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Mit Vollgas in neue Märkte

Eurosport zeichnet in dieser Saison wieder als Hostbroadcaster und Vermarkter der FIA-WTCC-Rennserie verantwortlich. Alle zwölf Events werden erstmals komplett in HDTV produziert. Als Produktionsdienstleister für die europäischen Rennen wurde Alfacam mit seinem OB33-HD-Ü-Wagen engagiert. MEDIEN BULLETIN besuchte am 19./20 Mai die WTCC-Produktion auf dem Salzburgring.

Die Tourenwagen-Weltmeisterschaft machte am 19. und 20. Mai erstmals im Rahmen der FIA World Touring Car Championship (WTCC) Rennserie am Salzburgring Station. Die beiden spannenden WM-Läufe gewannen der Engländer Robert Huff (Chevrolet) und der Italiener Stefano D'Aste (BMW). Bei herrlichem Wetter verfolgten rund 30.000 Zuschauer vor Ort das Geschehen. Damit aber auch die Tourenwagen-Fans weltweit die Rennen auf der Salzburger Hochgeschwindigkeitsrennstrecke in bester Qualität verfolgen konnten, setze Veranstalter FIA auch hier auf eine hochwertige TV-Produktion verbunden mit einer umfassenden globalen TV-Berichterstattung.

Seit Gründung der WTCC-Renserie 2005 zeichnet der paneuropäischen Sportsender Eurosport als Hostbroadcaster für die Produktion der TV-Bilder verantwortlich. Über seine Tochterfirma Eurosport Events hält Eurosport zudem die kompletten WTCC-Vermarktungsrechte. Eurosport Events wurde vor fünf Jahren gegründet und wird geleitet von dem Director of Operations Jean-Louis Dauger. In der weltweiten Event-Vermarktung maßgeblich unterstützt wird er von Bernd Daubenmerkl, Global Sales Director von Eurosport Events und Geschäftsführer der Eurosport Media GmbH, sowie von Antonios Argyropoulos, Chef der Medienrechte-Distribution bei Eurosport Events. „Wir sind mit dem hier produzierten Programm weltweit in 178 Ländern vertreten. 81 Sender haben die Rechte an der WTCC-Rennserie erworben. 47 davon sind terrestrische Free-TV-Sender“, berichtete Argyropoulos im MEDIEN BULLETIN-Interview am Salzburgring. Die kumulierte TV-Reichweite der WTCC-Events beziffert Argyropoulos für die Saison 2011 auf 460 Millionen Zuschauer. Allein in Europa habe man bislang 252,32 Millionen Zuschauer erreichen können. Hier seien insgesamt 451 Stunden WTCC-Programm gesendet worden, weltweit 1.237 Stunden. Für die Rennsaison 2012 erwartet er einen deutlichen Reichweitenzuwachs.

„Dafür ist insbesondere die Entwicklung im asia-pazifischen Raum verantwortlich“, erklärte er. „In der Reichweite hat die WTCC schon die Rallye-WM überholt. Die WTCC ist die Rennserie mit den größten Zuwachsraten“, betonte auch Werner Starz, Director Marketing & Channel Development von Eurosport Media GmbH, München.
Für Eurosport Events ist die FIA WTCC Rennserie das Aushängeschild im Eventbereich. „Wir hoffen, dass die Plattform weiter wächst und dass wir die sportliche Relevanz der Rennen hochhalten können. Das ist für uns sehr wichtig, wenn wir weitere Sponsoren und Automobil-Hersteller gewinnen wollen“, betont Argyropoulos.

Im Motorsport-Bereich vermarktet Eurosport Events auch die „Intercontinental Rally Challange“ (IRC), eine 2007 gestartete Internationale Rallye-Serie der FIA mit insgesamt 13 Rennen pro Saison. Für WTCC und IRC sind von Eurosport Events auch zwei Apps für iPhone und iPad erhältlich. Eurosport Events produziert jährlich über 350 Stunden TV-Programm und organisiert 50 Events auf vier Kontinenten.
Die WTCC-Tourenwagen-Weltmeisterschaft wird 2012 im achten Jahr veranstaltet und besteht aus insgesamt 24 Rennen, die bei zwölf Events ausgetragen werden. Seit Gründung integriert die WTCC auch den FIA European Touring Car Cup (ETCC). Er wird 2012 an vier Rennwochenenden mit je zwei Sprintrennen entschieden (Monza, Valencia, Salzburgring und Imola). Im Rahmenprogramm am Salzburgring gab es mit dem Histo-Cup (Historische Rennwagen), der BMW 325 Challenge und dem UNIQA Lotus Ladies Cup zudem weitere Rennen.

