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Clean, Dirty oder Plus

News: Produktion

Clean, Dirty oder Plus

Die FIS Alpine Ski Weltmeisterschaft 2013 in Schladming war aus produktionstechnischer Sicht ein voller Erfolg. Hostbroadcaster ORF, ebenso wie alle anderen Beteiligten TV-Sender und -Dienstleister, haben hier einen ausgezeichneten Job gemacht und den Sport mit all seinen Emotionen perfekt in Szene gesetzt. MEDIEN BULLETIN war vor Ort, schaute hinter die Kulissen und sprach mit den Machern.

„Euro-TV macht uns den Berg“, sagt Claudio Bortoli salopp. Der produktionstechnische Leiter des ORF zeigt hoch zur Planai, dem Hausberg von Schladming. Das Team des österreichischen TV-Dienstleisters Euro-TV arbeitet hier, um für den ORF, dem Hostbroadcaster der FIS Alpinen Ski WM 2013, schöne Bilder zu produzieren. Das ist nicht so einfach, wie es vielleicht manchem erscheint. Personal und Technik, bei oft sehr unwirtlichen Verhältnissen, immer an der richtigen Stelle zu haben, setzt nicht nur eine enorme logistische Leistung voraus, sondern auch viel Teamgeist und körperliche Fitness.

Bitterkalt ist es oben am Berg. Dort auf rund 1.750 Höhenmetern bereitet das Euro-TV-Team am späten Nachmittag die Aufnahmetechnik am Starthaus der Herrenabfahrt für den nächsten Tag vor. Ein Hubschrauber fliegt heran, lässt in einem großen Netz Alukisten mit Produktionstechnik herab und ist auch schon wieder fort. Die Euro-TV-Leute räumen das Material an die dafür vorgesehenen Plätze. Weitere Technik wird durch Motorschlitten, so genannte Skidos, herantransportiert. Aufbauteams einiger nationaler Sender sind dabei, die Produktion unilateraler Bilder vom Start der Herrenabfahrt zu arrangieren. Ein Kommen und Gehen. Mittendrin Euro-TV-Chef Günther Polder, der das Ganze dirigiert. Seine mobile Funkanlage ist im Dauereinsatz.

„Wir machen hier einen sehr speziellen Job. Es gibt nicht viele Unternehmen, die das überhaupt leisten können“, meint Polder. „Unsere Leute sind fast allesamt bergerprobt und natürlich auch gute Skifahrer.“ Insgesamt 149 Mitarbeiter hat Polder in Schladming dabei, darunter 42 Kameraleute. Oben am Starthaus der Herrenabfahrt betreut Euro-TV zwei Funkkameras in der Warm-up-Area, eine Polecam für Close-ups und drei drahtgebundene Kameras auf Tripod, darunter eine Super-Slowmotion-Kamera. Insgesamt sind bei der Herrenabfahrt 47 Kameras im Einsatz (bei der Damenabfahrt 44), darunter auch viele Spezialkameras, zum Beispiel eine direkt in die Piste gebaute Minikamera von Euro-TV, die Ski-Rennfahrer bei Sprüngen von hinten zeigt. Die Technik am Berg ist so vorbereitet, dass sie binnen kürzester Zeit (Polder: „Wir schaffen das in 40 Minuten“) je nach Wetterlage verlegt werden kann. Drei Reservestartplätze weiter unten wurden dafür angelegt. Für den schnellen Ortswechsel wurde die gesamte Übertragungstechnik in einen kleinen Container auf Kufen gesetzt, der sich bei Bedarf auch mit Skidos zu den Startplätzen weiter unten ziehen lässt. „Das kann passieren wenn der Hubschrauber wegen Nebels nicht fliegen kann“, erklärt Polder. Der Technik-Container ist eine Eigenentwicklung von Euro-TV. 1.000 Höhenmeter weiter unten am Ziel der rund 3.500 Meter langen Herrenabfahrt hat Euro-TV zwei große Ü-Wagen zur Übertragung der Rennen im Parkhaus der Planai-Bahn platziert. Gestellt wurden sie von den beiden Partnerunternehmen TVN aus Hannover und TPC aus der Schweiz. In beiden Ü-Wagen sind jeweils zwei Regien untergebracht – Regie und Vorschnitt-Regie für die Damenwettbewerbe im HD1 von TPC, Regie Herren und Vorschnitt-Regie Herrenwettbewerbe im Ü2 HD von TVN.

