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Start in die Zukunft

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Start in die Zukunft

Die “Rundschau“, das Nachrichten-Flaggschiff des Bayerischen Rundfunks (BR), sendet seit dem 7. August 2017 in High Definition (HD) aus dem modernisierten Studio FM2. Es wurde in enger Kooperation zwischen der Produktions- und Technikdirektion und der Informationsdirektion umgebaut und ist jetzt mit virtueller Technik, Automation, Kamera-Roboter und einem neuen Echtzeit-Grafiksystem ausgestattet. Damit können ganz neue Workflows realisiert werden. MEDIEN BULLETIN hatte Gelegenheit, sich vor Ort umzuschauen und mit den Machern über Planung und Strategie zu sprechen.

Der Standort des Bayerischen Rundfunks (BR) in München-Freimann gleicht derzeit einer Großbaustelle. Neue Gebäude werden hochgezogen und ältere mit moderner Technik aufgerüstet. Der BR macht sich fit für die digitale Medienzukunft mit neuen, multimedialen Workflows. In Freimann soll in Zukunft ein „Aktualitätenzentrum“ entstehen. Als eine der ersten größeren baulichen Veränderungen vorab konnte am 7. August 2017 das neue Studio FM2 der Nachrichtensendung „Rundschau“ in Betrieb genommen werden. Mit dem Vorgängerstudio war man noch in SD-Technik unterwegs und es war höchste Zeit, Technik, Workflows und Design zu modernisieren. Gut 18 Monate Zeit nahm man sich für Planung und Bau des neuen Studios. Dabei wurde viel Wert auf enge Zusammenarbeit zwischen Produktion, Technik und Redaktionen gelegt und dazu verschiedene Projektgruppen installiert.

Das „Rundschau“-Redesign ging Hand in Hand mit der Erneuerung des gesamten BR-TV-Designs. „Die neue Studiotechnik haben wir unter Berücksichtigung der Redaktionswünsche zur Optik des neuen Studios entwickelt und realisiert. Weil damit natürlich auch eine Workflow-Veränderung verbunden war, gab es viele Arbeitsgruppen in denen Vertreter und Vertreterinnen aus Planung, Technik, Redaktion und Produktion gemeinsam das Ganze entwickelt haben“, berichtet Ulrich Glampe, Leiter der Abteilung Studios und Mobile Produktion beim BR. Nach den Vorarbeiten der internen Planungsteams unter Leitung von Michael Engl seien später auch externe Berater überall dort hinzu gezogen worden, wo es selbst an Erfahrung oder Know-how fehlte. Das war insbesondere bei der Studioautomation der Fall, wo man bei Roland Gundling, Dozent der ARD/ZDF Medienakademie, Unterstützung suchte sowie bei der virtuellen Technik. Hier half die Arvirtico GmbH aus Grünwald. Nach der Definition der benötigten Technik gab es eine Europäische Ausschreibung. Diese hat BFE aus Mainz für sich entschieden und war damit der zuständige Generalunternehmer für die Installation der Technik. „FM2 ist das erste BR-Studio, das über eine Automation verfügt und in dem wir auch virtuell arbeiten können. Es ist zudem das erste Studio, in dem wir unser Redaktionsmanagement-System OpenMedia vollumfänglich für die automatisierte Steuerung einer Sendung einsetzen können. All das war für uns Neuland und eine große Herausforderung, der wir uns Schritt für Schritt stellen mussten“, betont Glampe. 

 

Studio-Automation mit Viz Mosart und OpenMedia

Die FM2-Automation arbeitet mit Viz Mosart. Das Client-Server-System mit Main- und Backupserver steuert Bildmischer (Sony MVS 3000A), Audiomischer (Stagetec Aurus und OnAir 24), Lichtpult (MA Lighting Dot2), Kamerarobotik, Echtzeitgrafiksysteme (VIZRT Engine), Videoserver (Imagine Nexio), A/V-Kreuzschiene und Soundplayer. Als Videokreuzschiene ist ein Grass Valley 8500 System mit 144 x 288 Framegröße, bestückt mit 144 x 144 3G-Ein- und Ausgängen plus Redundanz, im Einsatz, als Kreuzschienenkontroller ein BFE KSC-Core System. 

