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Ferngesteuerte Außenstellen

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Ferngesteuerte Außenstellen

Auch der ORF versuchte bei der Produktion der Winterolympiade effizienter zu arbeiten. Erstmals wurden hier einige Außenstellen remote mit der Regie im IBC verbunden. Eingesetzt wurden dabei Lawos V__Remote-Systeme. Als Produktionsspeicher im IBC-Geräteraum nutzte man erstmals Elements-Systeme.

„Das Produktionskonzept wurde dahin gehend geändert, dass wir die für uns wichtigsten Außenstellen, bei der nordischen Kombination, beim Langlauf und bei Ski alpin, jetzt vom IBC aus betreuen und nicht mehr mit eigener Technik vor Ort sind. In Sotschi hatten wir da noch eigene Ü-Wagen stehen. Remote-Produktion ist hier das Modewort“, meint Gottfried Grabner, Produktionsleiter Fernsehen beim ORF. „Zwar sind wir nicht remote an das ORF-Zentrum in Wien angebunden, aber unsere Außenstellen mit unserer Regie hier im IBC. Dabei arbeiten wir mit V__Remote von Lawo. Das heißt, dass wir alle Video-, Audio- und alle Steuersignale über Netzwerk schicken. Auch unser Studio im Austria-Haus wird remote gesteuert“, sagt er. „Bei der Anbindung zu unseren Außenstellen arbeiten wir auch mit Lawo 8-Kanal-Videoprozessoren V__pro8 zum Embedden und De-Embedden. Die Anbindung aller Videosignale in die Audiowelt erfolgt über MADI Schnittstellen.“

Ganz rund laufe die Remote-Anbindung aber noch nicht. Alle Sender seien im Umgang mit Video-over-IP- und Remote-Technik noch in der Lernphase, so auch der ORF. Grabner: „Lawo war deshalb einige Male bei uns, um uns zu unterstützen und hat dabei selbst auch einiges dazu lernen können.“ Knackpunkte seien noch die Synchronisierung der Netzwerke und die Frage, wie man Laufzeiten minimieren beziehungsweise Konzepte entwickeln könne, die die Laufzeiten-Relevanz reduzierten. „Darauf hat jeder andere Antworten. Alle sind zwar sicher, dass es besser wird, aber im Moment läuft das eben noch nicht ganz friktionsfrei“, meint Grabner. Auch er lobt in dem Zusammenhang den gegenseitigen Informationsaustausch mit anderen Sendern im IBC. „Für uns ist wichtig zu verstehen, was die für Übertragungs- und Remote-Konzepte haben, auch die Sender aus dem asiatischen Raum. Wir können hier viel voneinander lernen und die Gelegenheit wollen wir nutzen.“

Der ORF bediente sich bei der Produktion der Winterspiele wie schon bei den letzten Olympischen Spielen einer von SonoVTS aus München bereit gestellten Miet-Technik. Dazu zählen insbesondere eine große Videokreuzschiene und andere Videohauptkomponenten von Imagine Communications, darunter Selenio MCP3 für Networking und Signalprocessing, Lawo-Kreuzschiene (Nova 73 HD) und Lawo-Audiomischpult (mc2 56), Sony-Videomischer (MVS-7000x) und Riedel-Interkom (Artist 128). Als Steuersystem kam beim ORF in Korea das VSM-System zum Einsatz. Normalerweise arbeitet der ORF mit dem BFE-System. „Hier setzen wir auf VSM, nicht nur weil das von SonoVTS zur Verfügung gestellt wird, sondern weil man es bei Produktionstechnik, die man nur 14 Tage braucht und bei der man nur wenig Zeit zum Aufbau und zum Konfigurieren hat, mit dem VSM-System deutlich leichter hat als mit dem BFE-System“, sagt Grabner. Das produktionstechnische Set-up des ORF in Korea war im Prinzip ähnlich wie vor zwei Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Einzige echte Änderung war die Remote-Anbindung der Außenstellen an die Regie mit Hilfe von Lawos V__Remote-System. Im ORF-Geräteraum fanden sich sechs V__Remotes als Gegenstellen zu den Außenstellen. „Jedes V__Remote kann vier Videosignale im Stream wandeln und umgekehrt. Das reicht für unsere elf Außenstellen“, erklärt Grabner. 

