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Jedes Tor im Speicher

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Jedes Tor im Speicher

Der FC Arsenal steht als Fußballverein in der Premier League in einem harten Wettbewerb auf dem Platz und daneben. Der Kampf um lukrative Lizenz- und Sponsoringverträge treibt die Gunners an, weiter in die Medien- und Bewegtbildproduktion zu investieren. Es geht darum, Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen um Fans welt- weit zu binden und die Marke Arsenal London zu stärken. Strawberry, ein PAM-System des deutschen Herstellers FlavourSys soll dabei helfen. MEDIEN BULLETIN war im Emirates Stadion, um sich den Workflow anzuschauen.

Fußballvereine der Premier League und grundsätzlich aller Top-Ligen der Welt mussten sich in den vergangenen Jahren einem immensen Wandel unterziehen. Die Zeiten, in denen Vereine ausschließlich Tickets für ihre Spiele verkauften um daraus Erlöse zu erzielen, sind lange vorbei. Heutzutage sind die großen Fußballvereine Multimillionen-Unternehmen, die im harten Wettbewerb um internationale Aufmerksamkeit versuchen, die eigens geschaffene Marke zu verkaufen. Vor allem in der Premier League sind die wichtigsten Einnahmequellen heutzutage die großen TV-Deals und Sponsoringverträge. Sky und die BT Group kauften Anfang des Jahres fünf von sieben Übertragungspakete für die drei Premier League Spielzeiten von 2019/20 bis 2021/2022 für insgesamt 4,464 Milliarden Pfund.

Damit wird klar, dass die einzelnen Fußballvereine versuchen müssen, ihre eigene Marke zu verlängern und Fans noch enger an das Team zu binden – in den Trainings, auf den Pressekonferenzen sowie über diverse Online- und Offline Kanäle hinweg.

Genau das macht auch der FC Arsenal. In der Unit der Arsenal Media Group werden die Inhalte dafür erstellt. Die meisten Inhalte sind Videoclips, die für Online, Social Media oder den Arsenal Player erstellt werden – in den letzten eineinhalb Jahren alleine waren das 22 Millionen Dateien. Deshalb war es für John Dollin, Senior Systems & Operations Manager, enorm wichtig, auf ein solides PAM-System (Production Asset Management System) zu setzen, das die Massen an Assets effizient verwaltet. Die Entscheidung fiel auf das System Strawberry der Berliner Firma FlavourSys – nicht zuletzt wegen der engen Integration mit Adobe Premiere, bestätigt Dollin. 

„Es geht darum, Bewegtbildinhalte aus Trainings, Spielen oder von Pressekonferenzen jederzeit wiederzufinden, um diese dann für die unterschiedlichen Kanäle, die wir bedienen, aufzubereiten. Ein durchdachtes, gut integriertes PAM-System steht dabei im Zentrum unserer Arbeit.”

Der FC Arsenal ist einer der wenigen Fußballclubs in England, der die eigenen Medienrechte verkauft hat. Der Rechteinhaber ist Stan Kroenke, mit seiner Firma Kroenke Sports & Entertainment, die auch mehrere Amerikanische Profiteams aus NFL, NHL und NBA sowie Stadien und Medienunternehmen unter einem Dach vereint. Kroenke besitzt auch rund 70 Prozent aller Anteile vom FC Arsenal selbst. „Wir als Arsenal Broadband Limited, oder Arsenal Media Group wie wir uns intern nennen, sind dazu berechtigt die Medienrechte für den FC Arsenal zu managen. Dazu gehört Arsenal.com, der Arsenal Player, unser Video-Player, und die TV-Broadcast-Rechte”, erzählt Dollin und fügt an: „An jedem Spieltag kommentieren wir unser Spiel und liefern eigene Grafiken. Außerdem produzieren wir noch eine Magazin-Show und die Pressekonferenzen. Die liefern wir an rund 26 Broadcaster auf der ganzen Welt.“

In der Vergangenheit setzte man in der Media Group auf verschiedene Insellösungen und Systeme, die den Workflow verlangsamten und nicht zu einem dynamischen Arbeitsumfeld passten. Vor allem das Auffinden der Video-Clips war teilweise eine manuelle und sehr zeitaufwendige Aufgabe: „Wir haben unser Asset Management Tool mehr wie ein Archivierungs-Tool benutzt. Unsere Inhalte wurden auf unterschiedlichen Speichern aufbewahrt, der Zugriff war zeitaufwendig und am Ende des Jahres waren unsere Speicher voll. Manchmal haben wir ein bestimmtes File gar nicht mehr wiedergefunden“, erklärt Dollin und fügt an: „Wir sind derzeit knapp 50 Mitarbeiter in der Media Group und vor allem in den letzten Jahren stark gewachsen. Immer mehr Freelancer helfen uns bei den Produktionen. Deshalb war es wichtig, den Workflow umzustellen und möglichst effizient zu gestalten.“

