Mebucom / News / Produktion / Übertragung der Superlative
Übertragung der Superlative

News: Produktion

Übertragung der Superlative

Die 45. Auflage des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring (25. – 28. Mai) verlangte nicht nur den Fahrern, sondern auch der TV-Produktion wieder einiges ab. Der Langstreckenklassiker in der Eifel mit seinen Begleitrennen wurde erstmals unter der Ägide von TV Skyline aus Mainz produziert. Zum zweiten Mal wurde das Rennen auf der als „Grüne Hölle“ bekannten Schweren Rennstrecke auf der Nürburgring-Nordschleife von RTL Nitro live und in voller Länge übertragen – insgesamt 26 Stunden lang. Das war neuer Rekord bei Liveübertragungen. Auch andere Verbreitungswege wurden ausgiebig genutzt.

Bei sehr sommerlichen Temperaturen mit bis zu 30 Grad Celsius im Schatten startete am 27. Mai 2017, Samstag Nachmittags, das 45. ADAC Zurich 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Dabei waren 160 Fahrzeuge mit über 500 Fahrern aus aller Welt. Nach 158 Runden hieß der Sieger AUDI R8 LMS vom Audi Sport Team Land mit dem früheren Formel-1-Fahrer Markus Winkelhock. In einem spannenden Finish konnte das Audi-Team noch den BMW M6 GT3 von Rowe Racing, der lange Zeit in Führung lag, abfangen. Über 200.000 Zuschauer verfolgten wieder das Geschehen an der Rennstrecke. Und all die Motorsportbegeisterten, die nicht direkt dabei sein konnten, hatten reichlich Gelegenheit, das Event ausführlich live zu verfolgen – im TV und auch im Internet. Da gab es zum einen die offizielle Homepage des ADAC Zurich 24-Stunden-Rennens (www.24H-Rennen.de) auf dem der Livestream des gesamten Rennwochenendes zu sehen war. Und auch auf Facebook und YouTube wurden Livestreams angeboten. Dazu gab es via www.24Stundenonline.de und iPhone App GPS Auge die Möglichkeit, GPS getrackte Positionen und Geschwindigkeiten der Rennwagen auf einer virtuellen Rennstrecke zu verfolgen.

Der 24-Stunden-Livestream wurde wie schon im letzten Jahr mit Hilfe von Vodafone produziert. Dafür waren an wichtigen Streckenabschnitten TV-Kameras positioniert, andere Abschnitte konnten über eine Vielzahl eingesetzter Onboard-Kameras abgedeckt werden. So konnten auch mehrere Kanäle auf der Liveseite des 24h-Rennens parallel angeboten werden. Zuschauer konnten frei zwischen verschiedenen Onboards oder dem Zusammenschnitt der Regisseure von Nürburgring TV wechseln. Der Kommentar wurde auf Deutsch und Englisch angeboten. Auch die Fans vor Ort wurden ausführlich über das Renngeschehen informiert – über DVB-T, Radio Nürburgring und Internet. Interessanterweise wurde das lokal ausgestrahlte Fan-TV jedoch nicht über den neuen DVB-T2-Standard übertragen, sondern noch über den alten Standard DVB-T. So konnten zum Empfang auch nur die alten mobilen DVB-T-Geräte eingesetzt werden. Die Streckensprecher des Rennens waren außerdem über UKW 87,7 Mhz zu hören: RPR.1 strahlt auf dieser Frequenz Radio Nürburgring aus. Nicht im Vodafone-Livestream übertragen werden konnten aus lizenzrechtlichen Gründen Bewegtbilder von den WTCC-Rennen, die vor dem 24-Stunden-Rennen stattfanden. Die FIA Tourenwagen-WM betreibt dafür ihr eigenes, kostenpflichtiges Angebot.

Mit einer Übertragung der Superlative sorgt TV-Partner RTL Nitro beim 24-Stunden-Rennen für Furore. Der Männerkanal hat seine Sendezeit gegenüber 2016 noch einmal ausgeweitet. Der im vergangenen Jahr aufgestellte Weltrekord für die längste Live-Sendung aller Zeiten wurde noch einmal überboten: 26 Stunden an einem Stück wurden aus der Eifel übertragen. Dafür war ein großes Aufgebot an Mitarbeitern im Einsatz, die in drei Schichten arbeiteten. Als Moderator war Ex-MotoGP-Profi Alex Hofmann im Einsatz, der selbst bereits am 24h-Rennen teilnahm. Der Automobilexperte an seiner Seite ist DTM-Star Timo Glock, die Kommentare sprachen Peter Reichert (RTL-Sportreporter / n-tv-F1-Kommentator), Roland Hofmann (RTLReporter, Rallye- und Tourenwagen-Kommentator) und Nordschleifen-Experte Dirk Adorf. Unterstützt wurden sie durch die Reportagen von Jean-Pierre (J.P.) Kraemer, Felix Görner, Laura Wontorra, Eve Scheer und Dirk Adorf. Der Sende-SNG wurde von der Fernsehwerft gestellt.