In diesem Jahr standen bereits WTCC-Rennen in Monza, Marrakesch, Bratislava, Budapest und jetzt eben auch Salzburg auf dem Programm. Weitere Rennen folgen in Portimao (Portugal), Caritiba (Brasilien), Sonoma (USA), Suzuka (Japan), Shanghai (China) und Macau (Macau). Mit den Rennen auf dem Slovakei Ring, dem Salzburgring, Sonoma und auf der Formel 1-Strecke in Shanghai stehen in diesem Jahr gleich vier neue Rennstrecken im Kalender. Eurosport Events lässt von seinen jeweiligen Dienstleistern bei den einzelnen Events sowohl das internationale FIA WTCC Signal als auch das eigene Eurosport-Signal produzieren. Das FIA WTCC Signal wird dabei entsprechend gebrandet und mit WTCC-On-screen-Grafiken mit Schlüsselinformationen zu Fahrern, Teams und Rennen versehen.

Je Rennwochenende läuft bei Eurosport 2 am Samstagnachmittag das Qualifying (ca. 1 Stunde live) und am Sonntagmorgen das Warm Up (30 Minuten live). Beide WTCC-Rennen werden dann zudem live bei Eurosport übertragen (insgesamt 2 Stunden – live). Immer dienstags nach dem jeweiligen Rennwochenende gibt es abends die Highlight-Zusammenfassung „Inside WTCC - Das Magazin zur Tourenwagen-WM“ (30 Minuten). Das Magazin wird bei Eurosport 2 aber auch bei Eurosport mehrfach wiederholt. Am Salzburgring wurde „Inside WTCC“ an zwei Avid-Schnittplätzen und in englischer Sprache direkt vor Ort produziert. Für die Live-Reportagen standen Eurosport zwei Sprecherkabinen für einen deutschen und einen englischen Kommentator zur Verfügung. „In Deutschland ist RTL ein wichtiger Partner von uns. Der Sender berichtet im Free-TV über die WTCC-Rennen und macht eigene Highlight-Zusammenfassungen“, berichtete Starz.

Produktionsdienstleister Alfacam

Als Produktionsdienstleister für alle sechs europäischen WTCC-Rennen hat Eurosport Alfacam engagiert. In Übersee arbeiten andere Dienstleister. Auf dem TV-Compound am Salzburgring hatte der belgische Ü-Wagen-Betreiber seinen OB33 HD, einen Rüstwagen und einen weiteren LKW zum Transport der benötigten Kabel geparkt. „Insgesamt 34 Kilometer Kabel hat unsere zehnköpfige Kabel-Truppe hier verlegen müssen. Ein Großteil davon sind Glasfaserkabel. Dazu kommen Kupfer- und Audio-Kabel“, berichtete Alfacam-Produktionsleiter Roland Huygaerts. „Der Verkabelungsaufwand am Salzburgring ist erheblich. Es gibt hier schließlich keine Kabelinfrastruktur. Wir mussten alles mitbringen“, sagte er. Um auch in Sachen Energieversorgung autark zu sein, hatte Alfacam einen Doppel-Generator dabei. Und selbst eine eigene Küche zur Versorgung der 70-Kopf-starken Produktionscrew (darunter 47 Alfacam-Mitarbeiter) war am TV-Compound eingerichtet worden.