Der Automationsworkflow im FM2 funktioniert so: In Viz Mosart wurden zunächst Templates erstellt, die bestimmen, welche Geräte in verschiedenen Situationen angesteuert und welche Aktionen damit ausgeführt werden müssen. Im Redaktionssystem OpenMedia, das der BR bereits seit Jahren einsetzt und das mit dem FM2-Umbau ein Upgrade auf Version 4.2 erhielt, plant der Redakteur, welche Elemente für den Rundown einer Sendung benötigt werden (Opener, Begrüßung, Anmoderation, Erste Zuspielung, Gast etc.). Der Regisseur kümmert sich anschließend um die technische Umsetzung, indem er in OpenMedia über PlugIns die benötigten Templates, wie zum Beispiel Kamerapositionen oder Schaltleitungen auswählt und dadurch die entsprechenden MOS-Befehle an richtiger Stelle im Ablauf setzt. Diese Bausteine für das Sendungsgebilde werden dann aus OpenMedia 1:1 in die Studioautomation für die Kamera-, Licht-, Ton- und Video-Steuerung übertragen. Der sogenannte Automationsoperator, beim BR als Auto-OP bezeichnet, prüft vor der Sendung, ob der Rundown plausibel und kohärent zu OpenMedia ist, ob alle Elemente eingetragen sind, ob die Bauchbinden vorliegen und der Journalist letztlich alle notwendigen Angaben gemacht hat. „Ziel war es, alle Abläufe zu standardisieren und durch die Automation die Reproduzierbarkeit von Sendungen zu garantieren“, betont Glampe.

Das neue FM2 besteht aus Studio, Bild-, Ton- und Subregie. Kernstück des nur 100 qm großen Studios ist eine 17 x 3 Meter große gebogene „Greenbox“, vor der die Moderatorinnen und Moderatoren stehen und die für die Zuschauer in den Rundschau-Farben mit einer stilisierten Weltkarte erscheint. Auf dieser Fläche werden virtuell Videos, Bilder und Grafiken in hochauflösender Qualität eingeblendet. Während die bisherigen „Rundschau“-Sendungen von drei Kameraleuten direkt im Studio aufgenommen wurden, stehen im neuen Studio nun ein Kameraroboter und zwei fernsteuerbare Robotik-Stative, deren Fahrten vorab fest einprogrammiert werden können. Sie werden vom benachbarten Regieraum aus per Joystick bedient oder direkt von der Automation angesteuert. Ein Echtzeitgrafiksystem erlaubt es, dass die Grafiken bereits vor der Sendung in den Ablauf eingebaut und vom Computer automatisch ausgespielt werden können. Moderatoren oder Moderatorinnen sind mit ihren Studiogästen alleine im Studio. Kein Kameramann, Teleprompter- oder Studio-Operator ist dort mehr zu finden. 

