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Alles muß möglich sein

Die SDI Gesellschaft für Medientechnologie mbH, München, hat die Abteilung On air-Promotion der NBC UNIVERSAL Global Networks Deutschland GmbH neu aufgebaut. Produziert werden hier für alle zum Unternehmen gehörende Sender Trailer und Vorschauen. Auch Grafikdesign und Vertonung erledigt die Abteilung jetzt selbst. Das neue SAN-basierte Produktionssystem integriert Apple- und Avid-Arbeitsplätze und erlaubt sehr flexible, kosteneffiziente Workflow.

Andreas Lechner, Leiter der Abteilungen On-air-Promotion und Marketing von NBC UNIVERSAL Global Networks Deutschland ist sehr zufrieden. Endlich haben er und seine Mannschaft wieder richtig Platz zum Arbeiten. Und die neue Technik, die jetzt zur Verfügung steht, macht auch allen Spaß.

Die On-air-Promotion.Abteilung von NBC Universal (NBCU) in der Münchner Theresien Straße ist umgezogen, von Hausnummer 47 ein paar Blöcke weiter in die 71. Im Hinterhofbereich hat dort Arri ein großes Firmenareal. Einen Teil der Produktions- und Bürofläche hat das Unternehmen an NBCU vermietet. Die 350 qm, die der On-air-Promotion dort jetzt zur Verfügung stehen, bedeuten für die Abteilung eine gute Verdopplung des bisherigen Arbeitsplatzes. „Wir konnten an alter Stelle nicht mehr weiter expandieren und hatten dort am Ende reichlich Platzprobleme“, berichtet Lechner. Da neue Sender wie das DAS VIERTE, der BIOGRAPHY CHANNEL und der HISTORY CHANNEL zu NBCU Deutschland hinzu gekommen seien, sei auch die On-air-Promotion-Abteilung ständig gewachsen. Lechner: „Es wurde immer enger, auch in den anderen Abteilungen.“
Da die On-air-Promotion als einzige Abteilung von NBCU weitgehend autark arbeitet und nicht ständig mit den anderen Abteilungen in enger Kommunikation stehen muß, lag es auf der Hand, für sie ein neues Domizil zu suchen. Durch Zufall stieß man dabei auf das Arri-Gelände in der gleichen Strasse. „Die Räumlichkeiten, die uns dort angeboten wurden, waren von der Aufteilung her perfekt. Es waren kaum Veränderungen nötig“, berichtet Lechner.

Den zusätzlichen Platz konnte man bei NBCU gut gebrauchen, weil man sich entschlossen hatte neben den Edit-Suiten auch Grafikarbeitsplätze und ein eigenes Tonstudio dort unter zu bringen. Bislang waren Ton- und Grafikarbeiten immer an externe Studios vergeben worden. „Wir sind schnell zum Schluß gekommen, dass eine In-House-Lösung kostengünstiger und auch qualitativ die bessere Lösung ist“, sagt Lechner.

Die NBCU-On-air-Promotion-Abteilung arbeitet im Zweischicht-Betrieb. Die Stammbesetzung besteht aus jeweils 25 Mitarbeitern.

Generalplaner und Systemintegrator SDI

Beim Umzug in die neuen Räumlichkeiten setzte NBCU auf die Unterstützung durch die SDI Gesellschaft für Medientechnologie mbH. Dieses Planungs- und Systemhaus war schon für den Aufbau und die Betreuung der Technik an alter Wirkungsstätte in der Theresien Strasse 47 verantwortlich. Außerdem kennt Lechner die SDI-Mannschaft noch aus der Zeit, wo er für die CineMedia-Postproduktionstochter Voodoo Lounge auf dem Bavaria-Gelände tätig war. Auch die Technik dort hatte SDI vor gut acht Jahren geplant und aufgebaut. „Ich habe immer gute Erfahrungen mit SDI gemacht“, betont Lechner. Das Unternehmen habe auch sehr flexibel und kundenorientiert das „organische Wachstum“ im alten Technikbereich des Unternehmens begleitet. „Am Ende hatten wir dort in einem nur vier Quadratmeter großen Maschinenraum eine komplette Sendeproduktion untergebracht“, sagt er.
An dem neuen NBC Universal-Projekt waren insbesondere Christoph Wax, Technischer Leiter von SDI, und Gregor von Ungern-Sternberg als Projektingenieur involviert. Als Broadcast- und Postproduktions-Consultant hatten sich NBC Universal noch Martin Bartholomae ins Boot geholt. Der ehemalige Voodoo Lounge-Gründer und -Geschäftsführer agierte als NBCU-Projektleiter beim Umzug der On-air-Promotion.

