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3D-Animationen sorgen für Spannung

Realnature.TV aus Kiel hat die Videostreams von der Internationalen Deutschen Segelmeisterschaft (IMD) 2011 in Travemünde zur Verbreitung im Internet produziert. Als Herzstück der Produktion, bei der Live-Bilder mit aus Tracking-Daten generierten 3D-Animationen gemischt wurden, diente das neue portable Live-Produktionssystem TriCaster 850 Extreme von NewTek.

Vom 29. September bis zum 3. Oktober 2011 richten der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) und der Lübecker Yacht-Club (LYC) zusammen mit dem Sailing Team Germany (STG) die Internationalen Deutschen Segelmeisterschaften (IMD) 2011 in Travemünde aus. Dabei gab es eine interessante Premiere. Um die Regatten für ein breites Publikum besser erlebbar zu machen, ermöglichte Mitveranstalter STG erstmals auf einer Deutschen Meisterschaft den Einsatz von Tracking-Technologie seines Sponsors SAP AG.

Bislang war es sehr schwer, überhaupt Segelwettbewerbe fernsehtauglich aufzubereiten, geschweige denn Zuschauern ohne Segelsport-Affinität zu erklären. Mit der Tracking-Technologie ist das anders. Mit ihr lassen sich die Echtzeit-Positionen der Regatta-Boote genau lokalisieren. Alle Boote werden dazu mit GPS-Empfängern ausgestattet. Mit Hilfe der so gewonnenen Daten lassen sich 3D-Animationen erstellen, die als Erklärstücke zwischen Live-Bildern und Moderationsteilen bei Übertragungen im Fernsehen und im Internet genutzt werden können. Die Regatten gewinnen so deutlich an Spannung.

In Travemünde war der Kieler Produktionsdienstleister Realnature.TV mit der Realisierung des Internet-Live-Videostreamings der IMD 2011-Regatten beauftragt worden. Realnature.TV wurde 2007 mit den Tätigkeitsschwerpunkten TV- und Video-Produktion von Forschungs- und Abenteuer-Expeditionen sowie Image- und Unternehmensfilmproduktionen gegründet. „Parallel dazu haben wir immer auf Web-TV gesetzt, weil es für die von uns produzierten Inhalte im Fernsehen oft wenig oder gar keine Abspielmöglichkeiten gab“, erklärt Geschäftsführer Michael Trapp. „So entstand auch die Seite Realnature.TV als TV-Channel, wo man sich kostenlos Dokumentarfilme aus Afrika und der Anktarktis anschauen kann“, sagt er.

In Sachen Segelsport-Produktion ist Realnature.TV seit Sommer 2010 aktiv. Das Unternehmen wurde da von der Sport-Marketingagentur Jacaranda, Valencia und München, erstmals mit der Produktion der Kieler Woche betraut. Jacaranda betreut unter anderem die internationalen Segelsportaktivitäten von Audi. Dazu gehört der Audi MEDCup ebenso wie die Kieler Woche. Auch hier war Realnature.TV mit seinem Produktionsteam wieder mit am Start.

Bei der Kieler Woche 2011 wurde fernsehtechnisch erstmals größerer Aufwand betrieben. Aus einem gläsernen Studio wurde täglich bis zu sieben Stunden live berichtet. Mit dabei waren Nils Karven vom ZDF als Moderator und Marcus Baur, Ex-Europameister in der 49er-Bootsklasse, als Segelexperte. „Das war das erste Mal, dass ganze Sendungen aus den einzelnen Regatten der Kieler Woche produziert wurden“, berichtet Trapp. In Kiel kamen eine Helicopter-Kamera und eine Kamera auf einem Schlauchboot direkt im Regattafeld zum Einsatz, deren Signale per Funk an Land übertragen wurden. Dazu wurde erstmals in Deutschland auch das Eingangs angesprochene 3D-Tracking-System von SAP eingesetzt. Zuvor nutzte man es lediglich bei großen internationalen Events wie den Americas Cup und den MEDCup.

„Nach der erfolgreichen Einführung zur Kieler Woche wurde das SAP-Tracking-System dann auch bei der IMD 2011 in Travemünde eingesetzt, um zu zeigen, dass man damit auch bei eher kleinen Segelveranstaltungen den Zuschauern kostengünstig den Segelsport erklären kann“, meint Trapp. „Und das hat hervorragend geklappt.“ Zuschauer würden in der Regel nur viele Boote sehen, hätten aber meist keinen Überblick über das Regattafeld oder die Regattabahn. „Die attraktiven Bilder sind natürlich immer die Live-Bilder, weil da Action zu sehen ist. Aber mit der Tracking-Technik kann man verschiedene virtuelle Perspektiven liefern oder sogar auf das führende Boot hinzoomen. Man hat dabei viele Möglichkeiten das Geschehen zu erklären. Das ist mit Live-Bildern nicht machbar“, erklärt er.

