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Frischer Wind von Joha

Nicht kleckern, sondern klotzen. So kündigt RTL die siebenteilige Serie „Lasko – Die Faust Gottes“ als ein „Action-Märchen“ an, „das es in vergleichbarer Form in der deutschen Fernsehlandschaft noch nie gegeben hat“. Was stimmt.

Auch der Pilot, mit dem die Serie am 18. Juni auf dem Prime-Time-Sendeplatz von „Alarm für Cobra 11“ bei RTL startet, kleckert nicht, sondern fährt schon in den ersten fünf Minuten mit enormer Bilderwucht – begleitet von dramatisch orchestrierter Kinofilmmusik – einen fiktionalen Genremix auf: von klerikaler Mystik über Reportage und Comedy bis zum neudeutschen Krimi-Stil in Figur einer hübschen BKA-Beamtin.

Lauter wunderschöne Locations springen ins Auge, die man rund um den Produktionsstandort Berlin vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt fand. Eines der Hauptmotive der Produktion bietet die Region um Naumburg an der Saale, unter anderem das traditionsreiche Internatsgymnasium Landesschule Pforta. Weitere Drehorte sind unter anderem die Basteibrücke im imposanten Elbsandsteingebirge, die jahrhundertalte Bergfestung Königstein in der sächsischen Schweiz oder die Rappbode-Talsperre im Harz. Rom wurde unter anderem auf der Berliner Museumsinsel gefilmt. Die Serie tritt mit hohem Production Value auf. Nur wenig wurde im Studio gedreht, wie zum Beispiel Flugzeug-Innenaufnahmen im Studio Babelsberg. Und die körperliche Action ist nicht computeranimiert getrickst, sondern real abgefilmt worden.
Im Mittelpunkt der Serie steht der fiktionale Orden „Pugnus Dei“. Ein „Geheimorden der katholischen Kirche“, der, wie Produzent Hermann Joha sagt, „den Menschen hilft, immer dann, wenn alles Weltliche versagt“. Das, so fügt Joha prosaisch hinzu, sei „ein schöner Gedanke“. Manche würden sogar daran glauben. „Für uns ist es aber ein Märchen.“ Sogar eins mit immer mal wieder aufflammenden Humor, für den eigens die etwas tollpatschige, aber bauernschlaue Mönchsfigur Gladius (gespielt von Stepan Bieker) geschaffen worden ist. Auch wenn man mit dem von einem „Writers Pool“ kreierten Dialog im Ohr manchmal nicht so recht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Beispiel. „Du hast hart trainiert. Aber Du weißt noch nicht, wer Du bist“, gibt der alte Mönch seinem jungen Ordensbruder und Serienhelden Lasko als Weisheit zum Beten mit auf den Weg. Der sich dann aber schnell entscheidet, seinem Freund Gladius, der die ganze Flasche kostbarsten Messwein ausgetrunken hat, bei einer Keilerei im dörflichen Boxring aus der Patsche zu helfen. Das ist dann fast wie bei der erfolgreichen ARD-Serie „Um Himmels Willen“, die, wenn man aufgrund ihres Quotenerfolgs mal auf sie schaut, erstaunlich lustig und auch weltlich aktuell ist.

Auf die Frage, ob sich action concept mit Lasko nun auf die Ebene klerikaler Verschwörungstheorien begebe, wie sie unter anderem mit dem Kinofilm „Illuminati“ in Mode gekommen sind, reagiert Joha denn auch harsch: „Damit haben wir gar nichts zu tun! Wir bieten eine mainstreamige Unterhaltungsgeschichte, die nichts mit der ganzen Schwere und mystischen Verkehrung zu tun hat, wie Bibelzitate oder Verschwörungstheorien. Wir sind in der reinen Entertainmentschiene zu Hause.“

Anders als von „Alarm für Cobra 11“ gewöhnt, kracht es bei Lasko actionreich eher in leiseren Tönen. Und schon gar nicht auf der Autobahn. Es geht um Terroristen, die ein Flugzeug entführen wollen, um skrupellose Söldner einer Geheim-Loge oder um serbische Kriegsverbrecher. Wo immer sich Unrecht anbahnt oder sich Menschen in Not befinden, wird Lasko vorbehaltlos mit akrobatischem Körpereinsatz für Gerechtigkeit kämpfen.
Klar habe die Geschichte rund um den Orden „Pugnus Dei“ etwas mit „historischer Mystik“ zu tun, räumt Joha ein. Doch das Neue an der Serie in ihrem Action-Genre ist nicht im Buch, nicht in der Message und nicht einmal in der Technologie des Herstellungsprozesses verankert, sondern primär in der Hauptrolle, die Mathis Landwehr alias „Lasko“ spielt.

