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Hohe Flexibilität

Anfang Juni hat der Österreichische Rundfunk (ORF) mit der High-Definition-(HD)-Ausstrahlung von ORF 1 begonnen. Im Wiener Sendezentrum wurde dafür ein neuer HD-Regieplatz in Betrieb genommen. Unter anderem ist dieser mit einem Lawo MC2 90 Audiopult ausgestattet. MEDIEN BULLETIN sprach mit Reinhard Tomek, technischer Planer und Projektleiter beim ORF, über Hintergründe und Zielsetzung der Neuinstallation.

Welche Gründe führten zum Bau der neuen HD-Regie beim ORF?
Nach etwa 15 Betriebsjahren musste der ORF-Regieplatz 11 erneuert werden. Die Fußball-Europameisterschaft UEFA EURO 2008 hat den Erneuerungszeitpunkt zusätzlich mitbestimmt. Im Sommer vergangenen Jahres entschied die ORF-Geschäftsführung, mit der EURO 2008 HDTV in Österreich zu starten. Dies war auch der Grund, den Regieplatz 11 auch gleich für einen HD-Einsatz auszurüsten.

Wie war das Timing bei Planung und Installation?
Nach der Geschäftsführungsentscheidung im Sommer 2007, die EURO 2008 in HD zu übertragen, wurde im September 2007 mit den Planungsarbeiten begonnen. Die Idee für den Regieplatz entstand im August 2007. Im September wurde mit den Planungsarbeiten begonnen. Die Bestellung der Systeme erfolgte im Oktober. Von Oktober bis Dezember wurden die Räume bautechnisch vorbereitet. Die technische Ausstattung des Regieplatzes geschah von Januar bis Anfang Mai 2008. In der zweiten April-Hälfte wurde allerdings schon mit der Inbetriebnahme begonnen, es wurden auch schon einige HD-Testsendungen über den neuen Regieplatz gefahren. Offiziell wurde der HD-Sendebetrieb dann am 2. Juni aufgenommen.

Wie viele Studios werden vom Regieplatz 11 aus bedient?
Prinzipiell können alle ORF-Studios von diesem Platz aus bedient werden. Die Infrastruktur des ORF Zentrums ist so aufgebaut, dass über ein zentrales Routingsystem jeder Regieplatz – wir haben hier davon sechs größere – an alle Studios angebunden werden können. Hauptsächlich spielt der Regieplatz 11 aber mit den Sportstudios zusammen. Dabei handelt es sich um vier kleinere Sprecherstudios, die vor allem der Kommentierung von Sportevents dienen.

Zur UEFA EURO 2008 arbeitete die Regie aber auch mit dem so genannten Eurostudio zusammen. Was verbirgt sich dahinter?
Das war unsere Außenstelle beim Burgtheater, von wo aus die UEFA EURO 2008 zu großen Teilen kommentiert wurde. Diese Außenstelle wurde von einem Ü-Wagen bedient. Der machte eine Vorabmischung und schickte diese Signale dann über Lichtwellenleiter des ORF zum Regieplatz 11 ins ORF Zentrum. Der neue Regieplatz dient also grundsätzlich als zentrale Drehscheibe, die Signale von allen Außenstellen und Sportevents übernimmt und dann auf Sendung gibt.

Sind alle Signale schon in HD angeliefert worden?
Die Eurostudio-Signale wurde durchwegs in HD geliefert, ebenso wie die Live-Bilder der Fußball-Spiele. Wir haben allerdings auch SD-Material erhalten, das dann am Regieplatz 11 auf HD hochkonvertiert wurde, um anschließend in die HD-Sendeabwicklung geschickt und von dort in HD auf dem ORF HD-Kanal gesendet zu werden. Für das normale ORF 1-Programm wurden die EURO 2008-Signale auf SD konvertiert.

Was sind die Kernkomponenten im Audiobereich des HD-Regieplatzes?
Das ist zunächst einmal das Lawo MC2 90 mit 56 Reglern – 24 + 8 + 24, 336 voll ausgebauten DSP-Kanäle und zehn Dallis-Trägern. Das Pult bietet ein- und ausgangsseitig 1.500 Monoknoten. Darüber hinaus haben wir ein Haverie-Mischpult der Type Yamaha DM 2000. Wir können drei Dolby E-Signale für 5.1 Mischungen dekodieren und zwei Dolby E-Sendeleitungen in 5.1 generieren. Der Regieplatz ist also voll Surround-Sound-tauglich. Die Audio-Zuspielungen erfolgen über PC-basierende Systeme. Wir embedden den Surround-Ton im Dolby E-Format, parallel dazu wird diskreter AES-Ton in Stereo ausgegeben.

