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Deutlich schneller und effektiver

Vom 3. bis 8. Juli 2007 ging mit dem CHIO in Aachen das weltweit größte Reitsport-Ereignis über die Bühne. Für die TV-Produktion des „Weltfests des Pferdesports“ zeichnete der Westdeutsche Rundfunk (WDR) als Hostbroadcaster verantwortlich. Um die vielen Bilder von den Wettkampfstätten – über 300 Stunden Material – schnell und effizient nutzen zu können, setze er auf ein vernetztes Produktionssystem mit zwölf EVS-Servern XT2.

Regenschirm und Regenjacke waren die wichtigsten Utensilien der Fernsehmacher auf dem TV-Compound des Aachener Weltfests des Pferdesports, CHIO 2007 (3. bis 8. Juli). Auf ihren Wegen zwischen den Produktionscontainern und Ü-Wagen auf dem weitläufigen Gelände des Reitstadions in der Soers mussten Techniker und Redaktionsmitarbeiter ständig mit heftigen Schauern rechnen. Wer viel unterwegs war, musste da wetterfest sein. Das galt insbesondere für Reiner Meiss, Produktionsleiter des Westdeutschen Rundfunks (WDR), der als Gesamtverantwortlicher der CHIO-Produktion ständig überall mal nach dem Rechten schaute.
Der WDR war als Hostbroadcaster an den sechs Turnier-Tagen des weltweit größten Reitturniers (3. bis 8. Juli 2007) für die Produktion der internationalen TV-Bilder zuständig. Mit vielen Live-Übertragungen und Zusammenfassungen berichtete das WDR Fernsehen auch für den nationalen Gebrauch über das Geschehen aus der Soers. Rund 28 Stunden CHIO 2007-Programm waren im Ersten und im WDR Fernsehen zu sehen, davon 18 Stunden live.
Mit Hilfe neuester Technologien versuchte der WDR, den Zuschauern möglichst viele spannende und abwechslungsreiche Bilder zu zeigen. Dafür sorgte unter anderem auch wieder die bei der Reit-WM im Vorjahr erprobte „Spider-Cam“, die über ein Seilsystem neben oder über Pferd und Reiter „mitfliegen“ konnte. Ihre Bilder vermittelten laut WDR-Sportchef Steffen Simon dem Zuschauer „ein Gefühl für Dynamik, Tempo und Distanz zwischen den Sprüngen“.
Der vom WDR getriebene technische Aufwand war schon wie bei Weltmeisterschaften am selben Ort im vergangenen Jahr groß. Alleine aus dem Springstadion berichtete der WDR mit 16 Kameras. Insgesamt waren in der Soers mehr als 200 WDR-Mitarbeiter im Einsatz.
Der WDR hatte zudem seine komplette Ü-Wagen-Flotte vor Ort: FÜ1 war für die ZDF-Bildregie als Backup abgestellt, FÜ2 diente der Bildregie national, FÜ3 der Bildregie international im Bereich der Dressurprüfungen und FÜ4 der Bildregie international im Bereich Springen.
Ein weiterer Ü-Wagen von tv mobile (Ü4) war für die Produktion des Fan-TV und der Bespielung der im Reitstadion vorhandenen Displays mit entsprechenden Signalen zuständig. Und das ZDF war schließlich mit seinem MP3 Ü-Wagen präsent.

