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Mit Musik die Welt verbinden

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Mit Musik die Welt verbinden

Im Berliner CineStar-Kino hat das Red Bull Media House Mitte März vor ausgewählten Gästen einen eindrucksvollen Techniktest präsentiert. Dabei wurde Live aus dem Hangar 7 in Salzburg ein Klavierkonzert übertragen, bei dem ein Yamaha-Reproduktionsflügel im Kino ohne Pianisten und in Echtzeit das Konzertprogramm des Masterflügels spielte. Synchron dazu wurden die Videobilder des Konzerts auf die Kinoleinwand übertragen. Dem Kick-Off-Event in Berlin sollen schon bald ähnliche Konzertveranstaltungen folgen.

„Be Part of It – Die Pianisten“ nannte Red Bull Media House sein innovatives Liveformat, das im Berliner CineStar-Kino für staunende Gesichter sorgte. Sie konnten dort einen „fast authentischen“ Konzertabend aus dem Hangar 7 in Salzburg live miterleben. Dabei spielte ein Yamaha-Reproduktionsflügel im Kino selbstständig und in Echtzeit das Konzertprogramm des von hochklassigen Pianisten bedienten Masterflügels in Salzburg. Gleichzeitig wurden die Videobilder des Konzerts auf die Kinoleinwand übertragen. Möglich wurde die Synchronisation der beiden Flügel in Salzburg und Berlin durch eine von Stefan Böttjer vom Hangar 7-Soundteam (Ex-Virtual Planet Group Geschäftsführer) gemeinsam mit dem Berliner Playout-Spezialisten Martin Schröder von Pace Media für das Red Bull Media House entwickelte Software. Mit ihrer Hilfe lassen sich über MIDIPLUS-Schnittstellen im Prinzip alle MIDI-fähigen Musikinstrumente miteinander synchronisieren.

In enger Kooperation mit der Firma Yamaha, die Ende 2007 die Wiener Klavierfabrik Bösendorfer, einem Vorreiter bei der Entwicklung von „Computer-Flügeln“ und Reproduktionssystemen, übernommen hat, haben es die Softwareentwickler geschafft, die Informationen der Infrarotsensoren vom Masterflügel, – die unter anderem Hammerendgeschwindigkeit, Zeitpunkt des Anschlags und des Loslassens einer Taste sowie die Stellung der Pedale exakt aufnehmen, – über MIDI-Schnittstelle in die IP-Welt zu übertragen und mit einem ausgetüftelten Buffering auch unterschiedliche Latenzzeiten der Signale in den Griff zu kriegen. „Dazu wurde das Video-Signal aus Hangar 7 über eine EVS-Maschine um eine Sekunde verzögert, um dem Computersystem für das Buffering genug Luft zu geben“, erklärte Andreas Gall, Chief Technology Officer vom Red Bull Media House. Für die Daten-Übertragung wurde das normale Internet mit einer 2Mbit/s-Verbindung genutzt. Die Video-Bilder wurden via Satellit übertragen. „Mit Akamai arbeiten wir zudem an einem synchronisierten Stream, den wir über das Akamai-Netzwerk ausliefern können“, berichtete Gall. Gezeigt wurde das Projekt zur NAB 2015. Dabei wurde ein HEVC-Encoder von Elemental Technologies genutzt, um 4k-Inhalte live mit MPEG-DASH über das Akamai CDN von Salzburg nach Las Vegas zu streamen.

Künftig plant das Red Bull Media House auch 4k-Übertragungen in die Kinos. Das Konzert für die Berliner Präsentation war noch in HD. Bei dem Test spielte laut Gall die Ton-Synchronität erst einmal eine wichtigere Rolle als die Bildqualität. Kameratechnisch war der Aufwand in Hangar 7 nicht so groß. Es gab eine SteadyCam sowie eine Pumpen- und eine Kran-Kamera. „Bei 4k reichen auch drei Kameras. Die Regie im Hangar ist dafür entsprechend vorbereitet“, sagte Gall. Die Übertragung von Musikkonzerten aus dem Hangar 7 in Salzburg an entfernte Locations soll weiter fortgeführt werden. Einige Projekte sind bereits in Planung. Zu den Salzburger Festspielen (18. Juli bis 30. August) soll zum Beispiel ein Konzert auf den Markusplatz nach Venedig übertragen werden und die Bilder vom Event mit Beamern auf die Häuserwände des Platzes projeziert werden. „Es gibt bereits viele weitere Anwendungsmöglichkeiten, unter anderem auch im universitären Bereich, an denen wir arbeiten.“ Für das Red Bull Media House biete das Technologieprojekt sehr viel Potential. „Damit können wir die Welt verbinden. Man fängt irgendwo an zu spielen und gibt den Musikstaffelstab dann woanders hin weiter.“ Wie gut das funktioniert, konnten die Gäste der MedienSommerNacht am 15. Juni in München erleben. Sie bekamen noch einmal das „Be Part of It – Die Pianisten“-Konzert präsentiert.

Eckhard Eckstein

MB 4/2015

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