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Trinnov Audio-Optimizer

Akustische Probleme in Ü-Wagen, Produktions-Containern und anderen Produktionsumgebungen mit aus akustischer Sicht unbefriedigenden Räumen, beschäftigen Toningenieure nur allzu häufig. In vielen Situationen lässt sich keine schnelle Abhilfe schaffen, da vor Ort keine akustischen Kompensationsmaßnahmen getroffen werden können. Ein problembehaftetes Monitoring kann dann als Folge die Ursache für eine schlechte Tonmischung sein – und das besonders bei Surround-Sound.

Abhilfe verspricht hier der französische Hersteller Trinnov Audio mit seinem Optimizer, der in der Lage ist die akustische Situation in drei Dimensionen zu erfassen und über Signal-Processing auch zu korrigieren.

Technisches Konzept
Das Gesamtsystem besteht aus einer Analyse- und Prozessoreinheit sowie einer Messsonde für die akustischen Messungen. Die Messsonde ist mit vier Mikrofonen in zwei Ebenen ausgestattet, so dass dreidimensionale Messungen, inklusive der Elevation, möglich sind.
Der Prozessor ist verschiedenen Varianten lieferbar, so zum Beispiel in 19-Zoll-Technik für den Rack-Einbau mit (4 HE) und ohne Touch Display (3 HE). Auch Tischgehäuse sind lieferbar. Die Signalverarbeitung für die akustische Optimierung erfolgt im Signalpfad zwischen der Quelle wie Mischpult, und den Wiedergabeverstärkern. Als Ein- und Ausgänge stehen diverse I/O-Karten zur Verfügung und zwar von Stereo bis hin zu 24-Kanal-Mehrkanalformate. Das System unterstützt den Betrieb von zwei Subwoofer. Neben analogen Schnittstellen werden auch ADAT- (8 und 12 Kanäle), AES/EBU- (8, 12 und 16 Kanäle) sowie MADI-I/O-Karten (24 Kanäle) angeboten. Dabei werden zurzeit Abtastraten bis zu 96 kHz unterstützt.

Handhabung
Die Bedienung erfolgt über den 7-Zoll-Touchscreen, wobei sich auch eine PC-Tastatur und Maus anschließen lassen. Über eine IR-Fernbedienung lassen sich Presets anwählen und der Pegel anpassen. Über die Ethernet-Schnittstelle kann der Optimizer in ein IP-Netzwerk eingebunden werden. Der Optimizer bietet den Zugriff über ein VCN-Client (Abkürzung für Virtual-Network-Computing) und lässt sich so von jedem PC fernbedienen. Dabei wird der Bildschirm in einem Windows-Fenster sichtbar, die Bedienung erfolgt mit der Maus und Tastatur. Presets für bestimmte Räume oder Hallen lassen sich auf ein USB-Key speichern und vom Key wieder laden.
Bei der Bedienoberfläche befinden sich auf der linken Seite Reiter zur Umschaltung von Bedienseiten. Je nach Anwahl einer dieser Bedienseiten erscheinen oben dann weitere Reiter für den Aufruf von Unterseiten. Über eine Routing-Seite lassen sich die Ein- und Ausgänge flexibel verschalten.

Messung und Korrektur
In einem Raum ist als erstes eine Erfassung der Akustik erforderlich. Der Optimizer gibt hierzu in einer Messsequenz auf jedem Kanal ein Rauschsignal aus. Über das von den Mikrofonen aufgenommene Signal lässt sich über die Laufzeit die Entfernung und der Elevationswinkel als auch die Phase und der Frequenzgang der einzelnen Lautsprecher ermitteln. Ist eine Messsequenz ungültig, da zum Beispiel Störsignale detektiert oder ein Lautsprecher nicht angeschlossen wurde, wird die Messung automatisch wiederholt. Nach Abschluss der Messung werden vom Optimizer die Korrekturwerte ermittelt. Die Analyse lässt sich abspeichern und wieder laden, um sie jederzeit analysieren zu können. Über einen Dialog bestimmt der Anwender, welche Korrekturen vorgenommen werden sollen. Es gibt hier zwei Methoden.
Bei der so genannten „Compensation“ werden die gemessenen statischen Amplituden und Phasengänge der einzelnen Lautsprecher beziehungsweise Kanäle linearisiert. Raummoden werden bis 300 Hz kompensiert, und der Nachhall wird in mittleren und hohen Frequenzen geglättet. Die Korrekturen erfolgen bis 150 Hz über FIR-Filter. Darunter nutzt man parametrische Filter, um eine Verzögerung möglichst klein zu halten. Über einen Equalizer lassen sich zusätzlich noch manuelle Entzerrungen vornehmen.
Bei der „Spatial Optimization“, erfolgt eine 3-D-Audiobearbeitung. Der Anwender kann hier verschiedene Optionen wählen. Mit „Distance“ erfolgt die Kompensation der Laufzeitunterschiede und Amplituden, mit „Auto-Route“ wird ein Lautsprecher automatisch auf den am nächsten liegenden Soll-Lautsprecher zugeordnet, mit „2D Remapping“ wird ein Algorithmus zur virtuellen Positionsverschiebung in der vertikalen Achse zugeschaltet, und mit „Remapping“ erfolgt eine Kompensation der Lautsprecherposition in der horizontalen und der vertikalen Ebene (Elevation).
Über den „Cinema Mode“ lässt sich auch eine Korrektur für Kinoton-Lautsprecheraufstellung durchführen. Über eine XML-Datei werden die Rahmenbedingungen und Grenzen für die Korrekturmaßnahmen festgelegt. Drei vorgefertigte XML-Dateien mit unterschiedlichen Parametern für verschiedene Anwendungen stehen werkseitig bereit.

Fazit
Die Handhabung inklusive der Messungen gestaltet sich als sehr einfach. In der Praxis hat sich gezeigt, dass gerade in akustisch schlechter Umgebung die wahre Stärke des Optimizers zur Geltung kommt. Das primäre Einsatzgebiet ist also weniger das akustisch gut präparierte Studio, in dem man das letzte Dezibel herausholen möchte, sondern der Ü-Wagen, bei dem beispielsweise keine 5.1-Lautsprecheraufstellung nach ITU möglich ist oder der Produktion-Container ohne akustische Maßnahmen, in dem es klingt wie einer Mülltone. Hier schafft der Optimizer Abhilfe. Natürlich ist der Optimizer eine Kompromisslösung und es sollte nicht das Ziel sein akustische Maßnahmen einzusparen, aber in den Situationen, wo keine anderen Maßnahmen verfügbar sind, ist der Optimizer häufig eine sehr gute Alternative.
Der Trinnov Audio Optimizer ist im Vertrieb der SDI Gesellschaft für Medientechnologie mbH in München.
Peter Kaminski (MB 03/08)



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