Ultra Slowmotion von LMC

Hier unten im Parkhaus sind auch weitere TV-Dienstleister präsent, so zum Beispiel LMC. Das Unternehmen von Felix Marggraff hat dort zwei Transporter abgestellt. Einer davon diente der Kontrolle der Utra-Slowmotion-Bilder, die LMC im Auftrag des WM-Hostbroadcasters in Schladming produziert. Eingesetzt werden dabei zwei Ultra-Slowmotion-Kameras Antelope MkIIs sowie eine Antelope PICO POV. Die MkIIs-Systeme werden je nach Wettbewerb zwischen Herren- und Damen-Strecke umgebaut. Sie zeichnen mit bis zu 2.500 Bildern pro Sekunde auf. „Die ‚Enhanced Detail’-Funktion, welche in die letzte Version der CCU integriert wurde, hilft superscharfe Details der Athleten bei der Ski WM 2013 in Schladming zu liefern“, betont Marggraff. Die Antelope PICO war im Zielraum installiert und lieferte „Emotion Feed“-Replays mit bis zu 340 Bildern pro Sekunde. „Erstmalig werden so die Emotionen im Zielraum in Highspeed ins Weltbild transportiert“, sagt Marggraff. Das eingesetzte LMC-Highspeed-Analyse-Fahrzeug ist über das MediorNet-System von Riedel auch an das ORF-Haus angebunden und bespielt das dortige LED-Cinemascope-Display hinter dem Tresen mit spannenden Antelope-Replays. Das zweite LMC-Produktionsfahrzeug unterstützt das nationale ORF-Programm mit der Analyse der Rennen. Hierfür setzt LMC ein Dartfish-Studio-System ein, welches Sequenzen sowohl aus dem Weltbild als auch von drei isolierten Kameras überblendete und sogenannte Stromotions davon anfertigt. Die isolierten Kamera-Signale werden für den Vorschnitt parallel auf einem LGZ-Replay-System aufgezeichnet. Die fertigen Analyse-Sequenzen werden dann auf einer EVS XT2 HD gespeichert und auch über diese sowohl in den nationalen ORF-Ü-Wagen als auch in die beiden internationalen Ü-Wagen der Herren- und Damen-Wettbewerbe überspielt. Ferner stellt LMC einen Paint Touchscreen im ORF-Studio zu Verfügung, der über eine Mischerebene (ME) des nationalen Mischers bespielt wird und auf dem die Studio-Experten selber Grafiken erstellen können.

Sono, Riedel und L-S-B

Während am Berg und beim Zieleinlauf am Fuße der Planai die Euro-TV-Mannschaft mit ihren Partnerunternehmen für den reibungslosen Produktionsablauf sorgen, kümmert sich die Firma Sono Studiotechnik aus Feldkirchen bei München um die Technik im International Broadcast Center (IBC) und in zwei Außenstellen, eine am Zieleinlauf an der Planai und eine am Medal Plaza. Als Generalunternehmen (GU) ist Sono für deren Einrichtung und Betrieb verantwortlich. Im IBC laufen alle Signale der beiden internationalen Ü-Wagen ein, um dann an alle Rechtehalter weiterverteilt zu werden. Sono verwaltet im IBC zudem alle unilateralen Bookings, das heißt die individuellen Bildbestellungen der nationalen Sender.

Als Übergabepunkt, an dem die Signale an die akkreditierten Broadcaster übergeben werden, dient in Schladming das Technische Operation Center (TOC), welches direkt neben dem IBC-Geräteraum angesiedelt ist. Eine weitere Aufgabe von Sono ist der Betrieb eines Pressekonferenz-Studios mit drei Kameras im Main Press Center (MPC), das von einer kleinen Regie im benachbarten IBC aus gesteuert wird. Und schließlich hat Sono auch die Container-Büros im IBC, wie das von Claudio Bortoli, mit Monitorwänden ausgestattet – bestückt mit großen Samsung-Displays.

