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# Einzigartiges Erlebnis
- URL: https://mebucom.de/produktion/einzigartiges-erlebnis-11072/
- Published: 2016-12-01T07:30:00.000Z
- Updated: 2024-01-09T07:19:15.000Z
- Description: TV SKYLINE produzierte im neunten Jahr die Wagner Festspiele in Bayreuth mit dem neuen Ü-Wagen Ü8 UHD. Innerhalb von 14 Tagen entstanden zehn Opern-Produktionen – laut TV Skyline ein Live-Wagner- und Live-Opern-Weltrekord.
- Author: Eckhard Eckstein
- Tags: Produktion & Live-Workflows, #wp, #wp-post, #Import 2026-06-28 15:01

So aufwändig wie nie zuvor präsentierte sich in diesem Jahr die TV-Produktion der Wagner-Festspiele in Bayreuth. Insgesamt stemmte TV Skyline aus Mainz zehn Opern-Produktionen in nur 14 Tagen (16\. bis 31\. Juli 2016): Je zweimal (Generalprobe und Live) wurden die viereinhalbstündige Neuinszenierung von „Parsifal“ produziert und der komplette, 16 Stunden dauernde „Ring der Nibelungen“, bestehend aus den vier Opern „Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“.

„Parisfal“ wurde live in circa 100 Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragen und einige Tage später dann auch auf 3Sat ausgestrahlt. Der Bayerische Rundfunk (BR) und der japanische Broadcaster NHK übernahmen die Aufzeichnung ebenfalls. Wie in den Vorjahren wurden alle Einzelsignale der Wagner-Oper auch für die Postproduktion und spätere Veröffentlichung auf DVD extra aufgezeichnet.

Dass in diesem Jahr zusätzlich zu „Parisfal“ auch der komplette „Ring der Nibelungen“ für das Fernsehen produziert wurde, hatte mit dem Start des 24/7-Kunst- und Kultursenders SKY arts in Deutschland und Österreich am 21\. Juli 2016 zu tun. Mit der Ausstrahlung von „Ring der Nibelungen“ hatte man sich einen echten Knaller ins Programm geholt. So etwas gab es bislang noch nie. Die Wagner-Opern wurden live beziehungsweise live-zeitversetzt auf SKY arts in Deutschland, Österreich, Italien, Großbritannien und Irland übertragen. Und nicht nur das. Zu der Übertragung gab es auch noch ein umfangreiches Rahmen- und Pausenprogramm, moderiert von Musikjournalist und Wagner-Biograf Axel Brüggemann, mit einer insgesamt neunstündigen unilateralen Produktion. Dazu hatte SKY arts ein eigenes Glasstudio mit Blick auf das Festspielhaus auf den „Grünen Hügel“ von FITOUT aus Weinstadt errichten lassen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich ist. Den ganzen ‚Ring der Nibelungen’ live zu produzieren und zu zeigen, hat sich bislang noch niemand getraut“, berichtete TV Skyline-Geschäftsführer Robert Kis. „Um das zu realisieren mussten wir alle hart arbeiten. Bei der Vorbereitung waren wir an manchen Tagen zwölf bis 14 Stunden täglich im Einsatz.“

TV Skyline war als Dienstleister nicht nur für die gesamte Opernproduktion zuständig sondern auch für die Bayreuther Studioproduktion von SKY arts und die technische Ausstattung des Studios. Hier waren fünf Kameras im Einsatz, darunter zwei Studiokameras auf Stativen, eine drahtlose Steadicam, eine QUBE:CAM II als Top Shot sowie eine SPORTS:CAM 5HD als Beautyshot-Kamera.

