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UHD-Live-Premiere beim Fußball

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UHD-Live-Premiere beim Fußball

Sky Deutschland hat im Oktober 2016 die ersten Fußballspiele live in Ultra HD (UHD) auf seinen neuen UHD-Kanälen Sky Sport Bundesliga UHD und Sky Sport UHD übertragen. Der Pay-TV-Sender setzt dabei auf eine hybride Produktion, bei der UHD- und HD-Signale mit einem Ü-Wagen und einer Regie entstehen. über Skys UHD-Strategie sprach MEDIEN BULLETIN mit Vice President Sports Production, Alessandro Reitano.

Am 14. Oktober war beim Spiel Borussia Dortmund gegen Hertha BSC Ultra HD-Premiere in der Fußball-Bundesliga. Zum ersten Mal überhaupt wurde in Deutschland und Österreich ein Fußballspiel live in UHD gezeigt und zwar exklusiv auf dem neuen Sky-Kanal Sky Sport Bundesliga UHD. Empfangen werden konnte die Übertragung von Sky-Kunden mit der neuen Sky+ Pro Set-top-Box und einem UHD-Fernseher. Die nächsten Ultra HD-Spiele in der Bundesliga waren am 21. Oktober Hamburger SV gegen Eintracht Frankfurt und am 28. Oktober Borussia Mönchengladbach gegen Eintracht Frankfurt. Sky überträgt zunächst je eine Begegnung pro Bundesliga-Spieltag über Satellit (in Kooperation mit Astra Deutschland) und vereinzelt in weiteren Kabelnetzen in UHD.

Auch in der UEFA Champions League wurde von Sky jetzt mit UHD-Übertragungen begonnen. Auftakt war hier das Spiel Bayer Leverkusen gegen Tottenham Hotspurs am 18. Oktober auf dem ebenfalls neuen Kanal Sky Sport UHD. Auch hier folgen ausgewählte Spiele sowie weiterer Live-Sport im Laufe der Saison. Alle Sky-Kunden mit einem Premium-HD-Abonnement haben nach Angaben des Pay-TV-Senders entsprechend ihrem gebuchten Programmpaket zwölf Monate freien Zugang zum neuen UHD-Sport und -Film-Angebot.

Zum UHD-Empfang wird Neu- und Bestandskunden seit Anfang Oktober für 99 Euro der neue UHD-fähige Festplattenreceiver Sky+ Pro angeboten. Damit lassen sich erstmals UHD-Filme auf Knopfdruck über Sky On Demand genießen, die über Nacht auf die Festplatte geladen und mit dem blauen Knopf auf der neuen Fernbedienung abgerufen werden können. Sky+ Pro verfügt über integriertes WLAN, eine 1-Terabyte-Festplatte, die Platz für bis zu 300 Stunden Aufnahmen bietet und einen leistungsstarken Prozessor, der für eine flüssigere Bedienung als bei den bisherigen Sky+ Receivern sorgt. 

Vor dem Start der ersten UHD-Live-Übertragung von Fußballspielen hatte Sky bei einigen Partien zuvor schon ausführliche Testproduktionen realisiert, so auch am 13. September in der Münchner Allianz-Arena beim Champions League Spiel Bayern München gegen Rostow. Als Ü-Wagen-Dienstleister war hier TV Skyline aus Mainz mit seinem Ü-Wagen Ü8 UHD im Einsatz. TV Skyline wechselt sich in dieser Saison hierzulande mit TVN aus Hannover bei den UEFA Champions League-Produktionen ab. TVN wiederum ist auch für Sportcast bei der UHD-Bundesliga-Produktion aktiv, dort im Wechsel mit Top Vision aus Berlin. 

 

Hybride Produktion

Sky Deutschland setzt bei der UHD-Übertragung der Fußballspiele auf eine hybride Produktion. Das heißt, mit einem Ü-Wagen werden sowohl das Standard-HD-Signal als auch das UHD-Signal mit vierfacher Bildauflösung generiert. Dabei werden lediglich einige HD-Kameras in den Stadien durch 4k-Kameras ersetzt. Bei den von Sportcast produzierten Fußball-Bundesliga-Spielen werden in der Regel zehn Kameras (plus zwei Chipkameras in den Toren) eingesetzt. Bei UHD-Übertragungen sind fünf davon 4k-Kameras. Die Signale der anderen fünf Kameras werden für UHD hochkonvertiert. Bei Champions League Spielen, wo Sky selbst als Hostbroadcaster im Einsatz ist, sind einschließlich der Spezialkameras rund 18 Kameras am Start. Bei UHD-Übertragungen sind sechs bis acht davon 4k-Kameras. Gegen Ende der Champions League-Saison ist zu erwarten, dass bei den dann laufenden Top-Spielen die Zahl der 4k-Kameras erhöht wird.