Sono hat die gesamte Technik im IBC vorher in der eigenen Produktionshalle bei München aufgebaut, getestet und dort auch vom ORF abnehmen lassen. Die vorverkabelten und bereits in Racks eingebauten technischen Systeme konnten so im IBC innerhalb weniger Tage aufgebaut und in Betrieb genommen werden. „Die Zusammenarbeit mit Sono klappt ausgezeichnet“, lobt Bortoli. „Wir kennen die Firma schon von anderen Projekten als sehr gewissenhaften und überaus professionellen Produktionspartner. Und das hat sich auch bei diesem Projekt wieder gezeigt“, sagt er. Sono ist am 20. Januar gekommen und eine Woche vor WM-Beginn hat die Technik gespielt“, berichtet der produktionstechnische Leiter des ORF. Auch Sonos Mitstreiter Riedel, zuständig für die Glasfaserverteilung der Signale und die gesamte Kommunikation, mache einen sehr guten Job. Sowohl GU Sono als auch Subunternehmer Riedel sind während der gesamten WM mit eigenen Supportleuten in Schladming vor Ort. Auch L-S-B-Mitarbeiter wie Thomas Stoschek, Leiter Customer Division, zeigen Flagge. Das IP-basierte Steuerungssystem VSM (Virtual Studio Manager) von L-S-B wird zur Kontrolle der Kreuzschienen im IBC, am Planai und Medal Plaza ebenso wie in den Ü-Wagen vor Ort, von TVN und Bayerischem Rundfunk (BR), eingesetzt. „Der VSM arbeitet herstellerunabhängig. Dadurch ist er flexibel einsetzbar und kann auf die individuellen Gegebenheiten und technischen Voraussetzungen abgestimmt werden. Die Integration des VSM in die verschiedensten technischen Umgebungen im Produktions- und Sendebetrieb ist so einfach möglich“, betont Stoschek.

Schaltraum im IBC

„Das Herz der aufgebauten Systemkonfiguration ist die Steuertechnik VSM von L-S-B, weil wir hier natürlich viele Schaltungen durchführen müssen“, erklärt Stefan Krömer, Technik-Chef von Sono Studiotechnik, im IBC-Schaltraum. Ein weiteres zentrales Element dabei ist Riedels MediorNet-Technik, mit der alle Signale über die Glasfaserstrecken geschickt würden. Der zentrale Arbeitsplatz im Schaltraum steuert dann auch diese Riedel-Systeme. MediorNet kombiniert Signaltransport, Routing, Signalbearbeitung und -konvertierung in eine integrierte Echtzeit-Netzwerklösung. Das integrierte Signal-Routing ermöglicht es, jedes Eingangssignal auf einen oder mehrere Ausgänge zu senden. Dies erfolgt einfach per Mausklick oder mit einem Router-Steuersystem wie VSM. Jedes MediorNet-Mainframe bietet eine Router-Kapazität für 32 x 32 720p/1080i-Signale, 160 x 160 SD-SDI-Signale, 27.000 x 27.000 AES-Signale oder einer beliebigen Kombination dieser Signale. „MediorNet bieten uns viele Vorteile. Wenn man mal ein anderes Audiosignal braucht, ist es gleich verfügbar, weil MediorNet ja auch alle Audio-Signale mittransportiert. Auch die ganze Ethernet-Verkabelung zu TOC 2 und 3 an der Planai und Metal Plaza wird über MediorNet durchgetunnelt“, berichtet Krömer.

Die VSM-Steuerung geschieht zentral im IBC, wo man redundante VSM-Server verfügbar hat. Krömer: „Die Steuerung aller Panels läuft hier zusammen. Insgesamt haben wir über 40 Bedienpanels und hier im IBC noch zweimal die virtuellen Panels für die multilateralen Schaltungen.“

