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FIFA testet Video-Schiedsrichterassistenten

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FIFA testet Video-Schiedsrichterassistenten

Bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2016 in Japan (8. - 18. Dezember in Yokohama and Osaka) ist unter Führung der FIFA das erste Live-Experiment mit Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) über die Bühne gegangen. Sieben VSA wurden dafür geschult. Bei den Partien standen ihnen Aufnahmen aus bis zu 23 Kamerawinkeln zur Verfügung.

"Es gab eine enorme Erwartungshaltung und sehr viel Vorbereitung auf dieses VSA-Projekt. Ich finde es sehr aufregend, hier bei diesem Turnier dabei zu sein", sagte der U.S.-amerikanische Schiedsrichter und VSA Mark Geiger.

Auch der Niederländer Danny Makkelie als Leiter für die Auswertung der Bilder der Hawk-Eye-Technologie zuständig. "Es ist großartig, jetzt bei einem FIFA-Turnier live dabei zu sein, nachdem wir im Laufe des Jahres sehr intensive Vorbereitungen betrieben haben", so Makkelie, der bereits im niederländischen Pokalwettbewerb als VSA tätig war. "Die Kommunikation und die Kooperation während dieser ersten Spiele waren exzellent. Es gab durchaus einige Situationen, in denen wir genau hingeschaut haben, aber noch kein offizielles Eingreifen, da es hierfür noch keinen Grund gab."

Die VSA überprüfen während des gesamten Spieles Situationen um festzustellen, ob es möglicherweise Fehlentscheidungen gegeben hat, die den Verlauf des Spiels beeinflussen, oder ob schwere Vergehen unbemerkt blieben. Liegen solche Situationen nicht vor, ist auch keine Kommunikation mit dem Schiedsrichter erforderlich. "Dies nennen wir 'stille Überprüfung'. Zeigt sich bei einer solchen Prüfung allerdings, dass eine genauere Überprüfung nötig wird, muss der Schiedsrichter sofort informiert werden. Falls ein Schiedsrichter selbst vermutet, dass eine Fehlentscheidung vorliegt oder ein wichtiger Zwischenfall übersehen wurde, kann er von sich aus eine Überprüfung anfordern. Wichtig ist dabei, dass die endgültige Entscheidung darüber und auch über das Ergebnis der Überprüfung stets beim Schiedsrichter liegt."

Ein weiteres Grundprinzip besteht darin, dass der Schiedsrichter immer selbst eine Entscheidung treffen muss, einschließlich der Entscheidung, dass kein Regelverstoß vorliegt. Dies erfolgt unabhängig von den VSA.

"Wir arbeiten genau so, wie wir immer schon gearbeitet haben", so der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai. "Alle Entscheidungen werden vom Schiedsrichter und den Schiedsrichterassistenten getroffen. Nur falls es notwendig wird, können die VSA bei eklatanten Fehlentscheidungen helfend eingreifen. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass im Hintergrund jemand helfen kann. Andererseits denken wir beim Leiten eines Spieles nicht ständig an das neue System."

Massimo Busacca, der Leiter der Abteilung Schiedsrichterwesen bei der FIFA, ist überzeugt, dass eine fortdauernde Schulung der Offiziellen auch weiterhin entscheidend ist. "Für die Schiedsrichter bedeutet es eine ganz neue Erfahrung, dass jemand von außerhalb ihnen Informationen geben kann, die möglicherweise der eigenen Einschätzung einer Situation widersprechen", so Busacca. "Im Laufe der Zeit wird sich das Verständnis zwischen Schiedsrichtern und VSA immer weiter verbessern. Dazu tragen die Spiele und die Schulungssituationen bei, in den wir echte Spielsituationen nachstellen."

Die Technologie dient zur Korrektur klarer Fehlentscheidungen in spielentscheidenden Situationen, so wie es im Protokoll des IFAB festgeschrieben ist, dem Gremium, das die Fussballregeln festschreibt und das für die zweijährigen Experimente verantwortlich ist. Die FIFA Klub-Weltmeisterschaft diente als Test, um herauszufinden, ob Anpassungen dieses Protokolls erforderlich sind, bevor 2017 globale Live-Experimente beginnen. (1/17)

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