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Perfekte Mauerfall-Show

Rundfunksender aus der ganzen Welt berichteten von der aufwändig initiierten Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre Mauerfall – Fest der Freiheit“ in Berlin. Mit großem Technikeinsatz produzierten sie Sendungen von dem Event. Das ZDF zeichnete als Host Broadcaster verantwortlich und war mit seinem neuen HDTV-Ü-Wagen vor Ort. Riedel sorgte für die Signalverteilung und Kommunikation. Viele weitere Unternehmen wie Wige Media oder Penta lieferten Equipment.

8. Oktober 1989: Vor dem Brandenburger Tor wurde auf westlicher Seite ein riesiger Richtfunkmast errichtet. Die US-Fernsehgesellschaft NBC hatte für den folgenden Tag eine Fernseh-Verbindung über Hannover und Frankfurt nach New York veranlasst, damit Tom Brokaw, ihr bekanntester Anchorman, direkt auf Sendung gehen konnte - sollte sich etwas Weltbewegendes ereignen.
Jetzt, 20 Jahre später, waren NBC und Tom Brokaw wieder vor dem Brandenburger Tor, diesmal nicht mehr mit einer simplen Richtfunkantenne, sondern mit einem kompletten SNG-Fahrzeug und gleich mehreren Teams. Doch NBC war nicht allein. Rund 25 Fernsehanstalten aus der ganzen Welt hatten sich akkreditiert. Viele von ihnen hatten auf der Straße des 17. Juni ihre Übertragungswagen und SNGs geparkt. Eine zentrale Funktion nahm das ZDF ein. Die Mainzer waren Host-Broadcaster und hatten eine komplette HDTV-Produktionsumgebung aufgebaut.

Mit dem „Fest der Freiheit“ zum 20. Jahrestag des Mauerfalls hatte der Berliner Senat seine 100 Prozent-Tochter Kulturprojekte Berlin GmbH beauftragt. Durchgeführt wurde sie dann von der Berliner Eventorganisation Compactteam. Die Deutsche Klassenlotterie übernahm mit 4,3 Millionen Euro die Grundfinanzierung, Gelder diverser Sponsoren kamen noch hinzu.
Im Mittelpunkt der Feier stand die „Dominostein-Aktion“, die sich Kulturprojekte-Geschäftsführers Moritz van Dülmen ausgedacht hatte. Der Fall von Tausend 2,50 Meter hohen Styropor-Dominosteine sollte symbolisieren, dass die Maueröffnung das Ergebnis des Engagements vieler und somit eine Art Kettenreaktion war.
Die „Dominostein-Aktion“ am 9. November moderierte für das Fernsehen Thomas Gottschalk. Miklos Nemeth, ehemaliger ungarischer Präsident, und Lech Walesa, einst Vorsitzender der polnischen Gewerkschaft Solidarność und Staatspräsident, warfen am Südufer der Spree die ersten Steine um. Im Eifer des Gefechts ging dabei aber auch ein Steadicam-Operator auf einem eMo zu Boden. Drei dieser „elektronischen Mobilitätshilfen" von Segway, die gerne auch als „Handsfree Camtransporter" bezeichnet werden, hatte das ZDF für den Abend bei der Wige Media AG in Köln gemietet.

Die Steadicam ist auf dem Segway angebracht. Im Notfall kann der Kameramann abspringen, ohne dabei am Gerät hängen zu bleiben. Eine Haltehilfe bringt indes zusätzliche Sicherheit. Diese Aufnahmetechnik mit dem eMo ist besonders dort geeignet, wo ein Schienendolly-System zu aufwendig oder zu statisch ist. „Mit den Segways sind wir extrem mobil und flexibel, können um die Objekte beliebig herumfahren, was so mit keinem Kran möglich ist", berichtete Björn Gleß, Wige-Abteilungsleiter Drahtlos- und Spezialkameras. „Und für das 'Fest der Freiheit' wären wir mit einem Schienensystem zu festgelegt, wir müssen auch mal ausweichen können." Für die Dynamik der Bilder sind dann freilich die Segway-Operatoren zuständig, sie haben vor Ort wirklich fast alle Freiheiten der Welt, zumal weder Kabelhilfen noch schwere Stative benötigt werden. Das ZDF hat diese Technik bereits zur Leichtathletik-WM eingesetzt. Nur war damals mehr Platz.