Trapp: „Die Live-Bilder dürfen natürlich nicht untergehen. Aber es muss eine gesunde Mischung sein.“ Die 3D-Tracking-Bilder machten am Ende 60 Prozent der Übertragung aus, die Live-Bilder inklusive Moderation nur 40 Prozent.
Das Live-Bild in Travemünde wurde vom Dach des Maritim-Hotels geschossen und von dort per Richtfunk in die rund 1,3 Kilometer davon entfernten Regie übertragen. Die war in einem Hotel am Strand vor den Regattabahnen untergebracht. „Bei der eingesetzten Kamera handelte es sich um eine Sony EX3 mit einem 1/3“- auf 2/3“-Adapter plus Antiwackeladapter und 22fach Teleoptik, so dass wir insgesamt auf 40fach Brennweite kamen. Die Kamera hatten wir auf einem 25er Sachtler-Stativ installiert. Die ganze Konstruktion war von unserem sehr engen Budgetrahmen bestimmt“, sagt Trapp.

Als Herzstück in der Regie wurde der TriCaster 850 Extreme von NewTek eingesetzt. Das portable Mischpult für Live-Produktionen bietet Multi-Format- und Multi-Track-Aufzeichnung für bis zu acht Videokanäle. Mit TriCaster kann man gleichzeitig produzieren, HD- und SD-Aufzeichnungen machen, live streamen und übertragen. Ein einzelner Operator kann zwischen mehreren Kameras und anderen Quellen live hin und herschalten, währenddessen neue Clips, Beschriftungen und bewegliche Graphiken mit Multi-Kanal-Effekten eingefügt werden.

Seit der ersten Präsentation zur NAB 2011 wurden zahlreiche Verbesserungen am TriCaster 850 Extreme vorgenommen, so zum Beispiel in den Bereichen Aufnahmeformate, System-Browser-Fähigkeit, Multi-Bitraten-Streaming-Profile und Audio-Cross-Fade. Beim Einsatz in Travemünde lagen am TriCaster 850 Extreme neben dem Signal der Live-Kamera auf dem Hotel-Dach auch die Signale von drei Studiokameras, ebenfalls vom Typ Sony EX3, an. Über den Tricaster wurden zudem Clips eingespielt sowie die auf verschiedenen Rechnern vorbereiteten Grafiken mit Ergebnistafeln von allen Regattabahnen zur schnellen Präsentation in den Live-Sendungen. Zwischen- und Endergebnisse wurden dazu per Telefon durchgegeben. „SAP hat uns ein Analysetool zur Erstellung von Blitztabellen geliefert. So konnte man auch während einer Regatta entsprechend der jeweils vorliegenden Platzierungen den Gesamtpunktestand eines Seglers mit Blick auf seine Olympiaqualifikation sehen“, erklärt Trapp.

Moderiert wurden die Segelübertragungen von einem Open Air-Studio aus, das am Strand mit Blick auf die Regattabahnen positioniert war. Neben ZDF Sportmoderator Alexander Ruda agierte hier wie schon in Kiel STG-Segelexperte Marcus Baur. Der hatte die Möglichkeit, an einem Rechner auf seinem Moderatorenpult die 3D-Tracking-Bilder selber zu steuern. „Das heißt, er konnte die Perspektiven aussuchen und entscheiden auf welchen Segler er geht und das zu zeigen, was er gerade für wichtig hielt“, erläutert Trapp. Außerdem konnten die beiden Moderatoren Live-Telefonate raus zur Regattabahn führen und in die Regie übermitteln. „Wir hatten zwei Richtfunkstrecken plus die Telefonschalte nach draußen. Das Ganze lief über ein einfaches Behringer-Audio-Mischpult Mx 1602.“

TriCaster

„Mit dem TriCaster konnten wir viele verschiedene Signale ziemlich einfach zusammen mischen, egal ob die Signale von unseren Netzwerk-Geräten kamen, die man hier einfach anschließen konnte, oder ob es sich um unterschiedliche HD- und SD-Signale handelte“, betont Trapp. Das sei sehr hilfreich gewesen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass man im Tracking-Bereich mit einem ziemlichen Signalmix konfrontiert worden sei. „Wir mussten da am Ende ziemlich viel zusammenstückeln. Deshalb war ich sehr froh, dass wir am Ende des Tages so viele Möglichkeiten am TriCaster hatten, etwas einzubauen“, meint Trapp.
Für die Generierung der GPS-Tracking-Informationen von den einzelnen Regatta-Booten war ein Unternehmen aus Dänemark verantwortlich. Die dabei gewonnenen Daten wurden per Mobilfunk in die Regie geschickt und dort von einem Team von BeTomorrow aus Bordeaux in 3D-Live-Animationen verwandelt, die als HD SDI Signale an den Tricaster weiter gegeben wurden.

