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Olympische Winterspiele in HDTV

Die XXI. Olympischen Winterspiele in Vancouver markieren den Beginn einer neuen Fernsehtechnischen Ära. Erstmals produziert der Hostbroadcaster der Spiele alle Signale in HDTV. Hierzulande wird ausserdem die HDTV-Übertragung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Regel. Der Regelbetrieb ist damit zwar noch nicht gegeben - dazu fehlt es noch an durchgängigen produktionstechnischen Mitteln - aber es ist endlich der lang ersehnte Einstieg da.

ARD und ZDF sind mit großer Technik nach Vancouver gereist, im Gepäck nicht nur viel eigenes Equipment sondern auch reichlich Miet-Material von Wellen+Nöthen.
Nur eigene Übertragungswagen hat man zu Hause gelassen. „Sie mitzunehmen, wäre viel zu aufwendig gewesen. Außerdem würden die uns dann in Deutschland fehlen", erklärte der technische Leiter des ARD-Olympiateams Volker Frank vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), der für Arbeitsgemeinschaft die Federführung inne hat, nicht nur fürs Hauptprogramm, sondern auch für den Digitalkanal Einsfestival und die Online-Aktivitäten.
ARD und ZDF produzieren alternierend: den Eröffnungstag nebst -feier gibt es im Ersten. „An neun Sendetagen senden wir im Ersten 115 Stunden live, 25 Stunden Zusammenfassungen sowie nochmals 25 Stunden Magazine und Nachrichten", berichtete ARD-Programmchef Volker Herres auf einer ARD/ZDF-Presseveranstaltung zu den Olympischen Winterspielen in der kanadischen Botschaft in Berlin. Das ZDF ist mit 106 Stunden an acht Sendetagen live dabei, einschließlich der Schlussfeier. Hinzu kommen noch 24 Stunden Zusammenfassungen sowie 25 Stunden Magazine und Nachrichten, insgesamt also 320 HD-Stunden. Auch im Programm ist der Auftritt recht homogen. Der Sendetag beginnt wegen der Zeitverschiebung von neun Stunden um 18 Uhr. „Olympia live“ und „Olympia extra“ heißen die großen Sendeblöcke bei ARD wie bei ZDF.
In Zeiten wirtschaftlich knapper Mittel rücken ARD und ZDF besonders eng zusammen, zur gemeinsamen Technik-Nutzung kommen „gemeinsame Regie und Redaktion", erklärte Nikolaus Brender, Ex-Chefredakteur des ZDF. Er versprach „Olympische Spiele aus einer Hand".
An zehn Tagen gibt es Olympisches auch zum Frühstück. Die beiden Digitalkanäle Einsfestival und ZDFinfokanal steuern rund 250 Stunden bei, meistens live oder zeitnah, werbe-, interview- und HD- frei, also in Standard-Definition (SD). Das multilaterale Weltbild wird dabei um die unilateralen Aufnahmen von ARD und ZDF ergänzt. Deren Technik wird vor allem für Wettkämpfe im Schnee genutzt - und die finden in Whistler statt.
Ski Alpin wird in Whistler Creekside, Biathlon, Skilanglauf, Nordische Kombination im Whistler Olympic Park/Whistler Paralympic Park ausgetragen, Skispringen gibt es gewissermaßen nebenan, Bob, Rodeln und Skeleton im Whistler Sliding Center.

