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Wachsende Bedeutung

Zwischen dem Kabel-Hersteller Belden und dem britischen Broadacast-Dienstleister Gearhouse hat sich eine enge Kooperation bei großen internationalen Sportevents entwickelt. MEDIEN BULLETIN sprach mit Gearhouse-Geschäftsführer Eamonn Dowdall und Belden-Marketing Manager Werner Eich über die gemeinsamen Aktivitäten und über die wachsende Bedeutung der Kabeltechnik im Broadcast-Business.

Wie kam es zu der Partnerschaft von Belden und Gearhouse?
Eamonn Dowdall: Das geht zurück auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Korea. Da haben wir erstmals zusammen gearbeitet.
Werner Eich: Danach waren wir auch bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal ein Team. Das war eines unserer größten gemeinsamen Projekte. Und zuletzt haben wir natürlich auch wieder bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland zusammengearbeitet.
ED: Gearhouse kommt ja ursprünglich aus dem Produktionsbereich. Wir wissen, dass Broadcaster heute nach sehr unterschiedlichen, individuellen Lösungen suchen und die Verkabelung dabei eine entscheidende Rolle spielt. Mit der Einführung von High-Definition und mit einer zunehmenden Qualitätsverbesserung bei Bild und Technik gewinnt auch die Qualität der Kabel an Bedeutung. In der Vergangenheit war das Kabel-Thema für uns weniger relevant. Das hat sich erst vor gut vier Jahren geändert. Mittlerweile ist die Verkabelung ein sehr wichtiger Teil unseres Geschäfts. Dabei werden wir von Belden unterstützt. Bei uns im Haus war jedenfalls erst einmal ein Umdenken nötig, was den Stellenwert der Verkabelung anbelangt. Wir mussten erst lernen, einen professionellen Service dafür anzubieten. Heute haben wir in Kabelfragen einen ausgezeichneten Ruf. Das ist wichtig, weil in der Broadcast-Branche nach wie vor viel Unverständnis hinsichtlich der Kabeltechnik existiert. Und weil wir in Sachen Verkabelung sehr kompetent sind, konnten wir auch bei der FIFA WM 2006 alle WM-Stadien in Deutschland verkabeln. Das war ein sehr wichtiges technisches Unterfangen und eine echte Herausforderung.

War der Hostbroadcaster HBS mit Ihrem Job zufrieden?
ED: Ich denke schon. Wenn wir uns zusammen mit Belden nicht schon vorher entsprechend profiliert hätten, hätten wir den Job gar nicht bekommen. Schließlich ist HBS bekannt dafür, höchste Anforderungen an technische Dienstleister und Equipment zu stellen. Der Auftraggeber HBS ist technisch sehr kompetent und innovativ.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie bei den Kabelarbeiten zur FIFA WM 2006 zu tun?
ED: Wir haben festgestellt, dass man die HDTV-Technik gut verstehen muss, wenn es um die Verkabelung geht. Bei Standard-Definition ist alles einfacher. Damit kann man weitere Distanzen via Kabel überbrücken. Die Frequenzen sind um einiges niedriger als bei HDTV. Ich glaube, bei der FIFA WM 2006 hat die gesamte Broadcast-Industrie noch eine Menge über die Verkabelung bei HDTV gelernt. Dabei spielten insbesondere die unterschiedlichen technischen Konzepte der Geräte-Hersteller eine Rolle, aber auch viele andere technische Fragen – zum Beispiel, was die richtigen Verbindungsstecker für BNC-, Triax- oder Glasfaser-Kabel anbelangt. Die Verkabelung bei der FIFA WM 2006 war jedenfalls so komplex, dass wir immer sicherstellen mussten, die richtigen Leute dafür an der richtigen Stelle zu haben.

Was hat Belden bei der FIFA WM 2006 gelernt?
WE: Wir bauen HD-Kabel ja schon seit Jahren und vertreiben diese weltweit. Das Wichtigste für uns war, bei einem so großen internationalen Sportevent wie der FIFA WM 2006 überhaupt dabei sein zu können. Wir kannten das Projekt FIFA WM 2006 schon zwei Jahre vor dem Start. Aber am Ende musste alles sehr schnell gehen. Wir mussten unsere Kabel binnen sechs Wochen liefern. Auch Gearhouse stand unter Druck, weil die Bundesliga noch Spiele in den Stadien absolvierte und danach nur kurze Zeit zur Verkabelung zur Verfügung stand.
ED: Wir hatten nur vier Wochen Zeit, um alle zwölf WM-Stadien zu verkabeln.
WE: Wir mussten auf den Punkt nach den entsprechenden Längen vorbereitet an die einzelnen Stadien die Kabel liefern. Jedes Stadion wurde maßgeschneidert bedient.
ED: Deshalb war die Partnerschaft mit Belden für uns so wichtig. Nur so waren wir in der Lage, die logistischen Voraussetzungen für die reibungslose Zulieferung der für die Installationen erforderlichen Kabel zu erfüllen. Die starke Verknüpfung von Produktionsanforderungen und Logistik war ausschlaggebend für den Erfolg der Installationen, bei denen ja auch sehr viele unterschiedliche Kabel für Audio und Video benötigt wurden. Belden ist für uns auch deshalb wichtig, weil das Unternehmen sehr gut versteht, was wir brauchen. Werner Eich und sein Team kümmern sich um viele Dinge und geben uns damit sehr viel Sicherheit.