Den Unfall bei der Dominiostein-Aktion hatte übrigens ein zweiter Segway-Fahrer aufgenommen und drahtlos in die Regie gesendet. „Wir hatten es schließlich mit einer Liveproduktion zu tun, und da kann immer mal was passieren“, erklärte Hans Bäumker, Produktions-Ingenieur im Geschäftsbereich Produktions- und Sendebetrieb des ZDF. „Aber das war der einzige Zwischenfall – ansonsten hat alles prima geklappt.“
Der Kameramann blieb übrigens unverletzt, seine Steadicam unbeschadet. Er konnte sein eMo wieder besteigen und die Szene der fallenden Dominosteine weiter drehen.
Nur der sich anschließende Vortrag der Pianistin Mahela Reichstatt (Intro des Titels „Freiheit") konnte durch die entstandene Verzögerung nicht mehr gesendet werden. Das Mauerfall-Programm folgte also nicht den Wünschen der TV-Verantwortlichen. Die Event-Besucher vor Ort sahen und hörten indes auf Großbildwänden und über gewaltigen Beschallungsanlagen das komplette Event-Programm.

Auf der Strecke und an strategischen Plätzen waren insgesamt zwölf Videoscreens mit insgesamt 360 m² Displayfläche aufgebaut, alles organisiert von Compactteam. Drei davon wurden von XL Video aus Hamburg gestellt und neun von Global Bright Media aus Wien, zwei davon mit einer Auflösung von 1.024x576 für das ZDF-Bild.
Zur Ansteuerung der zwölf Videoscreens gab es eine eigene Regie, aber auch das ZDF selbst konnte seine zwei Videowände mit eigenen HD-SDI-Signalen beschalten. Die vielen Video-Wände waren aufgebaut worden, um möglichst viele Zuschauer an den zentralen Aktivitäten des Events teilhaben zu lassen. 500.000 Besucher wurden erwartet. Wegen des zeitweilig heftigen Regens hatten sich jedoch nur 250.000 eingefunden.

Schüler der Europaschulen starteten gemeinsam mit Jerzy Buzek, dem neuen Präsidenten des Europäischen Parlaments und EU-Kommissionspräsident José Barroso den Dominofall vom Potsdamer Platz aus - die Steine kippen bis kurz vor das Brandenburger Tor. Gegen 21 Uhr dann das Finale - die letzten Steine wurden durch Kinder mittig vom Brandenburger Tor gekippt - das Tor war offen, die Freiheit da und die Feuerwerk-Raketen von Flashart stiegen in den Himmel.

Aufwändiges Produktionsdesign

Bei dem Produktionsdesign musste sich das ZDF sehr eng an die vorgegebene Veranstaltungsinszenierung halten. Jeder der 1.000 Steine gab seinen Kippimpuls in deutlich unter einer Sekunde weiter. "Bei unserer technischen Probe haben wir 100 unbemalte Steine auf 200 Meter verteilt, und die waren in einer Minute durch" so Gerald Ponesky, Gründer von Compactteam und zugleich Managing Director. Auch wenn die Steine später nur 1,6 Meter auseinander stehen, wäre ein linearer Ablauf bei den 1.600 m vom Reichstag entlang des ehemaligen Mauerverlaufs bis zum Potsdamer Platz in etwa acht Minuten einfach zu schnell gewesen. Deshalb gab es Unterbrechungen für Reden und weitere An- beziehungsweise Umstöße.

Die Segway-Roller fuhren parallel neben den kippenden Steinen durch eine frei gehaltene Gasse und garanteirten tolle Bilder. Die Signale dieser drei Drahtlos-Kameras - wurden ebenso wie die der vier anderen Mobilkameras - über Funk und sternförmig verlegte Glasfaserkabel in die Regie geführt. Kein leichtes Unterfangen, denn allein die Frequenzzuteilung war kompliziert – die Bundesnetzagentur musste wegen der großen Nachfrage in den 3,5 GHz-Bereich gehen, für die Sender zusätzliches Investment.
So waren an rund zehn wichtigen Brennpunkten für die Kameras Sende- und Empfangsantennen installiert, auch an der Ostseite des Brandenburger Tors. Zwei Schulter- und weitere Steadicams waren funktechnisch eingebunden, wobei Kamerakopf und Funkteil ergonomisch getrennt war, ein Teil ist in einem Rucksack untergebracht. „Die Kameraleute konnten frei durchs Tor gehen und ihre Kameras hatten trotzdem überall guten Empfang“, meinte ZDF-Mann Bäumker. „Das gesamte Areal, also vom Potsdamer Platz bis zur Spree, war eine einzige Spielfläche, alle Drahtlos-Kameras können da beliebig genutzt werden. Das jeweils beste Funksignal wurde zur Regie geschaltet." Die Aufwendungen haben sich gelohnt. Es gab keine Bildaussetzer.

