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Kompetenzzentrum für VR-Technik

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Kompetenzzentrum für VR-Technik

KST Moschkau baut am Hauptsitz in Kreuzau/Stockheim ein über 400 Quadratmeter großes „Broadcast & Virtual Studio Competence Center“. Dabei kooperiert das Unternehmen mit Panasonic Business und Avid. Die neue Einrichtung soll schwerpunktmäßig der Erprobung, Entwicklung und Demonstration von Techniken und Workflows komplexer Gesamtsysteme und Projekt-Lösungen in der TV- und Film-Produktion dienen. Die Eröffnung ist für das erste Quartal 2018 geplant. Schon seit Sommer 2017 präsentiert KST am Standort virtuelle Studiotechnik und robotische Systemlösungen.

Durch die räumliche und technische Anbindung an die bereits bestehende KST Academy und die Einbindung eines schon jetzt sehr umfangreichen Demo-Bereiches entsteht bei KST, laut Geschäftsführer Axel Moschkau, „ein HighTech-Zentrum von A-Z“. Dahinter steht ein duales Konzept. Es sieht einerseits vor, dass KST als Projektsystemhaus seinen Kunden Komplettlösungen zeigen und andererseits Herstellern und Lösungsanbietern als Dienstleister Schulungen mit Schwerpunkt Workflows bieten kann. Davon soll auch die eigene Kompetenz in Sachen innovativer Technologien profitieren. Die „Project Solution Partner“ Panasonic Business, Avid und KST wollen vom Start des Projektes an komplexe Gesamt-Systemlösungen für die Studio-Produktion vorhalten, bei denen die Themen Robotic-, VR- ,AR- und MR-Produktion sowie IP- Technologie im Mittelpunkt stehen werden.

„Mit Avid adressieren wir hauptsächlich nonlineare Workflows und Medienmanagement und mit Panasonic alles was im weitesten Sinne mit Kameratechnik und Mischung zu tun hat. Beide Unternehmen ergänzen sich mit ihren Lösungen ausgezeichnet“, betont Axel Moschkau. In dem nach dem Vorbild der olympischen IBCs geplanten Studio-Komplex im Competence Center, wird es eine zentrale Regie mit allen relevanten Systemtechniken geben. Die Regie wird Schaltzentrale für die Abläufe in 3 Produktionsbereichen sein. Transparente Wandelemente erlauben jederzeit den Einblick in die Studios, in denen die jeweilige Produktionstechnik installiert wird. Managementsysteme, wie die MediaCentral Platform von Avid, werden den Workflow von der Live-Produktion bis hinein in die Archivierung abbilden.

Im Studio 1 wird der Schwerpunkt auf der Studio-Produktion im klassischen Sinne liegen. Hier werden Studiokameras und die damit einhergehenden Techniken eingerüstet. Im Studio 2 wird ein Green-Area-Studio für die virtuelle Produktion und Augmented Reality entstehen. Außerdem wird das Thema Automation mittels Remote-Systemen und robotischen Kamerazügen ausführlich thematisiert. Die bereits im Vorfeld gemachten Erfahrungen des virtuellen Studio-Tests sollen laut Axel Moschkau hierbei direkt einfließen. Im Studio 3 wird es um Filmtechnik rund um das Thema Panasonic VariCam gehen. Diesem Studio ist zu Demonstrationszwecken auch ein Außenbereich zugeordnet.

Nicht nur bezogen auf die technische Ausrüstung soll der neue Studio-Komplex Maßstäbe setzen. Auch aus architektonischer und umwelttechnischer Sicht verspricht das Competence Center, laut Moschkau, sehr interessant zu werden. Um den Platz auf dem KST Gelände ideal auszunutzen wird der komplette Studio-Bereich „schwebend“ über den bestehenden Hallen der mechanischen Fertigung und den Projektlagern entstehen. Ein komplexes Betontragewerk entkoppelt dabei den Neubau von den Bestandsgebäuden. Eine statische und produktionsseitige Notwendigkeit. Die Wände des Gebäudes bestehen zu rund 50 Prozent aus Glas. Angebunden an das GEAB-Energie-Verbundsystem, welches KST und die anderen Gebäude der Moschkau-Unternehmens-Gruppe zu 100 Prozent mit selbst regenerativ erzeugter Energie versorgt, soll das neue Gebäude auch aus ökologischer Sicht den Weg in die Zukunft aufweisen. Detail-Lösungen wie zum Beispiel die Abwärme-Nutzung der zentralen Server- und Geräte- Räume oder die Speicherung der überschüssig erzeugten PV-Energie in Akku-Systemen sind nur einige Beispiele für die Nachhaltigkeit des Gesamtvorhabens. In gleichem Zuge erweitert KST die mechanische CNC Produktion des Geschäftsbereiches „Systembau“ auf die dreifache Fläche. 