Vier Orte - neun Venues
Die Sportstätten für die Indoorentscheidungen auf Eis sind in Vancouver, der drittgrößten Stadt Kanadas. Die Hockey-Wettkämpfe finden in der UBC Thunderbird Arena und im Canada Hockey Place statt. Ein riesiges HD-Display soll dort den Besuchern die gleichen Bilder und Informationen bieten wie den Fernsehzuschauern. Im neu gebauten Vancouver Olympic Centre / Vancouver Paralympic Centre gibt es Curling, das Pacific Coliseum bietet Kunstlauf und Short Track, die Eröffnungs- und Schlussfeier sowie die Siegerehrungen finden im BC Place Stadium statt, Eisschnelllauf im Richmond Olympic Oval in Richmond, sowie Skicross, Freestyle-Skiing und Snowboard am Hausberg von West-Vancouver in Cypress Mountain, rund 27 km vom Main Media Center Vancouver entfernt.
Das International Broadcast Centre (IBC) ist - ebenso wie Main Press Centre - im Vancouver Convention and Exhibition Centre (VCC) untergebracht. Ähnlich die Situation in Whistler. Da sind Whistler Media Centre mit Whistler Broadcast Centre (WBC) ebenfalls im Konferenzzentrum einquartiert. Insgesamt werden etwa 10.000 Berichterstatter – 2.800 der schreibenden und fotografierenden Zunft sowie rund 7.000 aus der Rundfunk- und Online-Welt erwartet.
Und zwischen IBC und WBC liegen 123 km, in Zeiten von Olympia vermutlich drei Stunden Fahrzeit, zu den Sportstätten entsprechend mehr. „Wir können nicht ständig pendeln, arbeiten daher mit zwei Teams - eins in Vancouver ein anderes in Whistler", meinte ZDF-Team-Chef Dieter Gruschwitz. Insgesamt sind ARD und ZDF mit rund 540 Mitarbeitern vor Ort - die Hälfte davon ist für die Technik zuständig, sollen, so Herres, „die schärfsten Spiele, die es je gegeben hat", in Szene setzen.

HD-Technik von ARD und ZDF
Die technische Nabe des ganzen ist mal wieder das IBC, in dem sich 20 Rechtehalter einquartiert haben. ARD und ZDF belegen mit der Haus-in-Haus-Bauweise wieder rund 2.000qm. Nur vier Wochen hatte der Technik-Stab Zeit, die Programm-, Produktions- und Schaltzentralen sowie ein Sendestudio und Arbeitsplätze für Fernsehen, Hörfunk und Internet einzurichten. Hinzu kommt noch das Whistler Broadcast-Center sowie die beiden Deutschen Häuser und das Presenter- Studio auf dem Dach des Hilton-Hotels nebst Regie und weiterer Technik in einem Hotelzimmer. Vieles wird aus der Flightcase-Technik der Mobilen Produktionseinheit (MPE) von ARD und ZDF gebaut, aber eben nicht alles. Schließlich wollen beide Sender nur in HD produzieren, und dafür reicht das Equipment einfach noch nicht. So verfügt das ZDF beispielsweise gerade mal über sechs HD-Kameras - und sechs Schnittplätze. „Die Olympischen Spiele sind sicherlich eine große Aufgabe. Aber wir realisieren mit der MPE auch die Leichtathletik-EM, Fußball-WM und Nordische-WM. Kurzum, die MPE ist überall dort, wo ein gewisses Maß an Technik erforderlich ist", so Frank. Der Großteil des benötigten, im MPE nicht vorhandenen Equipments kommt, wie MEDIEN BULLETIN bereits berichtete, von Wellen+Nöthen. Das Kölner Unternehmen hatte im Zuge einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für die Vermietung medientechnischer Ausstattung zur Live-Berichterstattung von ARD und ZDF erhalten. „Es ist der bis- lang größte Mietauftrag, der selbst die Ausstattung der vergangenen Sommerspiele in Peking übersteigt", freute sich Ulrich A. Maslak, Projektleiter bei Wellen+Nöthen. Für Vancouver wurde das gesamte Equipment vor seiner Verschiffung zu einer Regie oder anderen Komplexen integriert und technisch erprobt. Allein 18 Container haben ARD und ZDF nach Kanada auf den Weg gebracht, alle mit Technik vom Feinsten. Im IBC sind 14 nichtlineare Schnittplätze aufgebaut, wobei es sich um elf Avid-Schnittsysteme und drei sechskanalige EVS-Systeme für den Highlight-Schnitt handelt. Damit werden dann parallel zu einer Liveübertragung laufende Wettbewerbe bereits bearbeitet. Ist der eine Wettkampf beendet, wird von der EVS aus ein kurzer Zusammenschnitt, ein Highlight, gesendet, um dann auf die Liveübertragung zu schalten. Ein Schnittspeichersystem steht als Server mit insgesamt 192 Terabyte Speicherkapazität zur Verfügung, ausreichend für 1.300 Stunden HD-Material. An diesem Schnitt- speichersystem sind außerdem zwei Audiomix-Räume mit Geräten von Pro Tools und Fairlight für die Tonnachbearbeitung und ein gemeinsamer Grafikkomplex angeschlossen. Im Bereich der Farbkorrek- tur und On Air Designs werden 21 neue TCube Fig Color Correctoren und vier HD-Schriftgeneratoren des Typs Inscriber G-Store von Harris in die Produktionsumgebung integriert.
Mit drei bewegungskompensierenden Cross-Convertern des Typs Alchemist Ph.C HD von Snell mit Dolby E-Option erfolgt die Anpassung an das hiesige HDTV-Übertragungsformat 720p/50, 14 Snell Mach HD Converter werden für die Audio- und Videoformatwandlung genutzt. Die Signalaufzeichnung und -bearbeitung der HD-Signale geschieht mit Hilfe des HD-Videomischers MVS-8000G von Sony auf mehr als 50 Mazen und Studiorecordern in den digitalen HDTV MAZ-Formaten HDCam SR und DVCpro HD von Sony und Panasonic. Problematisch ist bei der HD-Nachbearbeitung die Zahl der möglichen Kopien. Technisch bedingt kommt es bei Überspielungen vom Camcorder in die Schnitt- und Sendetechnik immer wieder zu einem Wechsel der sogenannten Codec-Formate. Da Avid und EVS mit DNxHD 145 arbeiten, sind Codier-Artefakte nicht zu erwarten. Durch die gewählte Systemtechnik soll es bei maximal vier Generationen bleiben, ab der 5. käme es schon zu einem erkennbaren Qualitätsverlust. Wird alles live durchgeschaltet, soll es bei nur zwei Generationen bleiben. So wird aber alles in HD produziert und unkomprimiert auch als HD-SDI-Signal über Glasfaserkabel mit 1,5 Gbit nach Deutschland übertragen.

