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Gut gerüstet

Die NOB Studios GmbH, Hürth, firmiert seit April 2007 als nobeo GmbH. Der Technikdienstleister für Fernsehproduktionen, der seit 2004 zur niederländischen UBF Media Group gehört, hat damit auch namentlich die Trennung vom früheren Mutterhaus NOB, Hilversum (Niederlande), vollzogen. nobeo hat außerdem in modernste HD-Fernsehproduktionstechnik und in einen neuen Gebäudekomplex investiert.

„NOB ist tot, es lebe nobeo“, verkündete Christoph von Borries am 29. März auf der Einweihungsfeier der neuen High-Definition-Regie von Studio 6 und eines neuen Lofthauses des Hürther Produktionsunternehmens. „Mit nobeo haben wir einen Namen gefunden, mit dem wir nahtlos an unsere hervorragende bisherige Entwicklung anknüpfen können. Er baut auf diesem Erfolg auf und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten. So planen wir unter dem neuen Namen in naher Zukunft den Ausbau unserer Außenproduktionsaktivitäten“, sagte der Geschäftsführer der nobeo GmbH.

Die Umfirmierung war für die NOB Studios GmbH notwendig geworden, nachdem die französische, zum Thomson-Konzern gehörende Firma Technicolor die niederländische NOB inklusive aller Namensrechte übernommen und Technicolor zudem einen möglichen Markteintritt in Deutschland unter dem Namen NOB avisiert hatte.
Seit 2004 ist die nobeo GmbH ein Tochterunternehmen der UBF Media Group, Hilversum (Niederlande). Die UBF Media Group ist ein Full-Service-Anbieter mit etwa 850 fest angestellten Mitarbeitern in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Portugal (www.ubfmediagroup.com).
Der neue Namen nobeo setzt sich aus dem alten NOB und dem Beo, dem Namen eines in Neuseeland beheimateten Vogels zusammen. Der Beo wurde von nobeo auch als Wappentier und Logosymbol ausgewählt. Und für die vier Beos im Kölner Zoo übernahm nobeo dann auch gleich die Patenschaft. Beos gelten als äußerst intelligente, trickreiche Vögel, Eigenschaften, die nobeo sicher auch im Broadcast-Geschäft hilfreich sind.

Das Hürther Unternehmen setzt indes nicht nur auf Symbolik, sondern auch auf neue Technik und Arbeitsfläche. Das neu errichtete Lofthaus auf dem nobeo-Studiogelände bietet nach nur sechs Monaten Bauzeit 1.400 m2 neuen Büroraum, teilweise mit Terrasse, sowie im Erdgeschoss Platz für ein neues großes AV-Lager, Werkstätten und mehrere Ü-Wagen. In der UBF-Unternehmensfamilie von nobeo existieren insgesamt 22 Ü-Wagen, darunter neun in HD-Technik. Um den Bereich Außenproduktion auszubauen, beteiligte sich nobeo 2001 am baden-württembergischen Ü-Wagen-Dienstleister TV-Unit. TV-Unit plant derzeit den Bau eines neuen HD-Ü-Wagens. Er soll unter anderem als erster Ü-Wagen mit dem neuen großen Lawo-Tonpult MC2 90 ausgerüstet werden.

Regie 6 in HD-Technik
Mit der neuen Regie 6 steht bei nobeo nun eine der modernsten und leistungsfähigsten Fernsehregien Europas zur Verfügung. Gleichzeitig ist dies die erste HD-Festregie in Deutschland. nobeo ist damit der einzige deutsche Studiodienstleister, der seinen Kunden hoch auflösende Studioproduktionen mit einer fest installierten Regie anbieten kann. Unter den vielen besonderen Features, mit denen die Regie von Studio 6 aufwarten kann, befindet sich auch das erste LAWO mc2 90 Audiomischpult überhaupt.
Der Umbau der Regie ging, wie auch der Bau des neuen Lofthauses, sehr rasant über die Bühne. Die alte SD-Produktionsregie wurde im Januar 2006 entkernt. Am 12. Februar wurde dann damit begonnen, neue Kabel einzuziehen und Technikschränke einzubauen. Insgesamt 35 km Kabel wurden dabei verbaut. Bei den Videokabeln setzte man auf Draka-, bei den Audio-Kabeln auf Kabeltronic-Produkte. Im Glasfaserbereich wurden Kabel von Osi Rosenberger verbaut.
Als Generalunternehmer zeichnete Sono Studiotechnik in München verantwortlich. Das nobeo-Projekt ist bislang für das Unternehmen eines der größten mit Schwerpunkt Video. Bei der Videoplanung wurde, wie in der Vergangenheit schon öfter, eng mit dem Mirus Broadcast Design zusammen gearbeitet. Im Akustik-Design und beim Möbelbau kooperierte Sono mit den Münchner Unternehmen HMP Akustik und Möbelkonzept H.
In Betrieb genommen wurde das neue Studio am 21. März im Rahmen einer „Stern-TV“-Produktion. „Das Kundenvertrauen in unsere Arbeit war sehr groß. Trotz relativ kurzer Integrationsphase von nur fünf Wochen wurde bereits früh die erste Live-Sendung aus dem neuen Studio geplant“, erklärt Jürgen Konrad, Sono-Manager Sales&Mobile Broadcast. „Das kam einer fliegenden Abnahme gleich.“