Offene Partnerschaft mit gleichem Ziel
Ist das eine exklusive Partnerschaft?
ED: Unter Kabel-Herstellern und Verkabelungs-Dienstleistern gibt es eine große Auswahl an potenziellen Partnern. Wir verlassen uns aber lieber auf Belden, weil wir wissen, dass dort sehr viel Know-how existiert.
WE: Wir pflegen eine offene Partnerschaft. Dabei haben wir das gleiche Ziel: Wir wollen große internationale Sportevents betreuen.

Was passiert eigentlich mit all den Kabel nach einem Großevent wie der FIFA WM 2006?
ED: Wir vermieten die Kabel nur für den Zeitraum des Events an die Hostbroadcaster oder die Organisatoren. Sobald die Events vorbei sind, werden die Kabel wieder abgebaut und die Stadien in ihren Urzustand zurückversetzt. Die geschäftliche Vereinbarung mit Belden ist klar: Wir kaufen die Kabel von der Firma. Nach einem Event wie FIFA WM 2006 behalten wir einen Teil davon, um ihn bei anderen Events einzusetzen, und ein anderer Teil wird an Kunden wie Ü-Wagen- oder Studio-Betreiber weiter verkauft. Außerdem haben wir ein großes Verleih- und Projekt-Geschäft. Überall werden mehr Kabel gebraucht. Die Installationen werden immer größer. Deshalb kann man nicht genug Kabel haben. Wie gesagt, die Verkabelung spielt heute eine ganz andere Rolle als noch vor ein paar Jahren.

Wie viel Kilometer Kabel wurden denn bei der FIFA WM 2006 eingesetzt?
WE: Es waren dort locker 2.000 Kilometer Kabel von uns im Einsatz, darunter allein 400 Kilometer Triax-Kabel.

Profitiert Gearhouse wie auch andere Unternehmen der Broadcast-Branche davon, das Belden sehr stark in Standardisierungsfragen und Technologieentwicklung involviert ist?
WE: Sicherlich. Wir bedienen die Rundfunk-Techniker exakt mit dem Material, das sie benötigen. Bei der Olympiade in Athen waren unsere Glasfaserkabel noch für 3 GHz ausgelegt, bei der FIFA WM in Deutschland schon für 4,5 GHz. Wir folgen den technischen Trends, und davon profitieren alle, nicht nur Gearhouse. Zu jedem Event sind wir immer mit der neuesten Technik am Start.

Was ist denn derzeit das Hauptthema im Kabelgeschäft?
WE: High-Definition.
ED: Das ist richtig. Ich glaube, dass Belden hier auch technisch sehr innovativ ist. Das ganze HD-Geschäft ist jedoch noch in Bewegung. Manche Unternehmen warten mit Investitionen lieber noch ab. Innovationen sorgen ja bekanntlich für veränderte Geschäftsmodelle. Und damit haben einige ein Problem. Sie sind bemüht, ihre getätigten Technik-Investitionen erst einmal zu schützen. Früher war das einfacher. Da hat man eine neue Kamera gekauft und das alte Kabel einfach weiter benutzt. Bei HD geht das nicht mehr. Der Wechsel zur HD-Kamera bedeutet auch einen Wechsel beim Zusatzequipment wie bei den Kabeln. Ich finde jedoch gut, dass Belden sich als Hersteller sehr verantwortungsvoll verhält und keine kurzfristig relevanten Technologien anbietet. Aber wir müssen natürlich realistisch sein: Die Dinge bei HDTV werden sich noch entwickeln.