SDI war als Generalplaner für alle Gewerke inklusive Elekrotechnik und Klimatechnik sowie als Planer und Systemintegrator für die rundfunktechnischen Einrichtungen verantwortlich. „Das ist ein Weg, den wir schon seit vielen Jahren einschlagen. Wir bieten schlüsselfertige Lösungen an, erarbeiten Leistungsverzeichnisse, übernehmen die Kostenkontrolle und versuchen den Kunden, immer die wirtschaftlichste Lösung zu bieten. Auf Kundenseite braucht man sich dann eigentlich um nichts mehr kümmern“, betont Wax.
Nur in wenigen bereichen wie bei der Raumstatik und Raumakustik setzt SDI auf die Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern. Auch beim Studiomöbelbau arbeitet SDI mit einem Vertragsschreiner zusammen. Der hat nach SDI-Entwurf auch die Möbel für NBCU hergestellt.

Für die Planung des neuen NBC Universal-Projekts benötigte SDI rund zwei Monate. Dazu gehörte auch die Raumnutzungsplanung. „Wir wollen zuerst immer genau wissen, welche Arbeitsgruppen existieren und wie die arbeiten“, sagt Wax. Entstanden sind so drei kommunikative Dreier-Arbeitsplätze und drei Edit-Suiten als Einzelarbeitsplätze. „Letztere sind eigentlich Editoren-Wohnzimmer“, meint Lechner.
Vor Beginn der Installationen überprüfte SDI auch die Bausubstanz. „Wir sehen uns als Planer auch hier in der Verantwortung. Wenn ein Kunde so hohe Investition tätigt, dann muß auch sicher gestellt sein, dass in den nächsten Jahren in dem Gebäude auch alles sicher funktioniert“, betont Wax.
Erst im nächsten Schritt würde dann geprüft, wie das vorhandene Budget am effektivsten eingesetzt werden könne.
„Grundsätzliche Anforderung war, ein Produktionshaus zu realisieren, das auch den Namen verdient. Vorher war alles doch sehr improvisiert“, meint Lechner. Ein Konzept für One-Stop-Shopping sei gefragt gewesen. Die Trailer-Produktion habe man komplett In-house abwickeln wollen. Lechner: „Das haben wir auch geschafft. Heute können wir 95 Prozent der anfallenden Arbeit hier selbst abdecken.“

Technische Infrastruktur

Ursprünglich geplant war, die neue On air Promotion mit den NBCU-Playouts bei Plazamedia in Ismaning und APS in Unterföhring bandlos und filebasiert anzubinden. Davon ist man jedoch wieder abgerückt. Nach wie vor gibt es den bandlosen Workflow nur innerhalb der On-air-promotion-Produktionsinsel. Material, das raus geht, wird wie zuvor, auf Band ausgegeben und per Kurierdienst zum Bestimmungsort transferiert. Bei den Playouts in Unterföhring und Ismaning lagert das gesamte von NBCU aktuell benötigte Material auf Videocassetten. Älteres Material lagert man in den eigenen Räumlichkeiten – ebenfalls auf Band.

„Bei unseren Berechnungen haben wir festgestellt, dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht, die Playouts bandlos zu bedienen, weil wir selbst noch kein digitales Archiv haben und das Quellmaterial bei auch immer noch per Tape ankommt“, meint Lechner. Auch die diversen Zulieferfirmen müßten in das bandlose Verfahren mit eingebunden werden, um es rentabel zu gestalten. Man habe deshalb entschieden mit dem Thema erst einmal zu warten und Erfahrungswerte zu sammeln. In ein bis zwei Jahren wolle NCB Universal jedoch ein digitales Archiv in der Theresien Straße aufbauen und es per Glasfaserleitung mit den Playouts verbinden. „Grundsätzlich gehen wir natürlich schon davon aus, dass es kostengünstiger ist, bandlos zu arbeitet“, meint Lechner. „Wir wollen natürlich erreichen, dass wir kein einziges Band mehr anfassen müssen, sobald es hier eindigitalisiert worden ist. Intern sind wir soweit. Es fehlt eigentlich nur noch die Anbindung“, erklärt er.