Als besonderen Vorteil der VSM-Steuerung bezeichnet Krömer die damit mögliche Nutzung virtueller Signalpfade. Die Umschaltung mit nahtlosem Umstieg von Herren- auf Damen-Wettbewerbe und wieder zurück könnte man ohne diese eigentlich gar nicht machen, meint er. Krömer: „Das heißt, man bräuchte dann immer einen Reloop aus der Kreuzschiene. Weil der dank der virtuellen Signalpfade entfällt, sparen wir uns eine Menge Kreuzschienen-Ein- und Ausgänge.“ Auch bei der Multiviewer-Wand-Umschaltung sei VSM hilfreich. „Wenn die Umschaltung von Herren- auf Damen-Wettbewerbe oder umgekehrt ansteht, dann schalten wir per Knopfdruck alle ankommenden Signalwege für die Isolated Feeds (ISO) – sonst geht uns der Platz ein wenig aus – gleich auf die Herren- beziehungsweise auf die Damen-Wettbewerbe. Wir wissen dann sofort, was wir an Kamerasignalen angeliefert bekommen und ob das die richtigen sind die zu den Broadcastern rausgeschaltet werden“, erklärt Krömer.

Der Schaltraum des IBC macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Vor der Wand mit den Kontrollmonitoren befinden sich nur drei Arbeitsplätze. Am Platz auf der linken Seite sitzt der Produktionsingenieur. Er besorgt die multilaterale Schaltung mit allen Worldfeeds (Dirty, Clean und Worldfeed Plus) zu den Rechtehaltern und überwacht dazu die Harris-Platinum-Kreuzschiene im Geräteraum nebenan, über die die Signale an die Rechtehalter verteilt werden. „Alles ist vorprogrammiert. Der Produktionsingenieur macht eine Vorschaltung für die Broadcaster. Die tatsächliche Umschaltung erfolgt aber per Knopfdruck“, erklärt Krömer. Das Worldfeed Plus-Signal läuft zwei Stunden vor und eine Stunde nach jedem Rennen raus. Am multilateralen Platz laufen jeweils sechs Leitungen vom Herren- und vom Damen-Ü-Wagen ein und zwar doppelt, als Main- und als Backup-Leitung. Der mittlere Arbeitsplatz dient, wie bereits erwähnt, der Steuerung der Riedel-Systeme. Und am rechten Arbeitsplatz im Kontrollraum werden alle unilateralen Schaltungen realisiert. An einem weiteren Arbeitsplatz im Kontrollraum, dem sogenannten Playout-Platz, werden alle Feeds mitgeschnitten und auf Bestellung davon DVDs oder andere Kopien erstellt. Direkt neben dem IBC-Kontrollraum hat Sono eine kleine Regie für die Pressekonferenzen im MPC eingerichtet, besetzt mit eigenem Personal und mit einem Sony-Bild- (DSF-900M) und Yamaha-Audio-Mischer (DM 1000 V2) ausgestattet.

Der Geräteraum im IBC entspricht nicht dem üblichen Erscheinungsbild von Rental-Jobs bei sportlichen Großevents. Hier gibt es kein Durcheinander an Kabeln, Racks und Systemen. Alles ist extrem sorgfältig aufgebaut und verdrahtet – eher schon wie bei Festinstallationen. „Das ist Sono-Style, alles einheitlich aus einem Guss mit gleich hohen Racks, gleich langen Kabeln und ordentlich beschrifteten Steckern, damit man nicht lange suchen muss, wenn ein Problem auftaucht“, meint Franz Olbert, kaufmännischer Leiter von Sono Studiotechnik.

Kein Wunder, dass Claudio Bortoli das Gelingen der WM-Produktion mit reichlich Zuversicht betrachtet. Das technische Grobkonzept für das Hostbroadcasting hat er gemeinsam mit seinen Kollegen Wolfgang Meier und Peter Fröhlich ausgearbeitet. Die Feinkonzepte lieferten die Dienstleister. „95 Prozent der internationalen Produktion der FIS Alpinen Ski WM wird von Partnerfirmen übernommen“, berichtet Bortoli. „Bei der nationalen Produktion ist es umgekehrt. Da erledigt der ORF selbst 95 Prozent der Arbeit mit eigener Technik und Mannschaft.“

