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BR plant für HD-Ausstrahlung

Der Bayerische Rundfunk (BR) zählt innerhalb der ARD zu den Rundfunkanstalten, die sich schon recht früh mit dem Thema HDTV auseinandergesetzt haben. 2013/2014 könnte man mit der HDTV-Ausstrahlung beginnen. MEDIEN BULLETIN sprach mit Herbert Tillmann, Direktor Produktion und Technik, und Hannspeter Richter, Leiter der Abteilung Neue Technologien und Workflowmanagement, über die HD-Ausbaustrategie des Senders.

Seit wann ist der BR im Bereich des hochauflösenden Fernsehens aktiv?
Tillmann: Das Thema HDTV hat beim BR eine lange Tradition. Schon in den 90er Jahren haben wir mit Sony zusammen im Bereich des analogen HD mit D2-MAC experimentiert und da erste HD-Erfahrungen gesammelt. Dass die HD-Entwicklung nicht nahtlos ins neue Jahrtausend transportiert werden konnte, lag daran, dass man mit den riesigen Datenmengen beim analogen HD nicht umgehen konnte. Erst mit der Digitalisierung der Aufnahme- und Bearbeitungsprozesse wurde das Daten-Handling einfacher.
Der BR hat das Augenmerk darauf gelegt, möglichst frühzeitig bei repertoirefähigen Produktionen HD-fähig zu werden und dafür einige HD-Kameras angeschafft mit denen vor allem Dokumentationen und Tierfilme aufgezeichnet worden sind.

Wann wurde das HD-Engagement verstärkt?
Tillmann: Erst mit der Perspektive, HD-Signale auch zum Teilnehmer bringen zu können, wurde die HD-Produktion und -Bearbeitung intensiviert. Die ARD hat sich da bewusst etwas Zeit gelassen und die Entwicklung eines echten Massenmarkts für HD-Flachbildschirme abgewartet. Die Entscheidung, den HD-Regelbetrieb zur Winterolympiade 2010 in Vancouver einzuführen wurde erst vor circa drei Jahren mit Verabschiedung unserer HD-Roadmap getroffen.
Für den BR war dies das Signal, in der gesamten Produktionskette sukzessive auf HD umzuschwenken und das HD-Programmangebot auszubauen.
Zu Beginn des HD-Regelbetriebs lag der Anteil nativer HD-Programme der ARD bei zehn bis 20 Prozent. Dieser Anteil wird nun ständig erweitert. Welche Programme und Sendungen des Ersten in HD produziert werden, entscheiden wir in enger Abstimmung mit den Programmkollegen. Das sind besonders Sport, Konzerte, Tierfilme und Dokumentationen, aber auch andere publikumswirksame Produktionen wie zum Beispiel „Tatort“.

Hat der Bayerische Rundfunk einen speziellen Investitionsplan für HD?
Tillmann: Wir haben festgestellt und auch der KEF mitgeteilt, dass es immer Sinn macht, in HD zu investieren, wenn Ersatz- bzw. Erneuerungsinvestitionen anstehen. Deshalb haben wir im Gegensatz zu einigen anderen Sendern auch keinen Extraposten für HD im Techniketat ausgewiesen. Abgesehen von den anfangs erwähnten HD-Kameras haben wir vor vier Jahren damit angefangen, HD-taugliches Equipment für die Bearbeitung anzuschaffen.

Welche Bereiche sind bereits für den HD-Betrieb eingerichtet?
Richter: 2007 haben wir das Studio Franken in Betrieb genommen. Die gesamte technische Infrastruktur dort ist HD-fähig vorbereitet.
Bei allen weiteren Erneuerungsinvestitionen machen wir das ähnlich. Es macht ja heute auch keinen Sinn, in SD-Komponenten zu investieren, zumal sie vom Preis her auch nicht mehr stark von den HD-Komponenten abweichen.
HD-fähig ist auch unser Auslandsstudio, Studio Tel Aviv, das wir für die ARD betreiben. Dann haben wir mit dem FÜ1 einen großen 10-Kamera-HD-Ü-Wagen angeschafft. Der ist seit März 2010 in Betrieb. Interessant ist, dass er mit zwei Bildregien ausgestattet ist und wir damit zum Beispiel bei großen Sportveranstaltungen eine nationale und eine internationale Regie machen können. Die Tonmischung im FÜ1 erfolgt in Dolby 5.1. Zu gutem Bild gehört schließlich ein guter Ton.
Die EB-Kameras und EB-Bearbeitungsplätze sind beim BR seit 2009 schrittweise durch HD-Systeme ersetzt worden. Angeschafft wurden Sonys XDCAM-HD-Camcorder zur bandlosen Aufzeichnung.

