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Starkes HD-Engagement

Die Harris Corporation unterstützt die Digiturk bei der Migration hin zu High-Definition Television (HDTV). Die türkische Pay-TV-Plattform verspricht sich davon Wettbewerbsvorteile. Die von Harris gelieferte End-to-End-HD-Lösung beinhaltet unter anderem ein H-Class D-Series-Playout-Automationssystem, zehn NEXIO XS-Server, eine Platinum-Kreuzschiene und zahlreiche NEO-Produkte.

Guy Elliott, Harris-Vertriebsdirektor EMEA (Europa, Mittlerer Oster und Afrika), blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die Harris Corporation ist erfolgreich dabei, neue Märkte zu erschließen. Ein wichtiger Schritt dabei ist ein umfangreiches Geschäft mit dem türkischen Pay-TV-Sender Digiturk in Istanbul. Er ist der erste Rundfunksender im Vertriebsbereich EMEA (Europa, Mittlerer Oster und Afrika), der auf die integrierte Workflowlösung ONE in Kombination mit High-Definition-Systemen von Harris setzt.

„Die Türkei ist ein sehr wichtiger Wachstumsmarkt für die Broadcast-Branche, und Harris ist froh, hier mit seinen Lösungen so gut anzukommen“, sagt Elliot. Für Harris sei in der Türkei insbesondere die HDTV-Einführung interessant, aber auch die Geschäftsmöglichkeiten in den Bereichen digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) und IPTV.
Neben Digiturk gehört die Dogan-Gruppe zu den wichtigsten Harris-Kunden in der Türkei. Betreut werden die Unternehmen vor allem über den türkischen Hauptdistributor von Harris, Bilgi Elektronik (ehemals Erdemir Engineering). Dessen General Manager ist Askin Erdemir, der sein Ingenieur-Studium einst in Deutschland absolviert hat und nach wie vor gute Kontakte hierher pflegt. Mit der Einfädelung des Digiturk-Geschäfts ist ihm ein großer Schlag gelungen. Dabei ist der ganze Deal noch sehr ausbaufähig. Schließlich plant Digiturk große Teile seiner bislang eingesetzten Technik zu modernisieren und zu erweitern.

Digiturk gehört zur Cukurova Holding, wurde 1999 gegründet, ist seit April 2000 auf Sendung, ist bislang die einzige digitale Pay-TV-Plattform in der Türkei und zugleich größter Anbieter von digitalem Satelliten-Fernsehen. Das Unternehmen hat 700 Mitarbeiter und verzeichnet heute rund 1,8 Millionen Abonnenten, davon 200.000 in Zypern und in anderen europäischen Ländern. Geboten werden ihnen insgesamt 160 Services. Darunter finden sich über 100 Videokanäle. Der Großteil davon ist exklusiv. Das Programmangebot beinhaltet eine große Bandbreite an Themenkanälen und interaktiven Applikationen. Dazu zählen Pay-Per-View-Angebote, Homeshopping, Homebanking, ein Spieleportal, ein Kundendienst-Kanal, Gelbe Seiten-Infos, ein Electronic-Program-Guide, News-, Wetter- und Finanz-Applikationen. Auch eine Reihe eigener, regionaler Sender finden sich auf der Digiturk-Plattform.

Am wichtigsten für das Pay-TV-Geschäft dürfte indes Lig TV sein. Der Fußballsender überträgt alle Spiele der türkischen Superliga und des Cups live. Digiturk hält die Rechte daran noch bis 2010 – nicht nur für die TV-, sondern auch für die IPTV- und Mobile-TV-Übertragung.
Die Fußball-Übertragungen sollen auch der Treiber bei der Einführung von HDTV in der Türkei sein. Im August 2007 hat Digiturk deshalb zwei HD-Fußball-Kanäle gestartet. Zwei weitere HD-Kanäle, einer für Dokumentationen und einer für Spielfilme, sind kürzlich dazugekommen. Für den Empfang wird jetzt auf dem türkischen Markt eine PVR-Box von Pace angeboten (PVR = Personal-Video-Recorder). Diese HD-Set-Top-Box ist mit einer 250 GB-Festplatte ausgerüstet, mit Ethernet- und USB 2.0-Schnittstellen. Sie unterstützt die neue Satellitennorm DVB S2 sowie MPEG 4. Den Vermarktungsstart der HD-Programme verbindet Digiturk sehr stark mit dieser Box. „Wir wollen auch Push-Video-, Video-on-Demand- und weitere interaktive Services anbieten. Mit dem neuen Pace-PVR ist das alles möglich“, sagt Emre Uysal, Leiter Produktentwicklung und Betrieb von Digiturk. Auch IPTV- und Mobile-TV-Angebote seien geplant. Die IPTV-Service sollen 2008 gestartet werden. Die Mobile-TV ist indessen noch offen. Hier muss man zunächst einmal die geplante DVB-H-Lizenzvergabe abwarten.