Was waren die Gründe, die zur Wahl des Lawo-Pultes führten?
Lawo hat bereits vor drei Jahren den Zuschlag bei einer ORF-Ausschreibung für Produktionsmischpulte erhalten. Und aus diesem Grund war das Unternehmen auch jetzt wieder erste Wahl. Wir haben MC2 66-Pulte von Lawo bereits in drei Hörfunk- und zwei TV-Ü-Wagen, in drei Landesstudios und in einer Fernsehregie stehen. Neben diesen neun 66er Lawo-Pulten gibt es mit dem MC2 82 auch noch drei Lawo-Pulte der älteren Generation im Haus. Wir haben uns das MC2 90 zusammen mit dem Betriebspersonal des ORF genau angesehen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es genau das richtige für uns ist.

Maximale Gestaltungsmöglichkeiten
Welche Vorteile bietet das Pult für den Regieplatz 11?
Die Anforderungen in dieser Abwicklungsregie sind, dass man eine große Anzahl ankommender Leitungen gleichzeitig verwalten und schnellen Zugriff darauf haben kann. Wir legen hier viel Wert auf hohe Verfügbarkeit, leichte Schaltbarkeit und ein Höchstmaß an Gestaltungsmöglichkeiten. Genau das bietet das Pult. Überzeugt hat es uns aber auch, weil es ein sehr stabiles, hochredundantes System ist. Das ist sehr wichtig, weil der neue Regieplatz bei langen Sportsendungen durchaus auch mal bis zu zwölf Stunden auf Sendung ist. Da kann man sich Ausfälle nicht leisten.

Welche Kernkomponenten hat der HD-Regieplatz im Videobereich?
Wir arbeiten hier mit dem Bildmischer Sony MVS-8000G, außerdem mit einer Videokreuzschiene von Evertz. Über alle Kreuzschienen für Video, Ton, Timecode etc. steht ein BFE-Kreuzschienensteuersystem. Bei den Vorschaumonitoren kommen vorwiegend 17“ und 24“HD LCDs von Ikegami zum Einsatz. Über eine spezielle PC-Tastaturkreuzschiene kann man von jedem PC-Arbeitsplatz aus auf alle Rechner zugreifen und sich so seinen Arbeitsplatz beliebig aussuchen und konfigurieren. Das bietet uns je nach Sendeformat große Flexibilität bei der Disposition der Arbeitsplätze. Für die Übertragung der HD-Videosignale benutzen wir im ORF Glasfaserstrecken. Und dabei arbeiten wir mit Flashlink-Glasfaserwandler der Firma Network Electronics. Davon haben wir fünf Baugruppenträger im Regieplatz 11 und weitere in sämtlichen Peripheriebereichen des ORF verteilt, wo eben die HD-Signale auf Glasfaser umgesetzt werden. Sonst wäre die Übertragung im ORF Zentrum aufgrund der Entfernungen hier nicht mehr realisierbar. Die Up-/Down- und Crosskonverter in der neuen Regie sind von Evertz, sämtliche Verteilverstärker und A/D-Wandler für Bild und Ton von Lynx.

Warum Lynx?
Wir arbeiten mit BFE, dem Vertriebsunternehmen von Lyxn zusammen. Der ORF hat die Lynx-Systeme auch schon an anderer Stelle wie in den TV-Ü-Wagen im Einsatz.

Gibt es auch eine Kamerasteuerung?
Sie ist vorbereitet für acht Kameras in den kleinen Sprecherstudios. Zur EURO 2008 wurden diese Systeme aber nicht benötigt, weil wir ja wie gesagt mit dem Eurostudio eine Außenstelle angebunden hatten.

Welche Sendungen fahren Sie jetzt mit der neuen Regie?
Zur EURO 2008 wurde der Regieplatz 11 fast ausschließlich für die EURO 2008-Berichterstattung genutzt. Jetzt steht er wieder für sämtliche Sendungstypen zur Verfügung
Eckhard Eckstein (MB 07/08)




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