Welche Strategie verfolgen sie beim Einsatz von XDCAM HD?
Tillmann: Bei Dokumentationen und Tierfilmen ist der Einsatz von XDCAM-HD-Camcordern mit Professional Disk-Aufzeichnung hervorragend. Im Bereich Aktuelles werden wir aber auch mit Solide-State-Aufnahmemedien arbeiten. Die sollen ja demnächst auch für XDCAM HD verfügbar sein. Derzeit haben wir 29 XDCAM HD im Einsatz sowie seit 2005 fünf HDCAM-Systeme mit Bandaufzeichnung.
Weitere XDCAM-HD-Camcorder werden angeschafft. Bis 2012 wollen wir 80 bis 100 dieser Systeme nutzen. Allerdings wissen wir noch nicht genau wie viele EB-Teams am Ende mit XDCAM-HD ausrüstet werden. Der BR prüft aktuell den Einsatz von Video-Jounalisten (VJs). Die brauchen keine aufwändige Ausrüstung und können mit einfacheren Kameras drehen. Bei unserem VJ-Pilotversuch werden semiprofessionelle Panasonic-Kameras eingesetzt.

Der BR will also auch in der News-Produktion HD einsetzen?
Tillmann: Grundsätzlich ist die Mischung von hochwertigen HD-Signalen mit schlechterem Material immer ein Problem. Im News-Bereich kommt der Zuschauer damit aber noch am besten zurecht, weil hier eher die Bild-Information als die -Qualität zählt. Vermutlich werden wir im News-Bereich, wenn die Dritten Programme zur HD-Ausstrahlung kommen, eine Mischung von hoher HD-Bildqualität und niederer Bildqualität haben.

Wann sollen die Dritten Programme der ARD in HD ausgestrahlt werden?
Tillmann: ARD und ZDF arbeiten derzeit gemeinsam mit SES Astra an einem Rahmenvertrag über den Ausbau der Satelliten-Transponder-Kapazitäten. Der wird demnächst abgeschlossen. Wir haben festgestellt, dass es Sinn macht, in zwei bis vier Jahren weitere öffentlich-rechtliche Programme in HD-Qualität zu verbreiten. Das ZDF will 3Sat in HD senden und ein HD-Bouquet bilden. Für die ARD hingegen sind Programme wie zum Beispiel EinsPlus oder EinsExtra bei der HD-Ausstrahlung nicht erste Präferenz. Für uns ist es wichtiger, neben dem ARD-Hauptprogramm zumindest die großen Dritten Programme hochauflösend zum Zuschauer zu bringen. Sie sind schließlich zentrale Komponenten unserer Marktführerschaft und verfügen über das größte Programmvermögen. Das heißt, der BR wird voraussichtlich ab 2013/2014 wohl mit der HD-Ausstrahlung beginnen.

Welche anderen ARD-Anstalten sind dabei?
Tillmann: Welche anderen ARD-Anstalten uns von Beginn an auf dem HD-Weg begleiten werden, ist nicht klar, wahrscheinlich der NDR, der MDR und der WDR, der ja heute schon einen eigenen HD-Transponder hat und damit einen HD-Testbetrieb zum Beispiel mit EinsFestival fährt.

Wie bereitet sich der BR für den HD-Start vor?
Tillmann: Unser Archiv ist bereits gut mit nativem HD-Material gefüllt, so dass wir locker mit dem HD-Sendestart beginnen könnten. Wir müssen natürlich schon das Augenmerk darauf richten, welche Programme wann in HD starten sollen. Die Vorausplanung in Technik und Produktion dauert immer zwei bis drei Jahre. Die Programmkollegen haben das Problem nicht. Für die ist das hier und heute wichtig.