Sono-Chef Gottfried Düren zeigt sich beeindruckt von der ausgezeichneten fachlichen Zusammenarbeit mit den nobeo-Experten. „Wir hatten nur drei große Planungssitzungen, jeweils von neun Uhr morgens bis Mitternacht. Dann stand das Ding“, berichtet er. „Bei nobeo wusste man schon ziemlich genau, was man wollte, und es fiel uns deshalb leicht, die Ziele gemeinsam zu präzisieren“, sagt er. Viele gute Ideen hätte Sono im Bereich Signal Processing einbringen können.
„Bei nobeo legte man sehr großen Wert auf die Vielseitigkeit der eigentlich dem Studio 6 zugeordneten neuen Regie. Da sie aber relativ zentral im nobeo-Studiogelände liegt, kann man aus dieser Regie jedoch auch Produktionen in allen anderen Studios fahren. Die Bandbreite der Produktionen reicht dabei von kleinen Shows bis zu sehr großen Events“, berichtet Sono-Projektleiter Stefan Krömer. „Die Anforderungen an die Regie variieren also enorm.“

Studio 6, in dem hauptsächlich „Stern-TV“ produziert wird, verfügt über acht LDK 6000 von Grass Valley. Die SD/HD-Kameras werden hier zwar nur für SD-Produktionen genutzt, können aber bei Bedarf auch für HD-Produktionen innerhalb der Gruppe eingesetzt werden. Ein eigener AV-Service von nobeo wartet die Systeme.
nobeo hat laut Sono-Manager Konrad früh damit angefangen, Studios und die passende Technik dazu frei zu mischen, um eine gewisse Zukunftssicherheit hinsichtlich neuer Produktionsformen zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund sei auch der HD-Aspekt zu sehen. Die HD-Technik wurde eingebaut, obwohl konkret noch keine HD-Produktion anstand. „Produktionsdienstleister fahren heute besser, wenn sie keine Festlegungen mehr hinsichtlich des eigenen Leistungsportfolios treffen, sondern ihren Kunden stattdessen durch neue, flexibel einsetzbare Techniken auch ganz neue Möglichkeiten eröffnen“, meint Konrad. „nobeo wollte deshalb einen innovativen Ansatz mit hybriden SD/HD-Strukturen im Studiokomplex umsetzen.“ Auch in anderen Bereichen wie in der Außenproduktion und in der Postproduktion habe der Hürther Produktionsdienstleister in der Vergangenheit schon oft moderne, innovative Technik eingesetzt, so auch bei den Reality-Show-Projekten „Die Alm“ und „Die Burg“.

Konrad: „Hybridtechnik war gefordert, um komplette SD- und HD-Projekte realisieren, um auch auf kurzfristige Kundenwünsche reagieren und um besser innerhalb der nobeo-Technik Geräte und Systeme tauschen zu können. Sowohl auf der Bildmischerseite als auch auf der Aufzeichnungsseite und bei den Vorschauen hat man größten Wert darauf gelegt, offen zu sein für die neuen Formate. Gerade was die Kreuzschiene anbelangt, hat man so groß gebaut, dass man sowohl mit der jetzigen Technik schon sehr viel, später mit modular erweiterbare Technik aber noch viel mehr machen kann.“

Geräteraum
Zu den im Zentralen Geräteraum (ZGR) der neuen Regie installierten Gewerken gehört unter anderem die digitale SD/HD Video-Kreuzschiene Trinix von Grass Valley (160 In, 256 Out). Im Tonbereich wird eine Nova 73 HD Kreuzschiene mit 576 × 548 Crosspoints eingesetzt. Die Kreuzschienensteuerung erfolgt über einen Virtual-Studio-Manager (VSM) von Broadcast Solutions. „Der VSM war eine ausdrückliche Empfehlung von uns, um nobeo auf der Produktionsseite eine möglichst hohe Flexibilität zu gewährleisten, gerade in Hinblick auf Audio- und Video-Zusammenschaltbarkeit oder -Verkopplung, auch in Hinblick auf 5.1 mit logischen Steuerungsprozessen. Das VSM ist das einzige System das zusätzliche virtuelle Steuerungsebenen einziehen kann“, erklärt Konrad.
Eingesetzt wird zudem eine KVM-Matrix-Switches, um von allen Arbeitsplätzen auf die Rechner im Netzwerk zugreifen zu können. Man hat an den Arbeitsplätzen nur einen Monitor mit einem Vorschaltkasten, an dem Maus und Tastatur angeschlossen ist, verfügbar. Die eigentlichen Rechner dazu stehen im ZGR. Insgesamt handelt es sich dabei um acht Steuer-Rechner für Video, Audio, VSM und Kommando. Die Steuerung am Arbeitsplatz erfolgt über ein Menue des UCON-Systems von Guntermann & Drunck. Dort kann man sich in eine Liste, abhängig vom jeweiligen User-Level, auf die Rechner einloggen.
Im ZRG zu finden ist auch die Drake-Kommando-Anlage mit ihrer Zentraleinheit, alle Übergabewege an die Hausunterverteilung, die Kamera-Übergabewege, das Mischerframe vom Videomischer, der DVE und die ganze IT-Technik für eine aufwändige Netzwerkverkabelung.

