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Einfach und effizient

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Einfach und effizient

Das Red Bull Media House hat gemeinsam mit Partnern ein innovatives UKW-Event-Radio-System entwickelt. Es wird seit April 2016 erfolgreich bei Live-TV-Produktionen im Hangar 7 sowie bei Sport- und Kultur-Events eingesetzt.

Der Hangar-7 am Salzburger Flughafen ist eine angesagte Event Location. ServusTV nutzt den zum Red Bull Konzern gehörenden Veranstaltungsort für zwei wöchentliche Live-TV-Sendungen mit Publikum. Und auch Musik-, Kunst- und andere Kultur-Events sind hier gerne zu Gast. Auf Grund der besonderen architektonischen Gegebenheiten sind indes die akustischen Bedingungen in der Halle schwierig. Mit vielen kleinen Beschallungslautsprechern versuchte man sie zunächst in den Griff zu kriegen. Hangar-7-Gäste sollten ein möglichst gutes Hörerlebnis haben und auch mitbekommen, was auf den Podien gesprochen wird. Das gelang mehr recht als schlecht. Die Tonqualität blieb bescheiden und entsprach auch nicht den hochgesteckten Anforderungen an innovative Medientechnik.

Man entschloss sich nach einigen Überlegungen zur Audio-Versorgung der Event-Gäste ein In-ear-System zu nutzen. Red Bull Media House Chief Technology Officer Andi Gall entwickelte dazu die Idee eines UKW-Event-Radios. Zur Umsetzung holte man sich als externen Partner die in Salzburg beheimatete PPS Public Projects Services von Harald Winderle ins Boot. Der unterstützt das Red Bull Media House bereits seit dessen Gründung vor acht Jahren als Projekt-Partner.

„Wir haben auch mit Kollegen in Deutschland gesprochen, die im Gasometer eine ähnliche Diskussionssendung unter schwierigsten akustischen Bedingungen veranstalten. Auch die hatten keine passende Lösung parat“, berichtet Winderle.Der Gasometer war von September 2011 bis November 2015 TV-Kulisse für den Polit-Talk von Günther Jauch im Ersten. Seit Januar 2016 nutzt Anne Will die Location für ihre Talksendung.

Umstieg auf In-ear-Empfang

Im Hangar-7 wurden beim Umstieg auf den In-ear-Empfang im ersten Schritt UKW-Sender mit Standard-Empfängern eingesetzt. Aber auch damit war das Red Bull Media House am Ende nicht ganz zufrieden. Ein Problem war, dass die Nutzer der Empfänger unabsichtlich die Empfangskanäle verstellten und dann gar nichts mehr hören konnten. In den Veranstaltungspausen war dann der Technik-Support damit beschäftigt, die Empfänger wieder richtig einzustellen. Das Event-Radio sollte einfacher und weniger fehleranfällig funktionieren. Zudem sollte die Nutzung mehrerer Frequenzen möglich sein, um neben dem Originalton bei Bedarf auch klassische Dolmetscher-Einheiten anbinden zu können.

Nach einem Jahr Entwicklungszeit wurde im April 2016 erstmals ein neues UKW-Event-Radio-System eingesetzt. Derzeit verfügt das Red Bull Media House über zwei Sendeanlagen mit jeweils 1.000 Empfängern. Die Empfängerzahl kann jedoch jederzeit beliebig erweitert werden. Der UKW-Sender wird mit entsprechender Sendeleistung eingestellt, je nachdem welche Reichweite gefragt ist. Im Hangar-7 arbeitet man mit einer Sendeleistung von rund 200 Milliwatt. Möglich ist hier der Einsatz mit bis zu einem Watt. Am Red Bull Ring in Spielberg, wo das neue Event-Radio-System auch eingesetzt werden soll, sind Sendeleistungen von ein bis zwei Watt nötig, um alle relevanten Positionen der Rennstrecke bedienen zu können.

Für das Event-Radio sind frequenztechnische Genehmigungen erforderlich. Red Bull Media House ist in Deutschland bereits im Gespräch mit den zuständigen Behörden, um einen effizienten Weg für solche Genehmigungen zu bestimmen. In Österreich arbeite man in Sachen Frequenzgenehmigung mit dem Partner ORS (Österreichische Rundfunksender GmbH & Co KG), Serviceunternehmen für analoge und digitale Rundfunkübertragung und Tochter des ORF, zusammen.

Einsatz auch in Sportstätten

Neben dem Hangar-7 soll das UKW-Event-Radio auch im Salzburger Fußball- und Eisstadion eingesetzt werden, ebenso wie am schon erwähnten Red Bull Ring. Dort fand Anfang Juli das Formel 1-Rennen „Großer Preis von Österreich“ statt.

