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Bessere Kontrolle der Produktionstechnik

Bessere Kontrolle der Produktionstechnik

Bei der Produktion und Bereitstellung der TV-Signale von der FIFA WM 2010 konnte das dafür verantwortliche Unternehmen Host Broadcast Services (HBS) wieder mit zahlreichen technischen Innovationen überzeugen. Das gesamte Set-up war dabei so gewählt, dass maximale Sicherheit und Kontrolle der Produktion gewährleistet war. Außerdem wurde das Bild- und Ton-Angebot gegenüber der FIFA WM 2006 noch einmal deutlich ausgebaut.

Die Mitarbeiter von HBS (Host Broadcast Services) im International Broadcast Center (IBC) und an den einzelnen Veranstaltungsorten der Fußball-WM 2010 waren immer gut zu erkennen. Sie trugen alle hellblaue Ski-Jacken. Die konnten sie im südafrikanischen Winter auch gut gebrauchen. Die Temperaturen gingen besonders am Abend ordentlich in den Keller. Und selbst in den Hallen des IBC war es immer etwas kühl. Zum Glück tat das der insgesamt guten Stimmung bei den in Südafrika versammelten internationalen Rundfunk-Sendern und -Produktionsunternehmen keinen Abbruch. Schließlich konnten sie auf eine bestens vorbereitete und funktionierende Produktionsinfrastruktur für ihre Berichterstattung zugreifen.

Und das war ein wesentlicher Verdienst von HBS. Das Tochterunternehmen der Sport Marketing Agentur Infront Sports & Media war bei der FIFA WM 2010 in Südafrika wie schon bei den voran gegangenen Weltmeisterschaften für Planung und Realisierung der Weltsignal-Produktion verantwortlich. Dabei wurde HBS von einer Vielzahl an Partnerunternehmen unterstützt, darunter Herstellerfirmen wie EVS, Grass Valley, Riedel und Lawo. Jedes Spiel der 64 Spiele in den zehn WM-Stadien wurde im HD-Format 1080i/50 mit jeweils 32 Kameras aufgezeichnet, darunter 23 LDK 8000 Worldcam von Grass Valley, LDK 8300 Super-Slomo-Kameras, eine Seilkamera (hauptsächlich SpiderCam), eine Hubschrauber-Kamera, zwei Ultra-Motion-Kameras (Arri), hinter jedem Tor jeweils eine Krankamera und zwei SteadyCams. Auf der Plattform der Führungskamera in Höhe der Mittellinie war erstmals auch eine spezielle Kamera für die Mobile-TV-Produktion aufgestellt. Sie wählte für die bessere Bilddarstellung auf den kleinen Mobile-Displays einen engeren Bildausschnitt. Bei der WM 2006 hatte man für Mobile-TV noch die Bilder der Führungskamera genommen und dort hinein gezoomt.

Die von HBS produzierten Multifeed Signale beinhalteten das BIF (Basic International Feed), das Clean Edit Stadion Signal, die EBIF Show (Extended International Feed), das taktische Signal, das Spieler A+B Signal, das permanente Highlight-Signal, das Team A+B Signal, einzelne Kamerasignale aus den Stadien (Isolated Camera Feeds), den Stadion Beauty Shot und das Mobil-TV-Signal. EBIF Show und Permanent Highlight Feed wurden im IBC Production Center generiert. Alle anderen Signale kamen aus den TOCs (Technical Operation Center) bei den Stadien. Sie konnten von den sogenannten Media Rights Licensees (MRLs), also den Lizenz nehmenden Rundfunkanstalten, entweder direkt dort oder im IBC übernommen werden.
Die TOCs bei den zehn Stadien waren vom technischen Konzept her alle identisch aufgebaut. Sie wurden von vier Produktionsdienstleitern im Auftrag von HBS errichtet und betreut.
Alfacam aus Belgien war für die Stadien in Durban, Johannesburg (Ellis Park), Port Elizabeth und Pretoria zuständig, die spanische Mediapro für das Stadion in Bloemfontein, Studio Berlin für die Stadien in Rustenberg und Johannesburg (Soccer City) und die Euro Media Group mit ihrer Tochter CTV Outside Broadcast für die Stadien in Polokwane und Nelspruit sowie mit der französischen Tochterfirma VCF für das Stadion in Kapstadt.

