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Bilder mit besonderem Punch

News: Produktion

Bilder mit besonderem Punch

Manchmal braucht es nur den gebündelten Willen, etwas Neues bei einer Fernsehproduktion auszuprobieren. So geschehen bei Steko’s Fightnight, einem Kick-Boxing-Event in München, das in 4K/UHD mit 35mm-Sensor-ARRI-Kameras von NEP Germany für ProSiebenSat.1 produziert wurde. Das Ergebnis – ein „Fightclub“-ähnlicher Look, cineastische Bilder und überaus zufriedene Beteiligte auf allen Seiten.

In einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen ProSiebenSat.1, ARRI und NEP Germany wurde erstmals eine Live-Sportproduktion mit ARRI-Multikameratechnik in UHD produziert und live im deutschen Fernsehen übertragen. Bei Steko's Fightnight Kickboxing-Event am 28. März 2019 kamen fünf ARRI AMIRA-Kameras und eine ARRI ALEXA Mini sowie Produktions- und Übertragungstechnik von NEP Germany zum Einsatz. Live gesendet wurde das Event in HD 1050i auf kabel eins und dem Sat.1-Streaming-Service ran Fighting sowie in UHD auf UHD1, dem UHD-Demokanal von HD+. Bei Steko´s Fightnight verteidigten unter anderem Marie Lang, Michael Smolik und Sebastian Preuss ihre WM-Titel. Auch die Event-Location war eine Besondere – so wurden die Boxfans in den Münchner Techno-Club MMA (Mixed Munich Arts) geladen und konnten unter anderem von einem Balkon aus das Kampfgeschehen von oben beobachten. Allerdings sorgte die Enge der Räumlichkeiten für eine besondere Herausforderung beim Kamera-Set-up.

„Die Idee war ursprünglich ein Konzert in einer neuen spannenden Weise abzufilmen. Nachdem sich das nie ergeben hat, habe ich überlegt, auf welche Sportart in unserem Portfolio man den cineastischen Look am besten übertragen kann. Da kam mir Boxen in den Sinn”, erklärt Kai Salzmann, Production Manager von 7Sports, der Sportbusiness-Unit von ProSiebenSat.1, und führt weiter aus: „Unabhängig davon denkt Mladen Steko auch sehr progressiv und möchte seinen Sport immer voran bringen. Er konnte sich vorstellen, dass die Zuschauer stehen anstatt steril zu sitzen. Außerdem mochte er den Gedanken, dass das Set einen gewissen Industriecharme im „Fightclub“-Stil bekommt.“ Eine Zusammenarbeit zwischen NEP Germany, ARRI und 7Sports wurde dann auf der IBC 2018 geschlossen. „Zusammen mit der Rückendeckung vom Sender haben wir uns dann an die Neukonzeptionierung gemacht”, erläutert Salzmann.

 

Produktion 

 

Die Bilder bei Steko’s Fightnight wurden in nativem UHD produziert – von der Kamera, über Slomo, bis hin zur eingesetzten Grafik. Der HD36 4K-Ü-Wagen von NEP diente dabei als Produktionsfahrzeug. „An der vorhandenen Infrastruktur des Ü-Wagens haben wir nicht viel verändert. Eigentlich haben wir nur eine weitere UHD-Kreuzschiene von Imagine Communications eingebaut und an den Controller angeschlossen. Die ARRI-Kameras haben wir damit verbunden und die Kreuzschiene als Verteiler genutzt, um auf zwei EVS VIA-Replay-Server zugreifen zu können”, erklärt Mark Overkamp, technischer Direktor von NEP Germany. Die EVS-VIA-Server wurden eingesetzt, um Wiederholungen und Highlights in UHD zu erstellen und sechs Kameras inklusive Programm und Clean Feed aufzuzeichnen. „Mit zwei EVS 4K wären wir nicht hingekommen. Die haben insgesamt nur vier Kanäle für In- und Output”, so Overkamp.

 

Neben dem Ü-Wagen stand der Produktion noch ein zweites Fahrzeug bei, in dem die Highlight-EVS und der Grafik-Operator untergebracht waren. Verbunden waren der HD36 4K und das Grafik-Fahrzeug (Fill & Key) über zwei 12G-Leitungen. „Die Basisstationen der ARRI-Kameras wurden über Glasfaser in den NEP HD36 4K integriert, einschließlich Gegensprechanlage, Cue-Light-Anschluss und PGM-Rückführung", so Overkamp und führt weiter aus: „Die größte Herausforderung auf unserer Seite war es, den Ü-Wagen so umzubauen, dass er am nächsten Tag im Standardaufbau wieder verwendet werden kann. Das hat aber sehr gut funktioniert.” 