In Deutschland planen das Fußballstadion von RB Leipzig sowie das Eishockey-Stadion vom EHC Red Bull München das Event-Radio einzusetzen. Hier bemüht man sich überall um feste Frequenzen, die man jederzeit aktivieren kann. Daneben lässt sich das System indes auch an beliebigen Orten einsetzen, wenn man zeitlich befristete Frequenzen nutzen kann. „Das Event-Radio bietet inhaltliche Zusatzinformationen und überträgt nicht den Ton, der bereits über die Außenlautsprecher läuft. Das ist wie eine Art Second Screen für Audio“, erklärt Winderle. Bisher werden in den Stadien meist VIP-Kunden mit dem Event-Radio ausgestattet, im Hangar-7 alle Zuschauer der dortigen TV-Produktionen. Neben einem kleinen Empfänger bekommen alle auch Kopfhörer, die sie danach behalten können. Der Empfänger muss wieder abgegeben werden und kann auch mit einer Diebstahlsicherung versehen werden. Nutzen kann man ihn indes auch nur für das voreingestellte Event-Radio und nicht etwa für andere Programme. So bietet der Empfänger nur die Möglichkeit, zwischen drei Frequenzen hin und her zu schalten. Wenn nur ein Programm angeboten wird und keine Übersetzung dazu, dann läuft es auf allen drei Frequenzen. Der Nutzer kann sich also gar nicht mehr verschalten. Denkbar einfach ist auch der Einschaltvorgang des Empfängers. Er ist in dem Moment angeschaltet in dem der Kopfhörerstecker in die Kopfhörerbuchse gesteckt wird. Die Lautstärke ist voreingestellt und kann dann lauter oder leiser gestellt werden. Bei lediglich zwei Knöpfen für Frequenzwahl und Lautstärke sind Einstellfehler am Empfänger nicht mehr möglich.

Event-Radio mit PI-Codes

Besonders interessant ist, dass das System nicht nach Frequenzen sucht, sondern nach so genannten PI-Codes (Programme Identification Code). Diese werden von UKW-Hörfunksendern als Identifikator abgestrahlt und ermöglichen die Zuordnung zu einer Programmkette. „Wir haben drei PI-Codes zugewiesen bekommen bei der jeder mit einer von drei Frequenzen verknüpft ist. Der Sender schaut dann, ob irgendwo der PI-Code enthalten ist, den er braucht. Das heißt, wir können bei unterschiedlichen Event-Locations mit unterschiedlichen UKW-Frequenzen arbeiten. Das ist technisch sehr innovativ. Bislang wurden bei Event-Radios noch nie PI-Codes genutzt, um Frequenzen zu bestimmen“, sagt Winderle. Nach Einstecken des Mikrofones wird 15 bis 30 Sekunden das ganze UKW-Frequenzband nach den gesuchten Sendern gescannt. Die erste Frequenz wird dann auf den ersten PI Code gesetzt, der zweite auf den zweiten, der dritte auf den dritten. Wie bei einer Kreuzschiene können die Frequenzen beziehungsweise die Kanäle auch während einer Übertragung einfach umgeschaltet werden. „Egal ob man in fixed Locations oder anderswo ist, die Veränderung der Frequenz, die Location abhängig nötig ist, hat keine Auswirkungen auf die Einstellungen des Empfängers“, betont Winderle.

Das technische Set-up des neu entwickelten Event-Radios besteht aus einem Rollcontainer mit Ladestationen für die Empfänger und einem Rollcontainer mit dem Senderequipment. Senderseitig wird ein Standardgerät von ThüCom Systems eingesetzt, einem Thüringer Systemdienstleister für professionelle Rundfunksysteme, und dessen Einstellungen an die spezifischen Erfordernisse adaptiert. Winderle: „Dabei geht es unter anderem um Bandbreitenanpassungen damit der RDS-PI-Code eindeutig erkannt wird.“

Ein weiterer Rollcontainer beherbergt die Empfänger und deren Ladestationen. Je 180 davon sind in Kofferschubladen untergebracht. Die Koffer können auch einzeln eingesetzt werden. Durch den modularen Aufbau des Empfangsequipments lässt sich das nötige Event-Radio-Set-up je nach Größe eines Events passgenau gestalten. Die Batterien der Empfänger halten mindestens acht Stunden.

Geplant ist, das vom Red Bull Media House entwickelte Event-Radio-System auch Dritten verfügbar zu machen. Winderle: „Wenn wir unsere eigenen Spielstätten am Laufen haben und Erfahrungen dort gesammelt haben, dann werden wir das System natürlich auch zur Miete anbieten — mit entsprechendem Betreiberpersonal, das den kompletten Service vor Ort abwickelt.“ Die Anwender waren bislang mit dem neuen UKW Event-Radio sehr zufrieden. Gelobt wurden insbesondere die Klarheit des Senders ohne jedes Rauschen, die Einfachheit und die damit verbundene geringe Fehleranfälligkeit.

Eckhard Eckstein

© Harald Winderle

MB 3/2016

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