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Digitalmischsysteme im MMZ

Im Juni 2007 wurde das neue MMZ in Halle eröffnet, und gleich zwei Harrison-Digitalmischsysteme fanden hier den Einzug: eine MPC4-D und eine Trion Post. Eine gute Gelegenheit, das MMZ und die Harrision-Mischkonsolen und deren Technik näher vorzustellen.

Harrision ist kein Unbekannter im TV- und Filmsegment. Die erste Harrison-Konsole wurde vor über dreißig Jahren ausgeliefert, und bisher fanden über 1.500 Harrision-Pulte den Weg in die Produktionsstudios.

Technisches Konzept
Die technische Basis, sowohl für die große Harrison „MPC4-D“-Filmkonsole als auch für die „Trion“-Post/Broadcast- und „Air 24/7“-On-Air-Konsole, basiert auf dem modularen „Xrange“-Audiosignalverarbeitungssystem von Harrison. Die Systeme unterscheiden sich lediglich in der Systemgröße und der Applikations-zugeschnittenen Software und der Mischpultoberfläche. Erstmals kommt bei einem Mischpult dieser Größe und Klasse reine native Audiosignalverarbeitung zum Eissatz – das heißt, es werden keine speziellen Audio-Signalprozessoren eingesetzt, sondern die Verarbeitung erfolgt auf PCs.

Die Leistungsfähigkeit von PCs hat ja in den letzten Jahren rasant zugenommen und kann mittlerweile den DSPs Paroli bieten. Beim Xrange werden PCs mit Opteron CPUs unter dem Linux-Betriebssystem eingesetzt. Ein einzelner PC reicht natürlich nicht aus, um alle Audiobearbeitungsfunktionen zu gewährleisten. Daher kommt ein Rechnerverbund mit mehreren „Xengine“ genannten PCs zum Einsatz. Die Rechner sind untereinander mit Gigabit-Ethernet, und zwar mit einem proprietären Protokoll, vernetzt. Ein Master-Rechner wird unter anderem für die Automation und „IKIS“ genannte Bedienoberfläche abgestellt. Eine Xengine vermag Rechenleistung für 40 Audiokanäle in 64 Bit Floating Point, beziehungsweise 80 Kanäle in 32 Bit Floating Point bereitzustellen.

Als Abtastraten lassen sich 48, 96 oder 192 kHz betreiben. Dabei gibt es kein DSP-Pool wie bei anderen Systemen, sondern in jedem Kanal stehen unter allen Betriebsbedingungen immer alle Funktionalitäten gleichzeitig zur Verfügung. Weiter gibt es im System einen Hardware-basierenden Router. Ein „Xrouter“ vermag 1.536 Audio-Ein- und Ausgänge zu verschalten und zwar 512 I/Os über MADI (16, 20 oder 24 Bit mit Dithering, Koax/BNC- oder Fibre-Schnittstellen) und 1.024 über Ethernet. Bei Bedarf lassen sich mehrere Router zusammenschalten. Die Latenz des Routers beträgt lediglich acht Samples. Erstaunlich ist, dass durch das native Prozessing die Durchlaufzeit nur unwesentlich erhöht wird. So beträgt die Gesamtdurchlaufzeit mit Router lediglich 14 Samples, also für die Praxis unbedeutend.

Die Module der Mischpultoberfläche sind via USB angeschlossen. Die Mastermodule werden auf die individuellen Kundenwünsche hin gefertigt. Für Besitzer alter Harrision-Pulte ist interessant, dass die älteren Modelle ohne Xrange-Technik sich umrüsten lassen. Die Trion-Konsole wird übrigens in Größen mit 16, 24, 32, 40, 48 oder 64 Fader-Strips angeboten, wobei verschiedene Applikations-spezifische Center-Sektionen zur Verfügung stehen wie Film/Post, Broadcast/Alive.

Bedienung und Handhabung
Statt einer Meterbridge-Anzeige mit fest zugeordneten Anzeigen gibt es bei den Harrison-Konsolen TFT-Displays, die verschiedene Funktionen übernehmen können. So lassen sie sich zur Anzeige eines Channel- oder Meter-Display sowie zur Anzeige der IKIS-Panel-Software nutzen. Die Drehgeber sind berührungsempfindlich, und dass Motorfader bereit stehen bei Bedarf ist ja beinahe selbstverständlich.

In einem Kanalzug ist die Reihenfolge der einzelnen Bearbeitungs- und Anzeigekomponenten über die IKIS Software frei wählbar. Jeder Kanal verfügt über zwei Eingänge, zum Beispiel, um zwischen zwei Quellen umschalten zu können oder als Eingang für Steuergrößen für Dynamic-Effekte wie Ducking. Die Kanaleinstellungen lassen sich komplett oder für jede einzelne Sektion speichern und laden.
Es können gleichzeitig mehrere Audioformate bearbeitet werden. Im Kanalzug ist die Darstellung des Surround-Pannings noch erwähnenswert. Die Darstellung ermöglicht eine sehr gute Übersicht über die Pegelzuordnung der einzelnen Surround-Kanäle.
Viele Konfigurationen lassen sich zentral über die IKIS Software erledigen. Bei der großen Funktionsvielfalt sollen hier nur einige der vielen Funktionen genannt werden: Über die Summit-Matrix lassen sich Subgruppen beziehungsweise Stamps erstellen, mit einer Speaker-Matrix lassen sich Lautsprecherkonfigurationen erstellen sprich Abhörmonitore zuordnen und Abhörformate festlegen.