Seit seinem sechsten Lebensjahr hat sich der 1980 in Stuttgart geborene Landwehr dem Leistungssport verschrieben. Zunächst begann er mit dem Kunstturnen, um dann später seine Leidenschaft für Martial Arts zu entdecken. Er fand einen vietnamesischen Meister, der ihn die Kampfkunst des Thu Than lehrte. Bis zu seinem 19. Lebensjahr trainierte Landwehr in jeder freien Minute und befasste sich mit immer weiteren Kampfsportarten wie Taek Won Do, Thai Chi, Capoeira und Boxen. Nach seinem Abitur gelang es Landwehr über Kontakte seiner Mutter, Studenten der Filmhochschule Ludwigsburg davon zu überzeugen, seine speziellen Kampfkünste in Kurz- und Abschlussfilme einzubauen. Danach wollte er selber drehen, was ihm mit den zwei Filmen „Kampfansage“ und wenig Geld auch gelang. Und genau die hatte Produzent Hermann Joha, der als ehemaliger Stuntman ein ewiges Faible für athletische Künste pflegt, gesehen. Seine action concept entwickelten daraus einen neuen Featurefilm mit Landwehrs Kampfkünsten, der wochenlang auf Nummer Eins in Chinas Kinocharts stand. Auch Hollywood hat Landwehr längst als Geheimwaffe entdeckt, zum Beispiel für „V wie Vendetta“.

Erfolgreicher Backdoor-Pilot
Nachdem Landwehr dann bereits im Backdoor-Piloten „Im Auftrag des Vatikans“, der 2006 erfolgreich bei RTL lief, die Rolle des Lasko übernommen hatte, gab RTL die Entwicklung von „Lasko – Die Faust Gottes“ bei action concept in Auftrag. Gedreht wurde die siebenteilige Serie von Mai bis Dezember letzten Jahres.
Der spezifische Aufwand beim Dreh lag insbesondere in der „Prävisualisierung“ der Kunstkämpfe, wie sie von Landwehr zusammen mit dem 15-köpfigen Stuntteam real durchgeführt worden sind, erklärt Herstellungsleiter Heiko Schmidt. Es wurden im Vorfeld des Drehs jede Menge Probeaufnahmen gemacht, um den speziellen Rhythmus und die filigranen Techniken des Kunstkampfes optimal ins Licht zu setzen.
Wenn sich Lasko bei seinen Flickflacks in luftiger Höhe selbst überschlägt, um von da aus gezielt auf seinen Gegner zu springen, ist ein genau geschultes Kameramann-Auge von Nöten, das die Szene in die richtige Action-Perspektive bringt. Nach verschiedenen Tests, die action concept unter anderem auch bei der RTL-Nachmittagsserie „112 – Sie retten Dein Leben“ mit elektronischen Aufzeichnungsverfahren wie mit der RED oder Arri D21 durchgeführt hatte, entschloss man sich doch, auf 16mm-Film mit Kameras aus der Serie Arri SR 3 zu drehen. Unter den speziellen Action-Bedingungen, so Schmidt, wäre das klassische Filmmaterial heute immer noch „sehr hilfreich“, genau die Bilder einfangen zu können, die man haben wolle. Wann immer etwas durch die Luft fliege oder wenn Szenen ins Bild gerückt werden, in denen es viel flammendes Feuer gibt, sei man mit Film auf der sicheren Seite. Auch bei schnellen Bewegungen und dynamischen Lichtverhältnissen bliebe das analoge Bild stabil und brenne nicht aus.
Im Fall Lasko hat der erfahrene Action-Regisseur Axel Sand, der bereits zahlreiche „Alarm für Cobra 11“ Folgen und RTL-Movies wie „Crazy Race“, African Race“ und Final Contract“ inszenierte, gleichzeitig auch die Kamera übernommen. Damit sollte auch ein „einheitlicher Look“ im Farbkonzept sichergestellt werden, zumal die Atmosphären in der Serie stark zwischen mystischen und realen, teils High-Tech-Achitekturen – in eher rotem, blauen oder grünen Licht schwanken. Auch hier hat Axel Sand zusammen mit der Berliner Media Factory, die die Postproduktion bis zum Feinschnitt übernahm, im Vorfeld viele Tests für die Colorierung und eine durchgehend harmonische Farbabstimmung vorgenommen.
Die Techniken und das Handwerk beim Dreh waren vor allem auch dadurch geprägt, den akrobatischen Leistungen von Landwehr und dem gesamten Stuntteam Unterstützung und Sicherheit zu geben. Wenn sich Landwehr beispielsweise mit Radschlägen und gelenkigen Hüpfern über eine lange Brückenstrecke bewegt, war die vorher mit Schaumstoff präpariert worden, – um die Gelenke wenigstens etwas zu entlasten. Natürlich werden die Stuntmen in gefährlichen Situationen abgeseilt. Die Seile werden dann in der Postproduktion wieder mit VFX wegretuschiert.

