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Bolero-Interkom im BBC-Radio-Einsatz

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Bolero-Interkom im BBC-Radio-Einsatz

Um Kosten und personellen Aufwand zu reduzieren hat BBC Radio 5 Live bei seinen Radio-interviews von den diesjährigen Formel 1-Rennen erstmals Riedels drahtloses Intercom-System Bolero eingesetzt. Über den damit verbundenen einzigartigen Workflow sprach MEDIEN BULLETIN mit Riedels Motorsports Solutions Specialist Jakob Stellbrinck.

Donnerstagabend, je eine 20-minütige Pre-Event-Show. Freitag, Samstag und Sonntag dann alle Sessions live – der Aufwand der BBC Radio 5 Live war immer enorm, wenn das Team um Jennie Gow den Formel 1-Zirkus rund um die Welt begleitete. So ist das Team der BBC im Vorfeld mit mindestens fünf Mitarbeitern angereist, um ein aufwendiges Set-Up an Antennen und Empfangsstation aufzubauen, Interviews vor Ort abzumischen um diese dann nach England zu schicken. Bei den 21 Rennen, die im Rennkalender stehen, war der Aufwand für eine Radioproduktion deutlich zu hoch. Das erklärte Ziel für diese Saison: den Workflow anpassen, Personalaufwand vor Ort verringern und Kosten sparen. 

Seit Anfang des Jahres nutzt BBC Radio 5 Live das Bolero Intercom-System von Riedel für die Radio-Interviews rund um die Formel 1 Strecken. Der Rest der Produktion wird Remote aus London gesteuert. „Mussten früher mindestens fünf Mitarbeiter vor Ort sein, reicht es jetzt aus, wenn mit Jennie nur noch eine Person an der Rennstrecke ist“, erzählt Jakob Stellbrinck, Motorsports Solutions Specialist von Riedel. 

Das Bolero-System spielt das Signal auf eine Artist-Infrastruktur auf, die in der Riedel-Zentrale an der Rennstrecke liegt. „Von dort aus wird das Signal als VoIP über unsere MPLS (Multiprotocol Label Switching) nach England geschickt. Zunächst geht der Bitstream über unsere eigene Backbone nach Frankfurt und von dort weiter nach England auf ein Artist-System der BBC. Dann können sie mit den Audiodaten spielen wie sie wollen“, führt Stellbrinck aus und ergänzt: „Das Ergebnis der neuen Arbeitsweise ist, dass Personalaufwand wesentlich verringert werden kann. Die Mitarbeiter müssen nicht mehr zu jedem Rennen mit um die Welt fliegen. Bei 21 Rennen wird da viel Geld gespart.“

In der Tat muss sich die Moderatorin der BBC vor Ort lediglich ein Bolero in der Riedel Zentrale abholen und kann ohne großen Set-Up Aufwand direkt loslegen. Sobald sie auf die On-Air Taste drückt wird sie in England gehört. In den vergangenen Jahren waren noch zwei andere Moderatoren der BBC mit an der Strecke, die jetzt im Studio sitzen. Dass dem nicht mehr so ist, bekommen die Zuhörer gar nicht mit. 

Insgesamt werden zwischen der Action vor Ort und der BBC acht getrennte VoIP-Verbindungen hin- und hergeschickt. Dazu gehört der World-Feed, Effekt-Feeds und ein Feed mit den Interviews von Jennie Gow. 

„Das Projekt der BBC ist im Endeffekt kein großer Aufwand für uns. Das Konzept musste einmal ins Leben gerufen werden und jetzt läuft es im wesentlichen nebenbei“, sagt Stellbrinck.

 

Riedels Bolero Set-Up bei der Formel 1

Dass das Projekt der BBC nebenbei läuft, liegt daran, dass Riedel in der Formel 1 seit Jahren für die Kommunikation verantwortlich ist. So nutzt die FIA und sämtliche Formel 1 Teams das Equipment des Wuppertaler Unternehmens. Seit dem Rennen in Monaco 2017 ist auch das Bolero fester Bestandteil des Set-Ups. Aktuell hat Riedel, je nach Rennen, insgesamt 12 bis 15 Mitarbeiter vor Ort, um die Technik zu installieren und zu überwachen. 

„Jedes Formel 1 Team nutzt Bolero und stellt auch eigenständig Antennen in den Garagen und der Pit-Lane auf. Wir ergänzen dann noch ein paar Antennen im Paddock. Das ergibt dann insgesamt ein großes Netz“, erklärt Stellbrinck.

Der Aufwand das System ans Laufen zu bekommen, ist relativ gering. Nachdem die Teams selbst ein Teil der Technik installieren, muss Riedel im Anschluss nur noch die Verbindung zum Kernsystem herstellen. Das dauert laut Stellbrinck in der Regel zwei bis drei Stunden. Dann wird das System final ausgemessen. 

„Sobald dann alle Systeme laufen, konzentrieren wir uns darauf, die Systeme zu überwachen. Das ist wichtig, nachdem an Rennwochenenden viel los ist und die Frequenzräume knapp werden können“, erklärt Stellbrinck. Das AES67 Lan- Netz ist über Switche mit den Bolero-Antennen an den Endpunkten angeschlossen. Insgesamt wurden in Monza 32 Bolero Antennen installiert. Die meisten stehen in der Pit-Lane. „Eine ausreichende Zahl an Antennen ist wichtig, wenn zu Rennbeginn etwa 100 Menschen mit einem Bolero am Start stehen und auf Kommunikation angewiesen sind. Im Paddock stehen sechs bis zehn Antennen. Einer unserer Mitarbeiter überwacht zu jeder Zeit das System. Er kann selbst die Batterie-Stände jedes einzelnen Boleros sehen und sofort eingreifen, wenn Gefahr in Verzug sein sollte”, erklärt Stellbrinck.

In der Theorie können insgesamt 100 Bolero Antennen aufgestellt werden. Für ein Rennen der Formel 1 kommt man dagegen in aller Regel mit 26 oder höchstens 32 Antennen aus. 

 

Bolero-Tests von RTL und Sky

Die BBC erregt mit dem neuen Set-Up an den Rennstrecken durchaus das Interesse anderer Medienhäuser, die ähnliche Einsatzszenarien sehen. „Im Moment testen RTL und Sky Einsatzszenarien für das Bolero-System an der Rennstrecke. Es fällt natürlich auch auf, wenn die Jennie ganz alleine im Paddock rumläuft und Interviews führt”, freut sich Stellbrinck. Die Überlegungen von Sky und RTL seien ähnlich gelagert. Hierbei stünden indes Fernseh- und nicht Radio-Anwendungen wie bei der BBC im Vordergrund. 

„Bei RTL werden die Bilder bereits über IP, also unsere MPLS übertragen. Und es werden auch schon VoIP-Streams genutzt. Dort sieht man sich also eher an, wie Bolero ein analoges Radio (Walkie-Talkie) ersetzen kann. Das ist dann sowohl für die Moderatoren, aber auch für Produktionsteams interessant um untereinander zu kommunizieren. Auf einmal hätten die Teams statt einem, sechs Kanäle, die man vollduplex nutzen kann. Zudem fällt der Aufwand weg, die Radio-Infrastruktur aufzubauen“, beschreibt Stellbrinck den Test von RTL.

Niklas Eckstein

MB 4/2018

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