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Alles aus einer Hand

Alles aus einer Hand

Marc Böckenförde hat seit Oktober 2007 neben der Geschäftsführung der Bavaria Production Services auch die der FTA Film- und Theaterausstattung übernommen. Beide Dienstleistungsbereiche sollen stärker miteinander verknüpft werden, um den Kunden ein breiteres Spektrum aus einer Hand anbieten zu können. MEDIEN BULLETIN sprach mit dem Geschäftsführer sowie mit Evi Scherrer, Leiterin des Kostümfundus München, und Thomas Hissia, dem Münchener Niederlassungsleiter, über die Markt-Positionierung der FTA Film- und Theaterausstattung.

Sie haben jetzt neben der Geschäftsführung der Bavaria Production Services auch die der FTA Film- und Theaterausstattung übernommen. Was bedeutet das für Ihre Kunden?
Marc Böckenförde: Wir möchten zukünftig innerhalb der Bavaria Film Gruppe verstärkt Dienstleistungen aus einer Hand anbieten, wie wir das auch schon bei der Bavaria Production Services im technischen Dienstleistungsbereich tun. Das macht Sinn, weil wir ja sowohl bei der Bavaria Production Services als auch bei der FTA Film- und Theaterausstattung auf der Ebene der Produktions- und Herstellungsleiter überwiegend dieselben Ansprechpartner haben. Denen möchten wir unseren Services mit noch umfassenderer Kompetenz anbieten.

Unsere Kunden haben somit die Möglichkeit, noch attraktivere Dienstleistungspakete zu erhalten. Den Kunden der Bavaria Production Services möchten wir den Fundus noch schmackhafter machen und den Kunden der FTA Film- und Theaterausstattung im Gegenzug unser technisches Dienstleistungsangebot. Im Endeffekt wollen unsere Kunden selbst ja so viel wie möglich aus einer Hand erhalten, da sich dadurch der logistische Aufwand für sie in Grenzen hält.

Das wurde vorher nicht so gemacht?
MB: Nicht so direkt, da die Bereiche ziemlich autark geführt wurden. Es ist deshalb von großem Vorteil, dass dies jetzt nicht mehr der Fall ist. Vorhandene Synergien können nun besser genutzt werden.
Thomas Hissia: Mit Marc Böckenförde haben wir einen Ansprechpartner, der die Kunden in beide Richtungen berät und genau weiß, was sie in München, aber auch an unseren anderen Standorten in Berlin, Hamburg, Köln sowie Leipzig von uns erwarten können.


TH: Der Fundus ist im ständigen Wandel. Wir sind bemüht, ihn kontinuierlich den wechselnden Kundenbedürfnissen anzupassen. In diesem Zusammenhang übernehmen wir auch schon mal Ausstattungen von kleineren Produktionsfirmen.

Geht der Trend im Fundusbereich hin zu Großanbietern?
TH: Das ist ein ganz klarer Trend, weil viele Produktionsfirmen festgestellt haben, dass es sich nicht rechnet, einen eigenen Fundus zu unterhalten.
MB: Das ist im Prinzip die gleiche Situation wie zum Beispiel bei der Vermietung von Produktionstechnik. Viele Produzenten könnten sich auch eigene Licht-, Bühnen- und Kameratechnik anschaffen. Darüber hinaus müssten Sie sich aber auch das technische Know-how aneignen sowie eigene Wartungs- und Reparatur-Units zulegen. Aber in der Regel rechnet sich das wirtschaftlich nicht, weil einfach die nötige Auslastung fehlt. Die Trennung zwischen Produktion und Dienstleistung hat sich in der Vergangenheit bewährt.

Sind Kooperationen ein probates Mittel, um die Auslastung zu optimieren?
MB: Auf jeden Fall. Auch wir setzen auf Kooperationen. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Firma Herz Filmservice auf dem Bavaria Film Gelände in Geiselgasteig bei München. Die hat sich auf Medizintechnik spezialisiert und bietet auch die entsprechende inhaltliche Beratung am Drehort an. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Spezialisten, mit denen wir kooperieren.
Evi Scherer: Im Bereich Kostümfundus ist das ähnlich. Wenn wir nicht selbst in der Lage sind, eine Produktion zu bedienen, können wir einen anderen Fundus ins Spiel bringen. Wir sind in Sachen Kooperationen immer sehr offen.

MB: Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Unsere Kunden haben einen Ansprechpartner in der FTA Film- und Theaterausstattung und können sich darauf verlassen, dass sie auch die Dinge, die wir selber nicht vorhalten, von uns zumindest als Dienstleister vermittelt bekommt. Auch wenn wir dabei nichts verdienen, ist das uns das für unsere Kundenbindung sehr wichtig.