In der Mitte des virtuellen Studios befindet sich als einziges reales Element ein von der BR-eigenen Werkstatt gebautes Moderationspult mit einer geschwungenen Platte. „Die Redaktion wollte ein Studio, das möglichst große Weite suggeriert. Das war mit der Greenbox als bildgebende Wand am besten zu realisieren. Andere Optionen mit LED-Wänden, Projektoren oder kleineren Monitoren haben sich alle als nicht zweckmäßig erwiesen“, erzählt Herbert Herz, Leitung Fachgruppe Video Engineering, der als Produktionsingenieur bei der videotechnischen Planung des Studios maßgeblich involviert war. Für Projektoren habe der Platz im Studio gefehlt und eine LED-Wand in der gewünschten Größe wäre bei einer Pixeldichte von 1,0 mm mit über einer Mio. Euro viel zu teuer gewesen. Ein weiteres Argument gegen eine LED-Bildwand sei der zu geringe Abstand des Moderators oder der Moderatorin zur Wand gewesen. Bei den Objektiv-Brennweiten der Studio-Kameras gerate man da leicht in einen Auflösungsbereich, in dem man die einzelnen Pixel in der LED- Wand sehen würde. Bei Kamerafahrten seien störende Moiré-Effekte möglich. „Studios, die LED-Wände einsetzen, haben meist sehr gerade Flächen und Moderatoren oder Moderatorinnen haben genug Abstand dazu. Aus technischer Sicht ist es problematisch, wenn man zu nahe an der LED-Wand steht. Das haben uns Tests mit verschiedenen Herstellern gezeigt“, sagt Herz. „Mit virtueller Technik bekommen wir in unserem Studio alles besser hin, egal mit welcher Brennweite wir arbeiten. Wir haben auch im Hintergrund immer die volle HD-Auflösung. Wenn man hingegen auf eine LED-Wand zoomt, kommt man irgendwann aus der HD-Auflösung heraus. Wir können auch mit den Schärfen auf der VR-Wand besser umgehen. Man kann bewusste Tiefenschärfe erzeugen, indem man das Hintergrundbild unscharf rechnet, oder es auch scharf lassen“, betont der Video-Experte des BR. Dafür seien andere technische Herausforderungen damit verbunden. So muss jede Kamera im Studio mit einem Trackingsystem versehen sein und alle Bilder in Echtzeit mit Hochleistungsrechnern gerendert werden. Dazu käme eine gewisse Einschränkung mit Blick auf die Kleider-Farben der Moderatoren.

Herz: „Man muss die Kameras auch täglich vor jeder Sendung ‚homen’, auf einen Referenzpunkt fahren, damit man auch wieder eine saubere Nullung für die Berechnung der virtuellen Grafiken bekommt, damit sich die Real-Deko zur virtuellen Bildwand im Hintergrund synchron verhält. Das funktioniert aber ganz gut. Nur anfangs ist ein gewisser Justage-Aufwand nötig.“ So ist jede der drei Studio-Kameras (Sony HDC-P1, 2/3“ Full HD mit ENG-Weitwinkelobjektiven Fujinon HA14x4.5 BEZD-T5DD incl. digitaler Servoeinheit und voller Trackingunterstützung) mit einem eigenen Echtzeit-Renderer von VIZRT, einem Trackingsystem und eigenem Ultimatte 11 High End Chromakeyer mit integriertem Framedelay, bedienbar über Smart Remote Panel SR4, verbunden. Zwei der Kameras sitzen auf zwei fahrbaren Robotik-Stativen Shotoku Smart Ped. Sie haben unten an den Rollen zur Bestimmung der Wegstrecken Inkrementalgeber. Auch die Daten zur Höheneinstellung der Pedestale werden aufgenommen.

Alle Informationen werden in einen zentralem Tracking-Hub-Rechner gesammelt und an die entsprechenden Render-Engines verteilt. Die dritte Kamera befindet sich auf einem ortsfesten Roboterarm der Firma Camerobot aus Bayreuth. Zur Sicherheit wurden einige Sensoren so im Studio verbaut, dass niemand sich dem Roboterarm nähern kann, ohne Gefahr, verletzt zu werden durch automatisierte Kamerabewegungen. Würde der Sicherheitsbereich betreten werden, so schalten sich umgehend alle Robotik-Systeme in Stand-by und können nur vom Studio-Operator in der Regie wieder freigegeben werden. 

 

Studio-Licht und -Ton

Neue Wege ging der BR auch beim Studio-Licht. „Wir haben alles komplett auf LED-Scheinwerfer umgestellt“, berichtet Markus Müller. Er war maßgeblich an der Planung der neuen Lichtdecke beteiligt. „LED Lampen haben mindestens 80 Prozent weniger Leistungsaufnahme als herkömmliche Halogen-Lampen und dadurch deutlich weniger Hitzeentwicklung. Zum Einsatz kam eine Lichttechnik von ARRI.

