der HD Factory auch das Effekt-Know-how von PostFactory: eine komplette VFX-Abteilung, die von der Betreuung der Film- und TV-Produktion am Set, bis zur Workgroup basierten Bearbeitung von 3D-Animationen und Compositings reicht. Zwar betreiben die beiden Partner zusammen nach eigenen Angaben schon jetzt den „in Berlin umfangreichsten Technikpark für die Film- und TV Produktion“. Doch wollen sie ihr gemeinsames Angebot mit weiteren Investitionen ausbauen und ergänzen. So sind „hochwertiges Filmrecording und weitere Workgroup-basierte VFX-Arbeitsplätze“ geplant. Außerdem sollen die Datenübertragungssysteme im Netzwerk zwischen den Standorten durch HD-Codecs optimiert- und eine zentrale Disposition zur Projektsteuerung eingerichtet werden.
Vierter Partner in der „strategischen Allianz“ am Standort Berlin Tempelhof, die sich – wenn gewünscht – auch in einem „Komplettpreis“ von Beratung, Studio über Dreh, Postproduktion bis zur Fertigstellung des Sendebands widerspiegeln kann – ist das Unternehmen Ludwig Kameraverleih. Dabei handelt es sich um den in Deutschland – vermutlich sogar in Europa – größten auf HD spezialisierten Kameraverleih. Er biete das „gesamte HD-Kamera-Spektrum an“, sagt Müller. Dohms betont „die gute Zusammenarbeit“, die man schon mit Ludwig Kameraverleih bei der preisgekrönten in HD gedrehten ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ gehabt habe, eine Produktion von Hofmann & Voges, mittlerweile unter dem Dach von Odeon Film, Berlin. Bislang hatte sich Ludwig Kameraverleih nur in München, Hamburg und Köln stationiert. Jetzt wird eine neue Berliner Dependance auf dem Gelände der Berliner Union Film aufgebaut.

Damit ist in der Tat ein neues Full-Service-Angebot in der Berliner Oberlandstraße rund um die digitale Film- und TV-Produktion entstanden, nur zirka 15 Minuten über die Autobahn vom Kurfürstendamm entfernt. Die City-Lage mit kurzen Wegen zu allen notwenigen Produktionsdienstleistungen vor Ort loben die vier Partner denn auch aus. Gemeinsam betonen sie in einer Erklärung zu ihrer strategischen Allianz ebenso: „Um Ressourcen zu bündeln, um Kreativität und Synergien zu steigern, geht der Weg dahin nicht über Firmenzusammenschlüsse oder -übernahmen, sondern über ein neues Modell der Kooperation, über einen aktiven Zusammenschluss von Partnern an einem Standort.“ Im Klartext: Man will die bisherige „Eigenständigkeit“ als jeweilige Firma erhalten, aber gleichzeitig auch „gemeinsam“ neue Kunden akquirieren. Ein gesundes Modell, das man in Berlin-Brandenburg seit längerem anstrebt, in der Vergangenheit aber eher nur virtuell im Internet denn pragmatisch in der vernetzten Wirklichkeit an einem realen Standort erprobte.

Ziel der neuen Allianz am Standort Berlin-Tempelhof ist es, „eines der kreativsten und umfassendsten Service-Angebote für die Film- und TV-Branche“ anzubieten, „mit Blick in die Zukunft“, wie Dohms betont. Von der Kameraaufnahme bis zur Postproduktion, von der Kopierwerksleistung bis zur Ausbelichtung, von der Synchronisation bis zur Mischung, vom Studiobau bis zur Liveübertragung – ob in Film oder Video, ob in SD, HD oder 2K, das alles will der Standort Berlin-Tempelhof nun kompetent und zukunftsorientiert seinen Partnern und Kunden bieten. Müller: „Kein anderer Berliner Serviceprovider kann auch nur annähernd vergleichbare tief gestaffelte Leistungen anbieten.“ Gerne, so Dohms, sei man zum Beispiel auch bereit, bei Bedarf Co-Produktionen im Filmbereich einzufädeln.