Ein Lynx RCP5000 Controll-Panel steuert den Zugriff auf das ganze Lynx-System mit Videoverteilern, Up-/Down-Converter und Embeddern/Deembeddern. Außerdem sind hier die Evertz Multiviewer XDC 7700 integriert. Sie steuern die Spliteinheiten in der Bild- und Tonregie sowie in der Bildtechnik.
Die Zuordnung der Multiviewer-Karten von Evertz erfolgt über das Lynx-System. Es gibt 4er, 9er und 16er-Spliteinheiten, die überwiegend den einzelnen Räumen fest zugeordnet sind. Vier Multiviewer sind jedoch auch frei delegierbar. Um eine durchgehend hohe Bild-Qualität zu gewährleisten sind die eingesetzten Penta-Displays alle über Glasfaser angebunden. Verteilt in MAZraum, Bildtechnik, Bildregie und Tonregie finden sich 26 Penta 20“ und 5 Penta 37“ LC-Monitore für SD/HD-Monitoring.
Im ZGR geparkt ist auch eine Stagebox, die in den Studios eingesetzt und über Glasfaser mit dem Core verbunden werden kann. Das mobile Rack verfügt über 48 Mikrofoneingänge, vier Ports für RS422/RS232/Midi sowie über GPIO (8 × In, 8 × Out).
Konrad: „Großer Vorteil ist, dass man damit ohne Qualitätsverlust auch über größere Strecken hinweg bei weiter entfernten Studios über die vorhandene Glasfaserinfrastruktur Audiosignale hin und her schicken kann.“ In der Bildregie ist ein Kayak-Mischer von Grass Valley mit drei ME, 72 Eingängen und 36 Ausgängen im Einsatz. Bildtechnik und Bildregie sind räumlich so konzipiert, dass man dort auch eine zweite Pult-Reihe aufmachen kann (zum Beispiel für Slomo-Operator und/oder Redaktion).

„Das Gesamtsystem ist grundsätzlich redundant ausgeführt. Es hat zwei Controller-Karten, um die Glasfaserverbindungen möglichst sicher mit dem Nova 73 Zentral-Frame zu verbinden. Es gibt außerdem serielle Schnittstellen, die auch über das Glasfasersystem hin- und her geschickt werden können beziehungsweise auch GPI, das für moderne Spielekommunikation ganz wichtig ist. Damit kann man zum Beispiel irgendwelche Schalter für einen Moderator verfügbar machen, damit der im zentralen System gewisse Steuerungsfunktionen ausführen kann“, erklärt Konrad. „Mit moderner Schaltungstechnik kann man sehr viel für die kreative Entwicklung neuer TV-Formate tun“, betont er.
Während der Bauzeit hat Sono auch viele Schulungen an den Systemen gemacht. „Wir sind dabei auf extrem gut ausgebildete Techniker getroffen“, sagt Gottfried Düren. „Die Qualität der Leute hier hat sich auch bei der Inbetriebnahme gezeigt. Die haben die erste Live-Sendung aus der neuen Regie ohne jede Hektik, in absolut entspannter Atmosphäre gefahren.“
Ab Sommer kann nobeo seine Leistungsfähigkeit übrigens bei einem neuen Großprojekt unter Beweis stellen. Dann soll nebenan, auf dem Gelände des „Big Brother“-Container-Dorfs, ein künstlicher See mit Piratenschiff errichtet werden. Hier soll dann eine Art feucht-fröhliches „Spiel-ohne-Grenzen“ stattfinden. „Entern oder Kentern“, heißt das von Tresor TV für RTL produzierte neue Format.
Ans Kentern denkt nobeo-Geschäftsführer von Borries indes nicht. Er blickt ganz zuversichtlich in die Zukunft. „Durch die umfangreichen Investitionen in HD-Technik und das neue Gebäude sind wir ausgezeichnet gerüstet, um unsere gute Marktposition weiter auszubauen“, betont er.
Eckhard Eckstein (MB 05/07)


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