Das alles hätte das ZDF als Host-Broadcaster nicht alleine stemmen können und sich deshalb technische Unterstützung geholt. Neben der vor rund einem Jahr bei Wige gegründete Abteilung Drahtlos- und Spezial-Kameras war die Firma MAT („Mad about Technology") mit ihrer Flycam als weiterer ZDF-Partner vor Ort. Über 200 Meter konnte ihre fliegende Kamera an den kippenden Steinen mit bis zu 12 m/s vorbeirasen - oder einfach die staunenden Gesichter der Besucher aufnehmen. Gehalten wurden Schlitten und HD-Kamera an zwei Seilen - eines der Sicherheit wegen.
Übrigens gab auch diese Kamera ihre Signale drahtlos ab - ebenfalls im 3,5 GHz-Bereich und war in die Frequenzanmeldung von Wige eingebunden. Sie war damit die achte Funkkamera, die vom Hostbroadcaster ZDF bei dem Berliner Event eingesetzt wurde. MAT stellte dem ZDF unter anderem auch ein 12 Meter- und 15 Meter-Supertechno-Kran bereit.
Besonders flexibel einsetzbar war auch die aus Finnland kommende Polecam, bei der eine Toshiba HD1-Full-HD 3CCD-1080i/25-Kamera an einem bis zu sechs Meter langen Ausleger hing. Das Arbeitsgewicht beträgt 25 kg. Mit allem Zubehör und Stativ schlägt das System mit 85 kg zu Buche. Die Kamera-Kontrolle und alle weiteren Parameter lassen sich über ein Remote Control Panel durchführen.
Stolz war Bäumker vor allem auf den 100 Meter Steiger auf einem 80-Tonner der Firma Gardemann. Auf dem Korb installiert war eine Ikegami-Kamera 727p mit einem 100fach Objektiv und optischem Bildstabilisator. Die Signale wurden über Triax-Kabel nach unten geführt. Während des Dominostein-Falls konnte der gesamte Streckenverlauf der Aktion bequem aus der Vogelperspektive aufgenommen werden. Zur Seite hin ließ sich der Korb auf dem 22,5 m langen Fahrzeug immerhin 40 m weit schwenken.

Doch nicht alles wurde mobil aufgenommen. Das gläserne Studio war auf der Westseite des Brandenburger Tors aufgebaut und allein mit drei Kameras ausgerüstet. Weitere stationäre Kamera befanden sich auf dem Dach des Studios sowie auf Podesten beidseitig des Brandenburger Tors und entlang der Domino-Strecke. Die Orchester-Aufnahmen vom Pariser Platz erfoltgen vor allem mit Steadis und Handkameras.
Media Broadcast sorgte für die Zuführung des ZDF-Signals nach Mainz, das von dort aus dann ausgestrahlt wurde. Aber auch andere Veranstalter griffen auf die Dienstleistungen der TDF-Tochter zurück.
Die ARD hatte in der Nähe ein eigenes Studio aufgebaut, setzte trotzdem aber zeitweilig auch die Signale des Host-Broadcasters ZDF ein.

High-Definition Produktion für SD-Austrahlung

Das ZDF hatte wieder seinen eigenen HD-Ü-Wagen aufgefahren - wie bereits zur Leichtathletik-WM. Der von Broadcast Solutions gefertigte 13,6 Meter lange Wagen ist beidseitig ausziehbar und mit zwei unabhängigen Video- und Ton-Regieräumen ausgestattet. In der größeren wurde unter Leitung von Maik Grosse das nationale Programm produziert, in der kleineren das internationale.
Insgesamt 27 Kameras liefen hier auf, davon eben auch die acht erwähnten Funkkameras. „Wir produzieren alles in HD, und zwar im Standard 720p/50, senden aber nur in SD", berichtete Bäumker. Nur für das Archiv nutzte das ZDF die hohe Bildqualität, zur Sendung komme es nicht, auch nicht bei Arte HD. Bestimmte Zuspielungen erfolgten in 1080i/25 ebenso wie 576i/25.

Selbst die anderen Sender, auch die der EBU angeschlossenen, wollten kein HD-Signal und waren offenbar mit SD zufrieden. Sie erhielten das sogenannte Clean-Feed, also das Signal ohne Grafiken. Für Zeitlupen - und das war wichtig bei den schnell fallenden Steinen - waren insgesamt sieben EVS-Server im Einsatz, wobei sechs davon je vier Kanäle aufzeichnen können. Daneben gab es eine Highlight-Maschine, auf der die Beiträge gewissermaßen zwischen geparkt oder für den Mauerfall noch einmal zusammengeschnitten wurden. „Wir nutzen sie auch für Bilder des Tages", erklärte Ulrich Bolenz, Leitung Bildtechnik.