„Ganzheitliche Lösungen“
„Bei uns wird HD vernünftig angefasst!“, verspricht Jens-Theo Müller, der auch Mitinitiator der regionalen Workshopreihe „HD at Work“ ist. Schon seit vier Jahren sind die zur HD Factory zusammengeschlossenen Firmen Media factory berlin und PostFactory in Sachen HD aktiv. „HD ist ein neues Medium“, sagt Müller, und hat dementsprechend noch Kinderkrankheiten, die sich vor allem auch bei den verschiedensten Konvertierungstechniken ergeben, die heute noch notwendig sind, um schlussendlich den Sendern sowohl ein optimales HD- als auch SD-Masterband abliefern zu können. Zu 80 Prozent, so die Erfahrung von Dohms, werde das HD-Master bereits heute von den Sendern zusätzlich angefordert, auch wenn bekanntlich zurzeit nur sporadisch in HD ausgestrahlt wird.
Dohms registriert noch einen „Abstimmungsbedarf in Bezug auf Workflows, Kostenstrukturen und die Verwendbarkeit von HD-Mastern hinsichtlich der finanziellen Mehrwerte in den verschiedenen Verwertungsketten“. Nicht immer, so Müller, kann aktuell angeraten werden, gleich auf HD anstatt auf Film zu drehen, da die klassische Qualität und angestrebte Optik der herkömmlichen Filmbelichtung via HD zumal bei fiktionalen Programmen nicht unbedingt auf Anhieb erreicht werden kann. Man muss von Fall zu Fall neu entscheiden. Klar ist andererseits, so weiß Dohms, dass HD der hochqualitative Standard der Zukunft als Basis für alle digitalen Verbreitungswege einschließlich Mobile und IPTV sein wird. Zum Beispiel für Werbespots im Internet, so fügt Müller aus Erfahrung hinzu, braucht man trotz der noch relativ geringen Pixel-Übertragungsdichte schon eine hoch aufgelöste HD-CAM, um beispielsweise an Details, die in der Werbung wichtig sind, auch optimal heranzoomen zu können.

Man muss, so Dohms, für die digitale Welt viele Spezialisierungen en détail berücksichtigen, den Workflow neu organisieren und logistisch neu strukturieren. Sicher aber sei, so Dohms: „Mit einem HD-Master hat man immer den Vorteil, dass man für alle Vertriebswege von DVD über Handy-TV bis Internet-Stream die jeweils optimale Version generieren kann.“ Vorrausetzung dafür ist der gekonnte Umgang mit dem neuen Medium HD in allen einzelnen Produktionsprozessen: von der Auswahl des Aufnahmeformat über Slow-Motion, Blue Box bis zu optimalen digitalen Effekten. Auch hier soll der „Netzwerkgedanke“ greifen: HD Factory arbeitet mit anerkannten Spitzenkräften zusammen, die dem Kunden und dem Operatorteam mit ihrem umfangreichen Know-how zur Verfügung stehen: etwa mit Manfred Büttner („Oliver Twist“) als VFX-Consultant oder mit Solo Avital („Afrika mon Amour“) als VFX-Supervisor.

Darüber hinaus hoffen die Partner, dass sich die TV-Serien-Produktion, in der Berlin-Brandenburg in jüngerer Vergangenheit große Stärke erobert hat, weiterhin positiv entwickeln wird. „Wir sind überzeugt, dass in sehr kurzer Zeit die Produktion in HD sich auch bei seriellen Produkten als sinnvoll herausstellen wird“, sind sich Martin Ludwig, Inhaber Ludwig Kameraverleih und Helge Jürgens von der Berliner Union Film sicher. „Uns geht es nicht um reine Zahlen oder das billigste Angebot, sondern um die Idee einer starken und kundenorientierten Zusammenarbeit. Wir sind davon überzeugt, dass ganzheitliche Lösungen – besonders im Berliner Markt – in Zukunft einen noch größeren Stellenwert haben werden“, betont Müller von der PostFactory, übrigens eine Tochterfirma der Babelsberger TeleFactory, die mit ihrer Dependance im dortigen fx.Center weitere Möglichkeiten auf dem Babelsberger Studio Gelände zur der Allianz beisteuern.
Erika Butzek (MB 09/07)


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