Was macht Belden, um Kunden Investitionsentscheidungen zu erleichtern?
WE: Wir garantieren für alle unserer HD-Kupferkabel zum Beispiel eine bestimmte Übertragungsreichweite. Das kleinste Kabel hat 40 Meter Reichweite, die dickeren bis zu 200 Meter. Das sind natürlich nur Empfehlungen, weil schließlich jede HD-Installation verschieden ist. Vieles hängt davon ab, welche Kameras und Geräte eingesetzt werden und ob sie von Sony, Panasonic oder Grass Valley etc. kommen. Man kann damit unterschiedliche Reichweiten erzielen. In Turin wurde unser 7731A-Koaxkabel eingesetzt. Damit wurden gar 280 Meter bei HD-Übertragungen überbrückt. Dieses Ergebnis haben wir sonst noch nirgendwo gesehen. Aber es ist möglich. Wir empfehlen für das Kabel lediglich 200 Meter. Die Rundfunk-Ingenieure können uns als Kabelhersteller also vertrauen. Wenn sie wissen, welche Frequenzen sie nutzen wollen, ob sie im 1080i- oder 1880p-Format arbeiten wollen und wie groß die Reichweite sein soll, dann ist es für sie einfach, das richtige Kabel dafür zu finden, weil sie von uns alle nötigen Informationen dazu bekommen.

Immer Fragen nach der Reichweite
Was war die wichtigste Belden-News zur IBC?
WE: Wir unterstützen HD seit 2000, heute mehr denn je. Im Fokus unseres Marketings bei HD stehen derzeit Zahlen. Wir sagen unseren Kunden, wie weit sie mit bestimmten Koaxkabeln HD übertragen können. Das ist für die sehr interessant. Viele fürchten nämlich, dass sie auf Glasfaser-Kabel wechseln müssen. Das würde auch einen Wechsel von einer passiven zu einer aktiven Komponente bedeuten. Und das macht alles sehr viel komplizierter und teurer. Detaillierte Informationen über die Reichweite von Standard-Koax-Kuperkabeln bei HD sind deshalb gefragt. Das war auch auf der IBC 2006 so. Belden hat dort unter anderem seine Banana Peel-Multicore-Koax-Kabel gezeigt. Die hierin gebündelten drei bis fünf Koaxe können leicht auseinander gezogen und getrennt angeschlossen werden. Die Banana Peel-Kabel sind sehr leicht und Platz sparend. Auf der IBC 2006 haben wir insgesamt zehn neue Produkte vorgestellt. Das ist schon sehr erstaunlich. 2005 war ich schon stolz darauf, sechs neue Produkte auf der Messe zu haben. Dieses Jahr gleich zehn. Das zeigt: Der Markt für Kabel wächst.

Welche neuen gemeinsamen Projekte haben Belden und Gearhouse?
ED: Wir haben einige Projekte in der Pipeline, aber zurzeit ist noch nichts spruchreif. Zu den nächsten Großprojekten gehören natürlich die Olympischen Spiele 2008 in Peking und die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz.

Ist es einfacher, sich dort gemeinsam für den Verkabelungs-Job zu bewerben?
ED: Natürlich. Das ist überall das gleiche Spiel. Belden ist nun mal eine sehr bekannte Marke, die uns den Zugang zu solchen Aufträgen erleichtert.

Und wo ist der Vorteil für Belden in der Zusammenarbeit mit Gearhouse?
WE: Wir wollen, wie gesagt, bei allen internationalen Sport-Großevents dabei sein, weil man überall dort die neuesten Technologien einsetzt. Wir müssen da mithalten können. Gearhouse hat da das gleiche Ziel wie wir, alle internationalen Sportevents zu bedienen. Aus dem gemeinsamen Interesse ergibt sich die beste Partnerschaft, die man haben kann.

Wie bewerten Sie den Kabelmarkt insgesamt? Was ist Beldens Position im Wettbewerb?
WE: Im Kabelmarkt insgesamt rangieren wir an neunter Stelle in der Welt. Nexans ist hier die Nummer eins, deren Umsatz beinhaltet aber auch Stromkabel, welche wir nicht produzieren. Jedoch sind wir weltweit gesehen Marktführer im Broadcast-Geschäft. Nur in Europa ist das anders. Hier haben wir mehr Wettbewerber als im Rest der Welt. In Europa ist der Kabelmarkt stark segmentiert. Fast jedes Land hat hier einen eigenen Kabel-Hersteller, der mit seinen Produkten auch den jeweiligen landesspezifischen Regulierungen entspricht. Wir haben hier also viele kleine Wettbewerber. Aber im Bereich EMEA sehen wir uns an zweiter Stelle und wir wachsen hier. Wir sind die Einzigen, die ein HDTV-Koax-Kabel mit 4,5 GHz anbieten können. Es ist für uns deshalb wichtig, bei allen großen internationalen Sportevents Flagge zu zeigen. Das hilft dabei, die Bekanntheit unsere Kabel in den europäischen Ländern zu steigern.