 

Virtuelle Studiotechnik

Das bereits jetzt schon im Bestandsgebäude installierte virtuelle Studio mit Greenscreen und Studioumgebung gibt Antworten auf alle Fragen rund um das Thema Virtualität und Augmented Reality: Wie groß muss ein Virtuelles Studio sein? Welche Systeme und Komponenten sind notwendig um ein Virtual Studio zu realisieren? Wie muss ein Studio aufgebaut und beleuchtet werden um optimales Keying zu gewährleisten? Welche Arbeitsstationen ergeben sich durch den Workflow im Virtual Studio? Als Experte steht hier Felix Moschkau zur Verfügung. Technologisch steht im Virtuellen Teststudio das ARCAM Roboter-Kamerasystem des französischen Herstellers AR+ im Vordergrund. Panasonic hat im April 2017 von AR+ die Vertriebsrechte für den ARCAM in Europa übernommen. Der Exklusivvertrag (Frankreich ausgenommen) sieht die Kombination des Roboterkamerasystems mit Panasonic Kameras vor, von der sich das Unternehmen eine Einsatzmöglichkeit in Nachrichten- und Sportstudios, bei Konzerten, Unterhaltungsshows sowie Stop-Motion-Anwendungen verspricht. Das ARCAM Roboterkamera-System besteht aus Roboter, Roboterfuß, AR+ Steuerungssoftware ARcaptur, AR+ Remote Controller und Objektivsteuerung. Je nach Anwendungsbereich des Systems können optional ein Kamerakran und/oder verschiedene Geräte hinzugefügt werden. Das System lässt sich als individuelles Paket auf den Anwender abstimmen. KST Moschkau setzt es mit der AK-UB300-Kamera in seinem virtuellen Teststudio ein. Ein weiteres Beispiel ist die Integration eines ARCAM-Systems und der Panasonic Remote-Kameras AW-HE130 in das neue LCI-Set. Auch der Einsatz anderer Kameramodelle ist möglich. Dann aber muss die Software angepasst werden.

„Die UB300 HD/4k-Boxkamera passt gut auf den Roboterarm UR10. AR+ bietet dazu auch Steuersoftware die Objektiv, Kamera und Roboterarm als eine Einheit steuert. Das System ist somit auch sehr leicht zu bedienen“, berichtet Robert Trebus, Manager DACH Project Sales Broadcast & ProAV bei Panasonic. Zudem sei es speziell für den Einsatz im Medienbereich entwickelt worden, wo die leichte Bedienbarkeit im Vordergrund stehe. „Der Arm ist recht kompakt und leicht und mit seinem Fuß einfach zu transportieren“, sagt Trebus. Mobile Anwendungsbereiche wie Augmented Reality im Live-Sport seien deshalb besonders geeignet. Trebus: „Man kann die ganze Einheit direkt im Stadion einsetzen. Sie ist wetterfest, leicht zu kalibrieren und in nur einer halben Stunde aufgebaut.“ Zudem verfüge sie über Schnittstellen zu Orad- oder VIZRT-Systemen, um auch entsprechende Steuerungen zu ermöglichen. 

„Wir wollen in diesem Bereich weiter investieren. Das ist ein neues Businesssegment für Panasonic“, betont Trebus. Hier habe man eine teilweise ganz neue Zielgruppe im Auge. Als Kunden für ARCAM sieht er unter anderem Ü-Wagen-Betreiber, Rental-Firmen oder Content-Eigentümer. „Es gibt Kunden, die wollen das System auch für Studios, die nur sehr wenig Platz bieten oder die nur eingeschränkte budgetäre Möglichkeiten haben. Das komplette System kostet schließlich deutlich unter 100.000 Euro“, berichtet Trebus. Die Kooperation mit AR+ betrachtet er als sehr vielversprechend. „Wir ergänzen uns ausgezeichnet“, sagt er. „AR+ ist eine Engineering-Firma und wir bieten ein großes internationales Händlernetz. Das passt gut zusammen und eröffnet beiden Firmen eine Win-Win-Situation.“ Die Zusammenarbeit zeige auch, dass Panasonic sich stärker öffnen und mit anderen Firmen kooperieren wolle. Dabei setze man auch auf die Unterstützung von Dienstleister wie KST Moschkau. Über erste potentielle ARCAM-Anwender will man indes noch nicht reden. „In diesem Jahr werden erst noch Workflows und Softwarelösungen weiter optimiert. Mit ersten konkreten Projekten rechnen wir dann im ersten Quartal 2018“, beton Axel Moschkau. Die Resonanz auf die ARCAM-Systeme sei jedenfalls ausgezeichnet.

Eckhard Eckstein

MB 4/2017

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