Hoher Audio-Aufwand
Der tontechnische Aufwand ist größer als früher, wird doch in Dolby 5.1 gesendet. Aber nur das, was live kommt. Muss das Signal für die weitere Bearbeitung gespeichert werden, geht 5.1 erstmal baden und „aufgemotztes Stereo" wird gesendet. „Uns fehlt es an ausgebildeten Cuttern für die Avid-ISIS-Schnittsysteme. Deshalb bearbeiten wir den Ton eben nur in Stereo und hübschen ihn in der Regie noch auf", meinte Gunnar Darge, Technischer Leiter des ZDF für die Olympischen Winterspiele. Da jedoch Live dominiert, dürften die Stereozeiten gut auszuhalten sein. Und weiter: „Wir strahlen also acht Tonsignale aus - und das ist eine große Herausforderung." Wie immer ist der Kommentar im Center. Für die Kommunikation werden eine Artist 128 und eine Artist 32 von Riedel sowie rund 50 Sprechstellen mit Erweiterungen geliefert. Darüber hinaus stellt Wellen+Nöthen ebenfalls diverses Video-Monitoring bereit: Sieben Evertz MVP Multiviewersysteme mit 480 Inputs sowie zwei VIPA16-DUO steuern insgesamt mehr als 250 Monitore von 17“ bis 47“ an, darunter rund 180 Sony Multiformat-Displays der LMD-Serie von 9“ bis 24“ und Klasse I Full HD-Monitore der BVM-Serie. Für die Live-Berichterstattung aus dem Olympiastudio stehen außerdem LDK-8000 HD-Systemkameras von Grass Valley zur Verfügung. Viele zentrale Komponenten sind redundant aufgebaut. Bis auf die Regie. „Wenn die ausfällt, können wir über die Kreuzschiene und über den Schaltraum senden", gibt sich ZDF-Mann Darge zuversichtlich. Übrigens wird selbst die Stromversorgung auf 230 Volt hoch gesetzt. Hoch ist auch der Leistungsbe- darf. 170 kW allein für die Technik im IBC und 100 kW für Licht, Klima etc. Stichwort Licht. Alle Hallenwettkämpfe sind für HDTV ausgeleuchtet, soll heißen, mindestens 1.400 lux sowie Farbtemperatur Tageslicht-Weiß mit 5.600 K. Auch Fotografen kön- nen so von HD profitieren.
Vor Ort werden zudem sechs AV- und IT-Mitarbeiter von Wellen+Nöthen in enger Zusammenarbeit mit dem technischen Personal von ARD und ZDF die Technik in die Produktionsräumlichkeiten der öffentlich-rechtlichen Sender installieren und die Systeme in Betrieb nehmen. Während der laufenden Winter- spiele werden außerdem zwei Betriebsingenieure von Wellen+Nöthen vor Ort für Systemüberwachung und Techniksupport bereitstehen.
Der Einsatz von unilateraler Spezialtechnik ist kaum möglich. „Allerdings haben wir im Biathlon-Bereich drei Hot-Head-Kameras von TV-Unit, die zusammen mit TV Skyline entwickelt wurden. Dabei handelt es sich um zwei kleine fernsteuerbare HD-Kameras mit 14- bzw. 17fach Objektiv unter einer Halbkugel. Die können Zielscheiben groß aufnehmen. Für das Gesicht des Schützen wird ein größeres System mit einer 86mm Optik genutzt", erläutert MDR-Mann Frank. Auf FlyCams, Kräne oder Drahtloskameras müssen nicht nur ARD und ZDF verzichten - solche Technik bleibt den Weltbildmachern des OBSV unter der Leitung von Manolo Romero (CEO) und Nancy Lee (COO) vorbehalten. Im ARD/ZDF-Hauptschaltraum des IBC laufen im sogenannte VandA-Package bis zu 80 Signale vom Olympic Broadcasting Service Vancouver (OBSV) auf, der für die (multilateralen) Wettkampfbilder nebst 5.1-Tönen für die ganze Welt zuständig ist. Dabei gibt es drei Arten. Der „Dirty-Feed“ enthält zusätzliche Grafiken, der „Clean-Feed“ hat keine Grafik, sondern nur Namens- und Zeiteinblendungen. Wer auch die nicht haben will, muss einen „Clean Clean-Feed“ bestellen. Neben 20 unkomprimiertem HD-Kanälen werden auch downkonvertierte und „4:3-sichere“ SD-Aufnahmen angeboten. Außerdem gibt es noch Info-Kanäle und Beauty- Shots. Hinzu kommen fünf eigenen unilateralen Signale, die die zusätzlichen 27 Kameras von den vier Venues in Whistler und dem Deutschen Haus liefern. Die drei anderen Venues werden mit Flightcase- Technik von Gearhouse bedient.

