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Lubutu, Kongo, Finsternis

Mit dem HDV-Camcorder JVC GY-HD200, Sennheiser evolution wireless G2 und Stativ Manfrotto 351MVCF / 501HDV im Kongo – ein Reisebericht.

Als Wort ist „Lubutu“ zunächst einmal nichts weiter als Lautmalerei, und wenn man sich diese in der Folge als fotorealistisches Gemälde vorstellt, dann würde es einen Ort in der finstersten Ecke Afrikas zeigen, eingebettet in tiefen Urwald und nur auf verschlungenen und abenteuerlichen Wegen zu erreichen. Das wäre dann einer der Fälle, in denen die Realität und die Vorstellung von ihr aufs schönste übereinstimmen. Denn den Ort mit all seinen geschilderten Eigenschaften einschließlich des Namens gibt es wirklich – im Kongo, etwa 180 Kilometer östlich von Kisangani, in einem Gebiet, das unter dem jahrelangen Bürgerkrieg besonders gelitten hat und nun in einem äußerst fragilen Prozess auf dem Weg in den Frieden ist.
Dort drehte die Topas Filmproduktion im Auftrag der Deutschen Welthungerhilfe und der Kreditanstalt für Wiederaufbau eine 30-minütige Reportage; Thema waren Entwicklungshilfeprojekte, die von den beiden Organisationen vor Ort durchgeführt werden. Mit dabei: der ProHD-Camcorder JVC GY-HD200, das drahtlose Mikrofonsystem Sennheiser evolution wireless G2 und der Stativ-Kombination Manfrotto 351MVCF / 501HDV.

Drehausrüstung
Wenn schon die Anreise zum Drehort auch bei Benutzung moderner Verkehrsmittel fast eine halbe Woche in Anspruch nimmt und dabei unter anderem durch drei afrikanische Staaten führt – von denen selbstredend keiner am Carnet-Verfahren teilnimmt – ist es angeraten, etwaigen Komplikationen bei den verschiedenen Ein- und Ausreisen aus dem Wege zu gehen und am besten kein unnötiges Aufsehen zu erregen.
Bereits frühzeitig wurde daher beschlossen, mit dem JVC GY-HD200 einen sehr kompakten Camcorder und auch sonst nur das nötigste an Equipment mitzunehmen. Die Kamera kam zerlegt ins Handgepäck des Zwei-Mann-Teams, das Carbon-Stativ von Manfrotto fand mit demontiertem Videokopf Platz in einem normalen Reisekoffer. Zwei kleine Rucksäcke im Bordgepäck und zwei Rollkoffer – so unauffällig kann man als Kamerateam reisen und zeit- sowie nervenschonend die zahlreichen Transits überstehen.
Nach drei Tagen endete die Reise nach Lubutu mit der Landung eines Transportflugzeugs tschechischer Bauart – nicht etwa auf einem Flugplatz, sondern auf einer Landstraße mitten im Busch, ein paar Kilometer außerhalb des Ortes.

JVC GY-HD200
Vor gut zwei Jahren hat JVC mit dem GY-HD100 einen 1/3-Zoll-3-Chip-Camcorder vorgestellt, der als erstes Gerät in seiner Leistungsklasse für Wechselobjektive vorgesehen war, die über eine Zoom- und Fokuseinstellung mit mechanischem Endanschlag verfügen – genau wie die allen wohlvertrauten 2/3- und 1/2-Zoll-Optiken. So etwas hatte sich mancher Kameramann schon lange gewünscht: ein leichtes und kompaktes Gerät mit dem gewohnten – und letztendlich auch bewährten – Handling von Broadcast-Camcordern.
Seit diesem Frühjahr ist nun mit dem JVC GY HD-200 ein Nachfolgemodell auf dem Markt, das sich schon rein optisch unterscheidet, denn der GY HD-200 ist merklich größer ausgefallen. An der Rückseite des Camcorders befindet sich nun ein zusätzliches Gehäuseteil, das die Maße des Gerätes auf zirka 22 × 24 × 40 cm(B × H × T) bringt. Auch das Gewicht hat mit 3,8 kg entsprechend zugenommen – aber das ist immer noch weniger als die Hälfte dessen, was man bei einem Broadcast-Gerät zu schultern hat.
Während bislang bei der Aufzeichnung im ProHD-Verfahren wahlweise 720/25p, 720/24p und 720/30p in 16:9 und als PAL-Formate 576/50i und 576/25p in 4:3 oder 16:9 zur Verfügung standen, unterstützen die Geräte der HD-200-Serie nunmehr auch 720p mit Bildraten von 50 und 60 fps, was die Bildqualität besonders bei der Aufnahme von schnellen Bewegungen deutlich verbessert.