Zur Produktion des Basic International Feed (BIF) wurde wie schon bei der WM in Deutschland ein „Dream-Team“-Konzept mit sehr erfahrenen Live-Sport-Produktionsprofis verfolgt. Diesmal gab es sieben Dream Teams. Angeführt wurden sie von den Regisseuren Knut Fleischmann und Wolfgang Straub aus Deutschland, Jean-Jacques Amsellem, Francois-Charles Bideaux, Francois Lanaud aus Frankreich sowie Jamie Oakford und John Watts aus Großbritannien.

Servertechnik von EVS
Eine zentrale Rolle bei Produktion und Bereitstellung der WM-Bilder spielte wie schon bei den beiden letzten FIFA-Weltmeisterschaften die Server-Technologie von EVS. Der belgische Hersteller hatte bei der FIFA WM 2010 insgesamt rund 350 HD-Server im Einsatz, davon 130 XT[2] Server allein in den zehn TOCs. Das Unternehmen arbeitete laut Marketing-Direktor Nicolas Bourdon mit 170 Broadcastern in Südafrika zusammen. Wichtigster Kunde war jedoch HBS. Der FIFA WM-Hostbroadcaster nutzte EVS Server in vielfältiger Weise für Akquisition, Live Slomotion und Ultramotion bei allen 64 Spielen. EVS-Server waren dabei im IBC wie auch in den zehn TOCs an den Stadien untergebracht. Die EVS-Systeme unterstützten zudem die Mobile-TV-Produktion beim Ingest der Mobile-Feeds und beim Live-Streaming auf Apples XSAN und Final Cut Pro-Schnittsystemen. Das Voice over in der Mobile Produktion wurde in elf Sprachen von 22 Moderatoren erledigt.

Besonders wichtig war die EVS-Technologie jedoch für den „FIFA MAX“ Media Server. MAX steht für Media Asset Exchange. Das System diente dem Austausch von Clips aus multilateralen und unilateralen Produktionen. Es erlaubte den Rechtehaltern am Ende der WM Zugang zu rund 2.700 Stunden FIFA WM-Material. Sie konnten über IPDirector-Stationen von EVS Material im FIFA MAX suchen, herunter laden und für ihre eigenen Produktionen nutzen. Für Logging, Browsing, Clipping, Playlisten-Produktion und einfaches Editieren im FIFA MAX waren im IBC rund 150 IPDirector-Stationen im Einsatz.
Bei der Fußball WM 2006 in Deutschland wurden auf Basis der EVS-Systeme durch HBS bereits ein Media Server Service und ein Clip Compilation-Kanal eingeführt. Die Rechtehalter erhielten erstmals umfassenden Zugang zu allen Inhalten einer Fußball-WM. Im Gegensatz zur FIFA WM 2006 hielt der FIFA MAX Media Server in diesem Jahr das Material jedoch komplett in HDTV-Qualität vor. Außerdem war er mit deutlich mehr Inhalten bestückt, die außerhalb der Stadien und der Live-Fußballspiele produziert worden waren (Non-Match-Footage). Neben den Match Feeds beinhaltete der FIFA MAX unter anderem Features zu Spielern, Teams und Gastgeberland, After Game-Interviews, die Bilder zur Opening- und Closing-Zeremonie, die EBIF Show, FIFA TV Material von 40 ENG-Teams, Grafiken und Templates. Der FIFA MAX bot den Rechtehaltern auch die Austauschmöglichkeit von eigenem Material.