In jedem Kanal steht unter anderem ein Achtkanal-Equalizer, Kompressor, Gate/Expander und ein Multifomat-Panner zur Verfügung. Bemerkenswert sind auch die verschiedenen, zusätzlich aufrufbaren Audioprozessoren und Bearbeitungswerkzeuge. Neben allgemeinen Tools wie einem linearphasigen Equalizer oder einem pegelabhängigem EQ, Multiband-Dynamic, De-Esser und De-Noiser gibt es noch sehr TV- und Film-spezifische Werkzeuge wie zum Beispiel Telefonfilter, spezielle dynamische Dialog-Filter, Reverb (Stadium Siumulatior), Filter zur Unterdrückung von Brummstörungen und Kamerageräusche etc.
Interessant ist noch zu erwähnen, dass mit IKISdirect auch die Kontrolle von Workstations wie Pro Tools oder Pyramix vom Harrision-Pult aus möglich ist.

MMZ in Halle
Nach vier Jahren Planung war es am 4. Juni 2007 soweit. Über 30 Unternehmen sind im Mitteldeutschem Multimediazentrum mittlerweile eingezogen und auf 6.000 qm Nutzfläche in drei Gebäudekomplexen tätig und zwar von der Werbung und Film- und Fernsehproduktionsgesellschaften, Location-Scouter über Grafik-, Animationsstudios und Musikproduktion bis hin zu der Abteilung Medien- und Kommunikationswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – der größte Mieter des MMZ. Die Auslastung an Vermietung beträgt schon nach kurzer Zeit 100 Prozent, was auch den Bedarf in der Region widerspiegelt.

Ziel des MMZ ist es, Bildung, Wirtschaft und Entwicklung miteinander zu verknüpfen. Ein ganz wesentlicher Punkt für die Schaffung des MMZ war, dass in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bisher kein Filmstudio existierte, was auch sehr hohen Ansprüchen genügte. Die Produzenten zahlreicher in Mitteldeutschland gedrehter Filme mussten daher die Filmvertonung in anderen Standorten realisieren. So investierte man 35 Millionen Euro – alleine vier Millionen für den Studiobau.
Es existieren mehrere Kinos, etwa ein Kinosaal für 117 Sitzplätze. Das Kino ist auch für die Installation von IOSONO-Wellenfeldsynthese-Wiedergabe vorgesehen.
Für die Akustik des Mischraums war Michael Schreiber von der Münchener Firma ACM verantwortlich. Die F.E.G. Deutschland GmbH aus Hamburg war als Generalunternehmer tätig. Der Mischraum ist mit einer MPC4-D-Konsole mit 64 Kanalzügen und 240 Audiokanälen und Harrision Xdubber ausgestattet. Der Mischraum wurde nach THX und Dolby-Premium-Norm mit einer Gesamtgröße von 200 qm, zuzüglich zweigeschossigem Maschinenraum, geplant.

Als Audio-Workstation dienen zwei Pro Tools-HD-Systeme und als Videozuspieler Sony Beta SP/Digibeta J30 sowie Bonsai Harddisk-Player. Für 35-mm-Wiedergabe steht ein Sondor Kinoprojektor zur Verfügung. Die Kinotonbeschallung im Mischraum erfolgt über JBL-Lautsprecher, zusätzlich kommen Klein & Hummel O500 Lautsprecher für 5.1-Wiedergabe nach ITU-Konfiguration zum Einsatz. Die Klein & Hummel Lautsprecher lassen sich motorisch von der Decke herunterfahren wie auch eine vorversetzte Leinwand. So ist man sowohl für Film- als auch für DVD-Produktionen gewappnet.

METRIX GmbH
Einer der größten gewerblichen Mieter im MMZ ist die METRIX Media GmbH – eine der größten mitteldeutschen Post-Produktionsunternehmen und ein Schwerpunktträger im Haller Medienzentrum. METRIX wurde schon 1990 als Studio für Musikproduktion und Filmvertonung gegründet. Man entwickelte sich zunehmend in den Audio-Post-Produktions-Bereich. 1998 erfolgten hier die Produktionen – unter anderem die erste Spielfilmvertonung, der MDR-Tatort „Zeit der Rache“. 1999 startete dann die ARD-Serie „In aller Freundschaft“, die bis heute von METRIX bearbeitet wird.

Bei der Audio-Post-Production deckt METRIX das ganze Spektrum ab und zwar vom Dialogschnitt, Vertonung über Sounddesign, Sprach- und Geräusch-Synchronisation bis hin zur Filmmischung. In den letzten Jahren konnte sich METRIX im Bereich des TV-Spielfilms weiter etablieren. „Polizeiruf 110“ und „Bernsteinamulett“ sind zwei Beispiele. Aber auch TV-Serienproduktionen wie „SOKO Leipzig“ oder „Familie Kleist“ werden betreut. Durch die kontinuierliche Entwicklung wurde ein Umzug aus dem alten Standort in Halle nötig, und man zog also auch in das MMZ. Im neuen Post-Pro-Studio entschied man sich ebenfalls für eine Harrison Konsole und zwar vom Typ Trion Post.
Peter Kaminski (MB 11/07)

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