Das Unternehmen kann laut Müller  garantieren, dass man immer die gleiche Farbtemperatur hat, die Lampen nachkalibrierbar und zwischen Kunst- und Tageslicht umschaltbar sind. Bei ARRIs LED-Scheinwerfern könne man zudem den Grünanteil des Lichts mischen oder reduzieren, meint er. Damit sei man für alle Eventualitäten gerüstet. An der Lichtdecke des FM2 aufgehängt sind 20 L7- und 20 L5 L5-Scheinwerfer sowie sechs CS60- und zwölf C30-Flächenleuchten. „Wir wollten eigentlich nicht ganz so viele Scheinwerfer einbauen und mehr flächig leuchten“, berichtet Müller. Das sei aber wegen des vielen Streulichtes nicht praktikabel gewesen. Müller: „Um ordentlich einleuchten zu können, waren wir gezwungen, die Zahl der Studiolicht-Scheinwerfer etwas zu erhöhen. Die Schwierigkeit war, einerseits so zu beleuchten, dass man für die Personen ein schönes Licht erzeugt, auf der anderen Seite aber nicht zu viele Schatten auf die grüne Wand fallen und die Grün-Wand homogen und gleichmäßig ausgeleuchtet wird, weil wir ja ständig darauf keyen müssen, und um auch Spiegelungen von der grünen Wand auf dem Studioboden zu vermeiden.

Bei mehr Flächenleuchten hat man homogeneres Licht und es ist auch besser für das Chromakeying, aber schlechter für die Akzentuierung und Darstellung“, erklärt er. „Jetzt haben wir aber einen guten Kompromiss dafür gefunden.“ Dabei geholfen habe der Erfahrungsaustausch mit anderen Kollegen in der ARD. Die Farbtemperatur im neuen Studio beträgt nun 5.500 statt 3.000 Kelvin wie zuvor. „Bei 5.500 Kelvin kann man auch besser keyen. Und das Licht wurde auch von den Moderatoren gut angenommen“, sagt Müller. 

Für den guten Ton aus dem neuen FM2 sorgt unter anderem BR-Tonmeister Aleksandar Baharov. „Die Redaktion wollte keine fest eingebauten Mikros im Tisch, sondern Drahtlostechnik. Hierbei können wir nur mit Bügelmikros arbeiten, weil sich bei denen die Vorverstärkung je nach Hintergrundgeräuschen um sechs bis acht Dezibel reduzieren lässt“, sagt er. Mit der Akustik im neuen Studio sei es nicht besonders gut bestellt. „Die Soundbedingungen sind schwierig. Es gibt ziemliche Reflexionen. Das Studio ist zu klein und die Decke zu niedrig. Je mehr man hier Mikrofonsignale verstärkt, umso mehr Umgebungsgeräusche hört man. Deswegen sind wir auf Bügelmikrofone umgestiegen“, erklärt Baharov. Als Mikrophon-System wählte man Sennheiser Microport D9000 (8-kanalig, zwei Ansteckmikros und acht Nackenbügelmikros, zwei In-Ear SR 2050). Dazu wurde noch ein Cedar-De-Noiser DNS-8 Live mit Remotesoftware angeschafft. Das System kann Nebengeräusche, wie das Schleifen der Kabel von den beweglichen Remote-Kameras auf dem Studioboden, in Echtzeit berechnen und ausschalten. Zentrale technische Bausteine in der FM2-Tonregie sind ein Aurus-Audiomischer und eine Nexus Audio-Kreuzschiene von Stagetec.