Was passiert im Bereich der HD-Schnittplätze?
Tillmann: Für die HD-Bearbeitung haben wir derzeit drei nicht vernetzte Avid-Schnittplätze zur Verfügung, planen aber Ersatz dafür. Dabei prüfen wir auch Alternativen zu Avid. Der Spielraum dafür ist allerdings nicht so groß. Schließlich wollen wir möglichst einheitliche Systeme und keine Mischsysteme. Im News-Bereich testen wir derzeit fünf verschiedene Schnittsysteme – vor allem auch mit Blick auf ihrer Multimediatauglichkeit.
Unsere Vision ist es, die Bearbeitung im Newsbereich mit dem Thema Multimedia zu verbinden, ohne eine neue Plattform dafür aufmachen zu müssen. Dazu fehlt uns noch ein richtiges Angebot. Wir brauchen eine Plattform, die den jeweiligen Anforderungen der Bearbeitung anpassbar ist – je nach Bearbeitung im Doku- und Feature-Bereich, im News- oder im Multimedia-Bereich. Eine solch integrierte Plattform mit komplett einheitlicher Metadatenstruktur gibt es noch nicht.
Unserer Meinung nach sind die Unterschiede bei der Inhalteaufbereitung im Rundfunk- und Multimediabereich nicht so groß. Es liegt auf der Hand, dass hier ein besserer inhaltlicher Austausch stattfinden kann. Dafür brauchen wir eine Plattform.

Mitte 2012 muss das spielen.
Richter: Beim BR haben wir übrigens auch das HD-Farbkorrektursystem Nucoda von Digital Vision in Betrieb. Es funktioniert prima, die Operator kommen damit gut klar und die Redakteure sind begeistert. Dabei ist die Einführung mit der Vernetzung zu den bestehenden Systemen nicht ganz trivial.

Was bedeutet die HD-Umstellung allgemein für die Workflows des Senders?
Richter: Davon betroffen sind letztlich alle Bereiche Aufzeichnung, Zuspielung, Sichtung, Berarbeitung, Grafik, Speicherung und Archivierung. Wir wollen möglichst überall Kompatibilität gewährleisten, insbesondere aber in den zuliefernden Bereichen. Dabei entstehen natürlich neue Workflows.

Auch im neuen Sendezentrum?
Tillmann: Das ist immer noch State-of the-Art, obwohl mittlerweile ja auch schon wieder fünf Jahre alt. Und natürlich muss es zumindest in Teilen noch auf HD umgerüstet werden. Gerade mit Blick auf die ARD-Zulieferungen ist das wichtig. Unsere HD-Erstinvestitionen sind deshalb an dieser Stelle vor allem ARD-getrieben. Die Abwicklung von HD-Zulieferungen für die ARD erfordert weitere Investitionen. Konkret: Der BR macht zum Beispiel das Mittagsmagazin für die ARD. 2012 soll das, wie auch wie das Morgenmagazin, in HD produziert werden. Wir müssen spätestens dann in der Lage sein, das Mittagsmagazin über ein HD-taugliches Studio abzuwickeln. Das wird Studio FM1 in Freimann sein. Im BR-Wirtschaftsplan wurden dafür schon die Weichen gestellt. Wir werden jetzt mit der Planung beginnen und in 2011 mit der HD-Tauglichkeit der Studios befasst sein. Auch die Deko dort kann dann nicht länger genuzt werden und muss zum Teil erneuert werden. Bei HD müssen wir auch hier neue Maßstäbe anlegen.

Wird der BR auch Material von SD auf HD hoch konvertieren?
Tillmann: Wir haben bereits eine zentrale Konvertierungseinrichtung für SD nach HD und werden sicherlich längere Zeit noch SD-Material für die HD-Ausstrahlung hoch konvertieren müssen. Den Bedarf für hochwertige Konvertiereinrichtungen haben wir an den unterschiedlichsten Stellen. Die Konverter, die dafür benötigt werden, arbeiten mittlerweile sehr zuverlässig und sind auch preisgünstiger geworden. Und die Preise sind weiter im Sinkflug.
Der hohe Konvertierungsbedarf ist jedoch auch ein Grund dafür, warum sich der BR entschieden hat, durchgehend auf den HD-Standard 1080i zu setzen.

Welche Konverter werden eingesetzt?
Richter: Für den Hauptsendeweg haben wir zwei Alchemist Ph.C von Snell, weil sie die besten Ergebnisse liefern.
Alle weiteren Konverter stammen von anderen Herstellern.