Selbst die NBC mit ihrem eigenen SNG-Fahrzeug sendete nur in SD. „Unsere Live-Übertragungen und News werden häufig noch in SD produziert, und deshalb sind unsere Kamera-Teams hier auch mit eigenem SD-Equipment unterwegs", erklärte Peter Ulph von NBC News, der bereits vor 20 Jahren mit der technischen Leitung der Mauerfall-Übertragung betreut war. „Aber das 720p-Format ist für uns sehr interessant, vor allem im Sport setzen wir das zunehmend ein." Auf dem Festgelände war dennoch ein SNG-Fahrzeug mit HD-Technik unterwegs, nämlich der des japanischen Fernsehsenders NHK. „Wir senden dieses Ereignis live - und wiederholen es auch in späteren Sendungen. Zudem werden wir die Aufnahmen auch für Dokumentationen einsetzen. Auch unsere News werden bereits in Hi-Vision produziert und übertragen, und deshalb brauchen wir möglichst viel natives HD-Material. Daher sind wir froh, unser weltweites Korrespondenten-Netz schon seit Jahren ganz auf den HD-Standard von 1080i/30 umgestellt zu haben. SD ist bei uns schon das Legacy-Format, in dem wir kaum noch produzieren", erläuterte Atsushi Yamakita, Senior Associate Director der Planning & Programming Division im International Planning & Broadcasting Department von NHK.

Spydercam - ein geplatzter Traum

Sehr gerne hätte das ZDF eine Spydercam eingesetzt. An vier Seilen hätte die Kamera über das Brandenburger Tor fliegen sollen - von Ost nach West und umgekehrt. Allein die verschiedenen Behörden wollten da nicht mitspielen. Einmal ging es um die Statik der Steigekräne, die die Umlenkrollen für die Stahlseile hätten halten müssen. 40 Tonnen im Tiergarten - das war wohl zu viel. Auch die US-Botschaft war nicht begeistert, eine Spinnenkamera vor ihren Fenstern hin- und herfliegen zu sehen. Sicherheitsbedenken hatten auch an einem 9. November einen hohen Stellenwert. Immerhin war bereits ein Operator-Häuschen auf dem Dach der Commerzbank fertig. Während des Freiheits-Fests wurde das Dach nun für den Sprechfunk genutzt - ein besserer Antennenstandort war kaum vorstellbar.
Aber in der Commerzbank waren auch die Dolmetscherplätze für die 100 Ehrengäste. Das ZDF übersetzte natürlich alle fremdsprachlich gehaltenen Reden ins Deutsche.
Sehr ausführlich informierte auch die Deutsche Welle in Fernsehen, Hörfunk und Internet zum 20. Jahrestag. Es gab eine 24stündige Live-Berichterstattung bei DW-TV im Format 16:9. Reportagen, Berichte, Gespräche und Schalten auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Spanisch.
Noch mehr Internationalität dann im Hörfunk und Internet: 30 Sprachen gingen raus, eine muntere Visitenkarte für das vereinte Deutschland.

