> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://mebucom.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# ESC 2026: Amadeus ART Immersive dreht die PA um
- URL: https://mebucom.de/produktion/amadeus-art-immersive-esc-2026-reverse-pa/
- Published: 2026-08-05T08:51:54.000Z
- Updated: 2026-08-05T08:52:00.000Z
- Description: Beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien wanderte das Klangbild zwischen Hauptbühne und Green Room. Amadeus ART Immersive steuerte die Übergänge – eine ESC-Premiere.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Produktion & Live-Workflows, ESC, #wp, #wp-post, #Import 2026-08-20 12:19

Das Audioteam des Eurovision Song Contest 2026 hat das Beschallungskonzept in der Wiener Stadthalle zeitweise umgekehrt. Immer wenn die Moderation aus dem Green Room am hinteren Hallenende sendete, verlagerte das System Amadeus ART Immersive das wahrgenommene Schallbild vom Hauptstage-PA nach hinten. Zwei Semifinals und das Finale am 16\. Mai 2026 liefen mit diesem Setup, vor rund 10.500 Zuschauern in der Halle und 35 startenden Acts. Verantwortlich waren Sound Engineer Richard Redl und Mixing Engineer Johannes Minichmayr.

Der Anlass war ein klassisches Zuordnungsproblem: Die Show arbeitete mit zwei Spielorten, das Publikum in der Halle hörte aber alles aus derselben Richtung. Sprach ein Moderator im Green Room mit den Acts, kam die Stimme sichtbar von hinten – und hörbar von vorn. Das Team wollte diesen Bruch schließen, ohne dass die Umschaltung als technischer Effekt auffällt. Ein harter Snapshot-Wechsel schied damit aus.

## Zwei feste Positionen statt bewegter Objekte

Amadeus ART Immersive wurde deshalb nicht mit kontinuierlich bewegten Objektpositionen gefahren, sondern mit kontrollierten Übergängen zwischen zwei fixen räumlichen Positionen: Hauptbühne und Green Room. Die feste Definition erlaubte es, die Positionen als Audio-Snapshots abzulegen und über ein Stream Deck per OSC zu triggern. Zwischen den Snapshots arbeitete das Team mit Fade-Zeiten, sodass das Schallbild wandert statt springt. Für die Operator blieb daraus ein einfacher Ablauf: ein Tastendruck pro Perspektivwechsel.

Die Anbindung an die Show-Infrastruktur lief über Dante. Das Modul ART::IP übernahm die Immersive-Verarbeitung, ART::Director diente als Software-Schnittstelle zwischen Mischpult, dem DirectOut-System PRODIGY und dem Spatial-Audio-Workflow. Die Beschallung selbst war ebenfalls neu aufgesetzt: Der ESC 2026 fuhr erstmals ein Cardioid-PA, aufgebaut aus L-Acoustics-K3-Clustern, dazu [Sennheiser Spectera für Mikrofone und In-Ears](https://mebucom.de/produktion/sennheiser-spectera-esc-2026/).

Wie die Gesamtproduktion in der Wiener Stadthalle aufgebaut war – von Regie und Kameraplan bis zur Signalverteilung –, beschreibt der [ausführliche mebucom-Produktionsbericht zum ESC 2026](https://mebucom.de/produktion/arri-kameras-eurovision-song-contest-2026/).

![Amadeus ART Immersive beim ESC 2026](https://mebucom.de/content/images/wordpress/2026/08/ORF_ESC_Technik_2026_by_Hans_Leitner.jpg)

Amadeus ART Immersive blendete zwischen zwei fest definierten Positionen über – Hauptbühne und Green Room ©Hans Leitner

## Das Orchester im Green Room

Für Sprache kam das System über die gesamte Veranstaltung zum Einsatz, für Musik genau einmal: bei der Eröffnung des Finales. Die Opening Ceremony verband einen Auftritt des Vorjahressiegers mit Mozart-Anleihen, Tänzern, Akrobaten und einem Orchester – und das Orchester saß im Green Room. Die komplette Mischung musste also auf das Reverse-PA gefadet werden, ohne Timing, Lokalisation und musikalische Kontinuität zu verlieren. Nach Angaben des Teams ließen sich die Lautsprecher-Cluster für die umgekehrte Beschallung entsprechend ausrichten, der Übergang blieb ohne hörbare Pause oder Sprung.

Als technischen Produktionspartner nennt Redl das Unternehmen Agora, das zuvor nicht mit Amadeus Acoustics gearbeitet hatte. „Wir haben viel Zeit darauf verwendet, das Briefing zu bewerten und den besten Weg zu finden", sagt Richard Redl. „Vom ersten Testlauf an waren alle begeistert. Bei den zweiten Checks sagten uns Mitglieder des Produktionsteams, das sei ihrer Meinung nach der bestklingende Eurovision Song Contest gewesen, den Österreich je ausgerichtet hat."

## Ausblick auf Musikproduktionen

Minichmayr sieht das größere Potenzial der Plattform bei künftigen Musikproduktionen – dort, wo Klangbewegung der Choreografie folgen soll. Als praxisrelevant gilt dem Team weniger die reine Rendering-Leistung als die Geschwindigkeit des Workflows: Import von 3D-Daten der Halle, Automation von Objekten, Verarbeitung von Tracking-Positionsdaten und automatisch berechnetes Alignment.

„Das war das erste Mal, dass der Eurovision Song Contest immersives Spatial Audio auf diese Weise genutzt hat", sagt Redl. „Vielleicht können wir das in den kommenden Jahren weitertreiben. Es könnte Potenzial für gezieltere Einsätze in solchen Produktionsmomenten geben."