EVS-Netzwerk
Die wichtigste technische Innovation der WDR-Produktion bildete ein Netzwerk bestehend aus zwölf Produktionsserversystemen XT2 von EVS. Die mit jeweils vier Eingangskanälen ausgestatteten Maschinen zeichneten sämtliche Feeds der Kameras von den Wettkämpfstädten auf. Gleichzeitig wurden die Bilder im so genannten Dispatcher-Container, einem zentralen Kontrollraum, geloggt. Das heißt, alle wichtigen Szenen wurden mit bestimmten Schlüsselwörtern versehen, um so eine schnelle Auffindbarkeit und einen direkten Zugriff zu gewährleisten. Die Logger konnten zudem die Wichtigkeit der Clips durch entsprechende Ratings bestimmen. Im Einsatz waren, je nachdem wie viele Events gleichzeitig liefen, bis zu vier Logger.
„Die einzelnen Wettkämpfe wurden im Schnitt zwar mit acht bis zehn Kameras abgedeckt. Die vier Logging-Stationen reichten aber dennoch aus. Bei Pferdesport-Übertragungen ist schließlich nicht jeder Reiter wichtig. Wir haben vorher 15 bis 20 Reiter mit ihren Pferden definiert, von denen man ausgehen konnte, dass sie gewinnen können. Und die wurden dann geloggt“, berichtet EVS Sales- und Support-Manager Felix Hensel. „Wenn etwas Unvorhergesehenes passierte, zum Beispiel ein schwerer Sturz, dann wurde das an den Logging-Stationen natürlich auch berücksichtigt“, sagt er. Auch vor Ort habe man also die Möglichkeit gehabt, die Keyword-Liste zu erweitern.
Hensel hatte mit einem EVS-Kollegen für den WDR die EVS-Installation im Dispatcher-Container einschließlich der Vernetzung der Serversysteme realisiert und stand dem Sender während der Veranstaltung für Support-Aufgaben zur Verfügung. „Für den technischen Aufbau haben wir gut zweieinhalb Tage gebraucht“, berichtet er.
Die Vorbereitung der Logging-Stationen auf Basis der IPDirector-Software von EVS sei hingegen aufwändiger gewesen. Hierbei ging es vor allem darum, Keywords für die Logger zu kreieren und in das System einzupflegen. Die Logger brauchten dann bei ihrer Arbeit nur noch die entsprechenden Wörter anklicken. Das beschleunigt den Logging-Vorgang immens und sorgte zudem dafür, dass Schreibfehler vermieden werden können. „Problematisch war vor allem das Eintragen der ganzen Namen. Wir hatten dabei mit über 200 Reitern zu tun, die jeweils mit bis zu fünf Pferden angereist waren. Das ergab schon mal eine Menge Keywords“, sagt Hensel.
Die Logger mussten während der Wettbewerbe dann genau hinschauen, mit welchem Pferd ein Reiter unterwegs war. Die Pferde-Wahl treffen viele Reiter schließlich erst kurz vor dem Start. „Die Logger loggten zwar einzelne Kamera-Signale, sahen aber gleichzeitig auch den Programm-Mitschnitt und hatten natürlich auch die Starterlisten vor sich“, berichtet Hensel.
Die Keywords für die Logging-Stationen hat der EVS-Manager zusammen mit René Alles realisiert. Der Journalist und Filmemacher arbeitet als freier Redakteur für den WDR und ist zudem Geschäftsführender Gesellschafter der best boys tv-factory. „Die Keyword-Frage hat uns einiges Kopfzerbrechen bereitet. Unser Ziel war es zwar, Metaddaten-Mehrwert zu schaffen, gleichzeitig aber auch eine drohende Informationsflut einzudämmen. Schon im März 2007 haben wir da mit der Planung angefangen“, berichtet er.
„Der Pferdesport stellt an die TV-Produktion besondere Herausforderungen. Und wir mussten unsere Technik in enger Abstimmung mit der Redaktion erst darauf einstellen“, meint Hensel. Die Zusammenarbeit mit Alles sei dabei besonders fruchtbar gewesen.
„Das ist ein sehr guter Ansprechpartner, der auch die Limits von Technologien erkennt und weiß, dass ein Netzwerk immer bestimmte Grenzen hat, die es einzuhalten gilt“, erklärt er.

Dispatcher-Raum
Im Dispatcher-Container beim CHIO 2007 fanden sich drei Arbeitsreihen. In der hintersten Reihe saßen die vier Logger, in der mittleren die Redaktion mit dem CvD (Chef vom Dienst). Er agierte als Supervisor für das im Container verwaltete und bereitgestellte Bildmaterial. In der vordersten Reihe schließlich waren Playout 1 und Playout 2 untergebracht und daneben ein Highlight-Schnittplatz und die EVS-Masterstation. Dieser Arbeitsplatz verfügte über einen Doppelbildschirm für IPDirector und für Xfile, um jeden Clip im EVS-Netzwerk schneller finden zu können. Genutzt wurden dabei dieselben Keywords, die auch die Logger nutzten. Insgesamt waren beim CHIO 2007 sechs IPDirector-Stationen am EVS-Netzwerk angebunden. „Wenn man an einem was änderte, war das sofort auch bei den anderen sichtbar“, sagt Hensel.
Von der EVS-Masterstation aus konnte auf alle angelegten Logg-Sheets zugegriffen werden. Sobald eine Bildanfrage von einer der fünf Avid-Suiten auf dem TV-Compound kam, konnte das entsprechende Material ihnen per SDI-Übertragung gleich zugespielt werden. „Wir hatten also kein gemeinsames Netzwerk mit den Avid-Stationen, sondern haben an der Stelle noch den klassischen Workflow genutzt“, berichtete Hensel.
Das EVS-Netzwerk habe es ermöglicht, spezielle Ereignisse bei den Wettkämpfen besonders schnell, mit drei oder vier Clips aus verschiedenen Perspektiven On-Air zu bringen. Aufgrund der gebuchten, sehr erfahrenen EVS-Operatoren konnten solche „schnellen“ Highlights direkt aus dem Dispatcher-Raum gefahren werden.
Alles in dem Kontrollraum war klassisch über BNC und über das Xnet2 Media Sharing Network von EVS vernetzt. Auch die Ü-Wagen waren so angebunden. Nur die weiten Wege wurden mit Glasfaser realisiert. Das heißt, das Signal eines entfernten Ü-Wagens kam dann als BNC aus einer EVS-Maschine heraus, wurde umgesetzt auf Glasfaser und im Masterkontrollraum wieder umgesetzt auf BNC. „Alle Signale liefen auf zwei Hubs, so dass auch alle Maschinen miteinander kommunizieren konnten. Das heißt, jeder Operator konnte auf jeden Clip und jeden Record-Stream zugreifen“, erklärt Hensel.
Der Avid-Bereich bestand aus fünf Edit-Suiten und einem Unity ISIS mit acht TB Speicher. Über neun Avid Airspeeds wurden auf das ISIS-System alle Feeds aus den Ü-Wagen ebenso wie die von der Logging-Masterstation aus der EVS-Welt geschickten aufgespielt.
Das EVS-Netzwerk verfügte mit dem Raid-System XFile2 über einen ebenso großen Speicher wie ISIS. „Wenn der Speicherplatz des EVS XT2-Mainframes voll war, wurde das Material auf unser Offline-Storage-System geschoben“, sagt Hensel. „Darauf konnte man dann zwar nicht mehr direkt zugreifen. Wenn ein Cutter oder ein Regisseur das Material aber dennoch brauchte, konnte man es wieder auf die EVS-Server zur weiteren Verwendung ausspielen.“ Jeden Abend musste entschieden werden, welches Material wichtig genug war, um es auf dem XFile Offline Storage abzulegen. „Am nächsten Morgen konnten die Operator dann die XT2-Maschinen wieder komplett frei machen“, erklärt Hensel.