Alle Inhalte auf dem FIFA MAX wurden durch ein HBS-Team auf den Server geladen und verschlagwortet (geloggt). Geschnitten wurden die FIFA MAX-Clips auf Apples Final Cut Pro-Systemen. Vor vier Jahren wurde hierzu noch Avids MediaComposer eingesetzt. Der integrierte EVS/Apple-Workflow erlaubt HBS nach eigenen Angaben einen reibungslosen Übertragungsprozess und eine schnellere Verfügbarkeit des verarbeiteten Materials. Neu war auch der Off-Site-Zugang zum FIFA MAX via Webserver. Nutzer von außerhalb des IBC konnten Lo-res-Video-Previews browsen und sie als Hi-res-Files Downloaden.
Auch Radiosender konnten erstmals Off-Site-Downloads von Audio-Tracks realisieren. Eingesetzt wurde dabei das EVS XT[2]Web-System, das von HBS auch schon bei den Spielen der ersten französischen Liga genutzt wurde. Das FIFA-MAX-System im IBC konnte gleichzeitig bis zu 18 Feeds von den Venues speichern. Von jedem der Spiele wurden jeweils neun Signale in den Mediaserver eingespielt. Er bestand aus elf XT[2]+ Servern mit einer Kapazität von 1.900 Stunden Hi-Res Material (DVCPro HD Codec) bei 100 Mbit/s. Zum Browsen standen elf Lo-Res-Server EVS XL[2] zur Verfügung. Auch sie speicherten bis zu 1.900 Stunden Material.

Zum Import der von 40 ENG-Teams gelieferten Inhalte wurden zudem elf XStore[2] von EVS mit 220 x 300 GB Speicher eingesetzt. Zugang des HBS-Produktionsteams, der Broadcast-Rechtehalter und der Mobile-TV-Produktion erfolgt über Gigabit Ethernet-Leitungen. Rund 150 Multicam-LSM-Systeme wurden von HBS zur Steuerung der Wiederholungen (Slomotion, Supermotion und Ultramotion) in den TOCs und im IBC eingesetzt.
Erstmals bei einer Fußball WM genutzt wurde auch das Epsio System von EVS zur virtuellen grafischen Darstellung der Abseitslinie. Das System lässt sich einfach mit einem Standard-LSM-Bedienteil von EVS steuern.
EVS Projektingenieur Alex Redfurn zeigte sich begeistert von der Arbeit im IBC. „Es ist großartig mit all den verschiedenen Rechtehaltern aus der ganzen Welt zusammen zu arbeiten und ihnen helfen zu können. Wir haben hier eine tolle Atmosphäre im IBC. Alle sind schließlich aus dem gleichen Grund hier“, erklärte er.

Auch EVS profitiere von Großevents wie der FIFA WM 2010. „Wir haben hier immer die neueste Software am Start und so ein Event sorgt dafür, dass die Technologie weiter voran getrieben wird. EVS lernt viel dazu, und ich persönlich natürlich auch“, meinte er.
Und Marketing Direktor Nicolas Bourdon ergänzte: „Die FIFA WM ist für uns auch eine einmalige Gelegenheit, alle unsere Kunden zu treffen. Diese wiederum können hier unsere neuen Lösungen wie XT[2]web kennenlernen.“

Lawo-Systeme
Auch Lawo spielte bei der Fußball-WM in Südafrika wieder eine wichtige Rolle. Das Rastätter Unternehmen hatte dort über 50 Systeme im Einsatz, die sowohl zur Abmischung des internationalen Tons als auch bei vielen nationalen Sendern eingesetzt wurden. Über eine Nova73 HD-Kreuzschiene von Lawo wurde der Ton aller Kommentatoren aus den Stadien digital in das Internationale Broadcast Center (IBC) geschickt und von dort direkt im IBC oder per ISDN in der Heimat den Sendeanstalten zur Verfügung gestellt. Das Rental-Unternehmen Audio Broadcast Services (ABS), ein Tochterunternehmen von Lawo, war zur FIFA WM 2010 damit beauftragt, an jedem der zehn Venues mobile Regien in Containern zu installieren. Mit jeweils einem Lawo mc²56 und einem Innovason Eclipse pro Stadion wurden dort mehrere internationale Feeds erstellt, darunter der Haupt-Stereosendeton, der von den nationalen Sendeanstalten während der Spiele zu deren Kommentatoren hinzu gemischt wurde,verschiedene Interview Feeds, erstmalig ein eigens für Mobiltelefone erstellter Sendeton sowie Vormischungen für den Surround-Mix. Der Surround-Ton wurde zentral im IBC mit zwei Lawo mc²66 Pulten der neuesten Generation erstellt und von vielen Sendern anstatt des Stereosendetons verwendet, um die Stimmung der Stadien noch transparenter und näher zu übermitteln.