Der Mischer verfügt über 40 Faderkanäle, drei Zentraleinheiten für Routing, Abhören und Steuerung, graphische Displays zur Aussteuerung, konfiguriert mit 198 Inputkanälen, fünf Stereosummen, acht Stereogruppen, 36 Auxilleries und 16 n-1 Busse. „Im Moment haben wir hier 150 Kanäle angebunden. Das kann auch jederzeit mehr werden, wenn auf Grund einer besonderen Nachrichtenlage Extra-Sendungen anstehen. Dafür brauchen wir hier schon ausreichend Kapazitäten“, sagt Baharov. Als Havariepult wird in der Tonregie ein Stagetec OnAir 24-Pult eingesetzt. „Das verfügt über eine sehr überschaubare Nutzeroberfläche, reicht aber für unsere Zwecke. Per Knopfdruck kann man sofort auf den Havarie-Modus wechseln. Für Social Media-Anwendungen sind in der Ton-Regie zwei Newtek Talkshow-Systeme mit HD-SDI Anbindung für Skype (je ein Apple-TV und Google Chromcast) installiert. Als Kommandoanlage dient eine Riedel Artist. 

 

FM2-Regie mit Auto-OP und Studio-Operator

In der FM2-Regie des BR finden sich zwei Arbeitsplatztischreihen. In der ersten Reihe vor der Monitorwand (mit fünf 55“ und zwei 42“ Eyevis LCD Displays, vier 24“ VTS LCD-Displays) sitzt der Bildingenieur und technische Leiter. Er überwacht und steuert während einer Sendung über ein Zentralbedienteil die Ultimatte-Chromakeyer für die drei Studiokameras, macht das Colormatching wie Hauttonanpassungen und beschaltet, falls nötig, alle Geräteeingänge über die Kreuzschienenbedienung, sei es Mischpulteingänge oder Außenschalten. Im Havariefall sorgt er für die Signalumschaltung an den Chromakeyern. „Sollte mal ein Keyer, ein Renderer oder eine Kamera ausfallen, müssen wir natürlich Signale per Hand umschalten können. Der Bildingenieur sorgt für den sicheren Betrieb der Studioautomation und überwacht die Signale auf seinen Multiviewern und einem Rasteriser von Tektronix. Er kann im Bedarfsfall auch Server neu booten und einzelne Schnittstellen neu initialisieren“, erklärt Herz. Als Multiviewer werden im FM2 acht Grass Valley Miranda Kaleidos mit 32 oder 16 Eingängen genutzt. 

In der Mitte der ersten Regie-Reihe ist der bereits erwähnte Auto-OP platziert und bedient hier das Viz Mosart-System. Den Job machen gelernte Bildmischer. Statt vor einem Mischpult sitzen sie nun vor einer Computer-Tastatur für die Automation. „Wir haben natürlich noch einen Bildmischer am Start einschließlich dem Bedienpanel dazu, um einfach abgesetzt vom Hauptarbeitsplatz im Vorfeld die Sendung einzurichten, Effekte wie DVE-Schaltfenster kann man am einfachsten über das Mischer-Bedienpanel anpassen und im Havariefall kann man es auch einsetzen. Dabei handelt es sich um ein kleines Sony MVS 3000 A mit einer ME und 32 Ein- und 16 Ausgängen“, sagt Herz. Den Rundown triggert der Auto-OP per Tastendruck. Er kann auch Beiträge vorziehen, oder Grafiken und Bauchbinden händisch einspielen. Ganz vollautomatisch läuft der Rundown also nicht, da während der Sendung spontane Ablaufänderungen jederzeit möglich sein sollen. Die Hoheit über den zeitlichen und inhaltlichen Ablauf der Sendung hat letztlich der Redaktionsverantwortliche (CVD) auf dem CVD-Platz, rechts in der ersten Reihe der Regie. Er hat die vom Producer geplante Sendung vor Ausstrahlung abgenommen und ist während der Sendung in der Regie, um Ablaufänderungen durchzuführen und zu entscheiden, was in der Sendung am Ende stattfindet. 