Der BR will, wie die anderen ARD-Anstalten auch, statt dem ursprünglich vorgesehenen 720p künftig 1080i als Produktionsformat einsetzen. Warum?
Tillmann: Die Live-Sport-Produzenten im AÜ-Bereich, mit denen wir zusammenarbeiten, liefern heute alle 1080i-Signale. Wenn wir für die ARD Wintersport-Produktionen abwickeln, müssen wir diese Signale über unsere Infrastruktur zum Sternpunkt nach Frankfurt schicken. Es macht keinen Sinn, die Signale dafür auf 720p umzukonvertieren. Alle Funktionen in unserem Haverie-Studio im Sendezentrum Freimann bleiben deshalb auf der 1080i-Schiene.
Um nicht ständig zwischen 1080i und 720p hin- und herkonvertieren zu müssen haben wir in der ARD beschlossen, in der Produktion sowie bei der Programm-Zulieferung und –Kontribution nur noch mit 1080i zu arbeiten. Wir können uns nicht erlauben, auf verschiedene Formate zu setzen. Das war jedenfalls keine einfache Entscheidung. Nur das ZDF hat den Schritt von 720p zu 1080i nicht mitvollzogen. Das könnte sich aber eines Tages auch ändern. Schließlich ist man mit 720p zumindest in Europa recht isoliert.

Richter: Außerdem: 1080i markiert für uns letztlich nur ein Übergangsstadium. Am Ende werden wir auf 1080p ein-schwenken. Das wissen alle. 1080p bietet das beste Quellsignal mit Blick auf die Weiterverarbeitung und die Kompression.
Allerdings brauchen wir zur Fileverarbeitung bei 1080p eine 3-Gbit/s-Infrastruktur. Die anfallende Datenmenge ist hier schließlich genau doppelt so hoch wie bei 1080i.
Bei allen Investitionen, die wir tätigen, schauen wir immer, dass wir 1080p- bzw. 3G-fähig sind (3G = 3Gbit/s Bandbreite).
Im neuen Sendezentrum gibt es keine entsprechende Infrastruktur. Das müsste also komplett umgerüstet werden. Wir haben da vier Sendestraßen. Zwei werden benötigt für BR und BR alpha, eine weitere gelegentlich für die ARD. Die vierte Sendestraße dient als Ersatz. Sie könnte theoretisch 2012 HD-fähig gemacht werden. Wir sind hier in der Planungsphase. Insbesondere die Omneon-Server im Sendezentrum müssen ersetzt werden, weil wir ja heute schon HD für die ARD-Zuspielungen handeln müssen. Dazu brauchen wir weitere HD-Komponenten, die dann alle gleich 3G-Anforderungen erfüllen sollen.

Welchen Einfluß hat die HD-Einführung auf die Archivierung?
Richter: Das digitale Archiv muss erst noch entsprechend ausgebaut werden. Im Moment arbeiten wir noch mit einem Provisorium, um das HD-Material im digitalen Datenband-Archiv abzulegen und auch entsprechend mit Metadaten zur Recherche zu versehen. Wenn der Omneon-Ersatz kommt werden wir auf gegenwärtige Workarounds verzichten können.
Das Thema digitales Archiv steht bei uns im Sender auf der Prioritätenliste jedenfalls ganz weit oben. Wie alle anderen Sender auch müssen wir uns sehr beeilen, altes Bandmaterial auf neuen digitalen Trägermedien langfristig zu sichern und sendefähig zu halten.

Um Kosten zu sparen werden immer mehr Fernsehfilm-produktionen statt auf 35mm-Filmkameras mit High-End-HD-Kameras gedreht. Auch beim BR?
Tillmann: Bei Premium-Fernsehfilm-Produktionen wie „Polizeiruf“ und „Tatort“ werden nach wie vor auf Film gedreht und das Material dann auf HDCAM SR elektronisch weiter bearbeitet. Die Entscheidung Film oder Video hängt letztlich stark vom Regisseur ab. Wir haben zum Beispiel die erfolgreiche Serie „München 7“ von Franz Xaver Bogner im Programm. Und der ist ein Fan von Filmmaterial. Trotzdem wird natürlich darüber nachgedacht, wie man preisgünstiger produzieren kann. Das gilt auch für Bogner. Seine Serie „Der Kaiser von Schexing“ wurde anfänglich auch auf Film gedreht, dann aber auf HD. Ein leichter Wandel ist also zu erkennen. Die neuen digitalen Kameras wie ARRIs Alexa werden sich früher oder später durchsetzen.