Kaufen Sie auch dazu, wenn Kunden bei Ihnen etwas nicht finden?
ES: Wenn es wirtschaftlich vertretbar ist, dann ja. Ansonsten versuche ich die gewünschten Dinge zu mieten oder aber, wie gesagt, auf Kooperationspartner zurückzugreifen.

Wie sieht die Kundenstruktur der FTA Film und Theaterausstattung aus? Sind das hauptsächlich Unternehmen die auf dem Bavaria Film Gelände produzieren?
MB: Im Gegenteil, der Anteil der Kunden, die von außerhalb kommen, ist größer. Das Ziel ist es, diesen Anteil zukünftig an allen Standorten auch noch weiter auszubauen. Eine hinsichtlich der Kundenstruktur vielfältig aufgestellte FTA Film- und Theaterausstattung kommt auch der Bavaria Film wieder zugute.
ES: Interessante Kunden für den Kleiderfundus sind auch Verlage, die Modezeitschriften wie Cosmopolitan, Voque etc. herausgeben. Hauptkunden sind jedoch die Kostümbildner. Dann kommen viele Stylisten, die für Fotografen arbeiten, oder die Fotografen selber, häufig auch Dekorateure. Zu unseren Kunden zählen zudem viele Veranstalter von Events.

Von der Steinzeit bis heute
Was beinhaltet das Angebot der FTA Film- und Theaterausstattung?
TH: Wir haben den Bereich Ausstattung mit Möbeln, Lampen, Requisiten – von der Streichholzschachtel bis zur chinesischen Vase – sowie den Kostümfundus. Ein Großteil der Stücke in unserem Fundus stammt aus der Zeit von 1960 bis heute. Das ist eben ein typischer TV-Fundus. Grundsätzlich deckt die große Bandbreite unseres Fundus aber alle Epochen ab – von der Steinzeit bis zur frühesten Geschichte.

Wie schnell können Bestellungen erledigt werden?
TH: Möbel können wir sofort an der Rampe ausliefern. Bei Lampen dauert es etwas länger, weil die in der Regel sehr empfindlich sind und somit erst verpackt werden müssen. Vieles geht noch am selben Tag raus.

Haben Sie einen 24-Stunden-Service?
MB: Unsere Mitarbeiter sind in der Regel von 7.30 bis 17.30 Uhr für unsere Kunden vor Ort. In unseren Niederlassungen an den jeweiligen Standorten kann es – je nach regionaler Marktanforderung – dabei zu kleinen Abweichungen kommen. Sollte darüber hinaus im Einzellfall Bedarf bestehen, sprechen wir das mit unseren Kunden direkt ab. Wenn „Rund um die Uhr Service“ kurz oder mittelfristig gefordert wird, dann reagieren wir darauf. Das kann in Form von Lieferservice oder Nachtboxen erfolgen. In Köln haben wir bereits das Nachtboxen-System eingeführt. Hier können Kunden ausgeliehene Gegenstände auch in der Nacht zurückliefern. An diesem Standort haben wir aber auch eine andere Kundenstruktur. Unsere Fundusartikel werden dort viel bei Veranstaltungen und Events eingesetzt. In München haben wir es mehr mit der klassischen Filmdekoration zu tun. Dahinter steht meist eine längere Planungsphase.

Was kostet denn die Ausleihe eines Sofas bei der FTA Film- und Theaterausstattung?
TH: Wir haben eine sehr differenzierte Berechnungsformel für unsere Möbel, Lampen, Requisiten, Stoffe und Kostüme, die sich am Haftungswert orientiert. Der Tagespreis für ein Sofa hängt von der Wertigkeit des Artikels ab. Bei niedrigpreisigen Artikeln berechnen wir 2,5 Prozent, bei hochpreisigen jedoch nur noch 0,7 Prozent des Haftungswertes. Für Möbel und Lampen sind es Tagespreise. Wenn Sie Fundusartikel aus diesen Bereichen anmieten, werden als Grundpreis drei Tage berechnet. Ab dem fünften Tag werden Ihnen Rabatte eingeräumt. Für Requisiten, Stoffe und Kostüme gelten Wochenpreise. Für jede weitere Woche addiert sich bei Requisiten und Stoffen ein Prozentsatz von 25 Prozent und bei Kostümen von 10 Prozent des Wochenpreises.

Sind Ihre Lager an allen Standorten ähnlich ausgestattet?
TH: Es gibt aus der Historie des Unternehmens heraus Unterschiede. Berlin ist der älteste Fundus der FTA Film- und Theaterausstattung. München kam erst später hinzu. Wir haben damals die Fundusgegenstände der Firma Grawe mit in unseren Bestand in Berlin und München übernommen. Dadurch haben wir dort viele historische Sachen, die wir in dieser Form in Köln und in Hamburg nicht besitzen. Ansonsten versuchen wir, überall ein vergleichbares Angebot vorzuhalten.