Bis ins letzte Detail wurde die Produktion akribisch auf die Beine gestellt. Die Mönchskutte, die Lasko trägt, stand in zwanzig Versionen mit unterschiedlichen Stoffmaterialien zur Verfügung. In verschiedenen Brauntönen und in verschiedenen Gewichten, jeweils passend dazu, welche akrobatischen Bewegungen die Kutte zu begleiten hatte, und welches Geräusch sie machen sollte. Zwar ist unbekannt, wie viele Fernsehzuschauer tatsächlich auch über ein optimales Sound-Equipment verfügen, dennoch legte man, wie Schmidt erklärt, Wert darauf, den Ton in Kinoqualität darzustellen. Dazu gehörte nicht nur, dass Effekte, Schläge und Comedy-Passagen mit dem dazugehörenden emotionalen Ton versorgt wurden, sondern dass sogar die Windgeräusche, die die Kutte bei ihren von Lasko erzeugten Bewegungen macht, hörbar geworden sind.

Action-Produktion teurer
Hoher Aufwand, hohe Kosten? Das will Herstellungsleiter Schmidt nicht ganz bestätigen. So habe das Drehteam von action concept „teilweise bis zu 100 Einzelbilder pro Tag“ geschafft. „Wir kommen mit einem immer schmaleren Budget aus“, sagt Schmidt. Aufgrund der Spezialerfahrung, die action concept mittlerweile als eine der weltweit größten Full-Service Produktionsunternehmen für Actionformate gesammelt hat. Dennoch, so räumt Schmidt ein, sei eine Action-Produktion wie Lasko „fast doppelt so teuer wie eine normale Produktion“.
Immerhin: Für ihre besondere Qualität konnte action concept jüngst den fünften „Taurus World Stunt Award“ einheimsen. Während in Deutschland viele Kritiker wegen des dünnen Dialogs bei Actionformaten mosern, sind die Produkte von action concept im Welthandel – vor allem in China, Japan und dem nahen Osten – sehr beliebt. Und beim Kölner Sender RTL sowieso. Schließlich hat nicht zuletzt „Alarm für Cobra 11“ RTL zur Marktführerschaft beim jüngeren Publikum verholfen und ist bis heute die erfolgreichste deutsche Serie bei den privaten Sendern geblieben. Ein Genre – und das treffe auch bei Lasko zu –, „das eher bei den Privaten zu Hause ist“, wie action concept-Chef Hermann Joha sagt.
Wie hoch die Quote werden muss, damit „Lasko“ in die zweite Staffel gehen darf, will RTL nicht verraten. Selbstsicher, wie man es von einem ehemaligen Stuntman erwartet, gibt sich Joha. Auf die Frage, wieso er darauf setze, dass Material Art, die neue Waffe, die Lasko verkörpert, auch im deutschen Fernsehen funktionieren könne, antwortet er knapp: „Eine Serie wie Lasko hat es noch nie gegeben. Das Publikum ist hungrig nach Neuem. Und deshalb sagen wir: Das wird ein Erfolg.“

Gleichzeitig räumt Joha als erfahrener Produzent ein: „Um zum richtigen Zeitpunkt das richtige Genre zu treffen, braucht man immer auch ein bisschen Glück. Da sind wir in der gleichen Situation wie alle anderen Produzenten. Bei Lasko hoffen wir natürlich.“
Auf jeden Fall bringt Joha mit „Lasko – Die Faust Gottes“ wieder ein bisschen frischen Wind in die deutsche TV-Produktionslandschaft: mutig – und ganz auf die Weiterentwicklung seines Genres kapriziert.
Erika Butzek (MB 06/09)

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