Mit drei Ü-Wagen an die Venues
ARD und ZDF haben insgesamt drei HD-Ü-Wagen im Einsatz, alles Technik, die vor Ort angemietet ist. Ein 15-Kamera-Wagen bedient zwei Venues, nämlich Biathlon und Langlauf. Das Umschalten auf die jeweiligen anderen Kameras dauert bis 15 Minuten. Wichtig ist die Kommunikation zwischen Regisseur und den Kameraleuten. „Da arbeiten wir mit einem Kame- ra-Ring, alle werden gleichzeitig angesprochen", berichtet Frank. Auch die drei Hot-Head-Kameras werden von diesem Ü-Wagen ferngesteuert. Das zweite Fahrzeug ist beim Skispringen platziert. Die Sprünge von Groß- und Normalschanze dürften für hiesige Zuschauer mal wieder sehr spannend werden. Elf Kameras stehen an Plätzen, wo das Weltbild eher nicht hinschaut. Was hätte das Welt- publikum schon davon, die bundesdeutschen Trainer beim Sprung ihrer Schützlinge zu beobachten? Einen weiteren Ü-Wagen platzieren die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender vor dem Deutschen Haus in Whistler - aber nur mit drei Kameras, die auch für das Morgenmagazin genutzt werden. Wenn es in Kanada gerade mal 20.50 Uhr ist, klingeln hierzulande um 5.50 Uhr für Frühaufsteher die Wecker. Wer mag, kann sich dann weitere spannende Entscheidungen des noch laufenden Wettkampftages ansehen.
Übrigens wird das Deutsche Haus in Whistler vor allem vom bundesdeutschen Medaillenregen profitieren - da sollen dann die Sportler mit ihren frisch empfangenen Ehrungen einlaufen.
Für das unilaterale Bild der Rodler sind sieben Kameras vorgesehen, die über Kamerakabel an das MPE-Equipment im Produktionstrailer angeschlossen sind. Bei den Alpinwettbewerben sind es vier Kameras, davon eine auf einem Mini-Jib, und das unilaterale Eisschnelllauf-Bild wird mit drei Kameras aufgenommen. Bei den Indoor-Sportarten sind die Medaillen-Aussichten geringer. Entsprechend mager ist die Ausstattung mit fest verkabeltem, unilateralem Aufnahme-Equipment. Für EB-Teams ist hingegen immer Platz. Im Deutschen Haus in Vancouver gibt es auch keine Bild-, sondern nur Audio-Aufnahmetechnik. Bei Bedarf soll ein EB-Team Aufnahmen machen - zum IBC ist es nicht weit.