Wie groß ist die Zahl der Artikel im Fundus?
TH: Bei dem Umfang an Gegenständen, die wir in unserem Bestand haben, ist das schwer zu sagen. Ein Großteil haben wir mit der Zeit fotografiert und „online“ archiviert. Die Zahl der Requisiten schätzen wir auf über eine Million. Zahlen sind aber nicht das Aushängeschild eines Fundusbetriebes. Die große thematische Bandbreite, die wir für unsere Kunden vorhalten, zählt letztendlich.

Was fehlt Ihnen noch?
TH: Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Aufgrund des wechselnden Zeitgeschmacks müssen wir immer die Dinge anbieten können, die gerade angesagt sind und somit von den Kunden verlangt werden. Deshalb gibt es ständig auch Erneuerungen von einzelnen Fundusartikeln. Wir haben beispielsweise zuletzt auf der Internationalen Möbelmesse in Köln neue Sofas und Esstische gekauft. Was wir ebenfalls in nächster Zeit aufstocken wollen, sind Dinge aus dem Küchen- und Büromöbelbereich.
MB: Nachdem die Lagerkapazitäten begrenzt sind, können wir nicht beliebig nachkaufen. Das heißt auch, dass man sich auch regelmäßig von Fundusartikeln trennen muss – auch wenn es manchmal schwer fällt.

Online orientieren, vor Ort auswählen
Wie läuft das Auswahl-Prozedere? Wird viel über Ihre Website geordert?
MB: Nach wie vor schauen sich die meisten Kunden die Sachen lieber vor Ort selbst an. Die Online-Auswahl dient aber der Orientierung. Mit unserem Service „Fundus Online“, den wir Kunden auf unserer Website www.fta-fundus.de anbieten, erschließen wir uns zudem ganz neue Kundengruppen, gerade im Bereich Event.

Welchen Anteil hat der Kostümfundus an „Fundus Online“?
ES: Wir haben ungefähr 10.000 Bilder des Kostümfundus im Netz – aber insgesamt rund 100.000 Artikel auf Lager. Ähnlich wie bei den Requisiten werden viele Kleider anhand des Fotos in „Fundus Online“ ausgesucht. Den Gang in den Fundus erspart das aber nicht. Gerade bei Kleidung geht es schließlich um die Passform und das Material. Man muss sie anfassen und anprobieren.

Ist der Ausbau von „Fundus Online“ geplant?
MB: Auf jeden Fall. Bei der Digitalisierung der Requisiten sind wir schon ziemlich weit. Zurzeit werden neue Fotos erstellt, um die Bildqualität zu verbessern. Auch die Funktionen werden optimiert. Des Weiteren möchten wir zukünftig den „Fundus Online“ durch ein Kalkulationsprogramm ergänzen.

Welchen Vorteil bietet das Kalkulationsprogramm?
MB: Ein großer Vorteil ist, dass damit Kostenstände abgerufen werden können. Das ist für die meisten Produktionen sehr interessant. Es hilft den Beteiligten, den Kostenrahmen im Blick zu halten. Sie können über unser Warenwirtschaftssystem jederzeit auf Knopfdruck ermitteln, welche Kosten angefallen und wie hoch sie sind. Darüber hinaus wird die Erstellung von Angeboten wesentlich vereinfacht. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, Sammelangebote über alle Abteilungen hinweg mit jeweils unterschiedlichen Ausleihzeiten zu erstellen. Natürlich lassen sich auch die Kosten einzelner Gegenstände aus einem Gesamtangebot herausfiltern. Mit dem Kalkulationsprogramm wird somit eine größere Kostentransparenz erreicht, was sich letztendlich bei der Durchführung der Produktionen positiv auswirkt.

Was haben Sie sonst noch vor, um die FTA Film- und Theaterausstattung voranzubringen?
MB: Neben dem Ausbau von „Fundus Online“ möchten wir zukünftig noch mehr Wert auf die Mitarbeiterschulung legen. Wir veranstalten deshalb für unsere Mitarbeiter kontinuierlich Seminare, unter anderem zum Thema Kundenbetreuung und -beratung. Neben dem Thema Weiterbildung sind wir aber auch als Ausbildungsbetrieb tätig. Qualitativ hochwertiges Personal aus eigenen Reihen ist aus unserer Sicht für die zukünftige Entwicklung der FTA Film- und Theaterausstattung sehr wichtig.
Eckhard Eckstein
(MB 02/08)

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