Lawo-Tonmischpulte wurden vor Ort unter anderem auch von ARD und ZDF für die tägliche Übertragung aller Spiele und Studiosendungen nach Deutschland eingesetzt, von Providern wie den Ü-Wagen-Firmen Alfacam, Outside Broadcast, HD Signs und SkyTV, vom südafrikanischen landesweiten Fernsehsender SABC und vom chinesischen Staatssender CCTV. Auch bei den englischen Sendern BBC und ITV sowie erstmalig dem amerikanischen Sportkanal ESPN sind Lawo-Systeme bei der WM im Einsatz.
"Die Firma Lawo ist stolz darauf, einen wesentlichen Beitrag zur Tonproduktion der Fußball-Weltmeisterschaft zu liefern", erklärte Philipp Lawo, Vorstandsvorsitzender der Lawo AG.

Riedel Communications
Riedel Communications unterstützt die FIFA WM 2010 in Südafrika ebenfalls wieder mit umfangreicher Technik. Thomas Riedel, Geschäftsführer von Riedel Communications, war zu Beginn der Fußball Weltmeisterschaft 2010 für ein paar Tage vor Ort in Südafrika, um die dort eingesetzte umfangreiche Riedel-Technik persönlich in Augenschein zu nehmen und Kundengespräche zu führen. Sein Fazit: „Alles läuft hier sehr entspannt und reibungslos“.
Insgesamt 3.000 Funkgeräte des Wuppertaler Unternehmens waren in allen WM-Stadien im Einsatz. Hostbroadcaster HBS setzte ferner auf die Riedel Intercom-Technik. Im IBC in Johannesburg befand sich ein zentrales Riedel-Matrix mit mehreren Nodes sowie weitere Riedel Intercom-Systeme in den TOCs (Technical Operation Center) an den Stadien. Alle waren miteinander vernetzt. Auch zahlreiche nationale Broadcaster im IBC arbeiteten mit Riedel Intercom-Systemen.

Ein weiteres Thema das Riedel in Südafrika bediente war Wireless Video. Alle Helicopter-Downlinks der Stadion-Beauty-Shots wurden mit Riedel-Systemen realisiert.
Der von ARD und ZDF mit fünf HD-Ü-Wagen engagierte belgische Ü-Wagen-Dienstleister Alfacam hatte zudem in allen Wagen Riedels MediorNet im Einsatz. Das ist eine glasfaserbasierte Echtzeit-Lösung für die Verteilung und das Routing von HD/SD Video-, Audio-, Intercom- und Daten-Signalen. Zusätzlich erlaubt MediorNet die native Software-basierte Bearbeitung dieser Signale. Über die MediorNet Mainframes waren die Alfacam Ü-Wagen mit den TOCs an den Stadien verbunden. Sie waren für die Übertragung von 16 HD-SDI Signalen inklusive des World Feeds zu den Trucks verantwortlich.

Zusätzlich transportierten sie vier Signale vom Ü-Wagen zum TOC. MediorNets integriertes CWDM Multiplexing erlaubte eine maximale Ausnutzung der Fiber-Kapazität und den bidirektionalen Transport aller Signale über eine Single-Mode-Fiber Leitung. Ferner war mit MediorNets integrierter Embedding/De-Embedding-Funktionalität das De-Embedding des im TOC übergebenen Embedded-Audio-Signals möglich. De-Embedded wurde das Audio-Signal via MADI-Schnittstelle der LAWO-Konsole im Ü-Wagen übergeben. Die Videoverbindungen wanderten Richtung Router.

Da alle Audio- und Video-Streams von verschiedenen, asynchronen Quellen geliefert wurden, setzte Alfacam auf MediorNets software-basierte Processing-Werkzeuge Framestore und den neuen Sample Rate Converter (SRC). Damit konnten Audio und Video auf einen gemeinsamen Takt synchronisiert und problemlos weiter verarbeitet werden. Nach der Bearbeitung wurden Audio- und Video-Streams wieder zum TOC geschickt und von hier aus weiter zum IBC.
„Wir gehen davon aus, dass dezentrale Strukturen mit Fibertransport, Routing und Glue, also alles was man sich an Frame-Synchronisation und Konversion so vorstellen kann, künftig in einer Maschine abgebildet werden können. Und wir hoffen natürlich, dass diese Maschine MediorNet sein wird“, erklärte Thomas Riedel.