„Strategisch haben wir uns für den hybriden Produktionsweg entschieden. Wir wollen die Infrastruktur in den Stadien nicht überfordern und die Doppelproduktion mit zwei Ü-Wagen vor Ort vermeiden. Deshalb haben wir von Beginn an eine Simulcast-Produktion mit einem Ü-Wagen angestrebt und mit unseren Partnern UEFA und DFL so vereinbart“, erklärt Alessandro Reitano, Vice President Sports Production bei Sky Deutschland. Die Hybridproduktion biete zahlreiche Vorteile, vor allem auf der Kostenseite. „Die Personal und Materialschlacht bei Parallel-Produktionen mit zwei Ü-Wagen können wir uns nicht erlauben“, betont Reitano. Auch sei es in vielen Stadien platztechnisch gar nicht möglich, alle Kamerapositionen doppelt mit 4k- und HD-Kameras zu bestücken. „Heute stellen wir uns bei UHD-Produktionen lieber die Frage, welche Kamera muss zwingend 4k sein und bei welcher ist das nicht nötig“, sagt Reitano.

Bei den bisherigen Live-UHD-Übertragungen sei die Hybridproduktion bislang recht reibungslos gelaufen. Man arbeite jedoch permanent weiter an Verbesserungen, um bei UHD den Unterschied zur herkömmlichen HD-Produktion noch deutlicher zu machen und um den Qualitätsansprüchen der Abonnenten noch besser gerecht zu werden. Allerdings gehe man dabei immer nach dem Motto „HD first“ vor. Das bedeute, so Reitano, dass Regie und Redaktion eine normale HD-Produktion machen würden, ohne dabei auf die UHD-Version Rücksicht nehmen zu müssen. Während bei der HD-Produktion indes ein Sprecher im Stadion vor Ort kommentiert, hat Sky in Unterföhring einen eigenen Sprecher für die UHD-Version der Live-Übertragung im Einsatz. Dort werden die UHD-Bilder außerdem noch mit einer eigenen 4k-Grafik veredelt.

Die UHD-Signale der 4k-Kameras in den Stadien werden im Ü-Wagen für die HD-Produktion auf 1080p HD herunter konvertiert und mit den Signalen der anderen HD-Kameras gemischt. 1080p ist auch das Backup- und Kontributions-Signal. Erst nach Übertragung zum Sendezentrum in Unterföhring wird es für die HD-Ausstrahlung auf 1080i gewandelt. Auch das von Sky als Hostbroadcaster produzierte Weltbild der Champions League Spiele wird der UFA und den Rechtehaltern in 1080i übergeben. „Von der Content-Produktion bis zur Kontribution ins Sendezentrum bleiben wir im 1080p-Format“, betont Reitano. Umgekehrt werden die Signale der HD-Kameras in den Stadien für die UHD-Produktion im Ü-Wagen hoch konvertiert, mit den nativen UHD-Signalen gemischt und als eigenes Live-Feed nach Unterföhring gesendet. „Der Ü-Wagen schickt zwei getrennte Signale über das hoch performante Gigabit-Glasfasernetz unseres Dienstleister MIT unkomprimiert ins Sendezentrum“, erklärt Reitano. Er kündigt an: „Wir sind dabei, unsere eigene UHD-Insel weiter auszubauen, damit Sky-Abonnenten möglichst durchgehend native UHD-Signale von den Live-Spielen erhalten und nichts Hochkonvertiertes mehr. Künftig wollen wir deshalb auch einen XT4-Server von EVS einsetzen, um in 4k auch die Slomos schneiden zu können.“ 

Im nächsten Schritt will Sky das UHD-Signal mit HDR (High Dynamic Range) kombinieren. Das könnte, laut Reitano, schon im ersten Quartal 2017 geschehen. Neben der höheren Pixelzahl bei UHD erlaubt HDR zusätzlich eine deutliche Verbesserung von Farbraum, Farbtiefe und Kontrastumfang zur natürlichen und originalgetreuen Bildwiedergabe. Bislang arbeitet man hier mit Standard Dynamic Range (SDR). Bei HDR stehen im Wesentlichen zwei Verfahren zur Wahl: Perceptual Quantizer (PQ) und Hybrid Log-Gamma (HLG). PQ hat jedoch den Nachteil, dass HDR-Bilder damit nicht auf Ultra HD-Fernsehgeräten, die nur SDR können, dargestellt werden können, sondern nur auf HDR-fähigen Geräten. HLG hingegen ist rückwärtskompatibel und wird deshalb auch von Sky Deutschland präferiert.