Die TV-Bilder von den Rennen wurden mit 14 an der Strecke postierten HD-Kameras aufgezeichnet. Dazu kamen noch zwei Drahtlos-HD-Kameras, einige Spezialkameras und 24 kleine Onboard-Kameras (16:9) in den Autos. Diese lieferten erstmals bei einer WTTC-Produktion HD-Bilder. Alfacam hatte die HD-Onboard-Kameras erst im Frühjahr speziell für den WTCC-Einsatz bei Gigawave gekauft. „Wir wählen immer acht Autos aus, die jeweils mit drei Onboard-Kameras bestückt werden. Die Einstellungen der Kameras richtet sich nach den redaktionellen Anforderungen“, erklärte Huygaerts. Normale Kamera-Perspektiven im Auto seien der Front-, Driver- und Rear-Shot. Um zu zeigen und zu analysieren, wie der Fahrer in bestimmten Situationen agiert, sind auch Bild-in-Bild-Aufnahmen möglich. Dann zeigt eine Kamera zum Beispiel die Fahrbahn und eine andere die Lenk- und Schaltvorgänge des Fahrers.
„Ende der Saison wollen wir einmal ferngesteuerte, bewegliche Kameras im Auto testen. Bislang war es nur so, dass sich die Fahrer durch Kamera-Bewegungen im Auto in ihrer Konzentration gestört fühlen. Da muss man sehr behutsam vorgehen“, meinte der Alfacam-Produktionschef.

Bei den am Salzburgring eingesetzten Strecken-Kameras handelte es sich vorwiegend um Grass Valley-Kameras vom Typ LDK 8000. Aber auch drei Sony-HDC 1500 Kameras hatte man dabei. „Die haben wir seit Beginn der Saison im Portfolio. Sie haben den Vorteil, dass wir damit längere Kabel-Strecken nutzen können. Deshalb sind hier am Salzburgring die Kameras, die am weitesten vom Ü-Wagen entfernt sind, Sony-Kameras.“ Die beiden Drahtlos-Kameras (Grass Valley LDK 8000) waren mit Gigawave-Sendern ausgerüstet. Sie sorgten für Bildmaterial von der Pit Lane, den Pit Boxen und vom Starting Grid. Außerdem wurden sie für Beauty Shots und Interviews eingesetzt.
Zwei Relais-Antennen-Positionen reichten am Salzburgring aus, um die Signale aller Drahtlos-Kameras einschließlich der drahtlosen Onboard-Kameras in den Autos störungsfrei einzufangen und zum Ü-Wagen zu übermitteln. „Der Salzburgring liegt im Tal. Das hat den Vorteil, dass man die Kameras leicht erhöht an den Hängen aufstellen kann. Kamera 9 und die auf einem 26 Meter hohen Kran angebrachte Kamera 6 reichen aus, um den gesamten Kurs zu überblicken“, sagte Huygaerts. Diese Kameras waren mit 100-fach Zoom-Objektiven von Canon ausgestattet und konnten entweder einen guten Überblick vom Renngeschehen geben oder auch mal interessante Rennszenen näher ranholen. Der Regieseur hatte so einige interessante Gestaltungsmöglichkeiten. Die Kameras, die näher an der Rennstrecke postiert waren, arbeiteten mit kürzeren Brennweiten – von 22-fach aufwärts. Unter dem Korb des eingesetzten Kamerakrans waren auch gleich die Relais-Antennen für die Onboard-Kameras angebracht. Die Relais-Stationen waren über Glasfaserkabel mit dem Ü-Wagen verbunden.

Im Bereich der Spezialkameras gab es einige Mini-SD-Kameras, die man in den Kurvenbereichen direkt in die Fahrbahn verbaut hatte, um die Fahrzeuge aus der Froschperspektive zeigen zu können. Dazu war an einer Geraden, wo die Autos mit Höchstgeschwindigkeit vorbeirasen, eine sogenannte Flip-Flop-Kameraposition aufgebaut. Hier wurden die vorbeifahrenden Autos von zwei HD-Mini-Kameras von zunächst vorne und dann übergangslos von hinten gezeigt. Das Ganze wurde durch entsprechende Mikrofonierung auch soundtechnisch so untermalt, dass der Zuschauer die Geschwindigkeit der Boliden auch akustisch erleben konnte. Mikrofone gab es an allen Kamerapositionen und sechs weiteren Stellen an der Strecke. Produziert wurde ein normales Stereo-Signal. Der OB33 ist im Tonbereich mit einem 56 Fader Lawo-Pult MC2 66 ausgestattet. Das erhielt seine Kommandos während des Rennens direkt vom Bildmischer.
Wenn Kamera 1 zum Beispiel on-air war, wurde automatisch das Mikrofon dort geöffnet. Und der Sound musste dann auch gleich gut ausgesteuert rüber kommen. Weil bei Autorennen je nach Nähe der Mikrofone zur Rennstrecke beim Umschalten von einer zur anderen Kamera enorme Lautheitssprünge möglich sind muss der Toningenieur vor jedem Rennen für einen gut ausbalancierten Sound umfangreiche Programmierarbeit am Tonpult leisten. Während der Produktion selbst geht die Arbeit im Audiobereich des Ü-Wagens dann recht entspannt von statten. Im Audiobereich des OB33 HD kommen unter anderem auch eine Nova73-Kreuzschiene von Lawo und Genelec 5.1-Lautsprecher zum Einsatz.

Der mit zwei Schubladen auf jeder Seite ausgestattete OB33 verfügt im Wesentlichen über drei abgeschlossene Produktionsbereiche: Audio, Regie und Bildkontrolle/Slomo/Recording.
Im Regiebereich des OB33 HD arbeitet Alfacam mit dem 4ME Kayak HD-Videomischer von Grass Valley. Eine zweite Sitzreihe hinter dem Regiepult dient der Aufnahmeleitung als Arbeitsplatz. In der Bildkontrolle, wo die Signale aller Kameras ausgesteuert werden, sitzen im hinteren Bereich des OB33 fünf Operator mit dem Rücken zu einem zentralen Geräteschrank. Auf der anderen Seite davon ist der Platz für Recording- und Slomo-Arbeiten. Im Geräte-Rack an der Rückseite des OB33 sind unter anderem die Kreuzschiene (Axon/Nvision), das Grass Valley Mischer-System, Multiviewer Predator von Zandar Technologies (Harris) und Glue/Konverter-Equipment von Axon untergebracht.

Alle Kamera-Signale beim WTCC-Rennen werden komplett auf Harddisk aufgezeichnet und werden so für Slomos und die Erstellung von Highlight-Packages bereitgestellt. Dazu hat OB33 sechs EVS XT2-Maschinen an Bord. Aufgezeichnet wurde im HDCAM- (dirty und clean) und im XDCAM-Format. Letzteres wurde für den Schnitt genutzt. „Das gesamte Material in allen aufgezeichneten Formaten bekommt Eurosport nach jeder Produktion übergeben. Bei der WTCC-Produktion waren 16 Leute im Ü-Wagen beschäftigt. Die Kommunikation im Wagen läuft über eine Riedel Artist Intercom-Anlage.

Der OB 33 wird für die WTCC-Rennen die ganze Saison in Europa genutzt. Danach wird der Wagen laut Huygaerts bei der UEFA-Fußball-Euopameisterschaft in Kiew und danach auch bei den Olympischen Spielen in London eingesetzt.
„Die FIA-WTCC-Rennserie ist für Live-TV und unterhaltsame Race-Action in HD-Qualität formatiert“, resümierte Antonios Argyropoulos. Da die Rennserie nun auch vermehrt außerhalb Europas in den einwohnerstarken automobilen Wachstumsmärkten wie China ausgetragen würde, sei es kein Zufall, dass sie auch in Sachen TV-Reichweite deutlich expandiere.

Und Eurosports Global Sales Director Bernd Daubenmerkl ergänzte: „Die Philosophie der Rennserie ist darauf ausgerichtet, echten und packenden Motorsport zu gewährleisten und daraus ein spannendes mediales Produkt zu machen, unter anderem durch kurze Sprintrennen, HD-Produktion, ergänzende Hintergrund-Berichterstattung und Human Touch-Stücke im Magazin.“ In der IRC versuche Eurosport zudem, die bekannten Grenzen der bisherigen Berichterstattung von Rallye-Events zu verschieben, indem manneue Technologien einsetze und erstmals live berichte.
Daubenmerkl: „Die FIA WTCC ist eine wirkliche weltweite Plattform mit Rennen in Europa, Asien, Afrika, Süd- und Nordamerika. Das ist einmalig unter den Weltmeisterschaften und vermutlich so in keiner anderen Rennserie weltweit verwirklicht.“ Die Rolle von Eurosport als Veranstalter, Produzent, Vermarkter und Plattform sei ebenfalls nach wie vor in der Branche einmalig. „Sie bedeutet für die beteiligten Marken eine hohe Planungs-sicherheit und für die Werbepartner eine optimale Gestaltung ihres Auftritts“, betonte er.
Eckhard Eckstein
(MB 06/12)

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