Mit dem WM-Engagement seines Unternehmens ist er sehr zufrieden. „Geschäftlich ist die Fußballweltmeisterschaft für uns sehr interessant. Wir machen hier einen Riesenumsatz und brauchen dabei nur wenig Personal“, sagte er. Neben der WM war Riedel in den letzten Wochen auch parallel an weiteren großen Sport-Events beteiligt, so unter anderem am Formel 1-Rennen in Montreal, an der Tour de Swiss und am Red Bull Air Race in New York. „Die gleichzeitige Präsenz bei mehren Groß-events ist ein Beleg dafür, welche Leistungsfähigkeit heute in unserem Unternehmen steckt", betonte Riedel.

TOC
Der in allen TOCs identische Aufbau der Produktionstechnik bietet nach Angaben von Alfacam Operations Manager Chris Demeulemeester deutliche Vorteile. „Selbst in den dreifach ausziehbaren Supertrucks wäre es nicht mehr möglich, die hier aufgebaute Produktionsinfrastruktur unter zu bringen. Wir haben hier mehr Platz und mehr Ruhe zum Arbeiten“, erklärte er.
HBS lege viel Wert darauf, dass die Technik in den TOCs identisch sei, weil sie so auch einfacher zu erweitern und zu kontrollieren sei. „Wenn irgendwo ein Problem auftaucht, kann man es viel schneller lösen. Die Teams in den verschiedenen TOCs können sich besser austauschen und gegenseitig unterstützen. Das geht nicht, wenn Ü-Wagen verschiedener Dienstleister mit ihren unterschiedlichen technischen Konzepten und Set-ups eingesetzt werden.“ Gerade in Ländern mit riesigen Entfernungen zwischen den Spielstätten wie in Südafrika, ebenso wie auch in vier Jahren in Brasilien, seien in Containerbüros untergebrachte mobile Produktionseinheiten gegenüber großen Ü-Wagen sicherer und einfacher zu bedienen, auch bei Wartungs- und Reparaturarbeiten. Auch Ab- und Aufbau der Systeme sowie das Patchen sei relativ leicht und in wenigen Tagen zu bewerkstelligen, weil alles schon in den Rags zusammengefasst sei und einfachen Zugang biete. Demeulemeester: „Die Installation wurde von uns hier im Grunde semi-permanent eingerichtet.
Wenn wir abbauen, überlegen wir bereits, wie wir das möglichst so hinkriegen, dass wir beim nächsten Aufbau nicht wieder ganz von vorne anfangen müssen. Die Sets, die wir hier im Einsatz haben, werden nach der FIFA WM zu den Commonwealth Games nach Indien transportiert. Die Systembasis wird ähnlich sein, aber die Verkabelung anders. Das heißt die BNC Kabel werden hier einfach getrennt und da gelassen oder für andere Verkabelungsarbeiten wiederverwendet. Es ist günstiger für uns, wenn wir vor Ort bei der neuen Installation die Rags aufstellen und dann eine neue Verkabelung dort vornehmen.“

Schneller Umzug
Wenn Alfacam in Südafrika vom Produktionsstandort Ellis Park nach Pretoria oder in umgekehrte Richtung wechselte, wurden alle Kameras, Objektive, Tripots, CCUs, OCPs (Operation Control Panel) und CRT-Monitore abgebaut und mitgenommen. Demeulemeester: „Der HBS-Produktionsplan sah vor, Schlüsseltechnik in Shared Venues mehrfach zu nutzen, um so den Equipment-Einsatz gering zu halten. Nach einem Match brauchten wir für den Abbau mal gerade 40 Minuten. In drei Stunden und 40 Minuten waren wir mit der Ausrüstung von Ellis Park nach Pretoria umgezogen.“ Für Alfacam seinen solche Aktionen Tagesgeschäft. Als großer Ü-Wagen-Dienstleister sei man schnelle Produktionsortwechsel gewohnt.

