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Postproduktion für 4K/UHD

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Postproduktion für 4K/UHD

„4k und UHD – Revolution oder Evolution?“, so lautete das Thema einer Veranstaltung der Studio Hamburg Postproduction. Geschäftsführer Tammo Steinmetz erläuterte die technischen Grundlagen und das Geschäftsmodell dazu.

Etwa 45 Gäste fanden sich im großen Vorführkino der Studio Hamburg Postproduction ein, vorwiegend Mitarbeiter von TV-Sendern und Produktionshäusern. Sie waren einer Einladung von Tammo Steinmetz gefolgt, Geschäftsführer der Studio Hamburg Postproduction, der die Möglichkeiten von 4k und UHD aus Sicht der Postproduktion beleuchtete. Während UHD in der Unterhaltungselektronik bereits Anfang 2013 zum alles beherrschenden Thema avancierte, verläuft die Entwicklung im Pro-Bereich deutlich langsamer. Kein Wunder – denn für die TV-Sender sind die Kosten vor allem für die Ausstrahlung und die Archivierung von UHD-Material immens. So schätzt auch Steinmetz, dass weder öffentlich-rechtliche noch private Sender schlagartig auf UHD umstellen werden. „Die UHD-Blu-ray-Disc sowie vor allem Video-on-Demand-Angebote könnten UHD jedoch pushen“, so Steinmetz.

„Während 4k für DCI verwandt wird“, erläuterte Steinmetz auf der Veranstaltung, „ist UHD vor allem ein Broadcast-Format.“ (DCI steht für Digital Cinema Initiatives, digitales Kino, d. Redaktion.) So umfasst UHD neben der vierfachen HD-Auflösung verschiedene Frameraten wie 50, 60, 100 oder 120 Bilder pro Sekunde, die so im Kino keine Bedeutung haben. Im Unterschied zum derzeitigen HDTV gibt es kein Interlace, also kein Halbbildverfahren mehr. Die Bilder werden nur noch progressiv abgetastet – was den ohnehin progressiv arbeitenden Flachbildschirmen entgegenkommt. „Bei schnellen Bewegungen wie bei Sportübertragungen kann dies jedoch problematisch sein“, so Steinmetz. Weitere Ausbaustufen von UHD 1 und UHD 2 sind ein erweiterter Kontrastumfang (HDR, High Dynamic Range), ein größerer Farbraum (Wider Colour Gamut) sowie die noch höhere 8k-Auflösung.

Im Anschluss an die Präsentation waren mehrere native UHD- und 4k-Aufnahmen zu sehen, die auf verschiedenen Bildschirmen und in einer 4k-Projektion gezeigt wurden. Neben zwei Consumer-Displays, einem Samsung 65-Zoll-HD-Fernsehgerät sowie einem Samsung 55-Zoll-UHD-TV-Gerät, waren zwei professionelle Monitore aufgebaut: Ein 55-Zoll-UHD-Monitor LUM-550W des Herstellers TV Logic der Klasse 2 sowie ein kleinerer 30-Zoll-Bildschirm TV Logic LUM-310A der Klasse 1. Die Aufnahmen reichten von mit 4k abgetastetem 35-mm-Archivmaterial, über eine szenische Produktion mit einer RED-Kamera, einer 4k-Werbefilm-Produktion bis hin zu einer UHD-Naturdokumentation mit Aufnahmen von verschiedenen High-Speed-Kameras. Besonders brillant erschienen die Bilder auf dem 30-Zoll-Modell von TV Logic.

Doch wie groß ist die Nachfrage nach 4k- oder UHD-Nachbearbeitung bei Studio Hamburg? „Wir haben verstärkte Anfragen gehabt in diesem Jahr“, sagt Steinmetz. Dennoch gebe es im TV-Bereich bislang wenig durchgängige UHD-Produktionen. „Für unseren Film- und Archivservice ist 4k jedoch bereits heute ein großes Thema“, so Steinmetz. Neben der Nachbearbeitung von TV- und Kinoproduktionen bietet die Studio Hamburg Postproduction einen Film- und Archivservice, tastet Filmformate von 8 bis 70 Millimeter ab, restauriert und archiviert sie. Hier schlummert bislang ungenutztes Potenzial für UHD, denn „35-mm-Film kann eine Auflösung von 3k erreichen“, erläutert Steinmetz und fügt hinzu: „Wenn das Filmmaterial in entsprechend gutem Zustand ist.“ Die Auflösung eines gut erhaltenen 70-mm-Films rechtfertige allemal eine durchgängige Bearbeitung in 4k oder UHD.