Über 400 HD-Kameras für das Weltbild
Der Hostbroadcaster OBSV ist bemüht, möglichst spektakuläre Fernsehbilder zu liefern. Über 900 Stunden Live-Programm stehen den Rechtehaltern zur Verfügung. Dafür sind allein über 400 HD-Kameras, davon 50 Panasonic-Camcorder, für das multilaterale Weltbild da. Für SD-Aufnahmen gibt es gar keine Kameras mehr. Insgesamt sind 22 HD-Über- tragungswagen sowie 91 Broadcast-Trailer bei OBS unter Vertrag und über 60 Schnittplätze sowie 592 Kommentator-Positionen stehen zur Verfügung. Nimmt man noch die OB-Flotten der insgesamt 20 Rechteinhaber hinzu, wird eines klar: Rumfahren ist nicht. Wer einmal eingeparkt und seine Technik aufgebaut hat, muss bis nach der Schlussfeier warten, bevor die Kabel wieder eingerollt werden können.

Wer weiteren Bedarf hat, muss nicht verzagen. „Wir bieten auch unilaterale Services an", erläutert Coordinating Producer Ursula Romero. Wer keine Rechte gekauft hat, darf an den Venues keine Aufnahmen machen. Allerdings gibt es eine neue Entwicklung. So bekommt eine begrenzte Zahl von Nicht-Rechtehalter immerhin eine bestimmte Akkreditierung mit der sie begrenzten Zugang zu den Medienzentren an den Venues und zu den Pressetribünen haben. Sie dürfen aber keine Technik mitbringen. Neu ist auch das Angebot an alle Broadcaster, vor allem aber an die kleineren, via Multichannel-Satellit vier Programme des multilateralen Feeds nutzen zu können. Dazu gehören neben Live-Übertragungen von Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie die meisten Endläufe und Einzelentscheidungen. Aber auch zeitversetzte Wettkämpfe und Siegerehrungen sind möglich, alles in SDI und Stereo mit englischem Kommentar. Eröffnung und Abschluss kann es auch in HD geben - und auch einige Wettkämpfe. Es sind auch unilaterale Fenster möglich.

Spezialkamera-Technik
An Spezialkamera-Technik ist offenbar sehr viel in der Pipeline, vor allem um neue Sportarten populärer zu machen. So ist die „Jungferndisziplin“ Skicross, bei der vier Fahrer gleichzeitig eine teilweise extrem steile und vereiste Buckelpiste nehmen müssen und nach dem K.o.-Prinzip ausscheiden, noch relativ unbekannt. „Mit dem Helmkamera-System von Camera Corps wollen wir diese Sportart populärer machen", so Martin Weigl, OC Direktor des FIS Skicross World Cup. Auch das OBS-Team um Ursula Romero war angetan und orderte die Technik. Viele Fahrer müssen nun einen Helm mit aufgesetzter SD- Kamera von Panasonic (60 Gramm) und einen Akku- Gürtel (295 Gramm) tragen.
Die Bilder werden dann hochkonvertiert. „Wir werden die Kameras nur im Halbfinale und Finale einsetzen. Wer keine bekommt, trägt ein Mock-up", erklärt Ursula Romero. Die auf der Kamera sitzende Antenne sendet im 2,4 GHz-Bereich, acht Antennen auf vier Positionen nehmen im Diversity-Verfahren die Signale auf und bringen sie schließlich ins IBC. „Es ist das erste Mal, dass wir eine solche Technik bei Olympischen Winterspielen einsetzen." Den Zuschauern dürften die zu erwartenden Bilder ein Mitfahrgefühl suggerieren, zur HD-bedingten Telepräsenz kommt dann so was wie Teletravel. Damit nicht genug. Skicross- und Snowboard-Wettkämpfe werden zudem per Cablecam aufgenommen, sei es 1D, 2D oder 3D. Tracking-Cams verfolgen die Eisschnellläufer. Beim Bobrennen tauchen die Kameras in das Eis, bevor die Schlitten über sie hinwegbrausen. Beim Eishockey sind kleine Kameras in den Toren versteckt und auch die Schiedsrichter sind damit ausgestattet.