Bedienkonzept
Besonders überzeugend jedoch bleibt beim GY-HD 200 das Bedienkonzept. Anderen professionellen Camcordern mit 1/3-Zoll-Chip kann man häufig ansehen, dass es mitunter nur mehr oder weniger „aufgebohrte“ Varianten von Consumer-Geräten sind, die sich von jenen nur durch Kleinigkeiten wie der Ausführung der Audio-Buchsen unterscheiden, nicht jedoch in der Art, wie man mit ihnen arbeiten muss. Mittlerweile scheint auch durch eine Studie belegt, was ohnehin jeder weiß, der schon länger als eine Stunde Kameramann ist – dass sich mit einer Schulterkamera ermüdungsfreier drehen lässt als mit einer Handkamera.
Gerade aber beim Drehen von der Schulter, wo es darum geht, rasch auf sich ändernde Situationen zu reagieren, zeigt sich, wie gut eben dies möglich ist, wenn sich die Bedienelemente für Schärfe und Belichtung an der Optik befinden. Dann kann man nämlich die Bildschärfe entweder nach diskreten Werten oder gar nach Gefühl einstellen – der Schärfepunkt für „Unendlich“ liegt in diesem Fall eben dort, wo man nicht mehr weiterdrehen kann – ganz normales Arbeiten, so wie gewohnt…
Wenn jemand es besonders genau wissen will oder muss, bietet der GY-HD 200 mit dem „Focus Assist“ eine wirksame Hilfestellung. Hier wechselt der Sucher in den Schwarz-Weiß-Betrieb; zusätzlich werden die Ränder eines Objektes bei optimaler Schärfe farbig dargestellt – nützlich, zumal wenn die Auflösung des Sucherbilds geringer ist als die der Bandaufzeichnung.
Mittlerweile steht für den JVC GY-HD200 eine ganze Reihe von Wechseloptiken zur Verfügung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mittels Adapter 1/2-Zoll und 2/3-Zoll Optiken einzusetzen, so dass hinsichtlich der Anwendungsbereiche keinerlei Einschränkungen mehr bestehen.

