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Berliner Wahl-Marathon

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Berliner Wahl-Marathon

Die Bundestagswahl am 24. September generierte auf allen Kanälen eine wahre Bilder- und Informationsflut. Die involvierten Studios überboten sich mit Zuspielungen und Schalten zu zahlreichen Wahl-Locations. Ohne ausgefeiltes Konzept für die Signalübertragung und enormen technischen Produktionsaufwand hätte all das nicht so reibungslos funktioniert. Eine wichtige Rolle spielte hierbei der Kölner Dienstleister MEDIA BROADCAST. Parallel zur Bundestagswahl bediente er auch noch den Berlin Marathon mit Übertragungstechnik.

Allein in Berlin gab es 16 Locations, die MEDIA BROADCAST für die Live-Übertragungen von ARD, ZDF, SWR, N24, Cine+, Bild online, infratest dimap und anderen angebunden hatte. Zusätzlich gab es Schalten zur CSU-Zentrale in München, aus dem Saarland und die ZDF-Zentrale in Mainz musste mit dem ZDF-Wahlstudio verbunden werden, das nicht im Hauptstadtstudio, sondern im Atrium der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom untergebracht war. Das ZDF hatte zudem einen Reporter auf dem Berliner Alexanderplatz, der dort mit einem LiveU-Rucksack unterwegs war. Zusätzlich brauchte die Forschungsgruppe Wahlen, die beim ZDF zu Gast war, eine stabile Breitbandleitung zu ihren Computern in Mannheim. Neben der Infrastruktur für die Übertragung der Wahlberichterstattung stellte MEDIA BROADCAST noch der EBU vier Einheiten plus Übertragungswege für die Berichterstattung vom Berlin Marathon zur Verfügung, der jeden letzten Sonntag im September stattfindet.

Das war noch längst nicht alles, denn auch für die Übertragungen von den regulär stattfindenden Spielen der 1. und 3. Bundesliga organisierte MEDIA BROADCAST die Übertragungstechnik, die von entsprechenden Dienstleistern angemietet wird. MEDIA BRODCAST selbst verfügt nur über neun SNGs (Satellite News Gathering-Fahrzeuge), drei davon sind mit Regie- beziehungsweise Produktionsplätzen ausgerüstet. Mit ihnen lassen sich bis zu fünf Kameras anbinden, was für Pressekonferenzen, kleinere Sportveranstaltungen oder andere Veranstaltungen ausreicht. Am Freitag vor der Wahl wurde etwa die Abschlussveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen mit drei MEDIA BROADCAST-eigenen Grass Valley-Kameras über ein MEDIA BROADCAST-SNG übertragen.

Die großen Ü-Wagen hingegen wurden von Studio Berlin angemietet, die dann am ARD-Hauptstadtstudio sowie an den Parteizentralen beziehungsweise den Orten der Wahlpartys standen. Um Kapazitäten an Technik und Mitarbeitern zu sparen, gibt es bei Veranstaltungen wie dieser seit 2000 das „Berliner Modell“. Hierbei teilen sich die Sender Aufgaben und poolen Bilder von den Wahlpartys der Parteien. Zu dieser Bundestagswahl kam die Schalte von der CDU von der ARD, von der SPD vom ZDF, die Deutsche Welle berichtete von der AFD, Phoenix von den Linken, N-TV von der FDP und N24 von den Bündnis90/Die Grünen. Immer mit eingebunden war auch der Hörfunk.

Das ZDF brachte seinen eigenen Fuhrpark mit, der hinter dem Wahlstudio in der Telekom-Repräsentanz und beim Willy-Brandt-Haus, dem Sitz der Bundes-SPD, aufgestellt war. Am Wahlstudio standen als Zentrale der MP2, der über 30 Arbeitsplätze verfügt – inklusive der beiden Social Media-Arbeitsplätze – und über den 30 bis 40 Kameras beziehungsweise andere Signalquellen wie Zuspieler und Außenstellen laufen können, ein Container, in dem sich nur EVSen zur Aufzeichnung aller Signale befanden, ein Schaltraumcontainer und ein Schnittmobil. „Wir sind gehalten alles aufzuzeichnen“, erklärt Jörg Bösendörfer, Technischer Leiter für Außenübertragungen beim ZDF. „So steht dann alles für Nachberichte am Montag zur Verfügung. Wir können maximal 25 Signale aufzeichnen, es werden aber nur zwischen 14 bis 21 gleichzeitig ankommen.“ Die sieben Außenstellen (sechs Parteistandorte in Berlin plus die CSU in München) waren mit bis zu drei Leitungen angebunden. Im Wahlstudio selbst waren zehn Kameras im Einsatz, vier davon drahtlos. Darunter drei Ikegami-Kameras, die auf Pumpen gefahren wurden, eine weitere war an einem Kran montiert. Die drahtlosen LDX-Kameras von Grass Valley wurden für Draufsichten von der Balustrade genutzt, um nah an die Personen heranzukommen und um dynamische Bilder zu erzeugen. Mit Ausnahme der Außenstellen, wo Personal projektbezogen hinzugenommen wurde, wurde der Einsatz mit Festangestellten des ZDF gemeistert. Dass dies in diesem Maße möglich ist, erklärt Bösendörfer mit dem Hinweis, dass das ZDF jeden Sonntag einen Gottesdienst überträgt; es also deshalb eine festangestellte Besetzung für die Ü-Wagen gibt. Insgesamt waren beim ZDF am Wahltag etwa 100 Leute auf technischer Seite im Einsatz. Auch bei der ARD sind es für die Wahlberichterstattung rund 100 Mitarbeiter gewesen.