Roller-Coaster-Kamera
Superzeitlupen-Systeme gibt es für unter anderen für Alpin, Eisschnelllauf, Hockey, Skispringen, Skicross und Snowboard. Um das Fahrverhalten zweier Rennfahrer vergleichen zu können wird die bekannte „Ghost-Image“-Technik eingesetzt. In einigen Slalomstangen wird es auch Cone-Kameras geben. Eine Roller-Coaster-Kamera wird beim Skispringen eingesetzt. „Die Kamera stürzt sich regelrecht mit von der Schanze", schwärmt Romero. Auch eine Mini Tethered Blimp-HD-Kamera (Prallluftschiff mit Gyro-Stabilisierung) soll beim Skispringen zum Einsatz kommen. Auch hier müssen die Bilder hochkonvertiert werden. Alle diese Spezialtechnologien sollen das Weltbild aufpeppen und möglichst viele Zuschauer vor die Fernseher locken. Das ist dringend nötig, um die Werbemaschinerie richtig zu ölen und die hohen Kosten des olympischen TV-Großevents wieder einspielen zu können.

Olympia - auch eine Geldmaschine
Die Gesamtkosten der Spiele sind mit 1,76 Mrd. US- Dollar (1,1 Mrd. Euro) budgetiert. Für Auf- bzw. Aus- bau der insgesamt neun Austragungsstätten, auch Venues genannt, dürften gut und gerne 750 Mio. Dollar zusammen kommen, die beiden Olympischen Dörfer sollen 650 Mio. gekostet haben. Die Kosten für die Sicherheitsaufwendungen sind explodiert, in letzten Meldungen ist von 900 Mio. US-Dollar die Rede. Allein durch die 1,6 Mio. zu verkaufenden Tickets sind solche Summen nicht zu stemmen, auch wenn die teuersten Plätze für die Eröff- nungsfeier bis knapp 3.000 US- Dollar kosten. Die größten Einnah- men werden durch den Rechteverkauf erzielt - allein der US-TV- Sender NBC zahlte 2003 für die US-Rechte von Vancouver 820 Mio. (mit Peking zusammen 2,2 Mrd., und damit rund 1/3 mehr als in der Periode zuvor), für Turin waren es noch 613 Mio. Da konnten noch 650 Mio. Dollar Werbeeinnahmen verbucht werden - für 2010 sei mit rund 500 Mio. Dollar zu rechnen und rund 200 Mio. Dollar Verlust.

Dennoch soll das Engagement nicht runter gefahren werden. Rund 835 Stunden Olympia - meistens live - gehen über den Sender, und damit doppelt so viel wie vier Jahre zuvor. Die EBU soll rund 650 Mio. Dollar für Vancouver und London gezahlt haben, den prozentual wohl größten Anteil müssen ARD und ZDF stemmen.
Für 2014 (Sotschi) und 2016 (Rio de Janeiro) sollen die Rechte noch weiter parzelliert von den Broadcastern einzeln ausgehandelt werden. Dann - so die IOC-Hoffnungen - könnten es für Europa durchaus bis zu einer Mrd. Dollar werden. Wie sich die aber aufteilen und refinanzieren lassen, ist strittig. In Japan wird das bereits exerziert. Da führt NHK das Japan Consortium an, in dem auch die National Association of Commercial Broadcasters in Japan (NAB) versammelt ist. Für umgerechnet 310 Mio. US-Dollar wurden am 30.4.2008 alle Rechte eingekauft. Ob sich ARD und ZDF auch mal mit den Privaten so verbandeln, bleibt abzuwarten. Für 2005 bis 2008 nahm das IOC insgesamt 5,45 Mrd. ein, für Vancouver und London sollen es jedenfalls über 6 Mrd. Dollar werden. Rund die Hälfte der gesamten Olympischen Einnahmen kommen von den RHBs, der Right Holding Broadcasters. Sponsoren (40%), Ticketeinnahmen (8%), Lizenzen und andere Einnahmen (2%). Mit über 90% der Gelder werden die NOCs und ähnliche Organisationen unterstützt, dem IOC verbleiben nach offiziellen Angaben zehn Prozent.
Am 28. Februar erlischt das Olympische Feuer wieder - das Interesse an HD wird bleiben. Und die Probleme. So hatte sich hierzulande bei Redaktionsschluss die KDG noch nicht dazu durchringen können, die Signale der „schärfsten Spiele“ ins Kabel zu bringen. Der Streit um die Einspeiseentgelte sollte bis zum 12. Februar ausgestanden sein.

Rainer Bücken (MB 02/10)

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