In der zweiten Reihe ist der Arbeitsplatz des Studio-Operators, ein ebenfalls ganz neuer Job mit erweitertem Tätigkeitsspektrum. Der Studio-Operator ist für Lichtsteuerung, Kamera- und Robotik-Bedienung gleichzeitig zuständig. Dafür wurden Kameraleute und Lichtexperten besonders geschult. Als Lichtpult ist hier ein MA dot.2 von MA Lighting im Einsatz. „Die Grundeinstellungen des Lichts werden über Viz Mosart zwar vorgegeben und automatisiert, aber ab und zu muss man auch hier händisch eingreifen“, sagt Kameramann Gerald Schäfer aus der Abteilung Studios und Mobile Produktion, zuständig für die Kamerarobotik im Studio. Die Kameraausteuerung erfolgt über eine Sony Master Control Unit (MCU). Der Studio-Operator ist auch für Studiosicherheit zuständig. Mit Hilfe von drei Überwachungskameras kann er von seinem Regieplatz aus den kompletten Aktionsbereich der Kameras sehen. Wenn der Roboterkran sich ausschaltet hat, weil jemand den Sicherheitsbereich betreten hat, kann er ihn manuell wieder starten. Weitere Arbeitsplätze in der zweiten Reihe sind für die Redaktion reserviert. Von hier aus wird der Autocue-Teleprompter bedient und der Grafikproducer kontrolliert nochmal alle virtuellen Grafiken und kann Grafiken oder Bilder über OpenMedia auswechseln, wenn der CVD es verlangt.

 

FM2-Subregie

In einem kleinen angrenzenden Nebenraum ist die FM2-Subregie untergebracht. Sie wird im Zweipersonenbetrieb von einem CVD/Redaktionsverantwortlichen und einem technischen Mitarbeiter bedient. Technische Kernkomponente hier ist ein Viz Opus System, ein 2-kanaliges Echtzeitgrafiksystem mit integrierter Mosart Regieautomation und acht Videoeingängen. Zur weiteren Ausstattung gehören unter anderem ein Audiomischpult Stagetec OnAir 24 mit eigener Nexus Audio-Kreuzschiene (fest konfiguriert mit 40 Inputs, 32 Busse, 8 Fadern) eine RTW-TM7 Pegel- und Loudness-Anzeige, ein Chromakeyer Chrystal Vision Safire 3 und ein zwei-kanaliger Chyron HyperX Schriftgenerator. Die Monitorwand besteht aus zwei 42” Eyevis LCD Displays und zwei 24” VTS LCD Displays. Mit Viz Opus lässt sich ähnlich wie mit Viz Mosart in der Hauptregie arbeiten. „Es war uns wichtig, hier kein anderes System zu haben, sondern mit gleichen Workflows und OpenMedia Templates zu arbeiten, so dass ein Redakteur eine Breaking-News-Sendung aus einer bestehenden Sendung oder aus einem gewissen Open Media-Gerüst heraus erstellen kann. Das wird hier geladen und übertragen, auch mit gleicher Oberfläche und Bedienphilosophie. Damit kann man sehr schnell eine Sendung realisieren“, sagt Glampe. Wenn Moderation gewünscht sei, könne man entweder eine Kamera aus dem Studio FM2 anbinden oder eine aus dem benachbarten kleinen Schaltenstudio (FM5), in dem im Normalfall Schalten für ARD-aktuell realisiert werden. 

Die Subregie ist für den BR insbesondere für Social Media Anwendungen wichtig. „Mit der Subregie können wir eine parallele Ausspielung vornehmen beziehungsweise als Livestream eine zweite Sendestrecke zum linearen BR-Fernsehen aufbauen. Wir können von hier aus unsere eigene Plattform BR24 oder zum Beispiel auch Facebook live bespielen und dabei auf den gleichen Bilder- und Audio-Vorrat zugreifen. Mit der Subregie hängen wir an der großen Kreuzschiene, wo alle Signale aufliegen“, erklärt Glampe. Die hier eingesetzten Systeme seien angelehnt an die normale BR-Produktionstechnik. Das biete bei besonderen Nachrichtenlagen die Möglichkeit, schnell und einfach einen eigenen Livestream oder Web-Channel zu dem Ereignis aufzubauen.    

Eckhard Eckstein

MB 4/2017

© BR

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