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YLE setzt auf Remote Broadcasting

Die Finnish Broadcasting Company (YLE) setzt bei der Berichterstattung über die Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver auf ein neuartiges Produktionsnetzwerk mit Lawo-Technologie. Es soll unter anderem auch dazu beitragen, die Reise- und Aufenthaltskosten von YLE-Mitarbeitern in Vancouver zu reduzieren.

Bei der Berichterstattung von den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver kooperiert der finnische Sender YLE mit Schwedens Nationalsender SVT. Vor Ort eingesetzt werden dabei deutlich weniger Technik und Personal als bei den bisherigen Olympischen Spielen.
Alle Reportagen und Kommandosignale werden in Vancouver und Whistler eingesammelt und nach Helsinki geroutet. Von dort werden sie an YLE Produktionseinheiten zur Abmischung weitergeleitet.
Mit Hilfe von Hardware-Ingenieuren von Lawo und von Lawos Entwicklungspartner DSA Volgmann konnte YLE ein System entwickeln, welches nicht nur das Echtzeit-Routing von Audiosignalen, sondern zeitgleich die Leitungsdisposition, die Fernsteuerung sowie das Monitoring aller Kreuzschienen über den halben Globus hinweg übernehmen kann.

“Aufgrund der Budgetbelastungen haben wir uns dazu entschlossen, nur die Kommentatoren und Reporter mit einer kleinen technischen Grundausrüstung zu den olympischen Wettkampfstätten zu senden. Stattdessen nutzen wir unser eigenes Studio 25 (Foto) in Helsinki, das mit einem Lawo Nova73 HD Router und einem mc²66 Pult ausgestattet ist, als Haupt-Produktionseinheit für unsere Sendungen. Für die HD-Produktion greifen wir auf die Systemressourcen in unserem Ü-Wagen HD-1 zurück”, erklärt Matti Helkamaa, Senior Technical Advisor bei YLE.

Erfasst werden die Reportage- und Intercom-Signale in zwei Räumlichkeiten in Whistler und Vancouver, die mit Lawo zirkon und crystal-Pulten, Nova73 HD Routern sowie mit zwei Lawo mc²66 Pulten von SVT ausgestattet sind. Die Signale werden dort mithilfe der DSA Leitungsdispositionssoftware geschaltet und über den FINE Networks Nimbra AES Service der EBU von und nach Helsinki geroutet. Der zweisprachige Kommentatorenton wird dann in Whistler, Vancouver und Helsinki durch die Nova73 HD Karten in den korrekten Audiokanal des SDI Signals für die EVS Prozessorkarte eingespeist, das nur auf SDI-Basis operiert. Die Kommandosignale von den Produktionseinheiten werden von der Nova Kreuzschiene in Helsinki erfasst, und von dort aus durch zwei Kreuzschienen zum Venue in Kanada geleitet.

Helkamaa: "Um optimale Qualität und Flexibilität in einem derart komplexen Aufbau zur Signalerfassung zu garantieren, müssen alle Elemente absolut zuverlässig funktionieren. Das erhöhte Risiko von Engpässen aus Kapazitätsgründen und die unterschiedlichen Zeitzonen erfordern ein äußerst präzises Routing." YLE habe sich dehalb für Lawos bewährte Nova73 HD und DALLIS-Systeme entschieden, die bei dem Sender ohnhin im Einsatz sind. Auch die Verwendung von Lawo mc²66 Pulten bei SVT, so Halkamaa, trage zu der Integration aller technischen Elemente bei.
Die Nova73 HD besitzt 8.000 x 8.000 Koppelpunkte, ist jedoch hier mit 1.024 Inputs und 1.024 Outputs konfiguriert. Alle Systeme beinhalten eine beträchtliche Redundanz.

Anfangs war geplant, dass die Transfers Whistler-Vancouver und Vancouver-Helsinki über IP laufen sollten, welches jetzt hauptsächlich für Backups und Intercom Service genutzt wird. Dafür werden Audiosignale für das Programm über das Fine/Nimbra Netzwerk im AES Format zwischen den Austragungsorten transferiert.

"Eine der Aufgaben, die meiner Meinung nach nur mit Lawo Ausrüstung lösbar ist, ist das aufwändige Echtzeit-Routing und die Disposition der Audiosignale, so dass ein großer Teil des Mischens von zwei Systemen in Finnland erledigt werden kann, während das Schalten ferngesteuert in Kanada stattfindet. Die Produktion wird von zwei Fernsehsendern übertragen, und ein HD Programm wird ebenfalls angeboten”, erzählt Helkamaa.

Er ist sicher, dass das YLE-Produktionsmodell bei all denjenigen Broadcastern und Produzenten auf reges Interesse stoßen wird, die die Kosten deutlich spüren, wenn sie große Technikteams für die Produktion eines hochwertigen Programms in alle Welt schicken. "Die einzigartige Integration von Lawo-Technik ist der Schlüssel, um Budgets vor Ort minimal zu halten und es YLE gleichzeitig zu ermöglichen, qualitativ hochwertigen Output für ihre Sendungen zu liefern", betont Helkamaa.

Viele Fernsehsender hätten sich in der Vergangenheit gegen die Idee gesträubt, den Inhalt für ihre Übertragungen quasi ferngesteuert zu erhalten. Durch die einfache Nutzung und Sendeproduktion - gepaart mit Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit und ermöglicht durch eine Verkettung von Lawo Produkten - könne diese Idee jetzt professionell umgesetzt werden. Der Erfolg von YLE und SVT in Kanada werde andere Broadcaster überzeugen, zukünftig nur das absolut notwendige Personal in das Gastgeberland zu schicken und somit ihr Budget zu reduzieren. Die dadurch frei werdenden finanziellen Mittel könnte man stattdessen zum Ausbau der Audio-Ausrüstung zu Hause nutzen.

“Durch die Simulation eines WAN- und der MTX-Fernsteuerung haben wir den Netzwerktest bei DSA Volgmann in Köln erfolgreich abgeschlossen. Schon jetzt sind wir überzeugt, dass dieses verteilte Produktionsmodell sehr gut funktionieren und ein Maßstab für andere Broadcaster sein wird, die ihre Produktionskosten vor Ort senken wollen”, fasste Helkamaa zusammen.


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