Die Zahl erhöht sich jedoch auf 180 rechnet man die Berliner Runde mit ein und auf etwa 400 betrachtet man den Aufwand deutschlandweit, da ja auch die Landesstudios berichteten. Die Wahlnacht der ARD lief ebenfalls über einen Ü-Wagen obwohl die ARD aus dem Hauptstadtstudio sendete. Allerdings reichten dort die Kapazitäten für ein solch aufwändiges Unterfangen nicht aus, zumal von dort noch die Berliner Runde gesendet wurde. Neben dem Ü-Wagen befand sich ein kleineres Produktionsfahrzeug, in dem alle Signale eintrafen und vorkontrolliert wurden, bevor sie in den Ü-Wagen weitergeleitet wurden. Seit 2013 sendet die ARD aus dem Hauptstadtstudio. Zuvor war sie im Reichstag zu Gast, der nur wenige Meter entfernt liegt. Doch das wurde letztendlich zu teuer und aufgrund der Sicherheitsvorgaben zu aufwändig. Seitdem wird das Wahlstudio im ziemlich breiten, für kleinere Events geeigneten Flur im ersten Stock aufgebaut. Im Gegensatz zum ZDF, das einen quadratischen Raum zur Verfügung hat, ist es bei der ARD ein schlauchartiger Durchgangsraum, der zudem an einem Ende eine Treppe hat.

Die primäre Signalübertragung für alle Locations erfolgte über redundante Glasfaserleitungen. Als zusätzliches Backup stand an den Orten der Wahlpartys jeweils ein SNG von MEDIA BROADCAST. Wäre es zu einem Ausfall gekommen, hätte man das Bild weitersenden können. „Lediglich der Moderator wäre weg gewesen“, erklärt Werner Melzer, Produktionsleiter des ARD-Hauptstadtstudios nüchtern. Für die Signalübertragung hatte MEDIA BROADCAST Glasfaserkapazitäten von 16 Gigabit von der Telekom gemietet. Darüber lief nicht nur der Signaltransport der Fernsehsender, sondern auch von Live-Internet-TV, wie es Bild online anbot sowie alle anderen Services, die Online-Journalismus braucht. Die Signalverteilung erfolgte über das Broadcast-NGN der MEDIA BROADCAST, welches für die IP-basierte Kontribution der Live-Produktionen in ganz Deutschland genutzt wird. Anbieter von Web-TV-Services erhielten über MEDIA BROADCAST zudem performante Internet-Anschlüsse zum Absetzen von Beiträgen bei gemanagter Service-Qualität, die über die Qualität mobiler Zuspiellösungen weit hinausgehen. Broadcast NGN ist ein schnelles und sicheres Übertragungsnetzwerk für Broadcaster, das auf IP-Basis beruht. Broadcast NGN steht ausschließlich einer geschlossenen Benutzergruppe zur Verfügung, wodurch höchste Performance und Sicherheit gewährleistet werden soll. Für Orte, an denen keine Glasfaserleitung verfügbar ist, verwendet MEDIA BROADCAST Richtfunkstrecken. Da diese nur auf Sicht funktionieren, kommen in topografisch ungünstigen Lagen Masten von 25 respektive 40 Metern Höhe zum Einsatz. 

Für MEDIA BROADCAST waren in Berlin 25 Mitarbeiter im Einsatz. Vier davon beim Marathon, dessen Übertragungsknoten in den TV-Compound für das Weltbild verlegt wurde, um nicht mit dem für die Wahl in Konflikt zu kommen, und 21 für die Wahl. Davon bedienten drei die SNGs. Ein SNG stand beim Marathon, der wurde dann am Montag zur Nach-Wahlberichterstattung hinzu gezogen. Organisiert und geplant wurde der Technikaufbau und die benötigten Kapazitäten von Ulf-Andy Lüdtke, Leiter Technik bei MEDIA BROADCAST. Darüber hinaus übernahm er auch noch die Leitung des TV-Compounds des ZDF.

Thomas Steiger

MB 4/2017

©ZDF

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