Demeulemeester war bei der FIFA WM in Japan/Korea als Technischer Ingenieur bei HBS angestellt. Es kennt die Produktionsstrategie des Unternehmens deshalb gut. „HBS sucht immer nach Copy-past-Lösungen, um so eine bessere Kontrolle der Produktionstechnik zu gewährleisten. Nur wenn alle TOCs gleich aufgebaut sind, kann man auf Probleme schnell und effizient reagieren und den Broadcast-Partnern so die nötige Produktionssicherheit geben. Außerdem ist es deutlich einfacher, wenn man Systemerweiterungen in Angriff nehmen will.“

Störender Vuvuzela-Sound
Manche TV-Sender, die die Spiele der FIFA WM 2010 aus Südafrika übertrugen, sahen sich zu Beginn des Großevents mit heftigen Zuschauerprotesten konfrontiert. Sie richteten sich gegen den alles überdeckenden Vuvuzela-Sound in den Stadien. Die Plastiktröten-Dauerbeschallung ließ andere Töne wie Ball-Kick, Fan-Gesänge und den Pfiff der Schiedsrichter auf dem heimischen Fernsehern verstummen. Laut Jörg Sander, Direktor der Host Broadcasting Division von HBS, gab es darauf hin einige Beschwerden von FIFA WM-Rechtehaltern. Insbesondere ARD und ZDF reklamierten den von Hostbroadcaster HBS gelieferten Ton. Sander sah die Arbeit seiner Audio-Profis in Misskredit gebracht. „Wir treiben hier sehr hohen Aufwand, um einen möglichst perfekten, authentischen Sound aus den Stadien zu liefern“, erklärte er und belegte das auch mit einer Demonstration in einem der beiden HBS-Audiomischräume im IBC. „Hier ist der Ball-Kick zu hören, warum nicht bei ARD und ZDF“, fragte er. Trotzdem einigte sich HBS mit ARD/ZDF darauf, den Vuvuzela-Sound stärker als zu Beginn der FIFA WM 2010 mit Filtern zu dämpfen. ARD und ZDF selbst statteten ihre Fernsehkommentatoren in den Stadien mit sogenannten Lippenmikrophonen aus, die im Vergleich zu den üblichen Headset-Mikros Außengeräusche deutlich schwächer aufnehmen. ARD-Teamchef Bertram Bittel vom Südwestrundfunk (SWR): „Sie glauben gar nicht, was bei uns zu Hause in den Zuschauerredaktionen los war. Es hagelte nur so an Beschwerden. Wir mußten vor Ort darauf reagieren.“

Zwei Tonoptionen
Einige Sender, darunter ARD, ZDF und Sky Deutschland, gingen auch dazu über, zwei Tonoptionen anzubieten: eine mit spürbar reduziertem Vuvuzela-Sound und eine mit Originalton aus den Stadien. Die ZDF/ARD-Technik in den Stadien beziehungsweise im IBC in Johannesburg bearbeitet dazu das vom FIFA-Hostbroadcaster HBS angelieferte Tonsignal noch mal zusätzlich mit speziellen Geräuschfiltern, ebenso wie Sky Deutschland.

„Bei der Übertragung der Spiele im Fernsehen wirkt die Beschallung durch die Vuvuzelas noch intensiver als in den Stadien vor Ort. Da dies unter vielen unserer Zuschauer für Irritationen und Enttäuschung über die nicht hörbaren Fangesänge gesorgt hat, nutzt Sky die technische Möglichkeit, die Geräusche der Instrumente spürbar herauszufiltern. Wir respektieren die südafrikanische Fankultur und die Vuvuzela als ein Symbol dieser Weltmeisterschaft, wollen unseren Abonnenten mit dieser Maßnahme aber die Möglichkeit bieten, den Ton zu wählen, den sie aus den europäischen Stadien gewohnt sind", erklärte Carsten Schmidt, Vorstand Sports, Advertising Sales und Internet.

Ähnlich argumentierte ARD-Teamchef Bittel. „Der Vuvuzela Sound ist Bestandteil der besonderen südafrikanischen WM-Atmosphäre. Ein Fußball WM in Südafrika ohne Vuvuzela wäre deshalb wie ein Deep Purple-Konzert ohne Orgel", meinte er. Zudem zeigte er sich zuversichtlich, dass bei fortschreitender Fußball-WM beim Zuschauer zu Hause ein „Vuvuzela-Gewöhnungsprozess“ stattfinde.
Eckhard Eckstein
(MB 07/10)

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