Die Studio Hamburg Postproduction ist mit 31 festen Mitarbeitern das nach eigenen Angaben größte Postproduktionshaus Norddeutschlands. Seine Kunden sind TV-Sender wie das ZDF, der NDR oder Independent Television (ITV). Hinzukommen Film- und TV-Produktionsfirmen wie ARD Degeto, Polyphon oder Ziegler Film sowie Archive wie die DEFA Stiftung. Der Hauptsitz des Postproduktionshauses liegt in Hamburg-Tonndorf auf dem Gelände von Studio Hamburg. Daneben bestehen Standorte in Hamburg Altona, Lüneburg und Berlin. In Hamburg und Berlin bietet die Postproduktion etwa 50 Avid-Media-Composer-Schnittplätze. Der sogenannte Offline-Schnitt wird meist in verringerter Qualität mit dem Avid-Codec DNxHD mit 36 Mbit/s oder 120 Mbit/s durchgeführt. Nach dessen Abnahme wird im Online-Schnitt die Bildfolge anhand einer sogenannten Edit Decision List (EDL) auf das höherwertige Rohmaterial übertragen. Das Ausgangsmaterial wird dann im Colour Grading farbkorrigiert. Studio Hamburg Postproduction bietet dafür drei Grading-Suiten mit Nucoda-Film-Master-Systemen der Firma Digital Vision.

Sämtliche Schnittplätze, Grading-Suiten, VFX- und Grafiksysteme sind mit zentralen Speichersystemen vernetzt. Darunter ein DVS-Clipster-System von Rohde und Schwarz, das verschiedenste Videoformate und Auflösungen transcodieren kann, und in der neuesten Version 6.0 auch 4k und UHD beherrscht. Für einen UHD-Workflow wird das Material in einem zentralen Storage Area Network (SAN) mit dem Codec Apple ProRes422HQ abgelegt. Das Monitoring wird bislang überwiegend auf HD-Displays durchgeführt, etwa 24-Zoll-HD-Röhrengeräten der Klasse 1 von Sony. Die HD-Monitore sollen jedoch nach und nach durch UHD-Bildschirme ersetzt werden, dieses Jahr erwirbt die Postproduction etwa UHD-Displays von TV Logic.

„Für die Farbkorrektur haben wir zwei Dolby Referenz-Monitore PRM 4220“, erläutert Steinmetz. Die 42-Zoll-Bildschirme mit 2k-Auflösung kosten um 35.000 Euro. „Dolby bietet noch kein 4k-Referenz-Display“, sagt Steinmetz. Eine durchgängige 4k-Produktion sei dennoch möglich. „Solange wir im aktuellen Farbraum ITU-R BT.709 und mit SDR arbeiten, erfüllen unsere Referenz-Displays alle Anforderungen.“ Zudem soll auch die Postproduktion mit einem erweiterten Kontrastumfang (HDR) gelingen. Denn der Dolby-Vision-Workflow sieht vor, zusätzlich zum SDR-Material (Standard Dynamic Range) sogenannte Metadaten für die Wiedergabe auf einem HDR-Display zu erstellen. Die Farbkorrektur erfolgt dabei auf SDR-Referenzmonitoren, da sich Dolbys HDR-Monitor noch im Entwicklungsstadium befindet.

Eine weitere Hürde birgt das Mastering von UHD. Denn je nach Sprachversion und Untertitel, Ausgabeformat und Fernsehstandard fallen schon heute zig verschiedene Versionen an, die jeweils in einer eigenen Datei ausgegeben werden. Deren Zahl könnte sich mit UHD weiter erhöhen. Abhilfe verspricht das Kino-Container-Format IMF (Interoperable Master Format). Es soll das derzeitige Container-Format DCI ablösen. Mittels einer sogenannten Composition Playlist (CPL) reicht eine einzige Ausgabedatei für verschiedene Versionen. Damit lassen sich verschiedene Wiedergabeszenarien adressieren und überdies Speicherplatz sparen.

Steinmetz rechnet für eine UHD- oder 4k-Postproduktion etwa mit einem 30 Prozent höheren Aufwand. Die höhere Auflösung erfordert längere Rendering-Zeiten und damit entsprechend höhere Kosten. Da die Hardware jedoch stetig performanter wird, schätzt Steinmetz, dass sich die Preise an die der heutigen HD-Postproduktion angleichen werden. Der Speicherbedarf, so kalkuliert das Post-Unternehmen, wird durch UHD-Produktionen um das Zwölffache steigen.

Den Mehrwert für den Heimanwender beurteilt Steinmetz durchaus kritisch: Der für UHD empfohlene Betrachtungsabstand von 1,5 Mal der Bildschirmhöhe sei für übliche Wohnzimmer völlig unrealistisch. Immerhin sei die Übertragungskette bis ins heimische Wohnzimmer bereits erfolgreich erprobt, so Steinmetz. Allerdings kann die Mehrzahl der bislang verkauften HDR-Displays die 22 Blendenstufen, die HDR umfasst, noch nicht darstellen. Erst seit diesem Jahr sind erste TV-Geräte erhältlich, die eine HDR-Fähigkeit versprechen. „Mit einem erweiterten Kontrastumfang und einer höheren Bildfrequenz sind die Vorteile für den Zuschauer weit größer, als mit einer höheren Auflösung alleine“, betont Steinmetz. Für Postproduktionshäuser ist es indes nicht einfach, den Bedarf richtig einzuschätzen. Von 4k und UHD erhofft sich Steinmetz ein größeres Potenzial, als etwa durch 3D. UHD bedeutet für ihn der nächste logische Schritt – jedoch keine Revolution in der Postproduktions-Branche.

Jan Fleischmann

MB 7/2015

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