Könnten die ARD-Anstalten durch verstärkte Kooperationen bei den HD-Investitionen mehr Kosteneffizienz erreichen?
Tillmann: ARD-Intendanten sind bemüht, zu sparen. Klar ist, wenn die Technik überall vereinheitlicht würde, könnten wir ein Sparpotenzial heben. Das betrifft auch die Ü-Wagen. Aber das ist ein hohes Ziel.
Das Thema hat zwei Haken. Zum einen sind die Investitions-zyklen in den einzelnen ARD-Anstalten sehr unterschiedlich. Parallel-Investitionen in neue Technik sind nicht möglich. Zum andern müssen die Technik-Investitionen auch in die Workflows hinein passen.
Die Ü-Wagen zum Beispiel sind mit unterschiedlichen Konzepten und Bedieneinheiten ausgestattet. Wünschenswert wäre, dass ARD-Ü-Wagen, egal wann sie gebaut und mit welchem Equipment sie ausgestattet werden, zumindest mit einer einheitlichen Bedienphilosophie realisiert werden. Davon sind wir noch weit entfernt.
Außerdem: Muss jede Landesrundfunkanstalt für Studio- oder Ü-Wagen-Bau eigene Planungsbüros unterhalten? Könnte das nicht zum Beispiel auch ein zentrales Büro angedockt am Institut für Rundfunktechnik übernehmen? Das wäre doch zumindest mal eine Überlegung wert. Entscheidend ist, dass eine koordinierte Planung auch in der Lage wäre, bestimmte allgemeine Vorgaben umzusetzen, Synergien zu nutzen und das beste Know-how der Sender zu bündeln. Natürlich gab es in der Vergangenheit Gremien wie die Allgemeine Ausrüstungskoordination AKO oder die Fernsehbetriebsleiterkonferenz. Man hat sich auch da schon abgestimmt, aber trotzdem hatte das wenig Einfluss auf eine durchgehende Standardisierung. Es gibt immer wieder entsprechende Empfehlungen.
Mein ehemaliger Kollege Produktionsdirektor Joachim Lampe vom NDR und ich hatten 1995 die Idee, die verschiedenen Sendeabwicklungen für das Gemeinschaftsprogramm abzuschaffen und eine zentrale Sendeabwicklung beim HR einzurichten. Das war eigentlich logisch, weil da eh alle Signale zusammen laufen. Es hat aber acht Jahre gedauert bis dieses relativ einfache Projekt dann realisiert werden konnte.
Die Gründe waren nicht technischer Natur, sondern hatten damit zu tun, dass einzelne Sender schlicht ihre Unabhängigkeit gefährdet sahen.
Wir wissen heute, dass wir natürlich verschiedene Dinge wie dieBedienoberflächen standardisieren müssten, ich wage aber keine Prognose, wie schnell so etwas zu machen ist. Es gibt eine Arbeitsgruppe bei Radio Berlin Brandenburg, die sich für die ARD mit solchen Fragen aktuell befasst - und dabei sicherlich kein leichtes Spiel hat.

Was sagen Sie zur Übernahme von Blue Order durch Avid? Beide Firmen sind wichtige System-Lieferanten des BR.
Tillmann: Grundsätzlich befürworten wir das Zusammengehen. Die Integration der Blue-Order-Technologie in Systeme wie die von Avid, wo das Metadatenmanage-ment künftig eine immer wichtigere Rolle spielt, macht viel Sinn. Allerdings haben wir gegenüber Avid auch schon unsere Bedenken geäußert. Wir haben kein Interesse daran, dass Avid monopolistisch agiert und uns richtig zur Kasse bittet. Wir möchten auch nicht, dass Blue Order komplett aufgelöst wird und das ganze Know-how, was dort aufgebaut wurde, verschwindet. Avid hat unsere Botschaft wohl verstanden.
Eckhard Eckstein
(MB 09/10)


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