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Die „Gunners“ schießen schärfer

Als weltweit erstes Fußballstadion ist das neue „Emirates Stadion“ des Arsenal FC im Nordosten von London mit HD-Streaming-Technik ausgestattet worden. Es verfügt außerdem über ein modernes HDTV-Produktionsstudio. Hier werden Live-Inhalte zusammengestellt, verwaltet und im Digital-Signage-Verfahren auf 450 große LC-Displays im Stadion verteilt. Ziel ist, die Fans besser zu unterhalten und zu informieren. Maßgeblich an Planung und Umsetzung der Installation beteiligt war Sony Professional Services.

Zwei rostige Kanonen stehen vor dem neuen „Emirates Stadium“ in Islington, nordöstlich von London. Hier ist seit Juli 2006 der Arsenal Football Club (FC) zu Hause. Der hat in seinem Club-Wappen ebenfalls eine Kanone. Und die Fans nennen ihre Arsenal-Spieler „Gunners“, was soviel heißt wie Kanoniers. Das hat eine lange Tradition. Der Arsenal FC wurde schließlich schon 1886 gegründet, was aber nicht heißt, dass er ein altmodischer Verein ist. Ganz im Gegenteil. Das neue Stadion gehört zu den modernsten der Welt. Seine Einrichtung an Netzwerk-, IT- und Audiovisionssystemen gilt weltweit als einmalig. „Wir haben eine fantastische Technologie überall im Stadion“, schwärmt Frank McLintock, ehemals rechter Verteidiger, Arsenal-Mannschaftsführer und auch Kapitän der schottischen Nationalmannschaft. Der verdiente Ex-Profi hat im neuen „Emirates Stadion“ von Arsenal eine eigene Zuschauer-Box und lädt dorthin gerne gute Freunde ein. „Wir kommen nach einem Spiel selten früh aus dem Stadion heraus. Man fühlt sich dort einfach wohl“, berichtet er.
Genau das ist auch Zweck des umfangreichen Entertainment-Angebots einschließlich der medientechnischen Installationen im Stadion gewesen. „Die Fans bleiben nun länger hier und geben dann auch mehr Geld aus“, erklärt Adrian Ford, Commercial Director des Arsenal FC. Sie sollen nicht nur das Spiel ansehen, sondern auch andere Unterhaltungsangebote und Services nutzen. Dazu gehören Fanshops, Catering-Betriebe, ein Arsenal-Museum, ein Kino und auch der Einsatz des vereinseigenen TV-Kanals mit Hintergrundberichten über die Club-Aktivitäten, aktuelle Spielanalysen und Interviews nach einer Partie.
„Früher waren die Fans im Schnitt gerade mal fünf Minuten vor und nach dem Spiel im Stadion, nun sind es 30 Minuten“, sagt Ford. Das bedeutet höhere Einnahmen für den Club.

„Fußball ist Geschäft“, betont auch Arsenals Managing Director Keith Edelman. Sehr wichtig für die Club-Einnahmen sei das Stadion. Das alte Highbury-Stadion, in dem der Club 93 Jahre zu Hause war, hatte nur 38.000 Plätze insgesamt und darunter gerade mal 600 Premium-Plätze für die VIPs. Außerdem gab es kein Platz für Service-, Unterhaltungs- und Gastronomie-Angebote.
„Um unsere Fans optimal zu bedienen, haben wir hier deshalb sehr viele innovative Dinge getan, die sonst nirgends zu finden sind. Das ist wichtig. Schließlich bewegen wir uns in einem virtuellen Spirale: Mehr Fans bedeuten mehr Einnahmen und mehr Geld für die Spieler. Das sorgt für Erfolg und der wiederum für noch mehr Einnahmen“, meint er.

Das neue Stadion hat sich der Arsenal FC deshalb auch ganz schön was kosten lassen. 450 Millionen Pfund, also rund 680 Millionen Euro, hat er dafür ausgegeben. Mit der Projektplanung wurde zwar schon 1998 begonnen, die Finanzierung stand aber erst im Februar 2004.
Das neue „Emirates Stadion“ in Islington hat nun eine Kapazität von 60.400 Plätzen, darunter befinden sich 9.000 Premium-Plätze. Es ist so konzipiert, dass es nicht nur für Fußballspiele, sondern auch für andere Veranstaltungen flexibel eingesetzt werden kann. Dafür war laut Edelman der Einsatz modernster Technologie für Information und Entertainment sowie und ein umfangreiches gastronomisches Angebot sehr wichtig.