Im Gegensatz zu anderen großen Sportproduktionen hat der ORF in Schladming keinen zentralen Mediaserver am Start, der die Rechtehalter mit Bildmaterial vom Event versorgt. Denen wird stattdessen ein Worldfeed Plus-Signal gegen Extra-Entgelt angeboten. Sieben Sender, darunter auch ARD und ZDF, machen davon Gebrauch. „Im April 2012 war das World Broadcaster-Meeting. Da wurden die Sender, die dort waren, befragt. Das Interesse an einem zentralen Server war wegen der Kosten nicht besonders groß. Masterserverlösungen kosten eine Menge Geld und müssen in irgendeiner Form auch wieder refinanziert werden. Sie machen nur Sinn für Broadcaster, die mit eigener Technik hier vor Ort sind“, meint Bortoli. Mit Worldfeed Plus würde aber soviele Zusatzinhalte angeboten, dass sich der Einsatz eines Masterservers ohnehin relativier. Zudem habe jeder nationale Ü-Wagen vor Ort mehrere Server an Bord und werde sowieso alles was von Interesse ist aufzeichnen.

Bayerischer Rundfunk

Tatsächlich lobten viele Sendervertreter die Qualität der Worldfeed Plus-Bilder, so auch Werner Zelisko vom Bayerischen Rundfunk (BR), der in Schladming als Produktionsleiter für die ARD agiert. Der BR war mit seinen Ü-Wagen FÜ1 HD und dem dazu gehörenden Gerätewagen am Internationalen Broadcast Center (IBC) präsent. Mit dem Ü-Wagen wurden in der ersten WM-Woche die nationalen Bilder für die ARD produziert und in der zweiten Woche für das ZDF. Am IBC geparkt waren ferner ein SWR-Editmobil mit drei Avid-Schnittplätzen und das ZDF-Schnittmobil DPM 2 ebenfalls mit drei Avid-Schnittplätzen. Dazu kam ein SNG Uplink Fahrzeug zum Absetzen von Beiträgen und als Backup-Leitung. Die Glasfaserleitung stellt zehn Stunden am Tag die Firma Vidi aus Darmstadt. „Wir senden über eine Glasfaserleitung als Hauptsendeleitung HD. Die Leitung liegt parallel in München im Schaltraum auf als auch in Mainz beim ZDF“, erklärt Peter Dittrich, seit Anfang Februar Nachfolger des langjährigen Leiters Außenübertragung Jürgen Kreissl. ARD und ZDF senden aus Schladming also mit gleicher Technik. Ausgetauscht werden nur die Mitarbeiter aus Redaktion und Regie. Die Technik betreut der BR über die kompletten zwei Wochen. Regie führt für die ARD Michael Senge und für das ZDF Ralph Kötzner.

Das technische Personal von ARD und ZDF für Ü-Wagen, Presenter-Position, Uplink, Start-Zone, Glasfaserleitung und Schaltraum besteht gerade mal aus 16 Leuten. Die bundesdeutschen öffentlich-rechtlichen Sender arbeiten mit vier unilateralen Kameras: eine am Start der einzelnen Wettbewerbe, zwei am Presenter-Platz am Zieleinlauf der Planai und eine in der Mixed Zone. Die Kamera oben am Berg wird über Stagebox an die dort liegende Glasfaserleitung des Hostbroadcasters angebunden. „Im FÜ1 haben wir drei EVS-Maschinen, mit denen wir die verschiedenen World- und ISO-Feeds aufzeichnen. Die Edits greifen über das EVS-Netz dann darauf zu“, erklärt Dittrich. Auch er lobt: „Der ORF liefert tolle Bilder und starke Einstellungen. Es macht Spaß, das anzuschauen“. Besonders spektakulär findet er, wie viele andere auch, die Bilder der beiden eingesetzten Seilkameras von Camcat und die Ultra-Slowmotion-Bilder der Antelope.

