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Immer gut verbunden

News: Produktion

Immer gut verbunden

Das Electric Love am Salzburgring zählt zu den größten Festivals für elektronische Musik in Europa. Mit mehr Aufwand als je zuvor wurde die Live-Stream- und After-Movie-Produktion betrieben um das Marketing-Potenzial und die Reichweite des Festivals voll auszunutzen. Auch neu in diesem Jahr war ein verbessertes Kommunikationskonzept, in dessen Zentrum das Bolero-System von Riedel Communications stand. mebulive war vor Ort, um sich die technische Infrastruktur genauer anzusehen.

Jedes Jahr strömen tausende Fans von EDM (Electronic Dance Music) ins Salzburger Land um auf dem Electric Love Festival an drei Tagen internationale DJ-Größen spielen zu sehen. Mit 45.000 Besuchern täglich hat die Eventlocation am Salzburgring die Kapazitätsgrenze erreicht. Dem Veranstalter Revolution Event, auch verantwortlich für die Produktion, stand mit seinem rund 50-köpfigen Team eine logistische Herausforderung bevor. In hügeligem Gebiet und mit einer Autorennstrecke im Zentrum des Festivalgeländes mussten insgesamt acht Bühnen errichtet werden.

50 unterschiedliche Unternehmen arbeiteten an der Realisierung des Festivals. 86 einzelne Konstruktionen mussten vor Festival-Beginn erstellt werden. Alleine die Mainstage war mit 76 Meter Breite und 24 Meter Höhe, 200 Tonnen Gewicht, 1.000 unterschiedlichen Lichtelementen und einer 750 Quadratmeter großen LED-Wand beeindruckend groß. Durch die Größe und Lage des Festivals ergaben sich unterschiedliche Probleme. Zum einen war das Timing und die Logistik für Auf- und Abbau der tonnenschweren Bühnenkonstruktionen beschwerlich. „Eine einspurige Straße führt in den Innenbereich des Festivalgeländes und zwingt unser Team dazu, genaue Timeslots für die LKWs zu vergeben. Nur so  können wir Auf- und Abbau ordentlich koordinieren”, erzählt Laurenz Schulz, verantwortlich für die Event Produktion bei Revolution Events, und führt weiter aus: „Außerdem müssen wir enorm auf den empfindlichen Belag der Rennstrecke aufpassen. Aus diesem Grund kühlen wir den Asphalt jeden Tag mit 200.000 Litern Wasser um Schäden zu vermeiden.” 

 

Riedel Bolero als Kommunikationsmittel

 

Ein besonderes Augenmerk legte man bei der Organisation des Festivals auf die Kommunikation. Während die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren mit Walkie-Talkies oder Handys kommuniziert hatten, sah man in diesem Jahr die Notwendigkeit, auf ein ausfallsicheres Intercom-System umzusteigen. Nachdem Revolution Event auch in den vergangenen Jahren eng mit Riedel Communications zusammengearbeitet hatte, gab man dem Bolero-Intercom-System  den Vorzug. Einer der Hauptgründe dafür war es, die Sicherheit des Festivals weiter zu verbessern. 

„Die Möglichkeit durchgängig zu kommunizieren und im Ernstfall auf ein System zu setzen das zu 100 Prozent funktioniert, war uns sehr wichtig”, sagt Schulz. Von den insgesamt acht Bühnen waren die drei Großen mit dem Bolero-System ausgerüstet. Ebenfalls an das Bolero-System angebunden war das ECC (Event Control Center). So konnten die Veranstalter jederzeit mit den Verantwortlichen Crews im FOH (Front of House) kommunizieren. Es war das erste Mal auf dem Electric Love, dass die Kommunikation bühnenübergreifend mit dem ECC möglich war. 

 

Technische Ansprechpartnerin vor Ort und für den Auf- und Abbau verantwortlich war Julia Ellinger, Technical Service Manager von Riedel. Sie sagt: „Grundsätzlich ist das Set-Up richtig kompakt. Ein kleiner Transporter und ein Kombi haben für den Materialtransport ausgereicht. Um die Glasfaserleitung zu ziehen habe ich vor Ort noch ein paar helfende Hände bekommen.“ Insgesamt waren 48 Bolero-Beltpacks im Einsatz. Sieben Antennen wurden auf dem gesamten Festivalgelände verbaut. Alleine 27 Verantwortliche wurden an der Mainstage mit einem Bolero-Beltpack ausgerüstet. 

 

Das Mainframe wurde derweil im Licht-Truck, der hinter der Main Stage stand, untergebracht. Die Antennen für die Main Stage wurden direkt angebunden. „Vom Mainframe haben wir eine Fiberglasleitung zur Q-dance-Bühne verlegt an der ein weiterer Switch untergebracht ist. Zwei Antennen stehen an dieser Bühne. Von dort geht eine weitere Verbindung zur dritten Bühne, dem Club Circus, an der nur eine Antenne positioniert ist”, erklärt Ellinger das ringförmige Set-Up. Mit einem Medienwandler wurde die Verbindung dann vom Club Circus zum ECC geführt. Das dort eingesetzte Smart Panel ermöglichte es der Einsatzleitung, eine Verbindung zu allen Stages herzustellen. Stage-Manager, Sound-Crew, Licht-Crew und die Video-Crew konnten so über Konferenzen mit dem ECC kommunizieren.