Das schwarze Loch
Weil das HDV-Format mit einer relativ starken Inter-Frame-Kompression arbeitet, steht es in dem Ruf, anfällig für Drop-Outs zu sein, und wenn es denn mal ein I-Frame zu Beginn einer GOP ereile, so verschwinde gleich eine halbe Sekunde Drehwirklichkeit im Nirwana des Nie-Aufgezeichneten. Allerdings ließ sich so ein Fehler auf den insgesamt acht Stunden Material nicht beobachten. Wohl aber konnte man ungefähr zur Hälfte der Drehzeit ein etwa 20-sekündiges schwarzes Loch auf dem Band bewundern, bei dem außer dem Timecode rein gar nichts zu entdecken war. Man könnte argwöhnen, dafür sei der Schutzdeckel auf dem Objektiv verantwortlich gewesen, aber dann hätte doch wenigstens das stets eingeschaltete Kamera-Mikrofon einen Pegel verursachen müssen. Letztlich blieb die Ursache im Dunkeln – aber so einer Passage beim Sichten zu begegnen, trägt nicht unbedingt zur abendlichen Entspannung bei, und man ist froh, wenn die schrecklichen 20 Sekunden vorüber sind und sich nicht als Minuten oder Stunden ungedrehter Wirklichkeit erwiesen haben.
Während der Dreharbeiten blieb der Kamera an klimatischen Grausamkeiten außer grimmiger Kälte wenig erspart. Die Spanne reichte von feucht-kühler Moderluft über feucht-heiße Moderluft bis hin zu praller Äquatorsonne. Damit kam der GY-HD 200 jedoch bestens zurecht, wenn man von einem frühmorgendlichen Kondensationsalarm einmal absieht. Der stellte sich nämlich als eher nicht ganz ernst gemeint heraus: nach kurzer Unterbrechung der Stromversorgung war die Angelegenheit ausgestanden, und der Kassettenschacht wurde zur Sicherheit gründlich gelüftet.

Dämmerstunde
Was beinahe jeder als erstes mit dem Kongo verbindet, ist der Begriff „Finsternis“. Und in der Tat ist es dort nicht nur im übertragenen Sinne mitunter ziemlich dunkel… Ohne öffentliches Stromnetz ist man nach Einsetzen der Dämmerung um 18 Uhr auf altbewährte Leuchtmittel wie Kerzen und Petroleum angewiesen. Wenn man dann noch unbedingt drehen will und aus ideologischen Gründen keine Batterieleuchten bei sich führt, stellt das eine wahre Herausforderung für jeden Camcorder dar.
Es erwies sich jedenfalls, dass der GY-HD 200 auch mit diesen schwierigen Bedingungen gut umgehen konnte und bei einer Verstärkung von 12 dB relativ rauscharme, aber vor allem stimmungsreiche Bilder lieferte.

Manfrotto 351MVCF / 501HDV
So sehr auch die Ausrüstungsliste vor der Abreise zusammengestrichen und so viel auch von der Schulter gedreht wurde – auf ein Stativ wollte der Kameramann nun doch nicht vollständig verzichten. Unter den gegebenen Umständen fiel die Wahl mit dem 351MVCF auf ein kompaktes zweistufiges Kohlefaser-Stativ, mit einem Gewicht von nur 3,1 kg und einem maximalen Auszug von 160 cm. Die Beine lassen sich auch ohne die Verwendung einer Mittel- oder Bodenspinne – die tatsächlich zu Hause blieb – in zwei Einstellwinkeln fixieren. Der verwendete Stativkopf 501HDV ist geeignet für Kameras bis zu sechs Kilogramm. Diese Kombination erwies sich zum einen als sehr bequem zu transportieren, zum anderen aber auch schnell und unkompliziert zu handhaben.

Der unsichtbare Tonmann
Üblicherweise ist der Auftritt eines Brodcast-Kamerateams durch das Vorhandensein von mindestens zwei Personen geprägt. In unmittelbarer Nähe des Kameramanns steht dann jemand mit klobigen Kopfhörern, einem seltsamen Kasten vor dem Bauch und einer langen Stange in der Hand. Wenn sich seine Tätigkeit nicht im Stehen und Zuhören erschöpft, macht er sich auch beim Tragen des Stativs und anderer schwerer Gegenstände nützlich. Selbst wenn man berücksichtigt, dass bevorzugt bei der Herstellung von Metropolenfernsehen „Videojournalisten“ unter dem Motto „ich bin ein Drehteam“ unterwegs sind, so lässt sich doch die Unterscheidung zwischen Broadcast- und Amateur-Dreharbeiten ganz einfach durch die Anzahl der daran Beteiligten treffen.
An Orten, wo jegliche und erst recht professionelle Dreharbeiten streng verboten sind, wie zum Beispiel in der Nähe kongolesischer Erz-Minen, ist es nützlich, besonders harmlos und unauffällig zu wirken. Das könnte dann dadurch geschehen, dass man die Anzahl der Beteiligten zumindest optisch zu verringern versucht. Gefragt war also der unsichtbare Tonmann.