Zu Beginn der Umstellung auf das neue System von FlavourSys hat sich das Team von Dollin in einem intensiven Sandboxing-Verfahren mit verschiedenen Systemen auf dem Markt auseinandergesetzt. „Uns war wichtig, dass das neue System gut mit unserer Projektstruktur arbeitet und eine möglichst tiefe Integration von Adobe Premiere möglich ist. Am Ende des Tages haben wir uns dann für Strawberry entschieden. Auch weil FlavourSys als Unternehmen nicht zu groß und nicht zu klein ist. Ein guter Kontakt zu Dienstleistern ist in den letzten Jahren enorm wichtig geworden. Es ist schön, mit den Entwicklern von FlyvorSys auf der NAB zu stehen und über unsere Herausforderungen zu sprechen, und dann zu sehen, dass Lösungen für diese Herausforderungen entwickelt werden.“

 

Import und Duplikate

Die grundsätzliche Herausforderung in der Arbeit mit einer großen Anzahl an Video-Clips in einem PAM-System ist seit jeher die Verschlagwortung der einzelnen Dateien. „Wir haben uns Anfangs sehr genau überlegt, wie wir mit einem neuen PAM-System arbeiten wollen und welche Strukturen wir abbilden möchten. Für uns ist es beispielsweise sehr wichtig von Saison zu Saison zu arbeiten. Das mussten wir in Strawberry abbilden, um später keine Probleme zu bekommen,“ so Dollin.

Damit Clips in Strawberry wiedergefunden werden können, nutzt die Arsenal Media Group zum Import der Video-Dateien Watch Folder. Neue Dateien in diesen überwachten Ordnern werden von Strawberry erkannt und direkt in das PAM-System aufgenommen. „Unsere Mitarbeiter denken gar nicht an Strawberry, wenn sie ihre Dateien in die Ordner legen. Das macht es sehr einfach. Außerdem generiert Strawberry anhand der Ordnernamen und der Struktur gleich erste Metadaten“, erklärt Dollin.

Im Gegensatz zu anderen Broadcastern oder Medienhäusern nutzt der FC Arsenal einzelne Inhalte häufig mehrmals und für die unterschiedlichsten Kanäle. Die Gefahr, dass Duplikate entstehen ist daher sehr hoch. Um dem entgegenzuwirken, legt Strawberry die Metadaten auf einem Projektlevel an. Über eine vordefinierte Maske müssen Cutter zunächst 30 Sekunden Zeit investieren um ein Projekt anzulegen oder Inhalte in ein bereits bestehendes Projekt abzulegen. „So verhindern wir, dass am Ende des Tages Metainformationen fehlen und Inhalte nicht mehr wiedergefunden werden können“, erklärt Dollin und fährt fort: „Danach macht es uns Strawberry ganz leicht. Über einen Suchschlitz können wir nach bestimmten Keywords suchen und bekommen dann alle Suchergebnisse, die in diesem Kontext stehen. Wir können nach einer Saison, einem Spieler oder einer bestimmten Szene in einem Spiel suchen.“

Integration mit Adobe Premiere

Hauptgrund für die Arsenal Media Group, sich für das PAM-System von FlavourSys zu entscheiden war die enge Integrationsmöglichkeit mit Adobe Premiere. So ist es unter anderem möglich, Anmerkungen zu einer bestimmten Szene im Clip in Premiere hinzuzufügen, die dann von Strawberry übernommen und getaggt werden. „Die Möglichkeit in Adobe Premiere beispielsweise ein Foul in einer Videosequenz zu markieren, das dann in Strawberry als Anmerkung such- und auffindbar gemacht wird; das ist toll. Das funktioniert übrigens auch anders herum.“

In Zukunft soll sich Strawberry noch tiefer mit anderen Produkten integrieren lassen. Ein AI-Feature, auf das sich die Arsenal Media Group besonders freut, ist die Integration mit Opta. Opta ist das gängige Fußball Analysetool, das in den großen Ligen eingesetzt wird. So verspricht FlavourSys in einem der nächsten Updates die Files von Opta einspeisen zu können um dann automatisiert Markierungen in den Videos zu hinterlegen. „Dadurch entfällt, dass man sich Videos manuell ansehen muss um eine Ecke oder Freistoß zu markieren. Wir können auf diesem Weg sehr schnell und unkompliziert wichtige Spielmomente wiederfinden.“

Eine weitere interessante Integration konnte zwischen dem Cloud Video Collaboration Tool AFrame und Strawberry möglich gemacht werden. AFrame hilft Journalisten von Arsenal dabei, Videos von Pressekonferenzen zu transkribieren und gleichzeitig wichtige Momente zu markieren. Cutter, die das Material dann für die unterschiedlichen Channel weiterverarbeiten müssen, sparen so sehr viel Zeit: „Unsere Cutter müssen jetzt nicht mehr die verschiedenen In- und Out- Punkte in den Videos finden. Die Vorgaben wurden bereits von den Journalisten vor Ort hinterlegt und das spart Zeit. Und diese Zeitersparnis ist uns enorm wichtig.“ 

Niklas Eckstein

MB 2/2018

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