 

TV Skyline Zusammenarbeit mit Wige Broadcast

RTL Nitro hatte erstmals 2016 die Übertragungsrechte für das 24-Stunden-Rennen von Rechtehalter Wige Media erworben. Sie lagen zuvor bei Sport1. Als Hostbroadcaster für das internationale Signal war im letzten Jahr noch die Wige Broadcast zuständig. Diese Unternehmenseinheit hatte Wige Media indes Ende letzten Jahres im Zuge einer Neuausrichtung komplett an TV Skyline-Geschäftsführer Wolfgang Reeh verkauft. Er betreibt Wige Broadcast als eigenständiges Unternehmen weiter und setzt dabei auf Synergien zwischen TV Skyline und Wige Broadcast. Beim 24h-Rennen kamen die deutlich zum Tragen.

Im Gespräch mit MEDIEN BULLETIN berichtet Reeh: „Mittlerweile hat TV Skyline viele praktische Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Wige Broadcast gesammelt. Das funktioniert alles sehr gut. Die Kollegen in Mainz und in Hürth arbeiten immer wieder verzahnt miteinander.“ 

Reeh betont zudem: „Wige Broadcast in Hürth wird auch in seiner ursprünglichen Form bestehen bleiben, wie wir das von Anfang an geplant haben. Es macht keinen Sinn, das Unternehmen nach Mainz umzuziehen. Auf personeller und technischer Basis konnten wir schon viele Synergien schaffen.“ Gerade bei Engpässen könne man sich immer wieder mal gegenseitig gut aushelfen. 

Wige Broadcast verfügt mit dem HD_one und dem HD_two über zwei HD-Ü-Wägen, die beide im letzten und  in diesem Jahr beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring eingesetzt wurden. Der HD_one ist ein Groß-Ü-Wagen mit zwei Schubladen und einem großen 4ME-Mischer mit 96 Eingängen. „Der Wagen kann technisch wirklich sehr viel“, betont Reeh. HD_two sei etwas kleiner, technisch aber auch sehr gut ausgestattet. Dazu verfügt Wige Broadcast noch über die Flightcase-Technik in Flug-Containern, die für die Formel 1-Produktion für RTL eingesetzt wird. Weitere Investitionen in Technik plant Reeh bei Wige Broadcast „auftrags- und situationsbezogen”, wie auch bei TV Skyline in Mainz, wo man permanent mit der Weiterentwicklung des Unternehmens durch moderne, zukunftssichere Technologien befasst sei. Der Verkauf von Wige Broadcast durch Wige Media macht laut Reeh viel Sinn. „Das Geschäft mit Außenübertragung hat sich in den letzten Jahren sehr spezialisiert. Und man muss einen klaren Fokus auf das Geschäft richten und kann das nicht nebenbei betreiben. Wir nutzen unsere Erfahrungen, die wir über die Jahre erworben haben, um im Produktionsalltag möglichst immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, nutzen die gegenseitigen Synergien, können auch für die Wige Broadcast-Kunden im Sommer, wenn das Unternehmen viel im Motorsport zu tun hat, Service bieten und müssen nicht absagen, weil Ü-Wägen gerade unterwegs sind. In der kleinen Gruppe mit zwei Firmen können wir Aufträge besser auffangen und so flexibler am Markt agieren.“

Auch RTL Nitro profitierte davon am Nürburgring. Man zeigte sich dort sehr zufrieden mit der technischen Umsetzung der Produktion durch TV Skyline. Das Unternehmen hatte dort vielfältige Aufgaben zu bewältigen. Neben der Produktion des internationalen Signals und dessen Bereitstellung, auch für das Streaming-Angebot von Vodafone, galt es für den japanischen Sender J-Sports eine unilaterale Produktion mit einer autarken Produktions-SNG mit zwei drahtlosen Kameras und Kommentatorenplatz zu realisieren. Dazu wurde auch wie schon im letzten Jahr die WTCC-Tourenwagenmeisterschaft, die im Rahmen des 24 Stunden Rennens stattfand, für Eurosport mitproduziert, inklusive separatem Highlight-Schnitt für die Rennzusammenfassung und der Bereitstellung zweier Eurosport-Kommentatorenplätze an der Start- und Zielgeraden, rund 200 Meter vom TV-Compound entfernt. 