Laut Salzmann war es von Vorteil, ein crossmediales Konzept zu fahren. So wurde das vollständige Event bis hin zum Kampf auf der OTT-Plattform ran Fighting gestreamt. „So konnten wir schon im Vorfeld des Kampfes ein erstes Gefühl dafür bekommen, wie die Live-Produktion mit den ARRI-Kameras funktioniert”, erklärt Salzmann.

 

ARRI-Kameras im Live-TV

 

Spricht man mit den Beteiligten der Produktion wird klar, dass ‘Out-of-the-Box’-Denken nötig war, um eine 4K-Live-Produktion mit ARRI-Kameras zu realisieren. Das bestätigt auch Thomas Stoschek, Sales Manager Camera Systems (Broadcast- und Multicam-Applikationen) bei ARRI. Nichtsdestotrotz glaubt er, dass sich ARRI-Kameras für gewisse Fernsehformate besonders empfehlen: „Wir haben auf der NAB 2019 gezeigt, dass wir den Broadcast-Markt in Zukunft immer mehr bedienen wollen. Grundsätzlich sind viele Studio-Produktionen dafür geeignet und auf der NAB haben wir das beispielsweise anhand einer Kochshow demonstriert. 

 

Einer der großen Vorteile ist der enorm hohe Dynamikumfang der Kameras. Aber auch in HDR lässt sich sehr gut arbeiten.” Aufgrund der kleinen Location war die Führungskamera auf einem Jimmy Jib-Kran befestigt. Zwei Handkameras waren direkt in den beiden Ecken am Boxring, ausgestattet mit Fujinon-Cabrio-Objektiven, untergebracht. Eine weitere Kamera, ausgestattet mit einem 10mm Ultra Prime von Zeiss, hat den Walk-In begleitet. „Die fünfte Kamera wurde für Interviews und Aufsager genutzt. Zu guter Letzt hatten wir die Alexa Mini mit einem 8mm Ultra-Prime-Objektiv von Zeiss als Beauty-Shot-Kamera im Einsatz, die die ganze Location abgebildet hat”, erklärt Stoschek. Aufgrund der höheren Lichtempfindlichkeit der Kameras in Kombination mit den PL-Mount Cinema-Optiken konnte eine Arbeitsblende (4,5-5,6) bei 500/600 Lux erreicht werden. 

Ganz so einfach wie mit herkömmlichen Broadcast-Kameras war die Produktion dann aber doch nicht. „Vor allem weil wir noch nie eine solche Produktion gemacht hatten, mussten sich alle Beteiligten richtig reinknien. Die Kameraleute etwa mussten durch den geringen Schärfepunkt der Kameras ständig die Schärfe ziehen”, erklärt Salzmann.

Keine Blaupause

 

Dass sich es durchaus lohnt, Risiko zu gehen und neue Dinge in der Live-Produktion zu wagen, müsste den Verantwortlichen an dem positiven Feedback aus der Branche klar geworden sein. So erklärte Overkamp etwa, dass es für ähnliche Projekte bereits Interessenten gäbe. Und auch bei 7Sports ist man sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Grundsätzlich können wir uns vorstellen, eine solche Produktion nochmal zu machen. Das Feedback auf der NAB zu den Bildern war sehr gut“, so Salzmann. „Und jetzt muss mit allen Beteiligten ein Resumé gezogen werden und dann wird man sehen”, ergänzt Alexander Rösner, Sportchef von ran. Man müsse sich immer fragen, was die Zuschauer in der heutigen Zeit vor die Bildschirme lockt. „Da sind die Faktoren Live und Local überzeugende Faktoren. Und gerade Sport ist sehr emotional und macht aus programmstrategischer Sicht oft den Unterschied”, findet Alexander Rösner und erklärt: „Diese Produktion ist bei weitem keine Blaupause für alle Sportarten. Es kann aber eine Option sein und das haben wir bei Steko’s Fightnight mit tollen Bildern bewiesen.”   

Niklas Eckstein 

MB 2/2019

© Ludwig Merk 

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