Reitano betont: „Für uns bedeutet der jetzige UHD-Start eine Übergangsphase. Wir wollen möglichst schnell auf UHD HDR umsteigen. Das ist für uns noch ein stärkeres Differenzierungsmerkmal als UHD. Deswegen arbeiten wir intensiv an HDR-Konzepten und müssen dazu auch noch einige Gespräche mit den Herstellern führen, um mehr über deren Roadmap zu erfahren und um unsere technische Planung darauf abstimmen zu können.“ Dazu seien auch noch weitere Tests nötig und Gespräche mit Partner wie Sportcast.

Schrittweise würde man sich auch beim Kameraeinsatz in den Stadien voran bewegen und genau prüfen, an welchen Positionen unbedingt UHD-Kameras notwendig seien. Und die Spezialkameras wie den Superslomos müsse man noch bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen in den Stadien insbesondere abends bei Flutlichtspielen ausführlich testen. „Starkes Pumpen können wir nicht akzeptieren. Dann arbeiten wir lieber mit HD-Superslomos weiter, die sich bei uns übrigens auch bei der Fußball Europameisterschaft bei schlechten Lichtverhältnissen sehr bewährt haben“, meint Reitano.

Bei den Ü-Wagen-Dienstleister setzen mit Top Vision und TVN zwei auf 4k-Kameras von Sony. TV Skyline hingegen geht einen anderen Weg und hat sich unlängst zwölf LDX 86N 4k-Kameras von Grass Valley angeschafft.

„Wichtigstes Entscheidungskriterium war für uns die Möglichkeit, in nativem 4k aufzuzeichnen. Bis 4k wirklich überall Einzug gehalten hat, benötigen wir jedoch für unsere Projekte Kameras, für die wir aktuell auch hervorragende Bildqualität in HD abliefern können“, sagt Robert Kis, Geschäftsführer bei TV Skyline. „Die LDX 86N 4k-Kameras bieten uns exakt diese Flexibilität, da sie uns zusätzlich natives HD-Material liefern. Dies macht die Kameras für uns bei unseren Produktionen so vielseitig einsetzbar.“ Bei Sky Deutschland ist der Einsatz unterschiedlicher Technik durchaus gewollt. „Das bringt uns weitere Erkenntnisse“, meint Reitano. „Für uns ist dabei natürlich auch interessant, wie bei Sony und Grass Valley der Weg hin zu HDR aussieht.“ Reitano weiter: „Wir haben hohen Qualitätsanspruch und tasten uns überall vorsichtig ran. Wenn wir schlechte Bilder liefern, dann ist die UHD-Geschichte schnell tot. UHD muss etwas sein, was einen echten, sichtbaren Mehrwert bietet. Der Unterschied in der Bildqualität muss klar sein.“

Bei der Planung des neuen Sendezentrums in Unterföhring, so Reitano, spiele UHD indes keine Rolle. „Mit unseren HD-Angeboten verfügen wir schließlich über die stärkste Penetration bei unseren Abonnenten. Das neue Sendezentrum wird deshalb klassisch auf HD-Produktion eingerichtet“, betont er. In Unterföhring sei UHD zunächst nur als Insellösung vorgesehen. Auch derzeit verfüge man dort nur über „eine kleine UHD-Mini-Regie“ mit EVS-Server und eigener Grafik, um in den Halbzeitpausen Highlights senden zu können und dem UHD-Moderator etwas Material zu liefern. „Derzeit sehen wir keine Notwendigkeit für ein eigenes UHD-Studio. Wir konzentrieren uns erst einmal auf die reine UHD-Übertragung eines Spiels und nicht auf den Vor- und Nachlauf dazu“, betont Reitano.                                                                  

Eckhard Eckstein

MB 4/2016

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