Verstärkte Konkurrenz erwartet Digiturk vor allem durch die Dogan-Gruppe, an der zu 25 Prozent der Springer-Verlag beteiligt ist. Auch sie plant den Start einer DTH-Plattform in der Türkei, setzt dabei aber vor allem auf Free-TV-Angebote. Dogans Stärke ist dabei der Besitz von reichlich Bandbreite auf dem Turksat-Satellitensystem. Digiturk hingegen hat seine Kapazitäten vorwiegend auf dem Eutelsat-Satelliten W3A (siehe Kasten) und nur geringe Zusatzkapazitäten auf Turksat 2A. Das Digiturk-Uplink-System ist für 16 Transponder ausgelegt.

Frühzeitiges HDTV-Engagement
Digiturk ist nicht der erste Sender, der in der Türkei HD-Programme an den Start bringt. Diese Ehre gebührt Dogan-TV. Die Sendergruppe startete bereits zum 1. Oktober eine HDTV-Version seines Kanal D.
Mit der HDTV-Einführung versucht Digiturk sich trotzdem verstärkt von der Konkurrenz abzusetzen. „Kein Sender in der Türkei engagiert sich derzeit so stark im Bereich HDTV wie Digiturk. Es wird für andere deshalb schwer werden, später einmal mit uns in den HD-Wettbewerb zu treten“, meint Uysal auch mit Blick auf die Vergabe der Übertragungsrechte der türkischen Fußball-Ligen ab 2010. Auch Dogan hat daran natürlich großes Interesse.

„Es ist sehr wichtig, frühzeitig Erfahrungen bei der Produktion und Ausstrahlung von HD-Programmen zu sammeln“, meint auch Bilgi Elektronik-Chef Erdemir.
Bei Digiturk ist man sich indes bewusst, dass das große Geschäft mit HD noch eine ganze Weile auf sich warten lassen wird. „In der Türkei sind derzeit nur 20 Prozent der verkauften TV-Geräte HD-ready. Der HD-Markt ist hier also noch sehr klein“, meint Uysal. Man gehe deshalb auch davon aus, im ersten Jahr nur rund 10.000 HD-Abonnenten gewinnen zu können.

Reichlich Philips-Equipment
Vor der Übernahme durch Thomson hatte Philips den technischen Aufbau von Digiturk als Systemintegrator begleitet. Entsprechend viel Philips-Equipment findet man heute noch in den Digiturk-Geräteräumen. Dazu zählen zum Beispiel Mediapool-Server.
Im Playout finden sich noch eine Alamar Playout-Automation von Thomson, Thomson Profile Server und alte Thomson Venus-Routingsysteme. Vier Sony-Flexicards werden für den Ingest eingesetzt. Backup wird immer noch auf Kassetten gemacht, die in einer Schrankwand mit ausziehbaren Regalen gelagert sind.
2005/2006 begann Digiturk mit dem Umbau seines Sendezentrums im Polat Tower im Istanbuler Stadtteil Besiktas. Es geht darum, einen Teil der alten Technik sukzessive auszutauschen, nicht zuletzt auch mit Blick auf die HD-Zukunft. In einem ersten Schritt wurde das Digiturk Playout HD-tauglich gemacht und die dortige Kapazität um neun HD- oder 18 SD-Kanäle erweitert. Die zu 95 Prozent ausgelasteten Playout-Kapazität von Digiturk basieren auf zehn Transpondern, die Platz für 120 TV-Kanäle und 40 Radio-Programme und interaktive Dienste bieten.
„Uns war nicht klar, wie die Konfigurationen der neuen SD- und HD-Kanäle aussehen sollten. Wichtig war deshalb, die Möglichkeit zu haben, sehr flexibel auf die sich ändernden Ausbaubedürfnisse reagieren zu können und die Integrierbarkeit der neuen in die vorhandenen Systeme gewährleisten zu können. Alls das hat uns am Ende Harris geboten“, berichtet Uysal. Auch die integrierten Up-, Down- und Cross-Konvertierungsmöglichkeiten der Harris-Server-Systeme habe man schnell schätzen gelernt. Problematisch sei zunächst die Anbindung des Archivsystems gewesen. „Wir wollten nicht ständig manuell ein- und ausspielen müssen. Von Harris haben wir jetzt eine Lösung bekommen, die das automatisiert erledigt, auch unter Berücksichtigung der Rechteverwaltung“, erzählt Uysal.

Er lobt die gute Zusammenarbeit mit Harris-Vertriebspartner Bilgi Elektronik. Den Großteil der Planung und Installation habe Digiturk mit diesem Unternehmen gemeinsam erledigen können. Harris selbst habe insbesondere die nötigen Software-Entwicklungen geleistet. Bilgi Elektronik leistet weiter Service und Support.