HD für die Videoübertragung
Arsenal suchte deshalb nach einem umfassenden AV/IT-Lösung, die den höchsten Anforderungen gerecht werden sollte. Man setzte dabei von Beginn an auch auf High-Definition (HD) als Videoübertragungsstandard im Stadion.
Auf eine entsprechende Ausschreibung hin bewarben sich viele bekannte Unternehmen wie Mitsubishi, Samsung und JVC. Den Zuschlag bekam am Ende jedoch Sony Professional Services.
Sony wurde ausgewählt, weil das Unternehmen als einziges in der Lage war, komplette Workflows von der Content-Akquisition über Produktion und Management bis hin zum Playout mit eigenen Systemen zu realisieren. „Unserer Ansicht nach ist es wichtig, dass bei einer aufwändigen AV-Installation alle Glieder einer Technik-Kette gut zusammenpassen. Nur so kann man am Ende auch ein optimales Ergebnis erzielen. Sony ist ein Pionier in der HD-Entwicklung. Wir waren deshalb sicher, von dem Unternehmen auch eine zukunftssichere Lösung zu erhalten“, meint Ford. „Uns war klar, dass HDTV als noch recht junge Technologie besondere Herausforderungen mit sich bringt. Wir wollten unseren Fans aber ein ganz besonders hochwertiges Seh- und Unterhaltungserlebnis vermitteln. Und Sony war der einzige Anbieter, der uns dafür eine echte End-to-End-Lösung anbieten konnte“, betont der Commercial Director des Arsenal FC.
Für Sony selbst ist die Installation im „Emirates Stadion“ ein echtes Vorzeigeprojekt. Man setzt darauf, künftig weitere Stadien ähnlich ausstatten zu können. „Sony ist stolz darauf, das Herz der Content-Produktion im neuen Emirates Stadion von Arsenal zu sein“, erklärt Sid Stanley, Senior Manager von Sony UK. Dabei seien die Anforderungen von Arsenal für eine HD-Lösung durchaus eine Herausforderung für alle Beteiligten gewesen. Durch die enge Verbindung von Sony Professional Services mit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie den Produktionsstätten von Sony sei man aber in der Lage gewesen, diese Herausforderung zu meistern.

Realisiert wurde die Installation auch in enger Zusammenarbeit mit dem britischen Systemintegrator und Sony-Partner Venue Solutions. Das Design der integrierten AV/IT- und Digital-Signage-Lösungen stammt von der Sony-Abteilung Retail, Transport und Venue unter Leitung von Direktor Eric Siereveld.
„Die von Sony gelieferte End-to-End-AV/IT-Lösung kombiniert HD-Broadcast-Produkte mit modernster Streaming- und Content-Management-Technologie. Sie ist unübertroffen in der Bildqualität und den kreativen Möglichkeiten, gleichzeitig aber einfach und kostengünstig zu installieren“, betont Sony-Projektmanager Chris Davidson.
Als Backbone des Systems dient ein HD-fähiges Glasfasernetzwerk im Stadion. Eingespeist werden die Signale von einem HD-Produktionsstudio aus, das sich ebenerdig, in direkter Nähe zu den Ü-Wagen-Stellplätzen befindet. Es ist so in der Lage, die Signale der Ü-Wagen einfach abzugreifen und zu verarbeiten, zusammen mit weiteren Signalen von Satelliten, von View-Playern, Recordern oder auch den Arsenal-eigenen Kameras im Stadion. Mit IPTV-Kameras werden einzelne Spieler während einer Partie kontinuierlich verfolgt, um später in Arsenal TV eine detaillierte Analyse vornehmen zu können. Eine Drahtlos-Kamera ist zudem im Bereich des Tunnels, durch den die Spieler einlaufen, im Einsatz.

