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Simultanproduktion

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Simultanproduktion

Das Final4 der Europäischen Handball Föderation (EHF) Ende Mai in der Kölner Lanxess Arena war das erste Handball-Turnier in Deutschland, das in 4k/UHDproduziert wurde, simultan zum HD-Signal in 1080p50 (3G). Dabei eingesetzt wurde der TV Skyline-Ü-Wagen Ü8. Die EHF wollte damit als Innovationstreiber ein Zeichen setzen. Premiere feierte in Köln auch der iBall, bei dem ein Chip im Ball Daten für spannende Zusatzinformationen liefert.

Das Final4 der EHF Champions League gilt als größte Handball-Produktion weltweit. Selbst das Finale der Handball-Weltmeisterschaft kommt da nicht mit. Das Interesse der Handball-Fans an dem Event ist riesig. So waren auch die 20.000 Plätze in der Kölner Lanxess Arena an den beiden Wettbewerbstagen (26./27. Mai) immer komplett ausverkauft. Auch 2019 soll hier wieder das Final4 stattfinden (1./2. Juni). Als Regisseur des Final4 2018 zeichnete Hendrik Saabye aus Dänemark, Chef der Hendrik Saabye TV Productions International Ltd., verantwortlich. Im Handball-Geschäft ist der erfahrene TV-Regisseur seit vielen Jahren tätig. So genießt er auch bei der EHF einen ausgezeichneten Ruf. Sie setzt bei der Produktionsgestaltung gerne auf seine Expertise.

Die EHF arbeitet zudem seit 2013 mit Wige Broadcast bei der Produktion der Final4 zusammen. Dieses Unternehmen wurde 2016 von der ehemaligen Wige Media AG (heute Sporttotal.tv) an Wolfgang Reeh, Geschäftsführer des Mainzer Ü-Wagen-Dienstleisters TV Skyline verkauft und als eigenständige Unit weiter betrieben. So kommt es, dass TV Skyline mit seinem modernen Ü-Wagen Ü8 und 55 Mitarbeitern bei der Produktion der diesjährigen Final4-Veranstaltung die zentrale Rolle spielte. Aus diesem 4K-Ü-Wagen produzierte eine Crew über einen Mischer simultan zwei Signale: 4K/UHD und 1080p50 (3G).

„Die Signale der Kameras, die nicht UHD-fähig waren, wurden teilweise hochkonvertiert. Im Prinzip ist das der gleiche Workflow, den wir auch bei Hostbroadcasting-Einsätzen bei der Fußball Champions League gemacht haben. Dort wurde schon vor zwei Jahren ein Signalworkflow entwickelt, bei dem man bei Champions Leaque Hostbroadcastings in Deutschland UHD und HD simultan produzieren und abgeben kann“, berichtet TV Skyline-Mitgeschäftsführer Robert Kis. „Aus Sicherheitsgründen wurden ein Parallelworkflow gemacht, bei dem das HD-Signal in 1080i, das die meisten Leute ja zu Hause schauen, keine herunter konvertierte Form aus dem UHD Signal ist, sondern aus dem 3G-Workflow, der durch den Ü-Wagen geht, generiert wird. Dabei wird am Ende das 1080p-Signal auf 1080i gewandelt. Das 4K-Signal geht im Ü-Wagen komplett gesondert über Kreuzschiene und Bildmischer. Eine Mischereinheit (ME) des eingesetzten Produktionsmischers Kahuna 9600 von Grass Valley mit zwei Maverick Control Panels ist komplett für 4K/UHD reserviert und die Haupt-ME für 3G. Die MEs folgen einander mit Hilfe einiger Substitution Makros, die wir schreiben mussten“, erläutert er den Workflow. Dadurch könne man qualitativ sehr hochwertig und produktionssicher arbeiten. Kis räumt ein: „Das ist sehr aufwändig und man muss relativ viele technische Ressourcen im Ü-Wagen haben.“ Die Menge der Signale sei durch den Parallelworkflow doch sehr hoch und eine Kreuzschiene (NVision 8576 Hybrid Video/Audio 576 x 1152) könne mal schnell über 1.100 Ausgänge benötigen. „Aber das ist halt im Moment der sichere und stabile Prozess, um so etwas zu machen“, sagt er. Verkabelungstechnisch ist im Ü8 UHD von TV Skyline alles auf Baseband SDI ausgelgt. So benötigt man pro UHD-Signal viermal 3G als Einzel-SDI-Signal.