Die Aufgabe von TV Skyline bestand also in der sogenannten multilateralen Hostproduktion für „Parsifal“ und in der unilateralen SKY arts-Produktion von „Ring der Nibelungen“. Auftraggeber für das Hostbroadcasting war die BF Medien GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Bayreuther Festspiele GmbH. SKY Deutschland beauftragte die unilaterale Produktion. TV Skyline arbeitete bei der gesamten Produktion mit TMT Broadcast aus Bayreuth zusammen. Markus Spona, Head of Broadcast and New Media bei TMT, bildete als „Ausführender Produzent“ die Schnittstelle zu den Bayreuther Festspielen und deren Leiterin Katharina Wagner, die für die Bayreuther Festspiele auch für die TV-Produktion verantwortlich zeichnete. TMT wiederum ist auch Eigentümer eines 400 Kilometer langen Glasfasernetzes in Bayreuth und organisierte darüber den Transport der TV-Signale vom TV Skyline-Ü-Wagen zu den Sendern. Auf dem Volksfestplatz in Bayreuth hatte TMT zudem zwei SNGs platziert, die die „Parsifal“-Bilder via Satellit den Kinos live zur Verfügung stellten.

In der Hostproduktion kamen insgesamt zwölf Kameras zum Einsatz, davon sechs Ikegami HDK 97-A, drei Grass Valley LDX compact und drei QUBE:CAMs von TV SKYLINE. Die Ikegami- und LDX compact-Kameras wurden mit TV SKYLINE GENTLE:MOTEs und einem MiniMote genutzt. TV Skyline hatte auch die komplette Vorverkabelung im Festspielhaus realisiert, über die die Kamerasignale zum Ü-Wagen transportiert wurden. Der Mainzer Produktionsdienstleister arbeitete bei Untertitel, Abspänne und unilaterale Berichterstattung in Deutsch, Englisch und Italienisch mit drei Chyron-Schriftgeneratoren.

Um keinerlei Ablenkung der Zuschauer im Saal zu riskieren und die Musiker und Sänger nicht zu stören, muss die Produktionstechnik im Festspielhaus möglichst nicht sichtbar sein. Das war dann auch bei zehn der zwölf Kameras der Fall. Sie waren im Orchestergraben, dem Soufleusenkasten oder auf dem Rang versteckt und mit speziell entwickelten Halterungen auf Remotesystemen installiert. Dabei galt es auch noch besondere Rücksicht auf die baurechtlichen Vorgaben des denkmalgeschützten Gebäudes zu nehmen.

Im Festspielhaus waren zudem 30 drahtlose Mikrofone für die Solisten sowie rund 40 kabelgebundene Mikrofone für das Orchester für das Publikum unsichtbar installiert worden.

Während der Vorführungen durfte sich kein Techniker oder Kameramann im Saal aufhalten. Die Steuerung aller Kameras erfolgte deshalb von insgesamt sieben Remote-Operatorplätzen, die in einem Nebenraum eingerichtet worden waren.

Für das Hostbroadcasting wurde von TV Skyline bei der Wagner-Produktion 2016 in Bayreuth der neue Ü-Wagen Ü8 UHD eingesetzt. Bei der unilateralen Produktion für SKY Arts nutzte TV SKYLINE die Subregie im Gerätewagen dieses Ü-Wagens.

Als Backup-SNG hatte TV Skyline in Bayreuth auch seinen Ü-Wagen Ü1 dabei. Darüber wurden auch einzelne Ausspielungen für Sky nach Großbritannien und Italien realisiert.