Vom HD-Produktionsstudio aus werden Inhalte mit Hilfe von HDSDI-Multicast-Stream-Encodern von Tandberg als HD-MPEG4-Streams (H264/AVC) in das Stadion-LAN (Local-Area-Network) eingespeist und auf 450 40“ Sony-LC-Displays verteilt (mit 15 Mbit/s). Das Netzwerk verfügt über insgesamt 3.500 Anschlusspunkte im Stadion. Auch die beiden großen Mitsubishi-LCDs in der Arena können bespielt werden, ebenso wie 50 weitere LCD-Screens in den Shops rund um das Stadion herum. Ein Kernelement der Lösung ist Sonys ICS-FW40 Streaming-Receiver-Karte, die in jedes LCD eingebaut wurde. Die Karte funktioniert nicht nur als Stream-Decoder, sondern erlaubt auch direkte Kontrolle und Überwachung der Inhalte, die auf jedem einzelnen Display gezeigt werden.
Im HD-Produktionsstudio befindet sich eine Regie mit 17“ Sony-LCD-Monitoren und einem Sony-Mischer MFS 2000. Außerdem sind hier die Tandberg-Encoder (EN 5900), Miranda-Bildspeicher und Grafik-Systeme untergebracht.

Content managen mit Ziris-Software
Inhouse-Content-Erstellung und -Management geschieht mit Sonys neuer Ziris-Software. Sie bildet auch die zentrale Komponente bei der Realisierung von so genannten Digital-Signage-Lösungen. Hierbei lässt sich im Prinzip jeder einzelne Monitor getrennt mit speziellen Inhalten bespielen. Im „Emirates Stadion“ ist man jedoch noch längst nicht so weit. Zurzeit werden hier erst drei verschiedene Streams im Stadion verbreitet. Das soll aber noch ausgebaut werden.

Im Produktionsraum wird auch das Post-Match-Programm erstellt. Die Bilder können ergänzt werden durch Textinformationen, Grafik-Elemente und Split-Screen-Effekte. „Auch das ist ein wichtiges Element der Lösung“, meint Davidson.
Neben der Unterhaltung sei wichtige Aufgabe des Systems auch, Besucher an bestimmten Stellen des Stadions gezielt mit Informationen zu versorgen. Neben den Spielberichten und Entertainment-Angeboten können die Monitore auch für wichtige Informationen und Sicherheitshinweise genutzt werden. Beispiel: Vor einer Getränkeausgabe bildet sich ein Stau. Die Leitstelle sieht das über die Überwachungskameras und kann über die Monitore an dem entsprechenden Tresen die Wartenden umgehend informieren, wo weniger Betrieb ist und wie sie dort am einfachsten hingelangen. Auf den Monitoren lassen sich zudem Werbespots der Stadion-Shops abspielen.
Neben den großen Displays gibt es auch interaktive Info-Terminals im Stadion. Hier kann man zum Beispiel einen Tisch im Club-Restaurant reservieren oder sich über die aktuellen Angebote im Fanshop informieren. Die Investitionen in das HD-Netzwerk im Arsenal-Stadion beziffert Manager Edelman auf sechs bis sieben Millionen Pfund.
Sony hat neben dem HD-Streaming-Netzwerk und den dafür wichtigen AV/IT-Komponenten auch Equipment an den Arsenal FC geliefert, unter anderem für den Presseraum, das Stadion-Kino und den Konferenzraum. Demnächst sollen dort auch Sony SXRD 4K-Projektoren zum Einsatz kommen. Außerdem soll das Streaming-Angebot ausgeweitet werden. „Bislang funktioniert das Netzwerk prima“, berichtet Projektmanager Davidson.

Bei Arsenal ist man mit Sonys Leistungen bislang sehr zufrieden. „Sony war in der Lage, uns die gewünschte modernste HD-Lösung zu liefern, die uns erlaubt, Inhalte zu verbinden und individuell an einzelnen Fangruppen zu adressieren. Sonys Support-Leistungen bei diesem Projekt waren bislang außerordentlich“, betont Richard Glover, Manager Digital Products bei Arsenal.
Und Arsenal Managing Director Edelman sagt: „Sony hat einfach die richtige Einstellung für eine gute Partnerschaft. Ohne Sony hätten wir nicht ein so tolles Stadion mit so fantastischen Unterhaltungsmöglichkeiten.“

Das HDTV-Streaming-Netzwerk macht das „Emirates Stadion“ heute zu einem der modernsten Sportstätten der Welt. In fünf Jahren aber, davon geht man bei Sony aus, wird das in großen Sportarenen Standard sein. Das frühe HD-Engagement passt indes gut zu Arsenals Club-Motto „Tradition mit Vision“. Die Kanonen vor dem Stadion haben so gesehen nur noch eingeschränkte symbolische Bedeutung. Kristallscharfe HD-Bilder illustrieren die Schussstärke der „Gunners“ deutlich besser.
Eckhard Eckstein (MB 04/07)




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