Der Highlight-Schnitt für Eurosport wurde in der Subregie des Ü8 UHD im Rüstwagen gemacht. „Dieses Jahr haben wir technisch nochmal aufgestockt und die Ü-Wagen-Verteilung geändert“, berichtet Reeh. Letztes Jahr war der HD_one von Wige Broadcast als Haupt-Ü-Wagen für die Produktion des internationalen Feeds zuständig und der HD_two für die RTL Nitro-Abwicklung. „In diesem Jahr haben wir wegen der gestiegenen Anforderungen unseren Ü8 UHD als zentralen Host-Ü-Wagen genommen, weil der solche Großproduktionen sehr gut handeln kann, in der Regie für alle Beteiligten auch genug Platz bietet und für Langzeitproduktionen auch ein angenehmes Produktionsumfeld bietet“, betont Reeh. Der HD_one hat in diesem Jahr die RTL Nitro-Abwicklung gemacht. Dazu gab es eine zusätzliche ausgelagerte Slomo-Regie in einem Container. Der HD_two stand am Pflanzgarten vor der Göttinger Höhe. „Der Wagen hat als abgesetzte Bildtechnikzentrale in dem Bereich acht Kameras für die Nürburgring-Bereiche Pflanzgarten, Brünnchen und Karussell bedient. An dieser Stelle gab es auch noch Moderationspositionen von RTL Nitro. Dann hatten wir ein weiteres Bildtechnik-Fahrzeug mit einigen Kameras am Flugplatz auf der gegenüber liegenden Seite der Rennstrecke. Die beiden abgesetzten Bildtechnikfahrzeuge waren jeweils über Glasfaserkabel angebunden, die schon zwei Wochen vor dem Rennen verlegt worden waren, und managten die Streckenkameras autark. „Wir haben zwölf Kilometer zusätzlich Glasfaser zu dem verlegt, was es hier bislang immer gab. Die Wege an der Nordschleife sind extrem lang. Insgesamt wurden rund 100 Kilometer Kabel von uns verlegt“, sagt der TV Skyline-Geschäftsführer.

 

Umfangreicher Kameraeinsatz

Insgesamt wurden beim 24-Stunden-Rennen 60 Kameras eingesetzt. 33 davon waren Streckenkameras, von denen wiederum 26 mit Kameramann besetzt waren. Die übrigen wurden remote gesteuert. Ferner gab es eine 260 Meter lange Seilkamera, die quer über die Start/Ziel-Gerade reichte. Sie stammte von Airtime Unlimited aus Bad Tölz und nicht mehr wie im letzten Jahr von Camcat. Fünf 40 Meter hohe Steiger dienten als Plattformen für bemannte Kameras. Unterwegs war an allen Tagen ein Kamera-Helikopter von HD Skycam mit Liveanbindung an die Ü-Technik (Flugzeit 980 Minuten). Dazu kamen drei Drahtlos-Kameras in der Boxengasse, zwei Regie-Kameras, eine Slomoregie mit Zugriff auf alle Signale, 106 Richtmikros rund um die Strecke, zehn Live-Onboard-Kameras
und drei Livedrohnen von DJI, die in den Nürburgring Streckenabschnitten Mühlbachschleife und Karussell eingesetzt wurden. 

 

Remote-Anbindung mit Riedels Mediornet

Die Remote-Steuerung von Kameras erfolgte über abgesetzte, mit Glasfaser-Leitung verbundenen Stageboxen. „Wir haben überall dort wo es Sinn gemacht hat, Remote-Kameras an der Strecke installiert, dort wo man schlecht große Kameras aufbauen kann oder zu hohe Unfallgefahr besteht. Das waren alles QubeCam 2-Modelle“, berichtet Reeh. Bei der Remote-Anbindung kam großteils Riedels MediorNet zum Einsatz. 

Auch die zehn eingesetzten Onboard-Kameras stammten von Riedel. Unternehmenschef Thomas Riedel hatte Anfang 2016 die Abteilung Wige Drahtlos & Spezial Kameras (DSK) von der damaligen Wige Broadcast erworben. Damit kam auch die von Wige im Motorrennsport eingesetzte Onboard-Kameratechnik, unter anderem auch bei der DTM und der GT Masters, in Riedels Hand. Die Funkanbindung der Onboard-Kameras, ebenso wie die der drei DJI-Videodrohnen, wurde über das LTE-Netz von Vodafone realisiert. 

Rund 220 Produktionsleute waren beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring im Einsatz, inklusive Ingenieure, Techniker, Kameraleute, Slomo-Operatoren, Highlight-Operatoren, Regisseure und Kabelhilfen. Am Rennwochenende arbeiteten sie im Dreischichtbetrieb. Eine Woche war TV Skyline in der „Grünen Hölle“ aktiv. Der Technikaufbau begann schon am Montag vor dem Rennen. Die Verkabelung und der Bau der Kamera-Podeste erfolgte bereits eine Woche früher. Ab Donnerstag startete man dann in die Produktion.

Eckhard Eckstein 

MB 3/2017

Zurück