Sie haben gesagt, Glasfaser-Kabel seien sehr teuer im Vergleich zum Triax-Kabel. Welchen Stellenwert hat Glasfaser vor diesem Hintergrund im derzeitigen Kabelgeschäft?
WE: Das Hauptproblem bei Glasfaser ist der Außeneinsatz. Kupferkabel sind einfacher zu reparieren, wenn sie brechen. Wenn Glasfaserkabel brechen, dann wird es kompliziert. Das ist ein Grund dafür, dass Broadcaster nur ungern auf Glasfaser wechseln. Aber bei HDTV geht es ja auch um höhere Reichweiten, und jeder meint, mit Glasfaser habe man da mehr Möglichkeiten. Man darf auch nicht vergessen, dass nur Single-Mode-Fasern eine längere Übertragung erlauben als Koaxkabel. Hingegen Glasfaserkabel mit Multi-Mode-Fasern weisen kürzere Strecken auf als Koaxkabel. Aber Glasfaser ist nun mal auch sehr teuer. Allein schon die Glasfaser-Stecker kosten im Vergleich zu den Standard-Triax-Steckern sehr viel mehr. Wenn man am Ende die Kupfer- mit den Glasfaser-Kabel-Möglichkeiten miteinander vergleicht, dann kommt man zu dem Schluss, dass man auch mit Kupfer große Reichweiten realisieren kann. Gerade bei Sportveranstaltungen ist es deshalb oft einfacher, Kupferkabel einzusetzen.

Kupferkabel sind langlebiger
Es gab in Deutschland oft Kritik daran, dass die Fußballstadien nicht mit Glasfaser, sondern mit Triax verkabelt wurden. Warum hat man das so gemacht?
WE: Weil die Unterhaltungskosten von Glasfaser einfach höher sind. Die Stadion-Betreiber müssen Experten beauftragen, die Glasfaserkabel zu warten. Glasfaserkabel beginnen nach fünf bis sechs Jahren blind zu werden. Kupferkabel halten viel länger. Es gibt genug Beispiele, wo die gleichen Kupferkabel schon 15 Jahre und länger im Einsatz sind. Wir haben bei Neuinstallationen Belden-Kabel vorgefunden, die aus den 50er Jahren stammten und immer noch ohne Probleme ihren Dienst taten.

Gerade für Verleihunternehmen scheinen robuste Kupfer-Kabel besser geeignet?
WE: Sie sind viel einfacher zu handeln und zu verbinden. Im Außeneinsatz hat man mit Glasfaser Probleme, wenn es regnet. Die Stecker müssen dann besonders geschützt werden.
ED: Man sollte aber trotzdem nicht übersehen, dass Glasfaser stark im Kommen ist. Bei der FIFA WM in Deutschland wurde Glasfaser an vielen Stellen eingesetzt, wo es sehr viel Sinn machte.

Wie hoch war denn der Anteil der Glasfaser-Kabel bei der FIFA WM 2006?
ED: Nicht sehr hoch. Am Ende zählen in unserem Geschäft wirtschaftliche Faktoren. Und Glasfaser ist nun mal noch sehr teuer.
WE: Wenn man den weltweiten Kabelmarkt betrachtet, stellt man fest, dass die Nachfrage nach Glasfaserkabel 2005 um 16 Prozent und die nach Kupferkabel um vier Prozent gestiegen ist. Das bedeutet, dass nach wie vor ein sehr hoher Bedarf an Kupferkabel existiert. Noch mal: Wir haben nichts gegen Glasfaser. Wir produzieren ja auch selbst diese Kabel. Belden hat heute ein Glasfaserwerk in den USA und eines in den Niederlanden und in Tschechien. Aber der Markt ist noch nicht reif, um bei internationalen Sportevents komplett auf Glasfaser umzuschwenken.

Warum ist der Sportbereich für Belden so wichtig?
WE: Hier existiert nun mal ein sehr hoher Bedarf an Kabel. In EMEA gibt es zum Beispiel 4.700 Fußballstadien. 70 Prozent davon sind zwar für weniger als 30.000 Besucher ausgelegt, aber sieben Prozent für mehr als 80.000 Besucher. Und in Osteuropa, ebenso wie im Mittleren Osten sehen wir einen wachsenden Markt. Dort beginnt man jetzt verstärkt, große Stadien zu bauen.

Welchen Beitrag haben Sie eigentlich zu den 15. Asien-Spielen in Doha geleistet?
ED: In Doha, Qatar, haben wir mit Belden zusammen das größte Indoor-Sportstadion der Welt, die Aspire Sports Academy, verkabelt. Dieses Multidisziplin-Stadion wird auch für TV-Produktionen genutzt. Das war dort eine sehr aufwändige Verkabelung und für uns eine großartige Referenz.
Eckhard Eckstein (MB 02/07)




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