Sennheiser evolution wireless G2
Um das zu realisieren, war es zunächst einmal nötig, auf den Einsatz eines EB-Mischer am Drehort zu verzichten. Die Signale des separaten Mikrofons sollten stattdessen direkt an den Camcorder gesendet werden und die Aussteuerung der Eingangssignale über dessen Automatik erfolgen. Ohne Zweifel hat die automatische Pegelregelung Nachteile – aber in 90 Prozent der Fälle kommt man gut damit zurecht. Beim Rest muss dann eben der Pegel direkt an der Kamera eingestellt werden.
Technisch wurde dieses Verfahren mit Geräten aus der Sennheiser-Produktreihe evolution wireless G2 realisiert. Am Mikrofon wurde der Aufstecksender SKP500-G2 befestigt, und an der Kamera befand sich ein Taschenempfänger EK 100-G2, ebenso am Gürtel des unsichtbaren Tonmanns, der so mit einem unauffälligen In-Ear-Kopfhörer die Kontrolle über die Tonqualität behielt.
Die sehr kompakte Bauform des drahtlosen Mikrofonsystems machte das Handling einfach und angenehm. Beim EK-100 G2 liegen die Bedienelemente gut gegen versehentliches Betätigen geschützt hinter dem Batteriefach-Deckel. Die Statusanzeigen für RF-Qualität und Eingangspegel sind auch in hellem Tageslicht gut erkennbar. Die Geräte lassen sich erfreulicherweise einheitlich mit je zwei gewöhnlichen Mignon-Zellen betreiben. Ein Satz reicht ohne weiteres auch für einen etwas längeren Drehtag. Auch die Übertragungssicherheit war neben der Tonqualität beeindruckend. Auf den acht Stunden Rohmaterial gab es keinen einzige Tonaussetzer.

Containerleben
Seit geraumer Zeit genießt das öffentliche Bewohnen von Containern einen ausnehmend schlechten Ruf, und nach den Erfahrungen im Kongo ließe sich dieses Urteil ohne weiteres auch auf die nichtöffentliche Variante ausdehnen. Hierzu muss man wissen, dass das Drehteam in Lubutu auf dem Straßenbau-Stützpunkt der Deutschen Welthungerhilfe in mehr oder weniger angeschimmelten Überseecontainern einquartiert war. Immerhin gab es dort regelmäßig Strom – aus dem Generator, bis 22 Uhr. Da sich die Drehtage nach dem Motto „Was wir haben, haben wir“ mindestens bis zum Einbruch der Dunkelheit erstreckten, liegt auf der Hand, dass zum Nachladen der Akkus potenziell nicht allzu viel Zeit blieb.
Insofern war es eine große Beruhigung, dass der JVC GY-HD 200 trotz gedrängten Drehprogramms bei einer Leistungsaufnahme von etwa 23 Watt und einer Versorgungsspannung von 12 Volt höchst selten mehr als einen BP-L90-Akku pro Tag verbrauchte.

Fazit
Der JVC GY-HD200 hat neben seiner guten Bildqualität und dem überzeugenden Bedienungskonzept auch durch seine Robustheit im Dreheinsatz einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Der Camcorder ist zusammen mit der Standardoptik TH 16x5,5 BRMU erhältlich. Das drahtlose Mikrofonsystem Sennheiser evolution wireless G2 hat durch Zuverlässigkeit und große Übertragungssicherheit überzeugt. Das Stativ-Set Manfrotto 351MVCF / 501HDV stellte einen guten Kompromiss zwischen kompakter Bauform und Handling bei einem recht günstigen Preis dar.
Uwe Agnes, Bernd Siering (MB 07/07)





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