End-to-End-HD-Lösung von Harris
Seine neue Technik hat Digiturk im Sommer 2007 in Betrieb genommen. Zum Einsatz kommt dabei eine End-to-End-HD-Lösung von Harris, die den gesamten Produktionsworkflow des Senders betrifft. Zu den gelieferten Harris-Systemen gehören unter anderem ein H-Class D-Series Playout Automationssystem, zehn NEXIO XS Server, eine Platinum-Kreuzschiene, die modulare Branding-Lösung IconLogo, ein HD/SD-schaltbarer G3 Titelgenerator von Inscriber und TVM-950 Test- und Messtechiksysteme von Videotek.

„Wir wollten mit einem der großen Broadcast-Hersteller unser HD-Projekt realisieren. Harris war das einzige Unternehmen, das in der Lage war, eine integrierte Lösung über den gesamten HD-Workflow-Prozess hinweg zu liefern“, betont Betriebschef Uysal. „Das D-Series System ließ sich problemlos in unseren Betrieb integrieren. Es unterstützt zudem die bereits vorhandenen Workflows. Die NEXIO XS Server andererseits erlauben uns je nach gegebenen Playout-Erfordernissen den einfachen Wechsel zwischen SD und HD, und zwar ohne dabei zusätzliche Geräte einsetzen zu müssen.“
Digiturk setzt das D-Series-Playout-Automationssystem ein, um über 30 NEXIO XS-Serverports zu steuern, die über zwei Server-Bereiche verteilt sind. Hochgeschwindigkeits-Netzwerkverbindungen bieten 1.2 Gbit/s Bandbreite zwischen dem digitalen Archiv und den NEXIO XS Server-Bereichen, partielle Spiegelung sorgen für hohe Redundanz bei den Premium-Kanälen von Digiturk.
NEXIO XS Server lassen sich sowohl für HD- als auch für SD-Kanäle konfigurieren und beinhalten Up-, Down- und Cross-Konversion — mit der Fähigkeit einfach die Bildseitenverhältnisse anzupassen, um den verschiedenen Studio-Erfordernissen Rechnung zu tragen. „Das D-Series System und NEXIO XS Server erlauben vereinfachte Kanal-Ausbaumöglichkeiten“, bringt es Elliott auf den Punkt.
Das D-Series System verfügt über Schnittstellen zum vorhandenen Ablauf- und Planungssystem. Es ist in Lage, sowohl Ablaufpläne und andere Media-Daten zu importieren, als auch „As run“-Logs zur Datenbank zu schicken. Durch diese enge Verbindung werden alle neu eingegebenen Daten kontinuierlich in die Automationsdatenbank eingepflegt. „Dadurch ist immer gewährleistet, dass rechtzeitig mögliche Probleme beim automatisierten Programm-Ablauf erkannt werden können“, meint Elliott.

Das D-Series Playout-Automationssystem steuert zehn Playout-Kanäle, die NEXIO XS-Server, die Platinum-Kreuzschiene, FlexiCarts sowie HDCAM- und Digital Betacam-VTRs von Sony, das IconLogo Branding Tool und das G-3-Titelgenerator-System ebenso wie ein Untertitelelungssystem und ein Front Porch Digital DIV-Archive-System, welches wiederum eine StorageTek-Library steuert.
Digiturk setzt bei der HD-Ausstrahlung wie auch Dogan bei Kanal D auf das MPEG 4-Kompressionsformat. Eingesetzt werden dafür Tandberg Encoder vom Typ 8990.
Um verstärkt auch in die HD-Produktion einsteigen zu können hat Digiturk bei Sony einen neuen HD-Ü-Wagen bestellt. Bislang werden HD-Produktionen, die vorwiegend in den Bereichen Sitcom und Fußball realisiert werden, jedoch noch häufig downkonvertiert und in SD übertragen. Mit den vier neuen HD-Kanälen soll sich das jetzt ändern. Genutzt wird dafür ein Eutelsat-Transponder mit 50 Mbit/s Bandbreite. Pro Kanal stehen also rund 12 Mbit/s zur Verfügung.

In Sachen Verschlüsselung arbeitet man bei Digiturk mit dem Conditional-Access-(CA)-System CrypotWorks von Philips und neuerdings zusätzlich auch mit Irdeto. „Bislang wurden wir noch nicht gehackt. Wir haben eigene Piraten-Teams, die sich darum kümmern, dass das auch so bleibt“, berichtet Uysal.
Die Irdeto-Verschlüsselung wurde speziell für die PVR- und VoD-Angebote von Digiturk ausgewählt. Sie dient der sicheren Verschlüsselung von auf PVRs gespeichertem Material. Zum Einsatz kommt dabei auch Irdetos digitales Rechtemanagement (DRM). „Nach ausgiebiger Prüfung haben wir festgestellt, dass die Irdeto-Lösung uns die optimale Kombination aus Funktionalität, Sicherheit, und Kosten bietet und dabei auch die Integration mit unserem gegenwärtigen CrytptoWorks-System gewährleistet“, meint Digiturk-COO Hatice Memiguven. „Mit der Produktfunktionalität sind wir vollauf zufrieden“.
Eckhard Eckstein (MB 12/07)


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