Entscheidender Vorteil
Das von EVS bereit gestellte Netzwerk bot der CHIO-TV-Produktion einen entscheidenden Vorteil. In der Vergangenheit hatten die Cutter an den Schnittplätze immer nur Zugriff auf die Programm-Outs der Ü-Wagen. Dieses Material kannte der Zuschauer schon von den Live-Übertragungen. „Beim Editing war man also bei der Materialauswahl sehr eingeschränkt. Mit der EVS-Installation steht nun das komplette Bildmaterial des Events jederzeit zur Verfügung“, erklärt Hensel.
Ziel der EVS-Installation sei von daher nicht die Unterstützung der Live-Produktion gewesen, sondern Anreichern der Edits im Nachhinein. „Es ging vor allem darum, die Bilder des Tages zu bestreiten, um Highlight-Berichte oder irgendwelche Reiterporträts zu schneiden. Das gesamte vorhandene Material konnte dabei deutlich effektiver im Netzwerk genutzt werden“, betont Hensel.
Das Loggen des Materials machte beim CHIO 2007 viel Sinn, weil es sehr umfangreich war. Hätte jede der genutzten Kameras für die Dauer des Events Bilder gemacht, so wäre man auf rund 500 Stunden Material gekommen. Dafür hätten die jeweils acht TB Speicherplatz im EVS- und im Avid-Bereich gerade ausgereicht. Am Ende hatte man gut 300 Stunden Material auf den Raid-Systemen. „Ohne Logging hätte man nur mit Material voll gepackte Festplatten, auf denen man dann nichts mehr wiederfinden kann. Jetzt aber kann das Material später leicht weiter verwendet werden“, sagt er.
Die zwölf XT2-Produktionsserver von EVS waren in den Ü-Wagen, im Masterkontrollraum und im Dispatcher-Raum verteilt. Die vier EVS XT2 im Dispatcher-Raum wurden TopVision bereitgestellt, die im Masterkontrollraum (drei) und die auf dem FÜ3 (zwei) wiederum stammten von HDinside, der gemeinsamen Verleihfirma von Wige und Wellen+Nöthen. Zwei weitere EVS-Superslomos steuerte Dekabo Video aus Meckenheim bei. Das übrige EVS-Material stammte vom ZDF beziehungsweise aus dem gemeinsamen Gerätepool von ARD und ZDF. Der WDR selber hat im Moment keine eigenen EVS-Maschinen.
WIGE Media zeichnete beim CHIO 2007 für Planung und Realisation des Masterkontrollraums (MCR) verantwortlich sowie für die komplette Verkabelung zu den Ü-Wagen und den Wettkampfstätten. Unter anderem war der MCR mit Barco-Monitoren und einer Kreuzschiene von Metawave bestückt. WIGEs MCR-Leiter James Martin: „Man muss sagen, dass sich der Einsatz der EVS-Systeme hier sehr bewährt hat. Wir haben vor allem auch davon profitiert, dass EVS mit eigenen Support-Leuten vor Ort war und bei Bedarf jederzeit Unterstützung bot.“ Auch bei prasselndem Regen war Hensel dann unterwegs.
Auch Alles lobt seine EVS-Kollegen. „Die Zusammenarbeit mit ihnen war sehr gut. Sie waren für unsere Ideen immer offen und haben versucht, wo es ging, sie zu verwirklichen“, sagt er. Alles ist überzeugt davon, dass sich EVS-Netzwerke, wie das beim Weltfest des Pferdesports CHIO 2007 in Aachen eingesetzte, auch bei anderen TV-Produktionen von Sport-Großveranstaltungen durchsetzen werden. (09/07)
Eckhard Eckstein





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