 

Auch der von nobeo bereit gestellte Ü-Wagen hatte ein Bolero-System verbaut. „Dass der Ü-Wagen auch ein Bolero-System an Bord hat, haben wir erst kurzfristig erfahren. Jetzt freut uns das aber umso mehr. Im Falle einer Evakuierung können wir mit dem Ü-Wagen kommunizieren, da die Evakuierungsroute direkt bei dem Truck vorbei geht”, erklärt Schulz. 

 

Videoproduktion

 

Seit Anbeginn des Electric Love Festivals setzt man bei Revolution Event auf eine After-Movie-Crew. „Wir sehen das After-Movie als wichtigstes Marketing-Instrument”, erklärt Sascha Plagge, verantwortlich für die Video-Produktion bei Revolution Event. Mittlerweile arbeiten 15 Mitarbeiter am After-Movie, davon alleine sieben Kameraleute, die an allen Bühnen spektakuläre Eindrücke einfangen. Gearbeitet wird mit Kameras von Red, die mindestens in 4K und mit 100 Bildern in der Sekunde aufzeichnen. 

 

Zusätzlich arbeitet das Revolution Event Team seit 2014 mit dem niederländischen Produktionsunternehmen We Are The Night an einer Live-to-Tape-Produktion für die DJs, die so ihre Auftritte auf ihren eigenen Social-Media Kanälen verbreiten können. Seit 2016 wird das Festivalgeschehen zusätzlich live gestreamt. 

 

Neu dieses Jahr war, dass erstmals keine Flightcases genutzt, sondern ein 4K-Ü-Wagen von nobeo angemietet wurde. Grund für das Upgrade war das ausgegebene Ziel, noch mehr Live-Inhalte auf noch mehr unterschiedlichen Plattformen zu zeigen. Während in den vergangenen Jahren immer nur slotweise übertragen wurde, gab es in diesem Jahr einen durchgehenden Stream von 18 Uhr bis 2 Uhr. So wurde erstmals ein System namens Push-Live verwandt, das den Live-Stream automatisch auf Facebook, Youtube, Twitch und der Festival-Webseite zeigte. „Zudem können wir den Künstlern durch das System die Möglichkeit bieten, ihren Auftritt automatisiert auf ihre eigenen Social Media-Kanäle zu streamen. Das haben fast alle Künstler auch gemacht”, erklärt Plagge und Wilco Jung, Gründer von We Are The Night, fügt an: „Der Vorteil ist, dass nur ein Signal auf den Mediaserver von Push-Live gestreamt werden muss, der dann selbstständig die Distribution auf die einzelnen Social Media Kanäle übernimmt. Das ganze funktioniert über vordefinierte Cues, die markieren, wann ein bestimmtes DJ-Set anfängt. Im Moment gehen an die 15 Streams live ins Internet.”

 

Das Event an sich wird in HD gestreamt. Das sei aber völlig ausreichend und mit weit weniger Aufwand verbunden findet Jung: „Wir setzen Grass Valley LDX-Kameras ein und produzieren die Bilder in 1080/50p. Bewusst haben wir nicht in 4K produziert. Das liegt daran, dass die meisten Endgeräte auf die wir streamen, 4K gar nicht wiedergeben können. Und auf Smartphones sieht das HD-Bild sehr gut aus.”

Bei der Hauptbühne wurde mit unterschiedlichen Kameraperspektiven gearbeitet. Eine Kamera, ausgestattet mit einer Teleoptik, stand vor dem FOH. Eine Zweite in ähnlicher Position ist mit einem Dolly ausgerüstet und war für die cineastischen Kamerafahrten gedacht. Eine weitere LDX befand sich auf einem Kamerakran bei den VIP-Lounges, seitlich des Innenbereichs. 

„Außerdem haben wir eine Schulterkamera im Graben vor der Bühne und eine beim DJ platziert. Für die Videoproduktion sind die feiernden Festivalbesucher wichtiger als der DJ. Die Besucher machen unsere Bilder erst richtig spektakulär”, findet Jung. 

 

Eine Seilkamera, die seit 2016 über das Gelände gespannt wird, lieferte in diesem Jahr erstmals auch Bilder, die das We Are The Night Team in den Livestream mischen konnte. Ausgestattet war die Seilkamera mit einem Ronin Gimbal und einer Sony FS7. „Immer wenn wir wussten, dass bei den Bühnenshows viel Laser eingesetzt wird, haben wir die FS7 gegen eine Panasonic GH5 getauscht. Wir wollten damit vermeiden, dass der Sensor der großen Kamera von den Laser-Strahlen beschädigt wird”, erklärt Plagge.  

Niklas Eckstein

MB 3/2019

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