ORF-Haus

Während die Euro-TV-Leute noch „den Berg machen“, sitzt man unten im Tal im ORF-Haus schon gemütlich beisammen, mit bestem Blick durch die weite Glasfassade auf die Medal Plaza und die große Bühne, auf der die abendlichen Medaillenvergaben zelebriert werden – im ersten Stock das mit Ikegami-Kameras bestückte ORF-WM-Studio und darunter die Lounge für die ORF-Verantwortlichen und Gäste. Dort trifft man auch den Technischen Direktor des ORF, Dr. Ing. Michael Götzhaber. Er zeigt sich sehr zufrieden mit der Produktion der Ski-WM und der Arbeit der daran beteiligten TV-Dienstleister. Unter anderem lobt er die gute Zusammenarbeit mit Riedel und die in Schladming eingesetzte Kommunikations- und Glasfaserübertragungstechnik des Wuppertaler Unternehmens. Auch der „relativ kurzfristig“ realisierte Einsatz von Riedels Mini-HD-Brillenkamera RiCam sei eine tolle Erfahrung gewesen. Die eigene Glasfaserinfrastruktur des ORF in Schladming bezeichnet Götzhaber als „irrsinnigen Vorteil“ für die gesamte WM-Produktion. Auch er ist begeistert von den Fernsehbildern der Ski-WM, insbesondere aber von denen, die von der Ultraslowmotion-Kamera Antelope kommen, und die man immer wieder auf der großen LED-Wand in der Lounge des ORF-Hauses bewundern kann.

Der Technische Direktor des ORF weist auch darauf hin, dass der ORF als Hostbroadcaster nicht nur in Sachen Bildersprache versuche, ein Optimum an Dramatik und Emotionen zu liefern, sondern auch im Tonbereich die höchste Qualität anstrebe. Die Alpine-Ski-WM würde deshalb auch im Surround-Sound 5.1 produziert. Dafür hat man unter anderem Toningenieur Alexander Kantz engagiert, der im internationalen Ü-Wagen von TVN meisterhaft ein Lawo MC2 56 Pult bedient.

Siemens Convergence Creators

Im Main Press Center (MPC) mit seinen rund 600 Arbeitsplätzen läuft derweil die Berichterstattung der zahlreich angereisten internationalen Journalisten auf Hochtouren. Unterstützt werden sie dabei vom österreichischen Telekom-Unternehmen A1 und von Siemens Convergence Creators (ehemals Siemens Communications Media and Technology). WM-Hauptsponsor A1 zeichnet für die Einrichtung der IT-Infrastruktur verantwortlich, Siemens für das eingesetzte Journalisten-Informationssystem. Es basiert auf einem Webportal, das erstmals 2011 bei der Alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen zum Einsatz kam, über das Journalisten via Browser auf einem PC oder mobilen Endgeräten im Bereich des MPC aktuelle Informationen zur WM abrufen können ebenso wie drei Live-Streams von Programmen mit WM-Übertragungen. Diese MPEG4 H264 kodierten Streams wiederum stammen von A1, das mit A1 TV in ganz Österreich Mobile-TV verbreiten.

Dipl.-Ing. Christian Greibich, von den Siemens Convergence Creators, erklärt: „Neben den Live-Streams haben wir einen Datenservice mit Schnittstelle zur FIS integriert, wo wir vom Zeitnehmer Longines aus der Schweiz die aktuellen Renndaten, Startlisten und Zeiten erhalten. Dazu gibt es auch aktuelle Wetterdaten, Event-Infos und alle Dinge, die für die Journalisten interessant sind.“ Für das Informationssystem sei ein spezielles Content Management System entwickelt worden, dass in Schladming von Volunteers auf deutsch und englisch mit News bestückt würde. Siemens Convergence Creators will das Informationssystem künftig auch bei anderen Sport-Events zum Einsatz bringen. Großer Vorteil des Siemens-Systems ist laut Greibich, dass die Informationen in der Cloud verfügbar seien und damit nicht auf einen Ort beschränkt seien. „Der Server zum Informationssystem steht zwar hier im Keller, aber die Software dazu ist in der Cloud. Ob ich das Portal von hier aus abgreife oder von woanders ist deshalb im Prinzip egal. Unser System ist damit sehr flexibel einsetzbar“, meint er. In Schladming werden zudem alle nicht interaktiven Services des Siemens-Informationsportals zur Präsentation auf der großen Leinwand im MPC und auf anderen Monitoren aufbereitet und abgespielt wenn gerade keine Live-Übertragung des Weltbildes läuft. „Wir betreuen hier neben dem Portal auch das Playout für alle Info-Screens“, berichtet Greibich.

Die FIS sorgt so dafür, dass die Journalisten im MPC den ganzen Tag über mit spannenden Bildern vom Berg, den Wettbewerben und den Akteuren dort bedient werden.
Eckhard Eckstein
(MB 03/13)

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