Auch im neuen Domizil von NBCU gibt es deshalb einen sehr aktiven Bereich, der sich um das Materialhandling kümmert. Von ihm wird das eintreffende Bandmaterial entgegen genommen, gelagert, verteilt und fertiges Bandmaterial verschickt. An einer eigenen DVD-Kopierstation werden zudem für Kunden, Geschäftspartner und dem Eigengebrauch DVDs mit bestimmten Materialsammlungen gebrannt.
Das Herzstück im neuen On Air Promotion-Bereich von NBC Universal ist ein SAN-System (Storage Area Network) als zentraler Datenspeicher. Es handelt sich um ein Terrablock SAN-System von Facilis Technology mit Fibre Channel-Anbindung. Damit können bis zu 16 unkomprimierte Streams und zusätzlich bis zu zwei HD Streams gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden. Das System verfügt derzeit über 12 TB und ist einfach und unkompliziert zu erweitern. „Die Skalierbarkeit betrifft Speicherplatz als auch Performance. Wir brauchen nur einen zweiten Terrablock reinschieben. Außerdem ist das System sehr überschaubar zu administrieren“, berichtet Wax.

Auch Alternativen habe SDI geprüft. XSan von Apple sei nicht performant genug gewesen und Unity zu teuer. „Ein Unity-System kann man sich sicher reinstellen, wenn man das Vierfache an Kapital hat wie wir hatten und noch einen Administrator, der das System täglich pflegt“, meint Wax. Außerdem sei Unity nicht so gut für gemischte Produktionsumgebungen mit Apple- und Avid-Systemen geeignet wie das Terrablock-System. Wax: „Mit Blick auf das geplante digitale Archiv und die digitale Sendeabwicklung hatten wir auch Bedenken was die System-Offenheit von Avid betrifft.“
Mit dem neuen SAN-System von NBC Universal sind alle On-air-promotion-Arbeitsplätze verbunden. Dabei handelt es sich um drei Avid Adrenaline-Einzelschnittplätze und alle Rechner der drei Dreier-Arbeitsplätze. Sie bieten universelle Einsatzmöglichkeiten. Zur Zeit dienen sie schwerpunktmäßig der Grafik und dem HD-Editing. Zwei der Dreier-Bereiche sind mit je einem Avid- (Mediacomposer-Software mit Mojo) und zwei Final Cut Pro-Arbeitsplätzen ausgerüstet, der dritte mit Grafik-Arbeitsplätzen und einem Final Cut Pro-System.
„Für uns war wichtig, dass die beiden Welten von Avid und Apple auf Basis einer zentralen Infrastruktur funktionieren“, betont Projektleiter von Ungern-Sternberg. „Grundsatz in unserer Planungsarbeit war: Es muß an jedem Arbeitsplatz alles möglich sein.“ An den Arbeitsplätzen selbst befinden sich lediglich je zwei Monitore, Tastatur, Maus und Lautsprechern. Die Edit-Suiten haben zusätzlich noch einen Vorschau-Röhrenmonitor, Klasse A von Sony, am Platz.

Die Rechnersysteme selbst sind alle im zentralen Maschinenraum untergebracht. Die Nutzungsmöglichkeiten lassen sich schnell und einfach verändern.
„Die Flexibilität ist hier das A und O. Wir wollten, dass jeder auf jeder Maschine so arbeiten kann, wie er es gerne möchte“, sagt der SDI-Projektleiter.
Zum Eindigitalisieren kann jede beliebige Maschine im Maschinenraum von einem der Arbeitsplätze aus aufschaltet werden. „Das heißt, jeder Editor wählt seine Maschine im Geräteraum, digitalisiert dort, batcht oder klammert. Ist er damit fertig, gibt er die Arbeitsstation im Maschinenraum wieder frei und kann in seiner Suite an den Daten weiterarbeiten“, erklärt von Ungern-Sternberg.