Der Ü8 UHD von TV Skyline gilt in mehrfacher Hinsicht als Top-Ü-Wagen für Musikproduktionen. Er arbeitet mit bis zu 30 Kameras, ist 4k-multiformatfähig und beeindruckt durch sein Design und flexibles Interieur, das die Nutzung von bis zu 30 Arbeitsplätzen erlaubt. Auch die technischen Leistungsmerkmale sind beeindruckend. Zukunftsweisende IP-Technologie verbindet Video- und Audiohardware zu einem nahtlosen Gesamtsystem. Zu den hochwertigen Audio-Komponenten des Wagens gehören ein Lawo mc²56 Audio-Mischer mit HD Core Nova 73 Router (8.192 x 8.192 Koppelpunkten), 144 DSP-Kanäle im Aufnahmemodus, 288 DSP-Kanäle im Sendemodus und 28 Madi Ports, sowie ein Dolby 5.1 Abhörsystem mit digitaler Audioanbindung (Dynaudio Air 6), K+H M51 Abhörsystem, Wohler Audio Controller und verschiedene High-End Wandler und eine MADI Kreuzschiene von DirectOut. Dabei bildet der M.1K2 MADI Router mit seiner 1.024 auf 1.024 Kanalmatrix das Herzstück der Ton-Regie und verteilt die zur Verfügung stehenden Signale. Gleichzeitig wird er als MADI-Formatwandler zwischen optischen Single-Mode und Multi-Mode Streams sowie koaxialen Signalen eingesetzt. Während die Stageboxen über die RAVENNA IP-Technologie mit der Lawo mc²56 angebunden sind, wird in der Ton-Regie ein ANDIAMO.MC von DirectOut über das Lawo Dallis Protokoll von der Konsole gesteuert und ermöglicht damit die komfortable und kosteneffiziente Einbindung analoger Mic-/Line-Signale. Ein ANDIAMO.AES ergänzt den Mikrofonvorverstärker von DirectOut und integriert zusätzliche AES-Signale in das MADI System. Weitere ANDIAMO Wandler kommen in der Bildtechnik zum Einsatz. Zwei kaskadierte ANDIAMO 2 AD/DA Wandler binden die einzelnen Kamerabasisstationen mit jeweils zwei Mikrofonsignalen, von jeder Kamera, und je zwei Audiosignalen, für zum Beispiel Programm hören, zu jeder Kamera ein. Ein ANDIAMO 2.XT AD/DA/AES Wandler fungiert als Verbindung des Rüstwagens, unter anderem werden über die AES Wege 17 bis 32 acht Riedel-Sprechstellen über AES abgesetzt. Zusätzlich zu den im Ü8 UHD fest eingebauten DirectOut Komponenten kommt bei Bedarf aus den vorhandenen Beständen bei TV Skyline ein DirectOut SPLIT.CONVERTER MuSiCo mit optischen Single-Mode und Multi-Mode MADI Ports zum Einsatz.

Der Ton spielt bei den Wagner-Produktionen in Bayreuth stets die wichtigste Rolle. „Der hier getriebene Aufwand übertrifft alles was wir über das Jahr an Produktionen haben“, betonte Robert Kis. Katharina Wagner selbst verfolgte deshalb auch die meiste Zeit in der extra großen Tonregie des Ü8 UHD die Produktion. Als Tonmeister zeichneten hier Peter Hecker und Peter Rafailov verantwortlich. Einer von ihnen saß am Mischpult und der andere las an einem Extratisch die Partituren und sagte seinem Kollegen am Mischpult die anstehenden Instrumenten-Einsätze im Orchester an. In der Tonregie befanden sich zudem noch ein Toningenieur und ein Kommandoingenieur. Zwei Tontechniker, ein Drahtlos-Ingenieur und ein Drahtlos-Assistent vervollständigten das Audio-Team von TV Skyline. Insgesamt bestand das Team, das für die TV-Produktion vor Ort war, aus knapp 100 Personen, die teilweise bereits einen Monat vor der ersten Produktion zu den Proben angereist waren, um sich optimal auf die Produktionen vorzubereiten können. Auch die Tonmeister waren schon Wochen vorher in Bayreuth. „Selbst an ihren freien Tagen saßen sie im Ü-Wagen um sich die Mitschnitte anzuschauen und zu überlegen, wie sie die Ton-Produktion weiter verbessern können“, berichtete Kis. Durch die Architektur des 1876 eröffneten Festspielhauses sei die Akustik im Zuschauerraum einzigartig, was eine besondere Herausforderung an die Tonmischung stelle. Sie sei ständig bemüht das Wagner-Klangerlebnis weiter zu optimieren. „Wir waren zwar alle sehr gut vorbereitet, haben aber die Größe des Projektes am Ende doch unterschätzt“, resümierte Kis. Jeder der Beteiligten habe sich dadurch besonders herausgefordert gefühlt und sich mit großem Engagement und viel Spaß in die Produktion eingebracht. Diese habe dadurch einen besonderen ‚Flow’ erhalten. Und entstanden sei so etwas wirklich Einzigartiges. „Für mich war das etwas ganz Neues, eine Art Oper 2.0“, begeisterte er sich.

Eckhard Eckstein

MB 4/2016

© Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath