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Neues Schwergewicht bei der DTM

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Neues Schwergewicht bei der DTM

TV Skyline hat zum Saisonauftakt der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) am Hockenheimring mit dem Ü11 ein neues Produktionsfahrzeug an den Start gebracht, das in vielerlei Hinsicht mit innovativen Ideen punkten kann. Ein wichtiger Aspekt des neuen Konzepts ist, dass ein Großteil der Ü-Technik in den Ü11-Rüstwagen ausgelagert wurde. mebulive war bei der Produktion des Tourenwagen-Events dabei und konnte hinter die Kulissen blicken.

Die DTM hat sich zum Auftakt der Saison 2019 am Hockenheimring neu erfunden. Neben Aston Martin, die neuerdings anstelle von Mercedes-Benz um den Titel kämpfen, setzen die Macher der Rennserie auf Zwei-Liter-Turbo-Motoren, die über 600 PS Leistung produzieren. Im Gegensatz zu den Vorjahren eine recht grundlegende Änderung. Auch der Mainzer Produktionsdienstleister TV Skyline, der die Wige Broadcast bereits im dritten Jahr bei der Erstellung der TV Bilder zur DTM für den Hostbroadcaster unterstützt, konnte mit spannenden Neuigkeiten aufwarten. In Hockenheim brachte er erstmals den brandneuen Ü-Wagen Ü11 an den Start. Zwar spielt der 26-Tonner in einer ganz anderen Gewichtsklasse als die Rennboliden auf dem Ring, dennoch sorgte sein neues Konzept bei Experten für viel Aufsehen. „Wir waren in den vergangenen Jahren immer wieder sehr progressiv bei der Entwicklung unserer Ü-Wagen. So haben wir die ersten Design-Ü-Wagen in Deutschland gebaut und auch die erste Gallery (G10) in Betrieb genommen. Für diesen Innovationsgeist wurden wir bisher immer belohnt”, erklärt Robert Kis, Geschäftsführer von TV Skyline im mebulive-Interview.

 

Die DTM ist die technisch komplexeste und größte serielle Außenübertragung in Deutschland und so wollte man sich bei TV Skyline nicht nehmen lassen, das neue Produktionsfahrzeug dort einer Feuertaufe zu unterziehen. Dazu wurde sehr intensiv bis kurz vor dem Event an dem Ü11 gearbeitet. „Wir haben den Truck in sehr kurzer Zeit realisieren können. Anfang des Jahres gab es zwar eine fixe Idee, aber keine Pläne, kein Chassis oder ähnliches”, berichtet Kis. „Wir sind mit rund 110 Mitarbeitern vor Ort. Und so brauchen alle Regisseure, Bild- und Tontechniker, Slow-Motion-Operator, Ablaufredakteure eigene Arbeitsplätze. Um möglichst viele Mitarbeiter unterbringen zu können, haben wir letztes Jahr mit der Gallery (G10) ein Konzept für mehr Platzangebot realisiert und haben jetzt mit dem Ü11 nochmal nachlegen können”, meint Wolfgang Reeh, geschäftsführender Gesellschafter von TV Skyline. 

 

Innovativer Bauplan

 

Der Ü11 setzt auf dem gleichen Chassis auf wie die Gallery (G10), ein Regiefahrzeug das im Mai 2018 fertiggestellt worden ist. Während die Gallery (G10) bei einer Außenproduktion immer ein Ü-Wagen beigestellt werden muss, ist der neue Ü11 autark unterwegs. Und auch der Innenausbau unterscheidet sich grundsätzlich von der Gallery. Neben einer wirklich außergewöhnlichen Inneneinrichtung ist der eigentliche Clou, dass keine Hardware-Technik, sondern ausschließlich die Bediengeräte, wie das Panel vom Bildmischer, EVS-Controller, Monitore, oder Riedel Sprechstellen, verbaut worden sind. Die restliche Technik wurde in einem 22 Tonnen schweren Rüstwagen untergebracht, der ohnehin immer bei Produktionen mit dabei ist. Verbunden werden Rüst- und Ü-Wagen über zwei Glasfaserverbindungen. 

Dadurch ergeben sich eine Vielzahl von Vorteilen, wie Kis erklärt: „Wir schaffen durch die Auslagerung der Technik rund zehn Quadratmeter mehr Platz im Ü-Wagen, die für unsere Mitarbeiter und Kunden zum Arbeiten genutzt werden können. Das ist bei einer solch großen Produktion wie der DTM, bei der wir so viele Mitarbeiter und Kunden unterbringen müssen, ein großer Gewinn“, und Reeh fügt an: „Und wir haben trotzdem noch Platz für einen Renningenieur, der eigentlich nichts mit der Produktion zu tun hat, dem Regisseur aber Hinweise zu Taktik und Verlauf des Rennens geben kann. Das ist schon ein kleiner Luxus.“ Außerdem benötigt der Ü11 laut Kis weit weniger Klimatisierung zur Kühlung, was die Geräuschkulisse in dem Wagen deutlich reduziert.

 

Rüstwagen

 

Was Robin für Batman ist, ist der Rüstwagen für den Ü11 – ohne geht es einfach nicht. Der Grund ist, dass die Hardware-Technik des Ü11 in den Rüstwagen ausgelagert worden ist. Während der hintere Teil des Sattelschleppers nach wie vor Produktionsequipment, wie etwa Kameras, zu den Veranstaltungsorten transportiert, befinden sich im vorderen Teil, direkt hinter der Fahrerkabine, auf etwa 2,5 mal 4,5 Meter, zehn 19-Zoll-Racks. Diese nehmen alle Komponenten auf, die klassischerweise für den Betrieb eines Ü-Wagens benötigt werden. Neben Replay Servern von EVS (XT3 und XT4K) wurden dort auch Bildmischer, Kreuzschiene, Lawo Core, Mainframes, Kamera-CCUs und Multiviewer verbaut. Der Clou – da im Rüstwagen nicht gearbeitet werden muss, ist keine spezielle flüsterleise Lüftung von Nöten um die Technik auf Betriebstemperatur zu halten. „Es ist von Vorteil, nicht darauf achten zu müssen, ob es im Rüstwagen durch die Lüftung sehr laut ist oder zieht. Das macht die Konzeptionierung eines Ü-Wagens leichter“, meint Reeh. 

 

Produktion der DTM

 

Interessant ist auch, wie flexibel sich der Ü11 nutzen lässt. So wurde der Ü-Wagen bei der DTM am Hockenheimring nicht als klassischer Ü-Wagen genutzt, sondern bot während der Produktion zwölf EVS-Operatoren, einem Slow-Motion-Regisseur, zwei Highlight-Operatoren, vier Mitarbeiter in der Tonregie und zehn in der Bildtechnik Platz zum arbeiten. Die insgesamt drei Regien für den World Feed, den nationalen deutschen Feed und das Fan-TV wurden in der Gallery (G10) untergebracht, die ebenfalls am Hockenheim-Ring dabei war. Regisseur für das Worldfeed war wieder Thomas Strobl, der auf insgesamt 51 Kameras zugreifen konnte. Ein rund 20 köpfiges Team von 7Sports, der Sportbusiness-Unit von ProSiebenSat.1, war ebenfalls vor Ort, um unter anderem mit zwei extra Drahtlos-Kameras das Bild für die Sportsendung „ran” auf Sat.1 zu produzieren. 

 

Programmstrategie von Sat.1

 

Im zweiten Jahr überträgt ProSiebenSat.1 die DTM live im TV und mit einem crossmedialen Konzept. Als Lizenznehmer des ITR (Internationale Tourenwagen Rennen e. V.) und Kunde von TV Skyline produziert 7Sports die Beistellung für den deutschen Markt. Das Rennen wird live auf Sat.1 und ran.de, dort sogar ohne Werbeunterbrechung, gesendet. Freies Training und Qualifying wird auf ran.de und Facebook übertragen. Zu guter Letzt gibt es im Nachlauf auf ran.de ein 20-minütiges Magazin „RAN DTM Inside”. „Wir haben die Chance gesehen, eine etablierte renommierte Sportserie, die mit enorm viel Aufwand produziert wird zu erwerben und mit der Marke ‚ran‘ zu verheiraten”, erklärt „ran“-Sportchef Alexander Rösner und ergänzt: „Das Feedback auf die Produktion im letzten Jahr war sehr positiv. Wir wollten eine unterhaltsame und dynamische Sendung machen und das ist uns auch gelungen. Beim Thema Reichweite und Marktanteile dagegen müssen wir noch einen gewissen Weg gehen. Positiv ist aber zu bewerten, dass wir eine jüngere Zielgruppe für die DTM erschlossen haben. Und jetzt müssen wir gemeinsam mit der ITR versuchen, die Reichweite zu erhöhen. Die Rennserie muss einfach eine höhere Akzeptanz finden und die Zuschauer müssen wissen, dass SAT.1 live dabei ist.”

 

7Sports kann bei der Produktion auf die gesamten Inhalte des World Feed zugreifen und diese nach Belieben abändern. Zusätzlich setzt man bei der nationalen Produktion zwei eigene Drahtlos-Kameras ein, die etwa Expertengespräche oder Interviews mit Rennfahrern einfangen. Zusätzlich produzieren Redakteure vorab Inhalte für die Sendung. Inhalte, die es nicht in die Liveübertragung schaffen, werden Online verbreitet. Der Feed wird dann über zwei von von Riedel Networks angemietete MPLS (Multiprotocol Label Switching) Internet-Standleitungen direkt nach München geschickt. So hat der Cutter in München Zugriff auf die Bildquellen, kann den Highlight-Schnitt machen und anschließend wieder zurückspielen. „Alle Inhalte, die in München vorliegen, können so in unsere Produktion integriert werden – das ist enorm praktisch und steigert die Qualität unserer Arbeit enorm”, findet Kai Salzmann, Production Manager bei 7Sports. Riedel Networks ist ein hundertprozentiges Tochter-Unternehmen von Riedel Communications und unterstützt unter anderem Medienunternehmen mit seinem eigenen MPLS Netzwerk bei der Übertragung von Audio- und Videodiensten in Echtzeit. Gegründet 2001 in Butzbach bei Frankfurt betreibt Riedel Networks heute ein skalierbares, homogenes Cisco-Netzwerk mit über 40 Netzknoten weltweit. Neben der DTM ist das Unternehmen auch bei der Formel 1 und den Olympischen Spielen involviert.

 

Der neue Ü11 von TV Skyline hat indes seine Premiere bei der DTM sehr gut bestanden. Alle an der Produktion Beteiligten fühlten sich in der neuen Arbeitsumgebung sichtlich wohl. Dass das Chassis von der Gallery (G10) und dem Ü11 eine neue Ära bei TV Skyline einleiten und alte Ü-Wagen-Konzepte ablösen wird, mochte Reeh indes so nicht bestätigen. Eher solle geschaut werden, wie sich das neue Konzept im Alltag schlägt. „Auf den Erfahrungen werden wir aufbauen und uns stets weiterentwickeln. Aber die ersten Erfahrungen sind durchweg positiv und große Baustellen haben wir auch noch nicht entdeckt“, betont Reeh.                                                     

Niklas Eckstein

MB 2/2019

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