Im ZRG befinden sich fünf DigiBeta-MAZen sowie ein zentraler Bedienplatz, der für den Ingest gedacht ist. Er bietet aber auch die Möglichkeit, alle Rechner- und Schnittsysteme im ZGR zu schalten. Statt vom eigenen Arbeitsplatz aus das Ein- und Ausspielen einzelner Bänder zu steuern, stellen sich die NBCU-Editor lieber in den ZGR und machen den Job gleich dort. „Der ZGR-Platz wird von den Editoren sehr rege zum Ein- und Ausdigitalisieren genutzt“, berichtet Lechner. „Das ist die beste Erfindung hier im Haus und wird gut angenommen, weil man sich damit viele Wege spart.“

Erweiterungsmöglichkeiten im ZGR bieten zwei vorverkabelte Docking-Panels. Dort kann Ersatz- oder zugemietetes Gerät angeschlossen werden. Außerdem finden sich im ZGR noch vier unabhängige Vorschaustrecken zur Bandkontrolle.
Im zentralen Geräteraum (ZGR) werden alle Signale (analoge/digitale Video- und Audio-Signale) über eine neue digitale modulare Kreuzschiene gerouted. Hierbei handelt es sich um eine VikinX vom norwegischen Hersteller Network Electronics mit 32 × 32 Koppelpunkten (http://www.network-electronics.com/). „Das bedeutet für uns eine enorme Arbeitserleichterung. Bislang mußten wir immer alles von Hand stecken“, sagt Lechner.
Und von Ungern-Sternberg erklärt: „Die Besonderheit von dem Kreuzschienensystem ist, dass wir ein Vorschaubereich haben, den wir funktional aber auch mit dem Bereich für die Verschaltung aller Nutzsignale koppeln können.“ Alle Alle Nutzsignale sind komplett digital, die Vorschaustreckensignale hingegen analog. Die von analogen Geräten ausgegebenen Signale werden jedoch durch Wandler für den Nutzsignalbereich digitalisiert. „Wir haben hier versucht, uns ausschließlich auf digitale Signale zu beschränken und uns bewusst für den Einsatz von Wandlern entschieden statt eine weitere analoge Kreuzschiene zu nutzen. Es ist günstiger, das, was analog ist, digital zu wandeln und dann über die digitale Kreuzschiene zu fahren mit all den Vorteilen wie SDI mit embedded Audio etc. Dadurch kann man sich auch sehr viele Kreuzungspunkte sparen“, erklärt von Ungern-Sternberg. Außerdem helfe dieses Verfahren dabei, Bedienungsfehler zu vermeiden. Egal ob analog oder digital, Benutzer könnten einfach Gerät mit Gerät verschalten und müßten nicht mehr darüber nachdenken ob das gerade paßt. „Man kann auch die Geräte zu virtuellen Systemen zusammenfassen. Mit einem einzigen Tastendruck lassen sich dann einzelne Systeme wie MAZ 5 und Avid 3 parallel mit bestimmten Signale beschalten und konfigurieren. Das macht es für die Nutzer viel einfacher“, betont der SDI-Projektleiter.

Mittlerweile sind Kreuzschienen im Multilayer-Bereich mit intelligenten Bedienpanels nicht mehr so teuer wie noch vor zwei Jahren. Da hat sich viel getan, gerade im mittleren Bereich bis zu 64 × 64 Koppelpunkten“, erklärt Wax.
Die größte Investitionen neben dem SAN-System betraf das neue Tonabteilung mit Sprecherkabine. Im Tonstudio arbeitet man mit einem ProTools-System HD2 und einer auf Surround-Sound ausgelgten Abhöre Adam P22A. In der Sprecherkabine findet sich ein Neumann M 147-Mikrofon.
„Bei der Installation lief hier alles reibungslos. Und auch die Umstellung des Betriebs vom alten auf den neuen Bereich ging locker über die Bühne. SDI hat hier einen guten Job gemacht“, lobt NBCUs On-air-Promotion Abteilungsleiter.

Eckhard Eckstein (MB 10/07)

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