Die IT- und Netzwerktechnik stammte wieder komplett aus dem Bestand des ORF. Neu war hier der Produktionsspeicher von Elements. Die bisherigen DDP-Speicher wurden beim ORF im vergangenen Jahr beim Umstieg auf Adobe Premiere durch die Elements-Systeme ersetzt. Im IBC erarbeitete der ORF mit drei vernetzten Adobe Premiere-Schnittplätzten mit Apple-Hardware. Angebunden waren sie nicht nur am Elements NAS-Server, sondern auch am Produktions-Content-Management-System (PCMS) in Wien, um sich von dort jederzeit Material holen zu können. Beim ORF in Wien wurden vier Alchemisten PH.C-HD Normenwandler von SAM eingesetzt, um jeden Beitrag, der über das PCMS geholt wurde, von 50 Hz gleich in das vor Ort in Südkorea genutzte 60 Hz Format zu wandeln. Im IBC waren ebenfalls drei von SonoVTS bereit gestellte Alchemisten PH.C-HD im Einsatz, über die die Anbindung ins ORF-Zentrum in Wien lief. Hierzu standen drei Sende- und drei Empfangsleitungen auf Basis einer STM16-Verbindung zur Verfügung. Zum Einsatz kam auch hier das Nimbra-System von NetInsight.

Verbunden mit dem Produktionsspeicher waren EVS-Server, um sich jeden Beitrag holen zu können. Der ORF hatte in PyeongChang erstmals fünf 12-kanalige XT4k-Server von EVS im Einsatz. Zwei davon nutzte man zum Zuspielen und drei zum Aufzeichnen. In Rio de Janeiro bei der Sommerolympiade war man noch mit XT3-Servern am Start. Die EVS-Systeme wurden von der Berliner Firma BNC Broadcast Network Connections von Enrico Ganassin angemietet.

Im Austria-Haus-Studio hatte der ORF drei Kameras, dazu eine Funkkamera und eine für Pressekonferenzen. Zudem waren für den ORF sechs ENG-Teams im Einsatz, jedes von ihnen mit Sony PDW 850 Kameras und LiveU-Übertragungstechnik ausgestattet. „Wir nutzen dieses System, weil es für den Kameramann leicht ist, ohne Assistenz, ohne viel Aufwand und ohne besondere technische Kenntnisse mit einem beliebigen Empfänger zu verbinden. Diese Flexibilität ist einzigartig“, erklärt Grabner. „Am Olympic Plaza haben wir eine VandA-Box, die am Regieplatz angeschlossen ist. Das ENG-Team wird dahin geschickt und steckt sich an diese Box an.“ Auch die gebuchten Positionen in den Mixed-Zonen waren mit VandA-Koffer zum Anstecken der Kameras bestückt. Eingesetzt werden konnte dort ein ENG-Team mit Präsentator/Moderator. Der Experte beim Ski-Alpin hatte Mehrfachfunktion: Er machte Streckenvorstellung, die Kamerafahrt, Ko-Kommentar und noch die Analyse. „Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit hier ist das Studio im Austria Haus“, sagt Grabner. „Das IP-Netz ist unserer eigenes, wir administrieren das selber und haben die Streams in eigener Hand. Wir haben uns lediglich zu den einzelnen Venues die Bandbreiten gemietet und haben zu zehn Venues plus zum Haus Austria 1GBit/s Bandbreite gemietet. Vernetzungstechnik dahinter ist alles Standard-Technik von Cisco.“ 

Die komplette Produktionstechnik für die Winterspiele in Südkorea wurde entweder beim ORF in Wien oder bei SonoVTS in München vorkonfiguriert, so dass sie vor Ort nur noch zusammen gesteckt werden musste. Insgesamt wurden 47 Trolleys als Verpackungseinheiten verschickt.

Im Gegensatz zu ARD und ZDF hatte der ORF für Planung und Vorbereitung seiner Technik gute zwei Jahre Zeit. Sowohl ORF als auch SRG/SSR hatten frühzeitig einen Sublinzenz-Vertrag mit Discovery schließen können.                 

Eckhard Eckstein

MB 1/2018

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