Durch die Mobilfunk-Übermittlung gab es eine Verzögerung von rund zehn Sekunden bis die Tracking Daten auf dem Server landeten und verarbeitet werden konnten. „Das entsprechende Delay zum Live-Bild mussten wir ausgleichen indem das Bild von der Dachkamera zehn Sekunden gepuffert und erst dann ausspielt wurde“, sagt Trapp. Da man sich dafür weder eine XT-Maschine von EVS noch ein 3play-System von NewTek habe leisten können, habe man eine kostengünstige Problemlösung gesucht. „Am Ende haben wir selbst einen Rechner mit zwei verschiedenen Videokarten zusammen gebaut, mit dem wir in der Lage waren, eingespielte Videodaten mit zehn Sekunden Verzögerung wieder auszugeben“, berichtet der Realnature.TV-Geschäftsführer.

Ein absolutes Plus des TriCasters sei, dass man damit die Möglichkeit habe, nicht nur das Programm selber sondern auch verschiedene andere Quellen anwählen und in verschiedensten Formaten mitschneiden zu können. „Am Ende des Tages hat man so neben dem Programmmitschnitt auch weitere Aufzeichnungen parat, ohne dass da irgendeine Bandmaschine mitlaufen muss“, sagt Trapp.

Zuverlässig und leicht zu bedienen

Die Entscheidung NewTeks Tricaster-System einzusetzen, fiel bei Realnature.TV ziemlich schnell. Trapp erklärt: „Ich habe nach einer Regie mit mobilen Einsatzmöglichkeiten gesucht, die man in ein Flightcase einbauen kann, die möglichst viele Optionen insbesondere mit Blick auf die verfügbaren Schnittstellen bietet und die mit kleiner Mannschaft zu bedienen ist. Da gab es gar nicht so viele Alternativen und ich bin dann schnell am TriCaster hängen geblieben.“ Zudem sei man NewTek sehr dankbar dafür, dass man das 34.000 Euro teuere System (netto) zunächst in Teststellung ausprobieren konnte. „Sofort aufgefallen ist uns, wie einfach das System aufzubauen und zu bedienen ist. Unser Operator war ohne jegliche Einweisung in der Lage, die Funktionalitäten des TriCasters optimal zu nutzen und die ganze Show ohne Fehler zu bewerkstelligen“, betont Trapp. Er lobt auch die Stabilität des Systems. „An zwei Tagen haben wir jeweils sieben Stunden live mit dem System gearbeitet und es ist uns da nicht einmal abgestürzt“, berichtet er.

Das von Realnature.TV produzierte Programm von den Internationalen Deutschen Segelmeisterschaften 2011 wurde über diverse Online-Portale verbreitet, so zum Beispiel über alle größeren deutschsprachigen Segelportale wie Yacht.de, Segelreporter.de und Segelfilme.de, aber auch über Websites wie sportbild.de und Vox.de sowie über der IMD-Veranstalter. Auf dem TriCaster produzierte Zusammenschnitte wurden zudem auf YouTube eingestellt. „Insgesamt war das eine positive und erfolgreiche Produktion“, konstatiert Rapp.

Am 29. Und 30. Oktober war er mit seinem Team anlässlich der vom Yacht-Magazin veranstalteten 32. Regatta „Meisterschaft der Meister“ auf der Hamburger Alster wieder im Produktionseinsatz. Neben der Tracking-Technologie zur Erstellung von Echtzeit-3D-Animationen wurde hier, wie auch schon zur Kieler Woche, ein ferngesteuerter, mit Sony-Videokamera (HDR CX700E) bestückter Helicopter der Firma heli-cam-europe.tv aus Bönebüttel bei Neumünster für Luftaufnahmen genutzt. Kamera und Hubschrauber wurden von einem Bootssteg aus per Funk (im 2,4 Ghz-Bereich) gesteuert. Der 1,60 Meter lange Hubschrauber zeichnet sich laut Geschäftsführer Jürgen Schindler durch stabilisierte, präzise Flugeigenschaften aus. Er ist mit einem starken Elektromotor ausgerüstet und deshalb auch bis Windstärke 5 einsetzbar, ebenso wie bei leichtem Regen und Schneefall. Er erlaubt vibrationsfreie Filmaufnahmen in Full-HD-Qualität bei einer Flughöhe bis zu 100 Metern und bei Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h.
Auch bei dem im Mai 2012 in Langenargen am Bodensee anstehenden Match Race Germany will der Veranstalter mit Blick auf das gestiegene TV-Interesse weiter in innovative Übertragungstechnik investieren. Erstmals soll auch hier ein Tracking-System zum Einsatz kommen, um damit leicht verständliche 3D-Animationen vom Renngeschehen zu generieren.
Eckhard Eckstein
(MB 12/11_01/2012)

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