Riedel sorgt für die Signale

Mit der Zuführung der verschiedenen Bild- und Tonsignale hatte Compactteam die Firma Riedel Communications beauftragt. Das Wuppertaler Unternehmen hatte für das zwanzigjährige Freiheits-Jubiläums-Spektakel die bislang größte MediorNet- und RockNet-Installation am Start, ergänzt um Artist Intercom und ein TETRA Funknetz.
MediorNet ist eine glasfaserbasierte Verteil- und Routing-Technik für HD/SD-Video, Audio, Intercom und Daten. Jeder MediorNet-Frame enthält einen Router für bis zu 32x32 720p/1080i-Signale, 160x160 SD-SDI-Signale, 27.000x27.000 AES-Signale - oder beliebige Kombinationen von alledem.
Beim Einsatz in Berlin ging es vor Allem um die Verteilung der HD/SD-Video- und Audio-Signale der fünf Hauptbühnen auf beziehungsweise an die Screens. Dafür gab es eine eigene Videoregie.
Für die sichere Versorgung war aus Redundanzgründen ein über sechs Kilometer langer Glasfaserring mit acht Monomode-Fasern verlegt, gebraucht wurden aber nur vier. 14 MediorNet Frames, auch als Nodes bezeichnet, sorgten mit 19 Ein- und 33 Ausgängen für die Verteilung von 18 HD/SD-Signalen sowie einem NTSC-Signal für Punkt- zu Punkt oder Punkt-zu-Multipunkt-Verteilung. Die 14 Frames waren prinzipiell auf dem gesamten Gelände in der Nähe der LED-Wände installiert, denn die Signalzufuhr zu den Wänden erfolgte nicht optisch, sondern elektrisch über eine Kupferleitung.
Die Audiosignale der digitalen RockNet Audionetzwerks wurden über den gleichen Glasfaser-Ring wie die MediorNet-Installation verteilt. Die Datenrate auf der Fiberstrecke beträgt 4,25 Gbit/s, also für 11 x SD-SDI unkomprimiert oder 2 x HD-SDI. Insgesamt 83 RockNet-Module sorgten für die Verteilung von 120 Ein- an 192 Ausgängen. Fiber-I/O-Module waren für die Integration des Audionetzwerks in den Fiber-Ring verantwortlich. „Das System hat während der ganzen Einsatzzeit perfekt gearbeitet - ohne Aussätze, und das bei Wetterbedingungen, die alles andere als optimal zu bezeichnen sind. So sind alle zufrieden, die in dieses Ereignis eingebunden sind", erklärte Frank Abromeit, Cheftechniker bei Riedel Communications. „Dabei waren Zeitpunkt und Ort die wohl größten Herausforderungen. Gewissermaßen am Vortag des Mauerfall-Ereignisses nutzt MTV den Platz um das Brandenburger Tor noch für den European Music Awards als Bühne für ein U2-Konzert."

Hätte man für die ganze Installation Kupferleitungen genutzt, dann wäre die gesamte Infrastruktur deutlich komplexer geworden und zahlreiche zusätzliche Verstärker wären benötigt worden.
Übrigens gibt es in den Nodes noch keine Hardwareredundanz. „Da arbeiten wir dran, auch wenn das kaum nötig erscheint. Aber als Option werden wir das demnächst auch anbieten", erklärte Alexander Brede, Sales Manager Rental der Firma Riedel.
Zusätzlich wurden über das MediorNet-Netzwerk zwölf Artist DCP 1016 Tischsprechstellen und zwei C44 Performer System Interfaces abgesetzt. So wurde die gesamte Intercom Matrix sowie die Partyline-Installation über das MediorNet-System abgewickelt. Ein zusätzlicher TETRA-Funkkreis für bis zu über 200 mögliche Teilnehmern ergänzte die Kommunikationsinfrastruktur, genutzt wurde die Systemtechnik von Motorola. 12 der 17 Funkkanäle waren an die Artist Matrix über das Riedel-Interface RiFace angebunden. Damit konnte die leitungsgebundene Kommunikation mit dem Funksystem verbunden werden. Die Basisstation war in einem eigenen Truck untergebracht, eine 30m-Antenne sorgte für einen rundum sicheren Empfang. 130 Nutzer aus verschiedenen Bereichen - einschließlich Sicherheit und Sanitätsdienste - waren im System eingebucht.

Tetra hat gegenüber der bisherigen Analogfunk-Technik deutliche Vorteile. Neben der guten Sprachqualität spielen die hohen Sicherheitsstandards bis hin zur möglichen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eine wichtige Rolle. Auch ist die parallele Übertragung von Sprache und Daten selbst im Veranstaltungsbereich von großem Interesse. Wichtig auch die verschiedenen Funkmodi. So ist neben dem Trunked-Modus auch ein Direkt-Modus (Direct Mode Operation) möglich, bei dem zwei oder mehr Funkgeräte ohne die Basisstation miteinander funken können. Und für den Fall der Fälle kann ein Mobil-Funkgerät im Auto als Gateway geschaltet werden - gewissermaßen als Relaisstation zur Basis.

All diese Aktivitäten sind ein weiterer Baustein für die nächsten Groß-Events des Jahres 2010. Mit dem Fest der Freiheit ist die Latte hinsichtlich Veranstaltungstechnik und medialer Vermittlung wieder ein Stück höher gelegt - man darf gespannt sein, was Berlin im Jahr 2010 so zu bieten hat. Da ist, oder besser war, zunächst die Silvesterfete dort, wo jetzt des "Die-Mauer-muss-weg-Rufens" so eindringlich und harmonisch erinnert wurde. Dann wird sicherlich der 3. Oktober wieder eine Herausforderung - 2009 kamen die Riesen nach Berlin - und sorgten ebenfalls für ein Riesenspektakel. 2010 soll auch das wieder getoppt werden, man darf gespannt sein.
Rainer Bücken
(MB 12/09)

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