Eingesetzt wurden von TV Skyline in der Lanxess Arena sieben UHD-Kameras auf Stativ oder tragbar, drei 3G-Kamerasysteme auf Stativ oder tragbar, fünf 3G Superslomo 3-fach Kameras (Grass Valley LDX 86n), eine 3G RF Kamera für Steadicam, zwei 3G Ingoal-Kameras (InGoal Set von TV Skyline) und zwei Full-HD Mini Chip-Kameras vom Typ HD:1200 als Benchcam-Kameras. Im Ü-Wagen wurde auf sechs EVS XT3 HD aufgezeichnet und vier XAVC 300 UHD für Mitschnitte genutzt. Audioseitig gab es eine Atmo Mikrofonierung mit Dolby 5.1. Die Tonmischung erfolgt auf dem Lawo MC²56 MKII-Pult im Ü-Wagen. Die Tonproduktion war laut Kis sehr aufwändig. „In der voll besetzten Lanxess Arena war es extrem laut. Es war deshalb nicht leicht, den Ton so abzubilden, dass man sowohl Spielgeräusche hört als auch die Anfeuerungen der Fans und ein ausgewogenes, homogenes Klangbild zwischen Action- und Atmo-Sound erstellt“, berichtet er.

 

Innovationswochenende vom EHF

Die TV-Grafik beim Final4 wurde simultan in HD und UHD vom dänischen Grafikdienstleister TV Graphics erstellt. Das Unternehmen ist stark im Handball involviert und hat die EHF auch bei der Entwicklung der Schnittstelle zum sogenannten iBall unterstützt. Dieser Ball von SELECT ist mit einem Tracking-Chip des Münchner Daten-Spezialisten Kinexon (siehe Kommentar in dieser Ausgabe) ausgestattet und erlaubt es, Daten zu generieren, die Auskunft über die Geschwindigkeit und Distanz eines Wurfs oder über die Sprunghöhe eines Werfers geben. Der Ball wurde erstmals beim Final4 eingesetzt und auch im Rahmen des gleichzeitig stattfindenden EHF-Innovationswochenendes vorgestellt. Vom iBall verspricht sich die EHF die Möglichkeit, ihr Angebot an Live-Sport-Inhalten noch interessanter zu machen.

„Es war total spannend den iBall beim Final4 2018 in Köln im Einsatz zu sehen. Wir konnten die Daten live und in Echtzeit an TV-Sender, Social Media-Kanäle und an unsere Event App ausliefern. Und die Resonanz darauf war extrem positiv“, berichtet EHF Marketing Managing Director David Szlezak. Beim iBall hätten die Entwicklerfirmen sehr eng mit dem EHF-Grafikdienstleister TV Graphics kooperiert. Letzterer habe dann die iBall-Daten zum Worldfeed hinzugefügt. Auch alle Kommenta-toren seien über das Kommentatoren-Informationssystem mit iBall-Daten versorgt worden, um sie für ihre Berichterstattung nutzen zu können.

Die Nutzer der Velux EHF Final4 App konnten in der Halle oder zu Hause auch auf iBall-Daten und -Statistiken zugreifen, ebenso wie die Nutzer der offiziellen Wettbewerbswebseite ehfCL.com. Zudem hatten die Final4-Organisatoren vor Ort einen Daten-Journalisten im Einsatz, der die Daten permanent auf ihre Relevanz hin überprüfte und die interessantesten Fakten herausarbeitete, die dann an die Grafik-Produktion weiter geleitet wurden.

„Mit den erzielten Ergebnissen waren wir sehr zufrieden. Durch die Bereitstellung relevanter Daten können wir das Storytelling noch spannender machen und das Fan-Erlebnis beim Handball deutlich steigern. Der iBall ist so gesehen ein wichtiger Schritt in Richtung digitaler Zukunft des Europäischen Handballs“, begeistert sich Szlezak. Die Einführung des iBalls sei ein weiteres Beispiel für das anhaltende Bemühen der EHF Marketing GmbH Innovationen im Handball voran zu treiben und den Handball-Fans so ein bestmögliches Erlebnis zu bieten.

Auch die 4K-Produktion von TV Skyline war Bestandteil des EHF-Innovationswochenendes. Auch mit dem Ergebnis hierbei war man zufrieden. „Kunde und Regisseur haben die 4K/UHD-Produktion und das von uns generierte Signal sehr gelobt. Und auch die Bewertung durch die internationalen Käufer des UHD-Signals war sehr positiv“, betont Kis. Die Zusammenarbeit mit der EHF sei zudem sehr angenehm gewesen, lobt er. Mit dem Ü8 habe TV Skyline auch das richtige Fahrzeug mit dem nötigen Leistungsvermögen, um solch komplexe Produktionen wie die HD/UHD-Simultanproduktion beim Final4 realisieren zu können. Und auch die Räumlichkeiten seien groß genug, um zusätzliche Grafiker, Slomo-Operator, Highlighter, Redakteure und Gäste unter zu bringen. Auch das sei bei der Final4-Produktion wieder deutlich geworden. 

Eckhard Eckstein

MB 3/2018

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